Geburtstag einer "Prostituierten" und christliches

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
Antworten
Samuel_3
Beiträge: 8
Registriert: 28.10.2007, 00:04
Wohnort: Vaihingen Enz

Geburtstag einer "Prostituierten" und christliches

Beitrag von Samuel_3 » 17.11.2007, 17:20

Liebe Geistigen Väter, liebe Schwestern und Brüder,

Ich las diesen folgenden Text. Er berührte mich sehr und ich möchte ihn in dieses Forum stellen.


Herzlichen Glückwunsch, Agnes!

Spät abends in einer ihm unbekannten Stadt ging Tony Campolo in ein Café. Die einzigen anderen Gäste war eine Gruppe von Prostituierten.

Er hörte, wie eine von ihnen sagte, dass sie am folgenden Tag Geburtstag habe. Deshalb kam er am nächsten Abend wieder, eine Torte mit der Aufschrift „Herzlichen Glückwunsch, Agnes“ in der Hand.

Campolo erzählt: „Die Tür ging auf und Agnes kam herein… ich habe nie einen Menschen so erstaunt gesehen. Ihre Augen wurden feucht, und sie fing an zu weinen. Ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte, also fragte ich: „Sollen wir beten?“ Im Rückblick klingt es schon mehr als seltsam, dass ich als Soziologe in einem Café ein Gebetstreffen mit einer Gruppe Prostituierter abhielt. Aber es schien genau das Richtige zu sein. Ich betete für Agnes, für ihr Errettung, und dass ihr Leben verändert würde. Dass Gott gut zu ihr sein möge. Als ich fertig war, fragte der Mann hinter der Theke: "Zu welcher Kirche gehören Sie?“ Ich antwortete: "Zu einer, die Geburtstagsfeiern für Prostituierte schmeißt.“ Er zögerte einen Augenblick, dann sagte er: „Kann nicht sein. So eine Kirche gibt es nicht. Aber wenn, dann wäre ich dabei!“

Doch Jesus kam, um genau solch eine Kirche zu bauen. Sie bietet eine Gnade an, die nirgendwo sonst erhältlich ist. "Er ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten." (Lukas 19,10) Denn er will die Verletzten, die Weggeworfenen, die Ausgestoßenen, die Verbrauchten und Heruntergemachten retten und wiederherstellen. Auch Sie können heute zu ihm beten!

Bob Gass


Alle Themen in diesem Forum finde ich sehr schön, auch die Kommentare der user. Diesen Text fügte ich in die Kategorie "Der enge Weg der ins Leben führt" weil ich das Verhalten und die Geste dieses Menschen wunderbar finde...
Vor einpaar Monaten musste ich weit nach Hamburg reisen um eine mündliche Prüfung abzulegen (mache ein Fernstudium)..
Ein Bruder begleitete mich. Wir machten viele Spaziergänge in der Stadt (die sehr schön ist...) Ich war sehr begeistert... Abends liefen wir in St. Pauli... Ich lief mit Tränen in den Augen wieder zu unserem Auto.
Es war für mich erschütternd zu sehen, dass in dieser "berühmten" Gegend der Mensch nur als Gegenstand galt..!?
Obdachlose die betrunken auf der Straße liegen und geschlagen werden... Alle Paar Meter stehen Prostituirte (viele waren sehr jung...) ...
Vor jedem Gebäude Männer, die mit aller Macht versuchen Menschen reinzuziehen..

Mir persönlich tat es so sehr weh wie dieses von Gott so sehr geliebte und nach seinem Bild geschaffene Geschöpf so tief zu sehen... Wertlos hingestellt..

Mich lies die Frage nicht los, was kann man da als Christ tun.... ?

Ich beobachte und erfahre wie die Menschen um uns keine Worte und Predigten hören wollen, sondern gelebten Glauben.....

Wir Christen haben den Segen, Lichter unseres Herrn in dieser Welt zu sein!
Möge der Herr uns in der Liebe, im Glauben und in der Hoffnung stärken zu Taten der Liebe und des Lichts. Liebe zu GOTT und dem NÄCHSTEN

Ich würde mich freuen auch von Euch Meinungen, Erfahrungen etc zu hören!

In brüderlicher Liebe

Anastasios

orthohans
Beiträge: 39
Registriert: 30.07.2007, 19:18

Prostituierte

Beitrag von orthohans » 06.12.2007, 20:54

Liebe Schwestern und Brüder

In Bezug auf die orthodoxe Kirche lässt sich sagen, dass sie immer und zu jeder Zeit Menschen zu Gottesdiensten willkommen heisst.

Insbesondere hat sie Freude an Prostituierten, die sich für die Orthodoxie interessieren.

Sie ist gerne bereit, Prostituierte sozialdiakonisch zu betreuen (wie dieser Soziologe es tat).

Dann kann auch die Prostituierte den Himmel auf Erden in Form eines orthodoxen Gottesdienstes erleben.

Ja, noch mehr: Die orthodoxen Kirchen sind auf Prostitutierte als Mitglieder angewiesen, denn in den Prostituierten begegnet die Kirche Christus, der gesagt hat: "Was Ihr einem meiner geringsten adelphoi getan habt, das habt ihr mir getan". D.h. wer einer Prostituierten hilft, hilft Christus. Genau dies ist das Recht und die Pflicht der orthodoxen Kirche.

LG orthohans
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

Laura Christina
Beiträge: 8
Registriert: 15.11.2007, 13:58
Wohnort: Bucharest, RUM?NIEN

Re: Geburtstag einer "Prostituirten" und christlic

Beitrag von Laura Christina » 09.12.2007, 17:38

Samuel hat geschrieben:Mich lies die Frage nicht los, was kann man da als Christ tun.... ?

Ich beobachte und erfahre wie die Menschen um uns keine Worte und Predigten hören wollen, sondern gelebten Glauben.....

Wir Christen haben den Segen, Lichter unseres Herrn in dieser Welt zu sein!
Lieber Samuel


Deine Erzählung erinnert mich an eine von Paterikon ( wenn ich mich nciht irre) über einen Mönch der sich demütigte um in solche Orten wie St Pauli zu gehen und, wunderlicherweise, mit Gottes Hilfe, gequelte Seelen zu heilen und zu Licht der Wahrheit wiederzubringen.

Ja, die in solche Umständen geratenen Mädchen und Frauen erwecken uns Mitleidgefühle, höchstens. Ganz wenige von uns würden wagen konkrtet etwas zu unternehmen. Und es gibt noch schlimmere, grauenhafte Situationen..... ich denke an Mißbrauch aller Arten unschuldiger Kinder...... Wie ist das möglich, wie duldet Gott?

Nun ja, was kann man tun, auser Gebet? Wenn das Gebet nur, so heiß, mit Herzensbrechen und wahrhaftige Tränen wäre....

Doch wenn ich denke, es gibt so viele Arten von ``Prostitution``, mehr oder weniger erkannte, bewußte. Für solche gibt es keinen Mitleid. Wieviele von uns, Christen, sind nicht bereit zu prostituiren in bestimmte Umständen der Leben?
Ich habe leider kein ausreichender deutscher Wortschatz um klarer auszudrücken aber ich denke daß Du verstehst was ich meine.
Ich bitte um Entschuldigung für die Abweichung von Thema.

Gott beschütze uns und leuchte unsere Herzen!

Laura
Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9, 24)

Samuel_3
Beiträge: 8
Registriert: 28.10.2007, 00:04
Wohnort: Vaihingen Enz

Beitrag von Samuel_3 » 13.12.2007, 23:04

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Liebe Schwester Laura, lieber Bruder Ortho Hans,

ich danke Euch für Euere wertvollen Beiträge!

Besonders freute ich mich über deine Antwort liebe Schwester Laura! Ich sehe es wie du und wir müssen für die Menschen beten, die sich in allerlei Not befinden.

Lieber Bruder Otho Hans, danke auch für deinen Beitrag und ich gebe auch dir Recht in einem gewissen Punkt.
Natürlich freuen auch wir uns wenn Menschen zur Umkehr kommen aber leider gehst du davon aus, dass diese von sich aus in die Kirche zu uns kommen... Das ist sehr selten.
In der Realität sieht es anders aus.

Betrachten wir einmal das Evangelium. Christus geht unter die verlorenen Kinder. Er speist mit Zöllnern und macht auch Prostituirte zu Kindern Gottes indem Er ihnen Vergebung und neues Leben zuspricht.
Die Tatsache ist, dass unser Herr zu Ihnen ging und er sandte später seine auserwählten Apostel um alle Menschen zu Kinder Gottes zu machen.
Diese Menschen bedürfen der Liebe und Annahme.
Wir, die diese Liebe von Christus erfahren haben und in Gemeinschaft zu ihm Leben, dürfen sie (wie der Mann aus meinem Beispiel und dem Mönchen aus Lauras Beispiel) in unserem Umfeld wie einen Samen aussäen. Wir sind aufgerufen Salz und Licht der Welt zu sein.

ich grüße Euch ganz herzlich!

Gott segne und beschütze Euch!

In der Liebe Jesu Christie

Anastasios (Samuel)

Antworten