epiousion

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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orthohans
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Dank

Beitrag von orthohans » 02.09.2007, 17:17

protopeter hat geschrieben:Lieber Mitbruder im priesterlichen Dienst !
Meine Absicht ist mit dieser Frage einmal darüber nachzudenken ob wir überhaupt in der Lage sind orthodoxe Theologie in deutscher Sprache zu formulieren.
Das ist allerdings eine sehr gute Frage - auch angesichts der Tatsache, daß theologisches Vokabular nicht nur durch die lateinisch-scholastische Färbung sondern auch den analytischen Geist deutschen Sprechens und Denkens der (zum Verständnis oft dringend notwendigen) Multidimensionalität entkleidet wurde. Hier denke ich etwa an den Prolog des Johannesevangeliums - ist es denn von der theologisch-heilsökonomischen Bedeutung dieses Begriffes her gerechtfertigt, den Logos Gottes tatsächlich einzig und allein als verbum - Wort zu erfassen ?

Alleine aus der Kenntnis kirchenväterlicher Interpretation (ganz zu schweigen von den philosophischen Hintergründen) werden in der sprachlichen Umsetzung sehr bald Grenzen aufgezeigt: Ist beispielsweise theosis nun "Vergöttlichung", "Vergottung"oder "Gottwerdung" ? Diese und ähnliche Fragen stellen uns vor die große Herausforderung, der von unserer Kirche vermittelten Botschaft neben umfassender Sinngebung auch entsprechende Verständlichkeit und daraus folgende sprachliche Verankerung zu vermitteln.

Brüderliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
HH Erzpriester, liebe Brüder und Schwestern

Danke für diesen Beitrag. Dem kann ich nur beipflichten.

Alle Bibelübersetzugen sind sehr problematisch. Das sehe ich jeweils bei meinen Versuchen. Ich ringe und ringe. Entweder erhalte ich sehr schlechtes Deutsch oder ich erhalte flüssiges Deutsch, dass aber den Urtextedelstein zu sehr abschleift.

Darum eine dringende Bitte an die Orthodoxie und an alle christlichen Kirchen:

Im Katechismusunterricht ist darauf hinzuarbeiten, dass die Leute den biblischen Urtext oder wenigstens die Interlinearübersetzung benützen und damit umzugehen lernen.
Auch muss in den Predigten immer wieder auf Urtextworte, wie z.B. logos, hingewiesen werden.

Ausserdem muss Altgriechisch in den Schulen aufgewertet werden, wie dies in allen orthodoxen Ländern der Fall ist.

Auch Hebräischkenntnisse wären gut. Noch wichtiger sind aber Altgriechischkenntnisse, damit man die LXX lesen kann.

Zum Selbststudium empfehle ich dringendst:

Reto Schoch, Griechischer Lehrgang zum NT, Tübingen 2000 (UTB-Taschenbuch).

Wir müssen zurück zu den Quellen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung

o.
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

orthohans
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Re: Dank für diese Uerbersetzung

Beitrag von orthohans » 02.09.2007, 17:31

athikia hat geschrieben:Friede,
in den letzten zwei Monaten haben wir uns in der Gemeinde geübt das "Vater unser" zu übersetzen. Dabei waren griechische Philosophen/Theologen und ein deutscher Studienrat für latein/griechisch der auch Theolge ist, ebenso haben Literaten in Thessaloniki mit gearb eitet. Für mich war vor allem die Hilf-, und Ratlosigkeit der Griechen eine Erfahrung. Hier nun einmal der Text:

Pater imon o en tis ouranis/ Unser Vater, welcher ist in den Himmeln,

Agiasthito to onoma sou/ geheiligt werde Dein Name,

eltheto i vasilia sou/ Deine Herrschaft komme,

genethito to thelima sou os en ourano ki epi tis gis/ Dein Wille wirke, so wie im Himmel auch auf der Erde.

ton arton imon ton epiousion thos imin simeron/Unser Brot gib uns und das Allwesentliche(Höherwesentliche) heute,

ke afes imin ta ofilimata imon os ke imis afiemen tis ofiletes imon/und vergib uns unsere Schulden, so wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig sind,

ke mi isenegis imas is pirasmon/ und lasse uns nicht in Versuchung gehen,

ala rise imas apo tou ponirou/ sondern geleite uns fort von dem Üblen.


---Diesen Text benutze ich natürlich nicht in der Göttlchen Liturgie, aber er regt doch zum Nachdenken an, deshalb möchte ich jetzt auch nicht beitragen warum und wieso gerade diese Übersetzung zustande kam.
Bitte, äussert Euch doch einmal dazu! + P. Theodoros

Lieber Vater Theodor

Obige Uebersetzung ist die beste, die ich kenne. Sie ist einfühlsam und zeigt die tiefe Gottesbeziehung der Uebersetzer. Herzliche Gratulation.

Sie bleibt wie jede Uebersetzung eine Uebersetzung und dispensiert uns nicht vom Altgriechischlernen.

Mit dem Heiligen Geist Altgriechisch zu lernen, ist eine wunderbare Beschäftigung, die ich jedem(r) nur empfehlen kann.

Sie trägt schon nach kurzer Zeit reiche Frucht und macht uns unabhängig von irgendwelchen tendenziösen Uebersetzungen.

Leider sind eben nicht alle Uebersetzungen von derselben Gottesliebe geprägt wie diejenige von P. Theodoros und seiner Gruppe.

Ich verwende diese Uebersetzung ab heute für mein persönliches muttersprachliches Unservatergebet.

Ich bin der Theodorosgruppe sehr dankbar.

Gott, ich danke Dir für diese Uebersetzung.

Mit vorzüglicher Hochachtung

o.
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

orthohans
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Völlig korrekt, Vater Theodoros

Beitrag von orthohans » 02.09.2007, 17:54

quote

Meine Absicht ist mit dieser Frage einmal darüber nachzudenken ob wir überhaupt in der Lage sind orthodoxe Theologie in deutscher Sprache zu formulieren. Bedenken wir doch, dass unsere heutige Sprache durch Luther geprägt wurde. +P.Theodor

unquote

Liebe Schwestern und Brüder, lieber Vater Theodor

Da pflichte ich voll bei. Auf alle Fälle ist eine Uebersetzung auf Deutsch sehr schwierig.

Darum bitte ich uns alle nochmals dringlichst, mit Hilfe Gottes die altgriechische Sprache zu erlernen.

Ich bitte auch alle Kirchen dringlichst, den Gläubigen dabei uneigennützig zu helfen. Bis heute habe ich von keiner Kirche Hilfe erhalten.

Auch von den Schulen erhält man keine Hilfe, werden doch Nichtgymnasiasten erbarmungslos vom Lernen der altgriechischen Sprache ausgeschlossen.

Ausserdem sind die Ergänzungsprüfungen in Hebräisch und Altgriechisch an den theologischen Fakultäten zu erschweren. Heute sind sie zu leicht.
Ausserdem müssten diese Prüfungen v o r Studienbeginn absolviert werden, damit an den Fakultäten diese Vorkenntnisse ausgebaut werden können.
Ausserdem würden ungeeignete StudienbewerberInnen schon im Vorfeld ausgeschlossen.


Dann trinken wir Wasser aus den Quellen und nicht Wasser getrübten Ursprunges.

Mit ausgezeichneter Hochachtung

o.
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

Rene

Beitrag von Rene » 02.09.2007, 17:57

Lieber orthohans,

ich finde diese Übersetzung auch sehr interessant, aber ich finde auch, man kann das so nicht beten.

Ich für mich, nutze folgende Übersetzung.

Vater unser, der Du bist in den Himmeln,
geheiligt werde Dein Name,
Dein *Königtum* komme,
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden,
unser *notwendiges* Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schulden
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Dies tue ich schon eine Weile. Wenn die liturgische Kommission mit ihrer Arbeit fertig ist, dann erfahre ich auch, wie die Bischöfe darüber denken.
L.G. Rene

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