Frage zum Jesusgebet

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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danadoina_3
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Beitrag von danadoina_3 » 03.12.2007, 16:48

rafailia hat geschrieben: Ich hingegen bin plump und unreif mit ihm verglichen. ..............
sagen wir mal du bist "direkter" ! :lol: ; ich bin selber auch genau deiner meinung ! und manchmal genau so "direkt" da ich auch denke es hilft einem mehr die wahrheit zu sagen als ihn " beschützen " zu wollen !

Walter
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Beitrag von Walter » 03.12.2007, 17:04

rafailia hat geschrieben:Aber immer mit den "Anleitungen" eines Beichtvaters.
Ja, Rafailia,

das ist natürlich das wichtigste, denn jeder Mensch ist anders, und auch das schlaueste Buch kann einen Beichtvater nicht ersetzen, der einem in die Seele schaut und deshalb weiß, was für einen persönlich das beste ist. :)

LG
Walter
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Ieromonach
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Allgemeine Fragen

Beitrag von Ieromonach » 03.12.2007, 20:02

Friede.
in den letzten Beiträgen kommt immer wieder vor "auf den Beichtvater hören". Erlaubt mir bitte folgendes zu sagen. Man muß unterscheiden, hier z. B. beim Herzensgebet, zwischen Beichtvater und Pnevmatikos (geistlicher Vater). Letzteres kann auch ein Nichtpriester (Mönch, Nonne, ja sogar ein Laie) sein. Ohne Begleitung einer vom Hl. Geist erfüllten Person ist der Gebrauch des Komboskini (Tschotki) problematisch. + P. Theodoros

PS:Für Sebastian, "Cave"
Um Gott zu lieben muß man sich von sich selbst lossagen, und die Liebe Gottes läßt sich nur als Liebe des Herzens zu Gott wahrnehmen.

Walter
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Beitrag von Walter » 03.12.2007, 22:39

Lieber Vater Theodor,

hier liegt offensichtlich ein Missverständnis vor. Ich hatte mich auch Rafailias Satz gezogen:
Auch wir Orthodoxen haben "Kanona", also eine bestimmte Anzahl von Gebeten, die uns von unserem Beichtvater auferlegt werden, nicht so sehr zur Strafe, aber um die pneumatischen Reife zu erreichen.
Hier ging es sicher nicht um hesychastische Übungen, die zudem wohl auch kein orthodoxer Priester seinem Beichtkind zur Buße auferlegen würde, wenn er selbst keine Ahnung davon hätte.

LG
Walter
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rafailia_3
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Beitrag von rafailia_3 » 04.12.2007, 09:46

Liebe Brueder und Schwestern

Lieber Sebastian,
ich habe nicht gemeint, dass Gott die Gebete nicht -Orthodoxer niemals erhoert, es kann natuerlich sein, dass sie erhoert werden, aber ich spreche hier von systematischem Gebet, wir sprechen vom Jesusgebet.
Das Gebet eines Menschen "entwickelt" sich. Diese Entwicklung kann nur stattfinden, wenn ein Christ an den Orthodoxen Sakramenten teilnimmt und den Anweisungen seines Beichtvaters folgt, ich habe ja schon ausfuehrlich darueber geschrieben. Und das Jesusgebet ist die hoeschste Form des Gebetes. Auch ein Orthodoxer kann nicht einfach "drauflosbeten", ohne Anleitung und Segen!
Ausserdem stimmt es, dass der richtige Ausdruck fuer den geistlichen Hirten nicht Beichtvater ist, sondern Pnevmatikos. Meistens ist natuerlich der Beichtvater auch Pnevmatikos wie in meinem Falle, Ich wusste nicht, dass dieser Begriff auch in Deutschland benutzt wird.
Ausserdem verstehe ich den Ausdruck "Hesychastische Uebungen" nicht. Wir nennen das Gebet, sonst kommt mir das vor wie "Yogauebungen". Das sind keine Uebungen, wie gesagt, sondern Gebete, die ihre Wurzeln in der Hesychastischen Tradtion haben, natuerlich..
Liebe danadoina,
danke fuer Deine lieben Worte, aber ich bin wirklich plump, ausserdem beherrsche ich die Deutsche Sprache auch nicht mehr so gut.

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retro24
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Beitrag von retro24 » 04.12.2007, 11:26

Sebatian ist mir zuvor gekommen - ich bin auch fest davon überzeugt, dass der Heilige Geist ganz sicher nicht darauf "guckt", ob jemand orthodox ist. Der Herr sieht das Herz an, und Sein Geist weht, wo Er will. Gott sei Dank!

PS: Und was das "Einfach so drauf losbeten" betrifft - wenn das Herz für Gott brennt, dann läuft der Mund über. Und dann geht es sehr wohl, dass man einfach drauf los betet.

Ich finde, wir Christen sollten uns freuen, wenn jemand zum Gebet strebt. Für mich ist es komisch, wenn ich hier lese: "Der darf aber gar nicht beten, der ist ja nicht orthodox." Christus hat niemanden abgewiesen und tut das auch heute nicht.
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Beitrag von rafailia_3 » 04.12.2007, 11:34

Libe Bruder und Schwestern,

ich habe schon genau erklaert, was ich gemeint habe. Bitte nochmal lesen :D
Uebrigens: Warum dann Orthodox sein, wenn sich Gott gegenueber dem Menschen, und der Mensch gegenueber Gott, auf die selbe Art verhaelt, egal zu welcher Religion und zu welchem Dogma man gehoert?

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Beitrag von retro24 » 04.12.2007, 12:11

Ich habe nicht gesagt, dass sich jeder Mensch zu Gott und Gott zu jedem Menschen gleich verhält.
Aber: Gott liebt alle Menschen und nicht nur die Orthodoxen. Und Gott offenbart sich, wem ER will und nicht unbedingt oder nur denen, die wir vielleicht für würdig halten. Und oft handelt Er so anders, als wir das denken und erwarten.
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Beitrag von Milo » 04.12.2007, 12:47

Liebe Diskutierende,

meinerseits will ich nur betonen, dass das Ziel aus den Augen nicht verloren gehen darf.
Das Gebet ist der Dialog, und was wir nun wollen, erwarten, fordern, wünschen, preisen, usw....zeigt sich in diesem Dialog. Enstprechend ist die Antwort. Aber letzt endlich, suchen wir (nehme ich an) doch das Heil und die Gemeinschaft mit Gott, damit suchen wir auch zwangsläufig die Gemeinschaft hier und jetzt zu unseren Nächsten. Und diese Gemeinschaft ist nach unserem Verständnis die Ekklisia - die eine heilige Kirche, welche der Hl. Geist konstituiert.

Das Ziel ist also in die Gemeinschaft mit Gott und dem neuen Israel einzutreten. Was bringt es uns ausserhalb der heilbringenden und heiligen Gemeinschaft (bewusst) stehen zu wollen, und gleichzeitig aber um das Heil permanent flehen :?:

Den freien Willen kann uns keiner abnehmen, auch (will dies) Gott nicht.

kontemplierender br. milo

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Beitrag von rafailia_3 » 04.12.2007, 14:19

liebe Bruder und Schwestern,

Milo hat recht: das Gebet wird gesprochen, um durch dieses zu Gott zu sprechen und vom ihm erloest zu werden. Diei Erloesung und der wahre Weg befindet sich in der Einzigen Wahren Kirche der Orthodoxie, fuer mich als Orthodoxe Christin.
Niemals habe ich den Unsinn gesagt, dass Gott nur die Orthodoxen liebt oder dass alle Orthodoxen wuerdig sind. Niemand ist wuerdig!

Nun ein Text eines Altvaters der Gegenwart:(Pater Paisios, von allen anerkannt, als charismatisch, dioratikos(gedankenlesend etc)

Jemand fragte ihn:
-Pater, sie sagten, erst kommt der Glaube, dann die wahre Liebe zu Gott.
-Um Gott zu lieben,musst Du an ihn glauben.Umso staerker der Glauben, desto staerker unsere Liebe zu Gott.
-Kann jemand Gott lieben,ohne orthodox zu glauben?
-Vielleicht denkt er, dass er Gott liebt,aber vielleicht liebt er ihn nicht in Wirklichkeit.Im Dogma der Orthodoxie findet jemand die wahre Liebe. Einmal besuchten mich zwei Katholiken, der eine war Journalist, der andere arbeitete fuer den Vatikan.
sie sagten:
-lassen sie uns erst das "Vater unser" sprechen.
Ich antwortete: -Um dieses zu sprechen, muessen die Dogmen uebereinstimmen, aber zwischen uns gibt es eine grosse Kluft!
_der eine sagte: Kann es denn sein, dass nur die Orthodoxen erettet werden? Gott ist mit allen Menschen.
-Ich antwortete: Ja, aber kannst Du mir sagen, ob alle Menschen mit Gott sind?
-wir muessen Liebe zeigen, sagte er dann(verstoert)
-die Suende ist jetzt auch "in Mode" sagte ich
-da muessen wir auch Liebe zeigen, sagte er
-Daraufhin sprach ich: Alle sprechen heute von Liebe, Einklang, und Frieden, aber schon wird die naechste Bombe vorbereitet..
Viele sprechen von der liebe und der Einigkeit, aber sie selbst sind in sich selbst nicht in Einigkeit(Einklang) mit Gott, weil sie ihn nie richtig geliebt haben. Wahre Liebe hat der, der ortha(richtig) glaubt, der lebt nahe bei Gott, und dann zeichnet sich Gott in seinen Gesichtszuegen auf, und jeder sieht auf seinem Gesicht Gottes Gesicht.
Das sind nicht meine Worte.

Aber um richtig zu beten, vor allem das Jesusgebet, muss man Gott wahrhaftig lieben. UNd dann beharrt man auch auf der Wahrheit.

In Christus

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Beitrag von rafailia_3 » 04.12.2007, 15:53

Ich moechte noch zwei Texte hinzufuegen, die vielleicht zum Verstadniss helfen:

Text von Pater Kallistos Ware(konvertiert):Wir koennen das Dogma der Orthodoxie nur durch das Gebet begreifen. Ein Theologe ist, nach Euagrios Pontikos, der der weiss, wie er beten muss, und der, der in der Athmospaere "des Heiligen Geistes und der Wahrheit" betet, ist ein Theologe.
Das Dogma muss zum Gebet werden, muss ausserdem auch gelebt werden. Denn die Theologie, die nicht in der Praxis angewandt wird, ist eine Theologie der Daimonen(Heiliger Maximus der Bekennende).

Viele Orthodoxen Theologen betonen, dass es zwei negative Ergebnisse des Fillioque gibt, zum einen die untergestellte Rolle des Heiligen Geistes und zum anderen die uebermaessige Betonung der Dreieinigkeit, haben zu einer Paramorphose der roemisch katholischen Ekklisiologie gefuehrt. Die Rolle des Heiligen Geistes wurde vernachlaessigt, was dazu gefuehrt hat, dass die Kirche eher als eine weltliche Macht gesehen wird, die durch die menschliche Kraft und Gesetzgebung gefuehrt wird.
usw(wir wurden hier vom Thema abweichen)

P.S. von mir: Der Heilige Geist wird nach unserem Heiligen Glauben "weitergegeben", deswegen aknn auch nicht jeder einfach von alleine Priester werden und die Sakramente zelebrieren. Natuerlich kann es einen "Besuch" des Heiligen Geistes auch bei einem heterodoxen geben, aber nur um ihn zum wahren Glauben zu fuehren! Der Heilige Geist kann sich dann nicht permanent "merkbar" in einem Menschen befinden und auch keine Fruechte hervorbringen.

Und noch etwas von einem anderen, charismatischen und "beruhmten" Altvater der Gegenwart, Pater Sofronios Sacharov:
Wenn ihr euch gefestigt habt im Glauben, werdet ihr unzaehlige Beweise finden, die die Wahrheit des Orthodoxen Glaubens bestaetigen:
1) Theologische
2) ethische, asketische
3) historische.
Dann werdet ihr begreifen, dass sich die Orthodoxe Kirche in drei Merkmalen von den anderen unterscheidet:
1) Nur diese besitzt die ganze Wahrheit in ihrer Theologie
2) Nur diese besitzt das Mysterium der Charis ( spuerbares Erlebniss des Heiligen Geistes im Menschen), des Heiligen Lebens, und die Vollstaendigkeit der Charis
3) sie ist dei aelteste, der Grundstein, die Basis, von der sich von Zeit zur Zeit groessere und kleinere Teile abgespalten haben.

.. Ihr muesst euch selbst sicher sein, dass unsere Heilige Orthodoxe Kirche ueberragend ist ueber alle anderen. Es ist sehr wichtig dies zu verstehen. Dann wird eure Seele den Frieden finden und das Vertrauen in ihr pnevmatisches Werk, immer analogisch zu ihren Kraeften, ohne jemals von Gedanken gestoert zu werden, dass es scheinbar an einem anderen Ort(meint hier anderes Dogma oder Religion) einen perfekteren Weg gibt.

In Christus

P.S. Liebe bedeutet Verpflichtung, Wissen bedeutet Verpflichtung
Aus Liebe waere es als Orthodoxe Christin mein groesster Wunsch, dass alle Menschen Gott kennenlernen, dessen Wahrheit sich bestimmt in der Orthodoxie befindet.

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Jeremias
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Beitrag von Jeremias » 14.12.2007, 18:17

Wie können wir es uns ERLAUBEN, zu richten? DAS ist uns ausdrücklich verboten worden! Nur Gott kennt die Herzen der Menschen und nur Gott kann eine Aussage über das Richtige und Falsche in dem Glauben der Menschen treffen! Ich glaube, dass die Orthodoxie der beste Weg ist, aber so wie wir nicht alle zum Mönch geschaffen sind, so sind nicht alle Menschen zur Orthodoxie geschaffen! Wie man insbesondere die anderen christlichen Konfessionen derart verdammen kann...

Zwei Dinge aus der Bibel:
Vor viele Gleichnissen sagt Jesus: "Wer Ohren hat zu hören, der höre und wer Augen hat zu sehen, der sehe..." Was ist mit den Menschen, die diese Ohren und Augen nicht von Gott geschenkt bekommen haben?
Im Alten Testament steht "Und Gott machte das Herz des Pharaos zu Stein..." Also wird Gott den Pharao jetzt bestrafen?

Alleine diese beiden Dinge und die vielen Gebete, die wir für die gesamte Menschheit sprechen, sollten doch ausreichend sein, um uns vor Augen zu halten, dass wir nicht in die Herzen der Menschen sehen können und wir nicht von Gott fordern dürfen, dass er die Welt so macht, wie sie uns gefällt und alle Menschen in zwei Kategorien einteilt: Gut (Orthodox) und Böse (alle Anderen).

Nochmal zum Abschluss: Richte nicht, auf dass du nicht gerichtet wirst!

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Beitrag von danadoina_3 » 14.12.2007, 19:40

BlackandGold hat geschrieben:..., so sind nicht alle Menschen zur Orthodoxie geschaffen!
o, doch ! vater Rafail Noica, aus Rumänien hat mal gesagt dass die Orthodoxie der normale Zustand des Menschens ist !


:D

Liebe(r) Black and Gold ,
was verstehst du unter "jemanden richten" ?

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Jeremias
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Beitrag von Jeremias » 15.12.2007, 02:33

Was ich darunter verstehe? Wie hier zum Teil andere Christen tituliert werden und sich selber auf ein Podest gehoben wird. Gott, der Allerbarmer, ist für mich der einzige, der letzlich die Qualität eines Gebetes einschätzen kann und darf.

Und ohne respektlos zu sein: Vater Rafail scheint da eine andere Meinung als ich zu vertreten. Ich würde ihm gerne die Fragen, die sich für mich aus dem Gleichnispräludium ergeben, vorlegen, denn diese zeigen für mich ja, dass eben dieser "normale Zustand" eine von uns Menschen gewünschte Fiktion ist!

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