Beichtpraxis in der OK

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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orthohans
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Beitrag von orthohans » 06.12.2007, 21:17

[quote="protopeter"]Liebe Katarina !

Ich möchte auf Folgendes hinweisen - nur um eventuelle Mißinterpretationen zu vermeiden: Das Mysterion der Beichte ist nach orthodoxem Verständnis keine zwingende Vorbedingung zum Eucharistieempfang; daß es in der Praxis allerdings oft so gehandhabt wird, ist eine andere Sache. Mit der damit zum Ausdruck gekommenen gleichsam "formellen Verpflichtung" zur Beichte erfährt dieses Mysterion in seiner Bedeutung eine deutliche Minderung; die Beichte sollte in diesem Sinne ihre Eigenständigkeit behalten. quote

Liebe Brüder und Schwestern

Als Ergänzung zu Erzpr. Peter teile ich mit:

Ich würde dafür plädieren, dass die Beichte zwingend zur Bedingung für den Eucharistieempfang gemacht wird. Dies geschieht zum Schutz und zur Freude der Gläubigen, damit sie die Eucharistie im Stande der Gnade empfangen können und so zu einer innigen und tiefen Vereinigung mit dem Heiland kommen. Wichtig ist, dass die Gläubigen sich oft im Sakrament der Beichte baden, auf dass sie sauber bleiben und Waffen zum Kampf gegen den Dämon erhalten. Darum freue ich mich, wenn dies bei einigen orthodoxen Priestern gängige Praxis ist.
Die Beichte erfährt dadurch keine Minderung, es ist eher das Gegenteil der Fall, sie wird so mit der Eucharistie sozusagen verheiratet und erhält höchste Aufwertung.
Die Beichte behält dennoch ihre Eigenständigkeit: Niemand ist verpflichtet, nach der Beichte zu kommunizieren.
Aber: Die Eucharistie wird - da man den Leib des Heilandes empfängt - dadurch weiter in den Himmel gehoben, dass die Kirche alles dafür tun sollte, dass die Gläubigen "durch die Beichte gebadet" dort erscheinen.

Ausserdem entfaltet die Beichte psychotherapeutische Wirkung und gibt tiefen inneren Frieden. Die Kirche muss alles dafür tun, sie zu fördern und die Priester zu guten Beichtvätern zu machen.

quote

Wiederum anders verhält es sich, wenn über längere Zeit die Gelegenheit zur Beichte nicht wahrgenommen wird und damit dann auch der Empfang der Eucharistie verbunden wird; in jedem Fall gilt aber, daß der formale Vollzug der Beichte nach orthodoxem Verständnis nur "in direktem Weg" - also vor einem Priester - geschehen kann.

unquote

korrekt, das sollte so bleiben.


Mit ausgezeichneter Hochachtung

orthohans
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

rafailia_3
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Beitrag von rafailia_3 » 07.12.2007, 08:39

Lieber Orthohans,

ich stimme Dir vollkommen zu!
Ausserdem kennen wir es hier so, dass der Eucharistie unbedingt die Beichte als Voraussetzung hat. Ich habe noch nie gehoert, dass es in anderen Laendern anders gehandhabt wird.
Denn man muss so vorbereitet und so "sauber" wie moeglich dem Herrn entgegentreten und Sein Heiliges Blut und Seinen heiligen Koerper aufnehmen. Ausserdem kann es sein, dass der Beichtvater einen nicht teilnehmen laesst! Dadurch mindert sich nicht die Bedeutung der Eucharistie, sondern ganz im Gegensatz, der Respekt und gegenueber des Mysteriums und Jesus CHristus wird deutlich.

In Christus

protopeter
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Beichte und Eucharistieempfang

Beitrag von protopeter » 07.12.2007, 18:13

Liebe Mitdiskutierende !

Die Frage der unbedingten Verknüpfung von Beichte und Eucharistieempfang könnte dazu führen, daß das Mysterion der Beichte eine absolute Geringschätzung erfährt und gewissermaßen im Sinne eines "notwendigen Übels" zur Vorbedingung des Eucharistieempfanges verstanden wird; dies entspricht (wie schon gesagt) allerdings keinesfalls der Würde dieses Mysterions ! Die Frage, ob der geistliche Vater den Gläubigen zur Kommunion zuläßt, ist in erster Linie als Frucht der kontinuierlichen spirituellen Begleitung des Betreffenden zu sehen und sollte keinesfalls nur im Hinblick auf die Teilhabe an den - wie es unsere Kirche zum Ausdruck bringt - Lebensschaffenden Mysterien orientiert sein.

Mit einer solchermaßen "juridischen" Sichtweise würde nun tatsächlich die Bedeutung der Eucharistie in einer nicht vertretbaren Weise geschmälert. Im Übrigen ist im Hinblick auf die Teilnahme am Mysterion auch die Frage einer persönlichen diesbezüglichen "Würde" nicht zu stellen - hier ist es klar, daß es aus menschlicher Perspektive niemals ein gerechtes Maß geben kann. Allerdings weisen einige Kirchenväter - unter ihnen in besonderer Weise der Heilige Makarios von Korinth - auf die Praxis häufige(re)n Eucharistieempfanges hin, da die unmittelbare Teilhabe an den Mysterien Christi eine Basis der aus dem Glauben kommenden Existenz sein müse.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

orthohans
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Re: Beichte und Eucharistieempfang

Beitrag von orthohans » 08.12.2007, 22:07

protopeter hat geschrieben:Liebe Mitdiskutierende !

Die Frage der unbedingten Verknüpfung von Beichte und Eucharistieempfang könnte dazu führen, daß das Mysterion der Beichte eine absolute Geringschätzung erfährt und gewissermaßen im Sinne eines "notwendigen Übels" zur Vorbedingung des Eucharistieempfanges verstanden wird; dies entspricht (wie schon gesagt) allerdings keinesfalls der Würde dieses Mysterions ! Die Frage, ob der geistliche Vater den Gläubigen zur Kommunion zuläßt, ist in erster Linie als Frucht der kontinuierlichen spirituellen Begleitung des Betreffenden zu sehen und sollte keinesfalls nur im Hinblick auf die Teilhabe an den - wie es unsere Kirche zum Ausdruck bringt - Lebensschaffenden Mysterien orientiert sein.

Mit einer solchermaßen "juridischen" Sichtweise würde nun tatsächlich die Bedeutung der Eucharistie in einer nicht vertretbaren Weise geschmälert. Im Übrigen ist im Hinblick auf die Teilnahme am Mysterion auch die Frage einer persönlichen diesbezüglichen "Würde" nicht zu stellen - hier ist es klar, daß es aus menschlicher Perspektive niemals ein gerechtes Maß geben kann. Allerdings weisen einige Kirchenväter - unter ihnen in besonderer Weise der Heilige Makarios von Korinth - auf die Praxis häufige(re)n Eucharistieempfanges hin, da die unmittelbare Teilhabe an den Mysterien Christi eine Basis der aus dem Glauben kommenden Existenz sein müse.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Liebe Schwestern und Brüder, HH Erzpriester

So weh es tut, ich muss Erzpriester Peter dahingehend Recht geben, dass es durchaus Gläubige geben kann und auch gibt, die einen extremen Drang zur Kommunion haben und - wenn man meine Sichtweise zugrunde legt - den nur befriedigen können, wenn sie zur Beichte gehen. So können diese Gläubigen versucht sein, die Beichte als formellen und damit leeren Akt "über sich ergehen zu lassen". Dies würde ihr Glaubensleben nicht voranbringen.

Dennoch stehe ich weiterhin zu meiner Meinung, wenn auch in höchster Demut.

LG orthohans
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

rafailia_3
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Beitrag von rafailia_3 » 10.12.2007, 09:23

Liebe Mitdiskutierdende,

alle Altvater und Heilige, die ueber das Thema der Eucharistie geschrieben haben, wiesen immer auf die Notewndigkeit der Busse, des Gebetes und der Beichte vor der Eucharistie hin.
Die Beichte ist unbedingt notwendig, bevor man sich dem Heiligen Blut und den Heiligen Koerper Christus naehert. Denn die Eucharistie findet ja auch zum Suendenerlass statt, der Priester sagt: "Eis afesin amartion kai zoi aionion." (das heisst: zum Erlass der Suenden und fuer ein Leben in der Unendlichkeit). Es ist wie ein Cyclus: Busse, Beichte, Eucharistie.
Die Frucht der kontinuierlichen Spirituellen Begleitung des Glauebigen spiegelt sich sicher in der Teilnahme an der Eucharistie, weil sich der seelische Zustand des Glaubigen verbessert und die Suenden sich "verringern", dadurch die Teilnahme moeglich wird, da doch die Voraussetzungen zur Zulassung an der Eucharistie eher objektiv sind.
Dabei darf die Beichte nicht als notwendiges Uebel gesehen werden, wird es denke ich auch nicht von vielen, da ein Mensch, der oft an der Eucharistie teilnimmt, sich eigentlich ueber diese pnevmatischen Themen bewusst ist.
Der Mensch ist nie "wuerdig" genug, um an diesem und anderen Mysterien teilzunehmen, aber er kann versuchen, sich so gut wie moeglich vorzubereiten.
Aber in einem sind wir uns sicher einig:
Kein Glaeubiger darf ohne egen und Beichte an der Eucharitie teilnehmen.

In Christus

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