Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beide Elternteile sind orthodoxe Christen.
9
31%
Meine Mutter ist orthodox.
3
10%
Mein Vater ist orthodox.
1
3%
Ich war zuvor röm.-katholisch.
5
17%
Ich war zuvor evangelisch.
3
10%
Ich war zuvor ohne Bekenntnis.
4
14%
Ehepartner(in) orthodox.
3
10%
Weitere Kategorien bitte vorschlagen.
1
3%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 29

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Anastasis+
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Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Anastasis+ » 19.03.2010, 13:56

Es gibt vermutlich so viele verschiedene Wege zur Orthodoxen Kirche, wie es orthodoxe Christen gibt. Deswegen wäre es sehr interessant, in diesem Thread gesammelt unsere verschiedenen Wege und Erfahrungen zur Orthodoxen Kirche zusammenzutragen. Einige haben bei ihrer Vorstellung schon etwas darüber erzählt, vielleicht könnt ihr es hier ja nochmals kurz wiederholen?

Gleichzeitig kann man an dieser Umfrage teilnehmen um einen kleinen Überblick über die "Herkunft" der einzelnen Mitglieder hier zu schaffen, um die verschiedenen Wege zur Orthodoxen Kirche aufzuzeigen. Weitere Kategorien, bitte hier bei Bedarf vorschlagen. Werde versuchen, diese dann einzubauen.

Ich hoffe, auf rege Teilnahme und beginne mit meinem kurzen Weg zur Orthodoxen Kirche:

Beide Elternteile von mir sind orthodoxe Christen, wobei mein Vater noch bei der (orthodoxen) Hochzeit meiner Eltern röm.-kath. war. Meine Mutter ist Griechin und somit auch seit Kindheit orthodox. Zum Zeitpunkt meiner Taufe - mit einigen Lebensmonaten - waren dann beide meine Elternteile orthodox. Auch wenn mein Weg ein sehr kurzer beziehungsweise sehr direkter Weg zur Orthodoxen Kirche war, kann ich mich noch sehr gut an die vielen und sehr tief beeindruckenden Momente meiner Kindheit erinnern, die sich durch die orthodoxen Gottesdienste in mein Herz geprägt haben.
Zuletzt geändert von Anastasis+ am 27.03.2010, 22:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Michael
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Michael » 19.03.2010, 14:48

Gute Idee!

Also bei mir war es so, dass meine Mom gesagt hatte als ich noch klein war, ich muss später selber entscheiden können zu welcher Religion ich gehören will. Deswegen wurde ich nicht von klein auf getauft. Mein Papa hat sich von meiner Mama getrennt und als ich klein war. Mein Papa ist Orthodox schon von klein auf, meine Mutter evangelisch wenn mich nicht alles täuscht. Ich wurde dann mit 8 Jahren orthodox getauft, als ich Urlaub in Griechenland bei meinem papa gemacht habe :)
Wie es dann so häufig ist, spielte für mich in Deutschland die Kirche keine Rolle, habe mich geschämt, wenn man mein Papa wollte dass ich auch in Deutschland zur Kirche gehen sollte. Und letztes Jahr im Sommer habe ich gesagt,ich gehe auch jetzt in Deutschland regelmäßig zum Gottesdienst. :)

LG
Michael
Zuletzt geändert von Michael am 12.05.2010, 20:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Anastasis+
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Anastasis+ » 20.03.2010, 14:19

Gute Idee!

Also bei mir war es so, dass meine Mom gesagt hatte als ich noch klein war, ich muss später selber entscheiden können zu welcher Religion ich gehören will. Deswegen wurde ich nicht von klein auf getauft. Mein Papa hat sich von meiner Mama getrennt und als ich klein war. Mein Papa ist Orthodox schon von klein auf, meine Mutter evangelisch wenn mich nicht alles täuscht. Ich wurde dann mit 8 Jahren orthodox getauft, als ich Urlaub in Griechenland bei meinem papa gemacht habe :)
Wie es dann so häufig ist, spielte für mich in Deutschland die Kirche keine Rolle, habe mich geschämt, wenn man mein Papa wollte dass ich auch in Deutschland zur Kirche gehen sollte. Und letztes Jahr im Sommer habe ich gesagt,ich gehe auch jetzt in Deutschland regelmäßig zum Gottesdienst. :)

LG
Michael
Danke lieber Michael für deinen Bericht. Da sieht man wieder wie Gott uns zu sich führt ...
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Anastasis+
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Anastasis+ » 22.03.2010, 13:16

hmm... also, wenn man eine weitere Kategorie benötigt, bitte bei mir melden - auswählen allein genügt nicht :lol:
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Nassos
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Nassos » 27.03.2010, 00:42

Ich bin in eine orthodoxe Familie hineingeboren.
Hatte jedoch keine Katechese.
Glaubte schon immer an Gott, auch wenn ich selten in die Kirche ging. Das Interesse denke ich, war schon immer da.
Daher stelle ich manchmal Fragen, die anfängerhaft rüberkommen. Daher bin ich auch kein Weltmeister der Kommunion . Ich bin immer noch im Lernprozess - und leider absolut nicht vorbildlich und perfekt.

Meinem Vater, der auch kein häufiger Kirchgänger ist, verdanke ich,dass ich früh das Glaubensbekenntnis auswendig gelernt habe (als ich sah, was ich auswendig lernen sollte, ist mir die Spucke weggelieben - es war nicht unbedingt der lange Text, sondern das Altgriechische, was mir das Lernen schwer machte). Ich bin ihm deswegen bis heute zutiefst dankbar.
Meine Mutter ist eine sehr gläubige Frau, die sich sichtlich freut, dass ihre Kinder die Nähe zur Kirche pflegen.

Richtig tief zum ersten Mal kam ich, als ich - sagen wir mal - eine sehr, sehr schwierige Zeit hatte.

Das zweite Mal, als ich anfing, das orthodoxe Forum (das Blaue von Bruder Milo) zu lesen. Für mich hat jenes Forum einen Ehrenplatz in meinem Herzen. Ich hoffe, dass das jetzt richtig verankert ist. :)

Ich denke, ich habe mich genug geöffnet. Mehr Details gibt es nur bei einer Einladung zu einem Cappucino :mrgreen:

Andromachi
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Andromachi » 27.03.2010, 13:30

Heilig, heilig, heilig!
Meine Geschichte ist auch die einer "inneren Bekehrung": Lange Jahre lebte ich nicht nur ohne die Kirche, sondern auch ohne Gott. NIcht nur ließ mich alles Geistliche kalt, sondern ich äußerte mich gegen Christus, die heilige Gottesmutter, die Heiligen, die Priester. Meine Eltern sind beide an einem Unfall ums Leben gekommen als ich sehr jung war und das hat mich zum Glauben geführt, Gott sei daran schuld. Ich übersah dabei, dass ich in Sünde gelebt hatte, schon bevor der Unfall passiert ist. Im Jahr 1997 hatte ich große Schwierigkeiten bei der Arbeit. Das führte mich zu unruhigem Schlaf. Ich fand keine Ruhe, war wie ein Zombi. Am 23.2. bemerkte ich, dass ich einen großen Fehler begangen hatte. Ich wurde wie verrückt. Bis ich am nächsten Tag -Gott hat mir diese Erleutung geschickt- dachte: Moment mal, du bist ein Mensch und Menschen machen nun mal Fehler. Nur Gott ist unfehlbar. Aber nehmen wir den besten Kopf, nehmen wir, was weiß ich, Einstein, der ist auch gestorben. Nur Gott ist unsterblich" Ich rief meinen Bruder an (er und seine Famillie waren immer gläubige Christen) und erzählte ihm von meiner Erkenntnis. Er sagte mir: "Warte, ich bringe dir ein Buch, das dir vielleicht gefallen wird". Er brachte mir die Hymnen vom Heiligen Symeon dem Neuen Theologen und ich las die 17. Hymne. Ich war begeistert. Ich wußte nicht, dass es in der Orthodoxie solche Texte gibt. Ich fing an, in die Kirche zu gehen. Seitdem werde ich nicht satt in der LIturgie und den anderen Akolouthien zu sitzen, Bücher von heiligen Vätern zu lesen, meine Fehler zu bereuen. Und ich sage mir: Am 24.2.1997 hast du zum ersten Mal das Trisagion bewusst ausgesprochen.
"Agios o Theos, agios ischyros, agios athanatos, eleison imas“,

peter
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon peter » 27.03.2010, 22:00

Lieber Anastasis,

weitere Kategorien sollen bei Dir angemeldet werden. Hier mein Fall:
Ehepartner(in) orthodox !

Palmsonntagsgruß von peter
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Anastasis+ » 27.03.2010, 22:24

Lieber Anastasis,

weitere Kategorien sollen bei Dir angemeldet werden. Hier mein Fall:
Ehepartner(in) orthodox !

Palmsonntagsgruß von peter
Erledigt!

Aber, ups...die Abstimmungsergebnisse sind weg!

Hmm...ich denke, wir müssen nochmals abstimmen, oder gibt´s da eine andere Möglichkeit, lieber Nicaios?
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Igor » 02.05.2010, 13:21

Hallo miteinander!

Als ich den Titel dieses Artikelbaums las, kam mir eine Antwort von Professor Osipov in den Sinn. Er hielt vor einigen Jahren auf Einladung von Erzpriester Leonid Tsypin (dem ich übrigens sehr viel auf meinem Weg zum orthodoxen Glauben zu verdanken habe) in unserer Gemeinde einen Vortrag.

Prof. Osipov antwortet damals in der abschließenden „Q&A-Session“ auf die gleiche Frage mit einem Augenzwinkern, „...dass die öffentliche Beichte bereits im ersten Jahrhundert abgeschafft worden sei…“ :wink:

Ein paar Worte, wie ich zum Glauben kam, könnt ihr in einem Rundfunkbeitrag hören, den die Redaktion Kirche im Privatfunk in der Sendung „Augenblick mal!“ auf Radio NRW über unsere Essener Gemeinde sendete. Den Link zum MP3 gibt’s hier auf der Seite unserer Gemeinde.

In Christo
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Priester Alexej » 22.07.2010, 16:24

Ich war ein versessener Ateist (soweit man in dem Alter davon sprechen kann), aber meine Mutter hat für mich gebetet. Das war der wichtigste Grund.

Dann hat sich mich in eine kirchliche Freizeit mitgenommen, die von meiner heutigen Gemeinde organisiert wurde. Dort lernte ich Freunde kennen, den orthodoxen Glauben..
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Stephanie » 27.03.2011, 20:04

Liebe Geschwister im Glauben, an alle Suchenden und möglichen künftigen Konvertiten und ganz besonders Elyas,

Ich habe nun eine Weile mitgelesen und überlegt, ob ich mich äußern möchte oder nicht.
Da ich mich tatsächlich in einer ähnlichen Situation wie Elyas befinde - wenn auch inzwischen vielleicht 1 oder 2 Schritte weiter, soll heißen, bei mir ist die Entscheidung zur Konversion nun herangereift – und hier ja vielleicht weitere Menschen, die sich mit dergleichen Gedanken tragen, mitlesen, möchte ich nun doch aus meinem Erleben ein wenig berichten. Vielleicht ist es hilfreich.

Hintergrund:
Ich selbst war oder bin getaufte Katholikin, aufgewachsen und sozialisiert mit den Jesuiten und ihrer Weltmission, später in eine katholische (ebenfalls ignatianische Spiritualität) Schule gegangen.
Mein Weg zur Orthodoxie lief über viele Kanäle und äußerste sich zunächst nur in einem für mich ganz diffusen Interesse.
Ich habe mich seit Kleinkindertage immer für den (von Deutschland aus betrachtet) östlichen Raum interessiert, hauptsächlich für Griechenland und den Orient. Ich habe Fernsehberichte geliebt, die sich mit der frühchristlichen Kultur beschäftigten und unsere Johannes Ikone zuhause habe ich stundenlang ohne Ermüdung angestarrt (obwohl ich damals der Überzeugung war, dass es sich um Jesus handele ;-)) – sie war geheimnisvoll, mystisch, unerklärlich und anziehend. Gleiches gilt für orthodoxe Hymnen, denen ich geradezu verfallen bin. Ach ja und natürlich nicht zu vergessen die Geistlichen, die ich in Urlauben zu sehen bekam. Sie wirkten archaisch, anders aber faszinierend.
Soweit dazu… es handelte sich also bis dahin nur um exotische Bilder/Schlaglichter, die mit meinem Leben herzlich wenig zu tun hatten.

Suchen:
Als ich mich nach einer längeren kirchen- und glaubensfernen Phase wieder Christus zuwandte, tat ich dies selbstverständlich in meiner Kirche, also der katholischen. (Der Protestantismus ebenso wie die Freikirchen waren - und sind es bis heute - mir höchst suspekt, sie kamen als Ort der Suche überhaupt nicht in Frage)
Ich besuchte einen Glaubenskurs, lernte Ordensleute kennen mit denen mich auch bis heute eine Freundschaft verbindet, führte viele viele geistliche Gespräche, las viel, besuchte Klöster, war in geistlicher Begleitung, ging regelmäßig zur Beichte und zur Kommunion. Und dennoch…ich wurde nie satt. Ich nahm verschiedene geistliche Angebote (klösterliche Einkehrtage, Gebetskreise etc.) wahr und nichts von all dem konnte den Hunger stillen. Entweder fühlte ich mich vollkommen fehl am Platze oder es war nicht genug. Ich war ziemlich frustriert, hatte mich aber mit meinem Gefühl des Alienstatus notgedrungen zu arrangieren versucht.
Im Zuge einer kirchengeschichtlichen Vorlesung begann ich zwar von katholischer, der Orthodoxie sehr zugetaner Seite, mehr zum Thema Glaubensstreitigkeiten und Kirchenpolitik des frühes Christentums zu hören. Auch früher schon war mir aufgefallen, dass mich die Kirchengeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit nur mäßig interessierte, wohingegen die ersten Jahrhunderte mich ausnehmend faszinierten.
Dann ging alles plötzlich ziemlich schnell. Meine Vorlesung artete in einen Frage-Antwort-Dialog aus. Ich begann im Internet zu recherchieren und stieß auf die Seite http://katholisch-orthodoxe-freundschaft.de Dort las ich zunächst viel, stellte viele Fragen, begann hier in Deutschland orthodoxe Gemeinden zu suchen, tauschte mich übers Internet und dann telefonisch mit orthodoxen Geschwistern aus, begann mit Ihnen zu beten. Und damit tat sich eine neue alte Welt auf. In den (zunächst mir natürlich fremden) Gebeten fand ich genau die Sprache, die Gedanken, die mich ansprachen, die mich bewegten, die auch mir zu entsprechen schienen und sie wirkten direkt auf mich und meine Geisteshaltung zurück.

Heimat?
Letztlich habe ich nun – und an dieser Stelle sei Lazzaro für seinen Tipp ganz ganz herzlich gedankt – „meine“ (da ich ja noch nicht offiziell aufgenommen bin) Gemeinde gefunden: http://www.rok-wuerzburg.de/
Die Gemeinde ist dem Moskauer Patriarchat zugeordnet und der Priester, Vater Vladimir ist trotz seiner jungen Jahre ein sehr beeindruckender, sehr gewissenhafter und ernsthafter geistlicher Vater. Die Tradition der Gemeinde ist durch Vater Peter, selbst ein Konvertit, geprägt und die Gemeinde führt dessen Geist weiter, d.h. die Liturgie wird zeitgleich in Slawisch und Deutsch gefeiert. Soll heißen, ein Gebet auf Slawisch, das andere auf Deutsch, ebenso die Gesänge und die Predigt. Mal ganz davon abgesehen, dass mir wirklich schon die Tränen liefen weil die Gebete/Gesänge/Psalmen mitten ins Herz getroffen hatten, ist eben der schöne „Nebeneffekt“, dass es keine Zerteilung der Gemeinde gibt, niemand bleibt außen vor/fühlt sich benachteiligt… Für künftige Konvertiten gilt, dass sie am geistlichen Leben der Gemeinde teilhaben (also regelmäßige Teilnahme an Vesper und Göttlicher Liturgie), dass sie an der Katechese teilnehmen (je nach Anwärtern findet diese auf Russisch oder Deutsch statt), Lektüre lesen, mit dem Priester sprechen und sich auch andere orthodoxen Gemeinden ansehen...und natürlich Geduld mitbringen. Schnell, schnell geht gar nichts.
Die Atmosphäre in dieser Gemeinde ist so warm, freundlich und offen, dass ich mich wirklich jedes Mal ganz aufrichtig freue, dorthin zu fahren (trotz der sich deutlich im Geldbeutel bemerkbar machenden Fahrtkosten und der für einen Katholiken gänzlich ungewohnten Anreise von 1 Std. reiner Zugfahrt pro Strecke) und immer ganz traurig bin, wenn ich wieder nach Hause fahren muss. Berührungsängste muss man auch keine haben, denn irgendjemand nimmt einen immer an der Hand und wenn er/sie selbst aufgrund sprachlicher Barrieren nicht weiterkommt, führt er/sie dich zum Nächsten, der dann die Übersetzungsarbeit leistet - und der Rest wird mit Hand und Fuß, Umarmung und Lächeln geleistet ;-)

Unterschied
Ich bin der katholischen Kirche nicht negativ gegenüber eingestellt. Wie auch? Ich wurde in sie hineingeboren, samt meiner Familie und meiner lieben Großeltern - die immerhin das Senfkorn des christlichen Glaubens in mein Herz gepflanzt hatten. Und es bekümmert mich zutiefst zu sehen, welchen Kurs die Katholische Kirche in Deutschland einschlägt, wie sehr der Glaube, die Spiritualität abnehmen und gar merkwürdige Formen annehmen, wobei ich das nicht als ein Ergebnis der letzten paar Jahre, sondern als einen viel früher einsetzenden, sich neuerdings exponentiell verschlimmernden Prozess sehe. Es ist wie mit einem breiten Fluss, der langsam zu einem Bach und letztlich zu einem Rinnsal wird, das letztlich in der ausgetrockneten Erde versickert.
Auf theologische Unterschiede will ich jetzt nicht eingehen, dazu gibt es weit aus fähigere Menschen, die das fundiert tun und getan haben. Aber auf der Ebene des persönlichen Erlebens, möchte ich dazu Folgendes sagen:
Ich fühle mich in der Orthodoxen Kirche ernst genommen! Das ist eigentlich die zentrale Unterscheidung, die ich spüre. Mein Hunger wird wahrgenommen und genährt (gestillt werden kann er letztlich nur von und bei Gott, am Ende der Reise).
In der Orthodoxie ist es vollkommen klar, dass wir von Gott kommen und zu Gott zurückkehren wollen und dass dieser Weg nicht einfach irgendwie schon werden wird, sondern Arbeit ist! Aber mir wird auf diesem Weg Hilfe zuteil und wir gehen diesen Weg gemeinsam. Auch ist die Kirche kein Wellness-/Bespaßungs-/Gewissenberuhigungsverein. Ich werde nicht mit Phrasen und einem salbungsvollen „das passt schon alles, was du tust/bist“ oder „such dir halt das passende Angebot aus“ abgetan. Ich bekomme echte Hilfestellung, die manchmal durchaus auch eine echte Zumutung sein kann. Natürlich, denn für den bequemen Weg benötige ich keine Anleitung, den finde ich auch selbst…ob der mich zu Gott führt…das will ich jetzt mal offen lassen.
Ein orthodoxer Priester und die Gläubigen–soweit meine bescheidene Erfahrung diese Beurteilung zulässt – glauben tatsächlich an die Sakramente. Das mag sich banal anhören, ist es aber keinesfalls! Es muss nicht jede privat Befindlichkeit jedes einzelnen Gläubigen ausdiskutiert und berücksichtigt werden – die Kommunion wird nur unter bestimmten Voraussetzungen gespendet und das mit Ehrfurcht.

Und bei allen Lobeshymnen nun vielleicht die wichtigste: Auch Orthodoxe sind Normalsterbliche, d.h. nicht-perfekte Menschen, also Sünder. Aber sie nehmen ihr Gegenüber und sich selbst als solche wahr und ernst.

Wichtig war für mich
Der Kontakt zu orthodoxen Gläubigen, die sich intensiv mit dem Glauben auseinandergesetzt haben und mir etwas erklären können – das ist etwas ganz Anderes, als aus Büchern zu lernen.
Das gemeinsame Gebet (außerhalb der Kirche) mit orthodoxen Gläubigen.
Dass der Priester ausreichend Deutsch beherrscht, damit die Seelsorge (Beichte, geistliche Gespräche) gewährleistet ist.


Der Weg ist (noch) lang…aber ich bin frohen Mutes und Herzens, ich habe wohl endlich meine geistige Heimat gefunden.

Fünfuhrtee

Andromachi
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Andromachi » 27.03.2011, 21:14

Liebe 5-o-clock-tea,

es war für mich eine Freude, deine Geschichte zu lesen. Bitte informiere uns, sobald du offiziell orthodox wirst (gibt es eine Taufe in solchen Fällen?). Und - vielleicht bekommst du auch einen neuen Namen, den wir einem Priester zum Vorlesen geben können, der also vor Gott betet, dass du als orthodoxe Christin "unerschütterlich und unbeugsam am Glauben festhalten" (Kol 1,23) kannst.

ElvisVrinic
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon ElvisVrinic » 27.03.2011, 21:52

ganz auch auf meiner Seite - sehr beeindruckend. Ich hoffe sehr, dass du zur kirche findest und endlich auch mal die kommunion bekommen darfst. :D

Da sieht man auch wieder, dass die lateiner jeglichen sinn für den Herrn verloren haben, aber hoffen wir es jene kehren um.

p.s. in gewisser weise hast du mit den hl. johannes recht :wink:

Gruß

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA

Nassos
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon Nassos » 27.03.2011, 22:00

Die Geschichte eines Menschen generell ist immer gute Nahrung, zumal wenn er etwas zu erzählen hat. Ich würde sagen, dass diese Eindrücke schon ein zentrales Element dieses Forums bilden und daher möchte ich Dir, liebe FünfuhrTee, herzlich dafür danken.
Es ist bestimmt nicht einfach, sich so zu öffnen, so möge also Dein Erlebnis anderen geistige Nahrung sein.

Alles Gute und vor allem Gottes reichlichen Segen für Deinen weiteren Weg.

Lieben Gruß,
Nassos

P.S.: ich war heute auch in der ROK, es war ein sehr schönes Erlebnis mit den slawischen Brüdern - genau wie letztes Jahr bei den serbischen Brüdern.

holzi
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Re: Wie habe ich den Weg in die Orthodoxe Kirche gefunden?

Beitragvon holzi » 28.03.2011, 06:29

Da sieht man auch wieder, dass die lateiner jeglichen sinn für den Herrn verloren haben, aber hoffen wir es jene kehren um.
Das ist ja jetzt etwas arg pauschal, aber ich verstehe gut, was du meinst. Es gibt aber noch Oasen der Rechtgläubigkeit hier bei uns. Aber für die großen Massen hast du vermutlich recht.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)


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