Grosse Fastenzeiten

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Sind 40 Tage Apostelfasten zu lang f?r Euch?

Umfrage endete am 11.06.2007, 13:50

 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 0

Milo
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Grosse Fastenzeiten

Beitrag von Milo » 04.06.2007, 13:21

Liebe Teilnehmer am orthodoxen Forum,

ich wollte zum ersten Mal eine kleine Umfrage starten.

Es würde mich interessieren, wie Ihr das mit den großen Fastenzeiten sieht?
Diese Jahr haben wir szs. dreimal 40-tägiges Fasten. Ist es Euch zuviel (zu lang)?
Osterfasten ist undiskutabel, aber das Apostelfasten ist ja variabel wie wir wissen. Wie steht Ihr dazu?

Grüße,

Milo

Rene

Beitrag von Rene » 04.06.2007, 16:29

Hallo Ihr Lieben,

man muss sich dazu vielleicht den Sinn des Fastens ins Gedächtnis rufen, Im Forum wurde ja auch schon einiges geschrieben darüber...

Der heilige Johann von Kronstadt schrieb übers Fasten: "Es ist ein kostbares Geschenk unseres Herrn und Erlösers für uns, der selbst vierzig Tage und Nächte fastete, nichts aß und nichts trank . Das ist das kostbarste Geschenk für alle, die Erlösung suchen und eigene seelische Leidenschaften hemmen möchten. Mit Seinem Wort und eigenem Beispiel überlieferte der Herr es Seinen Nachfolgern. Und mit welcher Liebe und mit welchen göttlichen wohltuenden Kräften dient der Herr allen, die sich mit der ganzen Seele bemühen wirklich zu fasten! Er besucht sie, reinigt sie, erneuert sie, festigt und unterstützt sie im Kampf gegen die Leidenschaften... lehrt jede Tugend und führt zur Vollkommenheit hinauf..."

Die Fastentradition enstand noch in der urchristlichen Kirche und wird immernoch hauptsächlich in der orthodoxen Tradition gepflegt. Fasten wird als der Weg zu den großen Feiertagen angesehen, der Weg der Buße, der hilft, in sich selbst, in das eigene geistige Leben zu schauen, sich von der materiellen Welt zu distanzieren....

Über diesen wirklichen Schatz, das Fasten, ist man sich oftmals garnicht im Klaren. Hierzulande wird es einfach zu einer Diät degradiert, aber damit spricht man nur einen kleinen Teil an. Mithin ist die Intensivierung des Gebetes von hervorragender Bedeutung. Dies in jeder Fastenzeit.
Und nun begehen wir das Apostelfasten.
Ich wünsche ALLEN eine gesegnete Fastenzeit!
In christo Rene

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Sebastian
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Re: Grosse Fastenzeiten

Beitrag von Sebastian » 04.06.2007, 17:04

Hallo Milo!
administrator hat geschrieben: ich wollte zum ersten Mal eine kleine Umfrage starten.
In der Tat: Eine Premiere. :wink:

Ich muss gestehen, dass ich mit der Fragestellung ein wenig Probleme habe. Nicht etwa, weil ich die Fragen, die zur Auswahl absurd fände. Es ist wohl das erste Mal, seit meinem Eintritt in die OK, das ich ganz offen gefragt werde, was meine persönliche Meinung zu einem Teil unserer lebendigen Tradition ist. :oops:

Habe mein Kreuz gemacht. :wink: Ich denke, wenn wir an "der hl. Tradition/Überlieferung festhalten" so wie uns die großen Nachfolger Christi stets rieten, und unsere eigenen Empfindungen/Wunschäusserungen mal Hinten anstellen fahren wir richtig und üben uns in Gehorsam und Demut ganz gleich, ob dies als "zusätzliche Last" empfunden wird oder nicht.

Meine Meinung.

Liebe Grüße
Sebastian

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Tamira
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Beitrag von Tamira » 04.06.2007, 17:28

Hallo,

hm, also ich würde gerne mit abstimmen, aber ich weiß nicht so recht wie ich abstimmen soll, da ich mit dem Begriff "Apostel-Fasten" nichts anfangen kann.

Ich habe einen sehr großen Respekt vor den Leuten, die es durchhalten so lange zu fasten. Ich schaffe es leider nicht. :cry:

Aber in der großen Woche verzichte ich auch nach Möglichkeit auf Fleisch, wenigstens in dieser einen Woche. Inzwischen fällt es mir leichter. Es gibt so leckere Essen ohne Fleisch. Gerade die Griechische Küche ist da sehr einfallsreich. Leider gibt es in den Tavernen nicht so viele solcher Essen.

Geht es bei der Umfrage um das Fasten von Fleisch oder auch von all den anderen Sachen?

Liebe Grüße
Tamira
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

Rene

Beitrag von Rene » 04.06.2007, 18:12

Liebe Tamira,

Am Montag der Allheiligenwoche fängt die Fastenzeit der heiligen Apostel an. Die verläuft bis zum Feiertag der heiligen Petrus und Paulus. Das Fasten wird auch als Sommerfasten bezeichnet. Fastendauer ist verschieden und hängt davon ab, wie früh oder spät Ostern gefeiert wird.
Also Fasten fängt am Allheiligen-Montag an und endet am 12. Juli und ist im Gedenken der heiligen Apostel, die sich mit Fasten und Gebet auf die Verkündung des Evangeliums und sich die Nachfolgen vorbereiteten.
Die längste Petrus-Fastenzeit dauert 6 Wochen. Die kürzeste ? eine Woche und ein Tag. Strenges Fasten (trocken) am Mittwoch und Freitag. Am Montag ? warme Speisen ohne Öl, an anderen Tagen ? Fisch, Pilze, Grütze, Graupen, Weizen, Buchweizen usw. mit Öl.

Denken wir aber auch an die Worte des Apostels:"Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen; weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen, noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen. Doch achtet darauf, dass Euch diese Freiheit den Schwachen nicht zur Verführung gereicht" (1Kor 8,8f.).
Ein paar Zeilen zum Thema Fasten auch hier:
http://orthodoxes.forum-on.de/ftopic188 ... ght=fasten

Hier noch ein kleiner Fastenplan, damit Du einen Eindruck hast wie das aussehen kann. Einfach nur auf Kirchenkalender klicken nach unten scrollen, da findest Du die Erklärung der Farben...

http://www.rok-weimar.gmxhome.de/deutsch/w-alles-d.htm

Ich hoffe, das ist Dir ein wenig von Nutzen :)
L.G. Rene

prorokini
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Beitrag von prorokini » 04.06.2007, 18:14

Ich weiß nicht, ob ich da überhaupt etwas ankreuzen kann. Ich bin ja, wie ihr wißt, nicht orthodox, und ich faste nicht.

protopeter
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Beitrag von protopeter » 04.06.2007, 18:29

Liebe Tamira !

Das Apostelfasten ist eine der vier Fastenzeiten in der Orthodoxen Kirche; es beginnt am Montag nach dem ersten Sonntag nach Pfingsten (Allerheiligen) und dauert bis zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Was nun die Länge des Apostelfastens betrifft, ergeben sich Divergenzen zwischen jenen orthodoxen Traditionen (wie z. B. das Ökumensche Patriarchat und die Kirche Griechenlands), die Festtage mit fixem Termin gemäß dem gregorianischen Kalender begehen (und damit das Hochfest am 29. Juni feiern) und jenen (wie die Kirchen Rußlands oder Serbiens), die sich nach dem julianischen Kalender (der 13 Tage "nachgeht") orientieren - demgemäß fällt bei diesen das Apostelfest auf den 12. Juli der gregorianischen Zeitrechnung.

In der Hoffnung, nicht allzu sehr verwirrt zu haben, grüßt in der Liebe Christi
Erzpr. Peter

Walter
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Beitrag von Walter » 04.06.2007, 22:46

Dementsprechend verkürzt sich das Fasten aber auch für all diejenigen, welche sich nach dem neuen Stil richten (und das sind zumindest in Deutschland die meisten) immer um 13 Tage*.

Die Fastenzeit kann so in manchen Jahren auch ganz wegfallen. :(


* Ab dem Jahr 2100 sind es dann 14, usw.
γενηθήτω το θέλημά σου·

Milo
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Beitrag von Milo » 04.06.2007, 23:53

Eine kleine Zwischenfrage:

waren in den ersten Jahrhunderten die sg. großen Fastenzeiten überhaupt vorhanden? Wenn ja welche?
Und, wie stark hat der Typikon monastischer Kreise hierbei die Tradition geprägt/beeinflusst?

Grüße,

br. milo

1389.

Beitrag von 1389. » 05.06.2007, 10:32

ich bin mir da nicht sicher,.. es ist "leicht" zu fasten wenn man im büro oder so ist,.. aber wie ist es wenn man zb: auf der baustelle arbeitet,... dann ist es kritisch,... und dann noch bei so einem langen zeitrahme (6 wochen)...

das fasten wird als "ich esse kein fleisch,milchprodukte,..." gesehen,.. aber das fasten ist viel mehr als eine "religiöse diet".

aufjedenfall sollte man aus liebe zu gott fasten,.. aus liebe zu gott beten,...

talitaNeu
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Fastenzeiten Diskutieren ?

Beitrag von talitaNeu » 05.06.2007, 11:00

Hallo Milo,
vielen Dank für die Umfrage. Ich muß meinerseits zugeben, dass ich nicht unbedingt dafür bin, so etwas mitentscheiden zu können. Da verlasse ich mich auf die Führung der Kirche, ist das schlimm? :oops: Ich denke, sie werden wohl am besten die Zeiten einschätzen können und den Bedarf an Fastenzeiten richtig festlegen.

Ich finde es toll, wenn in der Fastenzeit das Leib Christi sich für uns öffnet und jeder kann dann selber entscheiden, ob er in dieser Zeit 1 oder 2 oder mehr Wochen fasten möchte. Außerdem gibt es gar keinen Zwang zu fasten.
ICh kann Gavrilo zustimmen, dass es Situationen gibt, wo es sehrschwer ist richtig zu fasten, da mann die Zeit zur Essenszubereitung oder Wahl mangelhaft ist. Also, wie sagt Pater Peter, wer nicht kann erfährt die Milde und macht vielleicht ein bis zwei Wochen. Wer fähig ist aber kann alle 6 Wochen mitmachen.
Gegen die Fastenzeit von einer Woche spricht allerdings, dass wir Frauen das Leib-Christi vielleicht gerade in dieser Woche nicht einnehmen können, so dass eine Fastenzeit von mind 2 Wochen doch besser ist :oops: .

Ich finde die Fastenzeit eine gesegnete Zeit und eine Zeit der Ausrichtung nach Gott und auch des besonderen Schutzes von Gott - persönliche Empfindung - ist also für mich ganz toll :-)
Mein Zuhause

Herr Gott mein Vater, (Psalm 61. V.5)
ich m?chte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Fl?gel.

Rene

Beitrag von Rene » 05.06.2007, 16:08

Hallo,

nun, man kann ja zu jeder Zeit seinen geistlichen Vater zu Rate ziehen.
Klar ist auch, dass Kinder und Kranke oder Schwangere nicht oder nur begrenzt fasten sollten. Wer körperlich sehr schwer arbeitet hat natürlich da zu kämpfen... aber mit Hilfe des geistl. Vaters findet man den richtigen Weg.
L.G. Rene

Rene

Beitrag von Rene » 05.06.2007, 18:46

Walter hat geschrieben:Dementsprechend verkürzt sich das Fasten aber auch für all diejenigen, welche sich nach dem neuen Stil richten (und das sind zumindest in Deutschland die meisten) immer um 13 Tage*.
Lieber Walter,

hast Du auch eine internationale Liste, also wie viele Orthodoxe Christen der verschiedenen Jurisdiktionen es überhaupt gibt (offiziell)?
Die Zahlen ändern sich natürlich immer geringfügig, aber man kann einen Überblick bekommen. Wäre wirklich sehr interessant.
Vorab schon vielen Dank für Deine Mühe.
L.G. Rene

Buecherwurm
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Entstehung der Fastenzeiten

Beitrag von Buecherwurm » 06.06.2007, 13:18

Lieber Milo,

zur Entstehung der Fastenzeiten gibt es einen hochinteressanten und fundierten Aufsatz des berühmten (protestantischen) Kirchenhistorikers Karl Holl:

Karl Holl, Die Entstehung der vier Fastenzeiten in der griechischen Kirche, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte, Band 2: Der Osten, Tübingen 1928, S. 155-203.

Zu betonen ist, daß man damals in der Konfessionskunde von der griechischen Kirche auch als Sammelbezeichnung für die orthodoxe Kirche sprach.

Herzliche Grüße

Joseph

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Elias
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Beitrag von Elias » 06.06.2007, 14:02

Ich möchte Rene völlig Recht geben...Es ist ein unschätzbarer Wert denn eigentlich nur doch die Orthodoxie pflegt und diese gilt zu bewahren wie auch vieles andere...

Gottes Segen und allen ein Segenreiches Fasten

Ilia

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