Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Florianklaus
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Florianklaus » 23.06.2010, 15:00

Ach, ja! Den Fall Konstantinopels kann man als Strafe Gottes gegen die Orthodoxen ansehen. Und deswegen haben die Katholiken den Plänen Gottes ein bisschen "nachgeholfen", indem sie 1204 die Stadt eroberten, ihre Schätze plünderten und das Land für 60 Jahre in ihrer Besatzung hielten. Eigentlich war das ein Kreuzzug, um Jerusalem von den Muslimen zu befreien, aber da Konstantinopel in ihrem Weg stand, konnten sie der Versuchung nicht widerstehen, sich auch dort ein wenig umzuschauen.
Sorry, Geschwister, wir haben ja auch neulich durch unseren Papst um Entshuldigun gebeten, die Jungs waren eben heißblütig und haben ein bisschen übertrieben. Von diesem Schlag habt ihr euch nie erholen können, was soll man da sagen? Ihr wart aber auch Schismatiker, nicht wahr?

Ich übertrage aus http://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Kreuzzug

Es begann eine drei Tage andauernde Plünderungswelle, bei der viele Einwohner misshandelt, vergewaltigt oder getötet wurden. Jahrhunderte alte Kunstschätze wurden geraubt, wertvolle Ikonen und Mosaike zerstört sowie dutzende Reliquien aller Art entwendet und infolgedessen über ganz Europa zerstreut. So berichtet der Ritter und Augenzeuge Robert de Clari über die Erstürmung des alten Kaiserpalastes am Bukoleon-Hafen von der Reliquienkapelle der byzantinischen Herrscher: Selbst die Türangel und Riegel „waren hier aus Silber, und dann gab es da keine Säule, die nicht aus Jaspis oder Porphyr oder aus reichen Edelsteinen war. In dieser Kapelle fand man ganz reiche Reliquien, denn man fand da zwei Stücke vom wahren Kreuz Christi, so groß wie das Bein eines Mannes und ungefähr so lang wie ein halber Klafter, ... auch das Eisen der Lanze, mit der unser Herr in die Seite gestochen wurde, zwei Nägel, die durch die Mitte seiner Hände und die Mitte seiner Füße geschlagen wurden, die Tunika, die er trug und die von ihm genommen wurde, als sie ihn auf den Kalvarienberg führten und ... die gesegnete Krone, mit der er gekrönt worden ist“ (siehe Dornenkrone und Kreuz Christi). Im Gegensatz zu den Franken, die wahllos Goldschmuck zusammenrafften und einschmolzen, schickten die Venezianer Suchtrupps aus Kunstexperten durch die Stadt, die die wertvollsten Gegenstände sicherstellten. Viele dieser Stücke schmücken noch heute den Dogenpalast in Venedig. Der Gesamtwert der Beute wird auf etwa 900.000 Silbermark geschätzt, was heute wahrscheinlich mehreren hundert Millionen Euro entsprechen würde.

Ich finde diese Diskussion teilweise etwas absurd. Ich kenne keinen einzigen Katholiken, der die Eroberung von Konstantinopel als Strafe Gottes für die von den meisten sehr geschätzte Orthodoxie ansieht.

Die Geschehnisse von 1204 liegen so lange zurück, daß man heute niemanden mehr dafür verantwortlich machen kann. Im übrigen ist die Plünderung von Konstantinopel gegen den Willen des seinerzeitigen Papstes erfolgt. Aber vielleicht kann sich ja der Sindaco von Venedig als Rechtsnachfolger des Dogen (bei wem eigentlich?) entschuldigen........................

Irenäus
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Irenäus » 23.06.2010, 15:46

Xpistos anesti!
Die Geschehnisse von 1204 liegen so lange zurück, daß man heute niemanden mehr dafür verantwortlich machen kann. Im übrigen ist die Plünderung von Konstantinopel gegen den Willen des seinerzeitigen Papstes erfolgt.
Nun, gegen was seinerzeit der Papst in Rom wirklich etwas hatte, ist wohl eher das eigenmächtige Vorgehen des Dogen Enrico und nicht so sehr die Eingliederung der "Schismatiker" aus dem Osten. Denn dafür, dass er die Art des Vorgehens missbilligte (nicht so sehr die Sache selbst), hat er sich wohl sehr schnell mit der Situation abgefunden und sofort einen lat. Patriarchen von Konstantinopel ernannt, sowie lat. Bischöfe etc. Also so, d. h. nach der Art "Das wollte ja eh keiner", ist es dann auch wieder nicht ...
... für die von den meisten sehr geschätzte Orthodoxie ...
Ja, jetzt wird sie sehr geschätzt und das auch nur von gewissen Kreisen innerhalb der Röm.-kath. Kirche bzw. gewisse "Regelungen" werden jeweils, je nach kirchenpolit. Großwetterlage und je nach Lager, geschätzt.
Καταξίωσoν, Kύριε,
εν τη ημέρα ταύτη
αναμαρτήτους φυλαχθηναι ημας.


(aus: Große Doxologie)

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Florianklaus
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Florianklaus » 23.06.2010, 16:10

Xpistos anesti!
Die Geschehnisse von 1204 liegen so lange zurück, daß man heute niemanden mehr dafür verantwortlich machen kann. Im übrigen ist die Plünderung von Konstantinopel gegen den Willen des seinerzeitigen Papstes erfolgt.
Nun, gegen was seinerzeit der Papst in Rom wirklich etwas hatte, ist wohl eher das eigenmächtige Vorgehen des Dogen Enrico und nicht so sehr die Eingliederung der "Schismatiker" aus dem Osten. Denn dafür, dass er die Art des Vorgehens missbilligte (nicht so sehr die Sache selbst), hat er sich wohl sehr schnell mit der Situation abgefunden und sofort einen lat. Patriarchen von Konstantinopel ernannt, sowie lat. Bischöfe etc. Also so, d. h. nach der Art "Das wollte ja eh keiner", ist es dann auch wieder nicht ...
... für die von den meisten sehr geschätzte Orthodoxie ...
Ja, jetzt wird sie sehr geschätzt und das auch nur von gewissen Kreisen innerhalb der Röm.-kath. Kirche bzw. gewisse "Regelungen" werden jeweils, je nach kirchenpolit. Großwetterlage und je nach Lager, geschätzt.

Laudetur Jesus ChristusI

Über die geschichtlichen Einzelheiten bist Du bestimmt wesentlich besser informiert als ich. Aber selbst wenn der Papst die Plünderung höchstpersönlich angeordnet hätte, können diese weit in der Vergangenheit liegenden Ereignisse doch heute ernsthaft kein Grund mehr für gegenseitiges Mißtrauen sein. Wie ich schon sagte, kein Katholik billigt heutzutage dieses oder vergleichbare Ereignisse in der Kirchengeschichte.

Die Feinheiten der gegenseitigen Einschätzungen und Beziehungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche würden den Rahmen dieses Stranges sicherlich sprengen.

Gottes Segen Euch allen!

Nassos
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 12.07.2010, 18:53

Bezüglich des Gotteszornes (ich war mir nicht sicher, ob ich einen neuen Strang aufmachen sollte - ich werde das tun, falls sich hier eine Diskussion ergeben sollte): habe ich eine Frage.

In der Großen und Heiligen Woche werden u.a Verse gesungen, wobei mir der Vers 4 ins Auge springt:

Στίχ. α'. Εκ νυκτός ορθρίζει τό πνεύμά μου πρός σέ, ο Θεός, διότι φώς τά προστάγματά σου επί τής γής. Αλληλούια. Αλληλούια. Αλληλούια.
Στίχ. β'. Δικαιοσύνην μάθετε, οι ενοικούντες επί τής γής. Αλληλούια. Αλληλούια. Αλληλούια.
Στίχ. γ'. Ζήλος λήψεται λαόν απαίδευτον, καί νύν πύρ τούς υπεναντίους έδεται, Αλληλούια. Αλληλούια. Αλληλούια.
Στίχ. δ'. Πρόσθες αυτοίς κακά, Κύριε, πρόσθες αυτοίς κακά, τοίς ενδόξοις τής γής. Αλληλούια. Αλληλούια. Αλληλούια.

Verse 1: From nightfall my spirit is awake for you, O God, for your commands are light upon the earth. Alleluia. Alleluia. Alleluia.
Verse 2: Learn justice, inhabitants of the earth. Alleluia. Alleluia. Alleluia.
Verse 3: Jealousy will seize an untaught people, and now fire devours their adversaries. Alleluia. Alleluia. Alleluia.
Verse 4: Bring evils upon them, O Lord, bring evils upon them, the glorious ones of the earth. Alleluia. Alleluia. Alleluia.

Bring Böses über sie, oh Herr, bring Böses über sie, den Prächtigen der Erde. (In der LXX, Jesaja 26:15).

Wie darf ich denn diese Aussage verstehen? Ist das die Aussage eines ungerecht behandelten Menschen, der dies dem Verursacher der Ungerechtigkeit wünscht?
  • Warum singen wir das? Bedeutet das, dass Gott in diesem Fall diese Strafe auch durchführt?
    Ist das die Gerechtigkeit, wie sie im Vers 2 gelehrt wird? Was ist Gerechtigkeit?
Meine Frage hat nichts mit Konstantinopel zu tun, sondern knüpft an den Gotteszorn an. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn jemand hierzu etwas weiß!!!

Der Herr bringe stets Gutes über Euch und seinen reichlichen Segen!
Nassos

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Mikail
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Mikail » 17.07.2010, 07:06

Hallo,

nachdem wir wissen, was der Papst und seine katholische Kirche den Orthodoxen Christen während der Kreuzzüge alles angetan haben - zum Teil auch Absetzung der griechischen Oberschicht und Ersetzung dieser mit einer lateinischen = katholischen in Konstantinopel, welches 70 Jahre anhielt - würde ich euch gerne Fragen, was wäre, wenn es keine Türkenbelagerung gäbe und die Türken noch nicht in Anatolien angesiedelt worden wären? Also ich kenne mich in der Geschichte halbwegs aus und kann euch versichern, dass es heute nicht so viele Orthodoxen Christen geben würde! Die Türken haben auch als gewisse "Schutzmacht" der Orthodoxie gedient.

Es gibt einen guten türkisch/griechischen Film über die Eroberung Istanbuls/Konstantinopels durch die Türken. Dort erfährt der türkische Sultan Fatih Sultan Mehmet zB dass die orthodoxen Gelehrten ihre heiligen Reliquien und Schriften mit dem Schiff nach Venedig transportieren wollen. Daraufhin ordnet er an, dass das Schiff umkehren soll, denn sie würden dort nicht in sicheren Händen sein und könnten zerstört werden.

Liebe Grüße

ElvisVrinic
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon ElvisVrinic » 18.07.2010, 01:12

Hallo,


Es gibt einen guten türkisch/griechischen Film über die Eroberung Istanbuls/Konstantinopels durch die Türken. Dort erfährt der türkische Sultan Fatih Sultan Mehmet zB dass die orthodoxen Gelehrten ihre heiligen Reliquien und Schriften mit dem Schiff nach Venedig transportieren wollen. Daraufhin ordnet er an, dass das Schiff umkehren soll, denn sie würden dort nicht in sicheren Händen sein und könnten zerstört werden.

Liebe Grüße
naja ich weiss nicht ob das mehr propaganda war, als historische begebenheit. Man muss bedenken, die orthodoxie konnte "nur" überleben, da meiner Meinung nach, die osmanen sich die machtstellung irgendwie sichern mussten.

LG

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

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Filip
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Filip » 22.08.2010, 11:55

Im Jahre 1437 wurde der hl. Mark im Alter von 46 Jahren für die Kathedra des Metropoliten von Ephesus auserwählt. Die Zustimmung zur bischöflichen Handauflegung (Chirotonie) gab der hl. Mark gegen seinen Willen. Er selbst sagt darüber: "Aufgrund des Befehls und der Not der Kirche Christi nahm ich den bischöflichen Dienst an, der über meiner Würdigkeit und über meinen Kräften liegt." Georgios Scholarios schreibt darüber: " Er nahm das hohe, geistliche Amt einzig und allein an, um die Kirche durch sein Wort zu schützen: Ihr war die ganze Kraft seines Wortes nötig, um sie von der Verführung zu bewahren, in die sie diejenigen schon hinzogen, die nach Neuerungen strebten. Nicht aufgrund von weltlichen Erwägungen nahm er dieses Amt an. Dieses erwies sich im Folgenden.
Der hl. Mark blieb nicht lange bei seiner Herde in Ephesus. Schon Ende des Jahres 1437, am 24. November, fuhr er mit weiteren griechischen Hierarchen zum Konzil von Ferrara und Florenz.
Es beginnt der wichtigste Abschnitt im Leben des hl. Mark, in dem sein Name als der eines tapferen und unüberwindlichen Fürsprechers der Orthodoxie verherrlicht wurde.
Aber man darf nicht denken, daß der hl. Mark auf das Konzil von Ferrara und Florenz fuhr mit der vorher gefaßten Überzeugung von der Unnötigkeit und Schädlichkeit dieser Sache, mit der Absicht, diesem Konzil zu widerstehen. Auch den hl. Mark und alle griechischen Hierarchen, die sich unter der Führung des Patriarchen von Konstantinopel Joseph II (1416-1439) nach Italien begeben hatten, beseelte die Hoffnung, auf die Möglichkeit, die römische Kirche zur Orthodoxie zurückzuführen. Im Bewußtsein der unwiderlegbaren Wahrheit des orthodoxen Glaubens, waren sie überzeugt, daß es ihnen mit Gottes Hilfe gelingen würde, die Lateiner zu überzeugen. Allein jedoch die Sendung der göttlichen Hilfe erfordert vor allem die Aufrichtigkeit des Herzens und die Ehrbarkeit des Vorhabens. Mehr als alles verurteilt der Herr Bosheit und Arglist. "Er zerstört die Pläne der Arglistigen und ihre Hände können das Vorhaben nicht ausführen. Er fängt die Weisen in ihrer Bosheit und der Rat der Schlauen wird zunichte" (Hiob 5,12), lehrt uns das Buch des gerechten Hiob und auf diese Worte bezieht sich der hl.*Apostel Paulus (1. Kor. 3,19). Indessen aber hegten die Griechen, vielleicht anfangs sogar nur unterbewußt in ihrem Herzen eine Arglist, nämlich die Bereitschaft, die Reinheit der Orthodoxie für eine militärische Hilfe des Westens preiszugeben. In den Herzen der Lateiner aber war der boshafte Plan, sich die Not der Griechen zunutze zu machen, um ihren Widerstand zu brechen.
Die Lage der Griechen war in der Tat äußerst schwierig in dieser Zeit. Nur noch Konstantinopel und seine nächste Umgebung war in den Händen von Byzanz geblieben. Serbien, Bulgarien und die ungarische Walachei waren schon lange von den Türken unterjocht. Der Metropolit von Kiew Isidor*) bezeichnete die Stimmung der griechischen Hierarchen am deutlichsten, als er bei den aufkommenden Verwicklungen sagte: "Besser ist es, sich in Seele und Herz mit den Lateinern zu vereinigen, als zurückzukehren, ohne die Angelegenheit abgeschlossen zu haben. Zurückzukehren wäre natürlich möglich, aber wie sollen wir zurückkehren - wohin und wann?"
Anstelle eines brüderlichen Verhältnisses zu den bedrückten Griechen, anstelle eines sorgsamen und aufrichtigen Bemühens, die Wahrheit zu erforschen und zu erfassen, zeigten die Lateiner bloß das Verlangen, die Notlage der Griechen auszunützen und sie zu einer vollständigen kirchlichen Kapitulation zu nötigen.
Die Griechen verließen Konstantinopel Ende November des Jahres 1437 und trafen erst am 4. März 1438 in Ferrara ein. Das Konzil wurde am 9. April feierlich eröffnet. Bei dem Festmahl hielt der hl. Mark im Namen der ganzen griechischen Geistlichkeit eine Rede an den Papst Eugenius IV. In dieser Rede ist auch die Hoffnung des Heiligen auf die Möglichkeit einer Vereinigung mit den Lateinern in der vollkommenen, durch nichts beeinträchtigten Wahrheit der Orthodoxie deutlich zu erkennen und auch seine Besorgnis über die Möglichkeit einer anderen Haltung zur Frage der Vereinigung.
Er sprach: " Heute ist der Vorbeginn einer Freude für die ganze Welt! Heute eilen die Glieder des Leibes des Herrn, die vordem während vieler Jahrhunderte zerteilt und zerschnitten waren, zu einer gegenseitigen Vereinigung. 'Ich bitte Euch im Namen unseres Herrn Jesus Christus,' sagt der Apostel, `daß Ihr alle das Gleiche sprechet und, daß in Euch keine Spaltungen seien. Wenn wir aber nicht das Gleiche sprechen, ist dann nicht offensichtlich, wie groß in uns diese Zerteilung sogar bis zum heutigen Tag ist. Wo aber ist diese Zerteilung? Nicht in den Winkeln, nicht in irgendwelchen Hinterecken, nicht in privaten Versammlungen, wo sie sich vor dem Volk verbergen kann, sondern im Sichtbaren, im Glaubensbekenntnis, im Bekenntnis bei der Taufe und bei der christlichen Namensgebung. Wenn nun diejenigen, die das kaiserliche Geld fälschen, einer großen Strafe würdig sind, welche Rechenschaft will dann derjenige geben, der das gemeinschaftliche Siegel des christlichen Bekenntnisses verändert? Bedenke also dieses, Heiligster Vater! Einstmals bekannten wir vollständig ein und dasselbe, und unter uns war keine Spaltung, und damals waren wir beide in Übereinstimmung mit den Vätern. Nun aber, da wir nicht das Gleiche sprechen - wie können wir zusammen sein? Wir - die Orthodoxen sprechen auch jetzt das Gleiche wie damals. Ihr aber, die ihr eine Neuerung eingeführt habt, entblößt dadurch, daß ihr euch in Zerwürfnis sowohl im Verhältnis zu euch selber als auch im Verhältnis zu den gemeinsamen Vätern und schließlich auch im Verhältnis zu uns befindet. Warum nun kehren wir nicht zurück zu dieser guten Übereinstimmung, die uns als Bekenntnisgleiche erwiese, die Spaltung austilgte, das Zerstreute zusammenführte und alles Gute bewirken würde?
Um der Dreieinigkeit Selbst willen, um der allgemeinen Hoffnung willen, laßt nicht zu, daß wir ohne Frucht und Erfolg hinausgehen! An Christi Statt bitten wir, da Gott durch uns bittet."
In Ferrara war die Erörterung der strittigen Fragen, in der Hauptsache der Frage über den Ausgang des Heiligen Geistes anfangs vergleichsweise frei und in einem gewissen Grade aufrichtig. Als die Lateiner jedoch sahen, daß die griechischen Hierarchen nicht klein beigaben, begannen sie, auch schon hier Druck anzuwenden. Sie kürzten die Mittel, die zum Unterhalt der Griechen bewilligt waren und gebrauchten Drohungen.
Im Februar des Jahres 1439 wurde das Konzil auf Verlangen des Papstes nach Florenz verlegt, wo der päpstliche Einfluß stärker war.
Hier hörten die Lateiner fast ganz auf, Rücksichten zu nehmen. Nach einigen für sie erfolglosen Streitgesprächen über das Glaubensbekenntnis, zwangen sie mit Druck und Drohungen die griechischen Hierarchen, vollständig zu verstummen, und die folgenden Sitzungen des Konzils wurden nur mit Beiträgen der lateinischen Seite gehalten. Dies konnte selbst der überaus unterwürfige Metropolit Isidor für einen Augenblick nicht ertragen, und er bemerkte auf der letzten offiziellen Sitzung des Konzils sarkastisch: "Wenn auf der Arena nur ein Kämpfer auftritt, so ist es natürlich, daß er Sieger bleiben wird."
Doch auch wenn die Lateiner auf den offiziellen Sitzungen des Konzils mit Drohungen und List triumphierten, so ereignete sich in den aufrichtigen menschlichen Herzen bisweilen das Gegenteil.
Der Historiker Siropoulos berichtet, daß eine Gruppe von katholischen Mönchseinsiedlern gekommen war, um die Debatte zwischen den Orthodoxen und den Römisch-Katholischen über die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Beifügung des "Filioque" zu hören. Nachdem sie die Reden der einen und der anderen Seite angehört hatten, erklärten sie für alle vernehmlich: " Es gibt keinen Zweifel: Die Griechen sind im Besitz des wahren Glaubens und haben die gesunde Lehre bewahrt." Hierauf wies man sie hinaus und verbat ihnen, mit dem Volk zu sprechen, und indem man sie als "Ungebildete, die jenseits ihres mönchischen Lebens nichts in der Theologie verstehen" bezeichnete, sperrte man sie in ein Kloster, das sie nicht verlassen durften, und auferlegte ihnen als Epitimie (Kirchenstrafe) das Schweigen.
Zu solchen Erscheinungen trug viel der hl. Mark bei, der eine kurze Schrift veröffentlicht hatte mit dem Titel: "Gespräch mit einem Lateiner über den Zusatz im Glaubensbekenntnis".
In diesem Dialog erinnerte der hl. Mark an den Beschluß des dritten ökumenischen Konzils: "Keinesfalls gestatten wir, den Glauben, den unsere Väter dargelegt haben, d. h. das Glaubensbekenntnis zu verändern. Weder uns selbst, noch anderen gestatten wir, sei es ein einziges Wort seines Inhalts oder sei es eine einzige Silbe zu verletzen, eingedenk des Gesagten: `Versetze nicht die ewigen Grenzen, welche deine Väter gesetzt haben!' (Spr. 12,28), denn dieses haben nicht sie gesprochen, sondern durch sie sprach der Geist Gottes des Vaters".
Der hl. Mark fährt weiter fort: " Nach diesem Konzil versammelte sich das 4. ökumenische Konzil, welches bekräftigte: "Es genügt zur vollen Kenntnis der Frömmigkeit und Befestigung dieser heiligen und seligen Göttlichen Gnade ein Glaubensbekenntnis, denn dieses lehrt vollständig über den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist." Hörst Du: Es lehrt vollständig. Also enthält es nichts Unvollkommenes bezüglich des Geistes, und das Symbol des Glaubens bedarf keiner Hinzufügung. Zum Schluß setzen die Väter folgendes fest: "Niemandem ist es gestattet, einen anderen Glauben einzuführen. Diejenigen, die es wagen, einen anderen Glauben (d. h. ein anderes Symbol) zu schreiben oder zusammenzustellen, sind, wenn sie Bischöfe oder Kleriker sind, zu entfernen, und, wenn es Weltliche sind, zu anathematisieren. "
Am Ende des Dialogs führt der Heilige Mark die Worte eines Lateiners an, die er zweifellos oft unter ähnlichen Umständen nach solchen aufrichtigen und bewegten Gesprächen hörte. "Ein Lateiner sagte:`Ich habe bisher wirklich noch nichts Ähnliches gehört. Ich wundere mich aber nun, daß jene, die es ehemals wagten, in das Glaubensbekenntnis eine Hinzufügung hineinzubringen, sich trotz eines solchen Verbotes nicht scheuten, sie zu äußern und der Nachwelt zu überliefern."
Als man sah, daß die Sache mit der Union scheitern könnte, legte der Kaiser Johannes über jenen Metropoliten Isidor, dem Papst die Frage vor: "Was bekommen die Griechen, wenn die Union geschlossen wird?" Die Frage war direkt gestellt. Dem Papst wurde vorgeschlagen, die Orthodoxe Kirche zu kaufen. Dies war ein schrecklicher Moment in der Geschichte der Orthodoxen Kirche. Er ist innerlich dem Moment verwandt, als der Jünger Christi sich zum Synedrion wandte und sprach: "Was wollt ihr mir geben, damit ich ihn euch verrate."
Der Papst begriff und sandte zu den Griechen drei Kardinäle, die in Vertretung des Papstes versprachen , daß die Griechen folgendes erhalten sollten, falls die Union geschlossen würde:
1. Der Papst nimmt die Kosten für die Rückkehr der Griechen nach Konstantinopel auf sich.
2. Auf Kosten des Papstes werden nach Konstantinopel 300 Soldaten zu dessen Schutz vor den Türken unterhalten.
3. Auf Kosten des Papstes werden in den Gewässern vor Konstantinopel zwei Kriegsgaleeren unterhalten werden.
4. Der Papst wird einen Kreuzzug nach Jerusalem organisieren, der über Konstantinopel führen und die Türken vertreiben wird.
5. Wenn es nötig wäre, wird der Papst dem Kaiser 20*weitere Kriegsgaleeren schicken.
6. Wenn es nötig wäre, wird der Papst ein Heer der westlichen Herrscher zur Hilfe für die Griechen herbeirufen.
Wir wissen, daß diese Versprechungen niemals erfüllt wurden.
Am 3. Juni versammelten sich die Griechen zu einer endgültigen Entscheidung und Abstimmung. Der Patriarch erklärte, daß er die Unterstützung der Lateiner annehme und mit ihnen die Union und Gemeinschaft schließe. Nach ihm erklärten die griechischen Hierarchen einer nach dem anderen, daß auch sie zusammen mit dem Patriarchen das Dogma über das Ausgehen des Heiligen Geistes vom Vater und vom Sohn wie von Einem Ursprung annehmen. Nur der Heilige Mark von Ephesus, Antonius von Heraklion und noch zwei weitere Bischöfe weigerten sich, ihre Zustimmung zu einer solchen Meinung zu geben. Jedoch wurden die übrigen Hierarchen am Ende schließlich umgestimmt, und der hl. Mark blieb als einziger unbeugsam.
Sowohl der Patriarch, als auch der Kaiser, alle Bischöfe und die Mitglieder des Konzils versuchten, ihn umzustimmen. Fest und klar begründete der Heilige Mark seine Standhaftigkeit.. Als die griechischen Hierarchen zu ihm schrien: "Finde uns einen Ausweg, - eine Ökonomie !" , antwortete der hl. Mark: "Die Sache des Glaubens läßt keine Ökonomie zu." Und er fügte hinzu: "Kann es etwas Mittleres geben zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Ablehnung und Zustimmung, zwischen Licht und Finsternis? Und obgleich es zwischen Licht und Finsternis etwas Mittleres, nämlich Dämmerung, gibt, so gibt es doch zwischen Wahrheit und Lüge überhaupt nichts Mittleres."
In der Folge hinterließ er der ganzen orthodoxen Welt eine für alle Zeiten gültige, gotterleuchtete kathegorische Regel in den Dingen des Glaubens: "Niemals, o Mensch, wird das, was sich auf die Kirche bezieht, auf einem Weg der Kompromisse gelöst."
Bei all diesem blieb er auf christliche Art demütig und schrieb sein festes Einstehen für die Orthodoxie nicht sich selbst als Verdienst zu; niemals war er von einem Geist des Fanatismus und der Verurteilung der weniger standhaften Menschen erfüllt. Als er einen seiner Freunde verteidigte, der zeitweilig von der Union verführt worden war, sagte er: "Als er sich an der Spitze eines Kampfes befand, der von gewissen Personen, insbesondere von mir, erkannt worden war, zeigte er sich damals nicht als offener Vorkämpfer der Wahrheit, weil er möglicherweise durch Ratschläge oder andere Menschen dazu genötigt wurde. Aber freilich kämpfte auch ich damals nicht oder nur ganz wenig, weil ich weder genügend Kräfte noch genügend Eifer hatte."
Aber die Kirchengeschichte berichtet uns etwas ganz anderes. Sie sagt: "Nur er allein zeigte sich am Anfang wie in der Mitte als auch am Ende als ein doppelt geschliffenes Schwert gegen das gesetzlose Unkraut in der guten Saat der heiligen Dogmen der Kirche, als das gottbegeisterte Sprachrohr der Theologie und als ein nicht versiegender Strom frommer Schriften und Erklärungen der Heiligen Väter, als unerschrockener und tapferer Verteidiger des Geistes.
Der redegewandte Manuil spricht über den Kampf des hl.*Mark für die Wahrheit so: "Damals als alle vor den Gegnern zurückzuweichen begannen, verkündete er vor Königen und Herrschern als Einziger die Wahrheit und gestattete in keiner Weise den fälschlicherweise in das Glaubensbekenntnis hineingebrachten Zusatz, sondern, indem er tapfer mit den Angreifern kämpfte und unbeirrt den Weg der Heiligen und Gottragenden Vätern folgte, predigte er allen offen den Einen Ursprung in der unveränderlichen, göttlichen Dreieinigkeit, d. h. den Vater von Dem der Sohn gezeugt wird und der Allerheiligste Geist, Der vom Vater ausgeht wie von einer einzigen Ursache."
Am 10. Juni 1439 verschied Patriarch Joseph. Er, der schon lange Zeit krank gewesen war, hatte in der Sache der Verteidigung des Glaubens Schwachheit gezeigt, aber das Erbarmen Gottes bewahrte ihn vor der Schmach der Unterschrift unter die Unionsakte. Der russische Historiker Porfirij Uspenskij sagt über ihn: "Patriarch Joseph wünschte um staatlicher Interessen willen die Union und überredete die Widerstrebenden, aber er kämpfte die ganze Zeit mit seiner aufrichtigen Orthodoxie, und dieser Kampf brachte ihn vor der Zeit ins Grab, was ihn vor der Unterschrift unter die Unionsakte bewahrte."
Am 4. Juli übergaben die Griechen den Lateinern folgende Erklärung: "Wir stimmen überein mit eurer Lehre und eurem Zusatz zum Glaubensbekenntnis, wir schließen mit euch die Union und erkennen an, daß der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht als von einem einzigen Anfang und Ursprung."
Dieses war schon fast die vollständige Kapitulation.
Bald folgte auch die Zustimmung zu allen übrigen Punkten der lateinischen Glaubenslehre: Die Anerkennung des Primates des Papstes, das Bestehen des Fegefeuers, die Wandlung bei der hl. Liturgie nicht durch den Segen und die Anrufung des Hl. Geistes, sondern mit den Worten Christi: "Nehmet, esset.....".
Am Sonntag den 5. Juli unterschrieben die griechischen Hierarchen die Union. Es unterschrieb der Kaiser und es unterschrieben alle Hierarchen, selbst diejenigen, die Gegner der Union gewesen waren, wie Antonius, der Metropolit von Heraklion. Nur einer unterschrieb nicht - und zwar Mark, der Metropolit von Ephesus.
Die Anhänger der Union forderten, daß man den hl. Mark entweder zur Unterschrift zwingen oder anathematisieren solle. Aber als der Metropolit Isidor mit dieser Forderung vor die Versammlung der griechischen Bischöfe trat, da erklang als Antwort die Stimme der Mehrheit: "Begnüge dich damit, daß wir das unterschrieben haben, was wir nicht zu unterschreiben beabsichtigten. Zum Patriarchen aber wirst du ohnehin nicht werden!"
Das Fehlen der Unterschrift des hl. Mark war verhängnisvoll für die Sache der Union. Ungeachtet dessen, daß sowohl der Kaiser als auch die Vertreter der östlichen Patriarchen und fast alle Metropoliten und Bischöfe der Kirche von Konstantinopel sie unterschrieben hatten, wurde die Union dennoch nicht von der Orthodoxen Kirche angenommen, die in diesem Moment ein todkranker, einsamer, erschöpfter Hierarch verkörperte, der bei den Mächtigen dieser Welt in Acht und Bann gefallen war, aber unüberwindlich stark war dadurch, daß sich in ihm die Göttliche Wahrheit verkörperte: der hl. Mark von Ephesus.
Papst Eugenius IV. hatte die Bedeutung des hl. Mark am besten verstanden. Als die Kardinäle ihm mit Triumph die Unionsakte vorlegten, die von den griechischen Vertretern unterschrieben war, fragte der Papst, ob Mark von Ephesus unterschrieben habe, und als er seine Unterschrift nicht erblickte, sagte er: "Also haben wir nichts ausgerichtet."
Einige Tage nach der Unterzeichnung der Union wandte sich der Papst an die griechischen Bischöfe und an den Kaiser mit einer Forderung, die lautete: "Da wir nun in die Glaubenseinheit gekommen sind, und weil ich Euer Haupt bin, so muß ich Euch einige Weisungen geben:

1. Eure Praxis bezüglich der Ehescheidung muß berichtigt werden.

2. Mark Eugenius muß als ein Aufrührer gegen die Union bestraft werden.
3. An die Stelle des verschiedenen Patriarchen muß ebenhier ein anderer Patriarch gewählt werden.
Aber der Kaiser und die griechischen Bischöfe waren des Nachgebens bereits überdrüssig geworden. Für dieses eine Mal weigerten sie sich, der päpstlichen Anweisung nachzukommen.
Der Papst forderte darauf, daß der hl. Mark zu einer Zusammenkunft bei ihm erscheine. Der hl. Mark willigte demütig hierin ein. Als diese Zusammenkunft stattfand, sagte er dem Papst: "Die Konzilien der Kirche verurteilten diejenigen als Aufrührer, die irgendein beliebiges Dogma (Lehre) verletzten und so predigten. Und zuerst verurteilte die Kirche die Häresie selbst und danach ihre Anführer und Vorkämpfer. Aber ich predigte in keiner Weise meine eigene Lehre und führte keinerlei Neuerungen in der Kirche ein. Ich hielt nur an der Lehre fest, die die Kirche in unverletzter Gestalt von unserem Erlöser (Retter) empfing und in der sie bis zu unserer Zeit strikt verharrte. Diese Lehre hielt auch die Heilige Römische Kirche vor dem unter uns entstandenen Schisma nicht weniger als unsere Östliche immer als eine heilige Lehre, und wenn ich mich an sie halte und mir nicht gestatte, von ihr abzugehen, welches Konzil wird mich der Verurteilung unterwerfen, der die Häretiker unterworfen werden? Denn zuerst müßte es die Lehre verurteilen, an die ich mich halte. Wenn ihr sie also als fromm (ehrbar) und orthodox (rechtgläubig) anerkennt, warum soll dann ich einer Bestrafung würdig sein?"
Am 26. August 1439 reisten dann schließlich der Kaiser und alle griechischen Hierarchen aus Florenz über Venedig nach Konstantinopel ab, wo sie am 1. Februar 1440 eintrafen. Weder in Triumph noch in Freude kehrten die griechischen Bischöfe in die Heimat zurück. Wie Antonius von Heraklion berichtet, sprachen sie selber mit Betrübnis zu den Menschen, die sie nach dem Konzil befragten: "Wir haben unseren Glauben verkauft und vertauschten die Frömmigkeit mit der Ehrlosigkeit....". Das Volk fragte sie: "Weshalb aber habt ihr unterschrieben?" - "Aus Furcht vor den Franken." - "Haben sie euch etwa geschlagen oder eingekerkert?" - "Nein. Aber da unsere Hand unterschrieb, möge sie abgehauen werden -, und da unsere Zunge bekannte, möge sie ausgerissen werden." In der Stadt breitete sich eine trostlose Stimmung aus. Ungeachtet der anstehenden Großen Fasten fanden keine Gottesdienste statt, weil niemand mit Bischöfen dienen (zelebrieren) wollte, die von der Orthodoxie abgewichen waren, und sie selbst entschlossen sich nicht, darauf zu beharren.
Aber nach einigen Monaten der Verwirrung entschloß sich der Kaiser dennoch, die Union in die Tat umzusetzen. Als Nachfolger des Patriarchen Joseph wurde Patriarch Mitrophan, ein Anhänger der Union, gewählt (und nach seinem Ableben - der extreme Uniat Gregor Mammas) und es wurde die Kommemoration des Papstes in den Fürbitten bei allen Gottesdiensten eingeführt. Es begannen Repressalien gegen den hl. Mark. Unter den Bischöfen hatte er keinen Fürsprecher. Doch die überwältigende Mehrheit des Mönchsstandes und der ländlichen Geistlichkeit sah in ihm den alleinigen Bekenner der Wahrheit, und sie wandten sich mit allen sie beunruhigenden Fragen an ihn.
Am 15. Mai verließ der hl. Mark Konstantinopel und begab sich zu seiner Herde nach Ephesus. Sein dortiger Aufenthalt war mit Gefahren und Repressalien verbunden, da über Ephesus schon des längeren die Türken herrschten; sie bedrückten die Griechen auf die verschiedensten Arten. Über diese Zeit seines Lebens sagt Johannes Eugenikos: "Er wirkte tatkräftig im Wirkungsbereich des hl. Johannes des Evangelisten und zwar über lange Zeit unter Mühen und Schwierigkeiten. Obwohl er körperlich krank war, besuchte er die in Mitleidenschaft gezogenen Heiligen Kirchen, vollzog durch die Handauflegung Priesterweihen, half den Unrecht Leidenden, schützte Witwen und Waisen und war gemäß dem apostolischen Wort "für alle alles".
Als er in Ephesus über zwei Jahre verbracht hatte und fühlte, daß ihn die Kräfte verließen, beschloß der hl. Mark, sich zur geistlichen Erholung auf den Heiligen Berg Athos zu begeben, bei dessen Mönchen sein Name mit Liebe und Verehrung umgeben war. Als jedoch das Schiff, mit dem der hl. Mark fuhr, auf der Insel Semnos, die sich noch in byzantinischem Besitz befand, eintraf, wurde er auf Befehl des Kaisers gefangengenommen und in ein Gefängnis geworfen, in dem er zwei Jahre lang eingekerkert blieb. Nach seiner Freilassung kehrte er nach Konstantinopel zurück, wo er bis zu seinem Ende blieb. In Konstantinopel herrschten zu dieser Zeit in der Kirche die Uniaten. Der Patriarch war ein Uniat voll Eifer und die anderen Bischöfe versuchten entweder, seinen Beispiel zu folgen, oder sie wurden vertrieben. Aber der hl. Mark sah, daß die Union weder vom niederen Klerus, noch vom einfachen Volk angenommen wurde. Deswegen schrieb er damals in seinem Sendschreiben: "Durch Gottes Gnade und Kraft verliert sich die Pseudo-Union nach und nach." Und dieses geschah unaufhaltsam.
Der hl. Mark verschied im Jahre 1444 im Alter von 52*Jahren. Er hatte im Laufe von 14 Jahren sehr schwer gelitten, aber sein Ende selbst war doch licht und freudevoll. Seine letzten Worte waren: "Herr Jesus Christus, Sohn des Lebendigen Gottes, in Deine Hand lege ich meinen Geist."
Begraben wurde er im Kloster von Mangan, dem Zeugen seiner frühen heiligen Mühen. Er, der der Wahrheit der Orthodoxie bis zum Ende treu geblieben war, hinterließ für alle Zeiten das Gebot, diese Treue als den größten Schatz zu bewahren.
"Auf die Gebete des Heiligen Bischofs Mark und aller Deiner Heiligen Lehrer und Väter bewahre, o Christus Gott, Deine Kirche in alle Zeit", so schließt der älteste Verfasser der Vita des hl. Mark seine Lebensgeschichte und wir wiederholen diese Worte mit Ehrfurcht.

http://www.orthodoxe-kirche.de/Literatu ... rkEph.html
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Loukia
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Loukia » 22.08.2010, 12:41

Hallo,

nachdem wir wissen, was der Papst und seine katholische Kirche den Orthodoxen Christen während der Kreuzzüge alles angetan haben - zum Teil auch Absetzung der griechischen Oberschicht und Ersetzung dieser mit einer lateinischen = katholischen in Konstantinopel, welches 70 Jahre anhielt - würde ich euch gerne Fragen, was wäre, wenn es keine Türkenbelagerung gäbe und die Türken noch nicht in Anatolien angesiedelt worden wären? Also ich kenne mich in der Geschichte halbwegs aus und kann euch versichern, dass es heute nicht so viele Orthodoxen Christen geben würde! Die Türken haben auch als gewisse "Schutzmacht" der Orthodoxie gedient.

Es gibt einen guten türkisch/griechischen Film über die Eroberung Istanbuls/Konstantinopels durch die Türken. Dort erfährt der türkische Sultan Fatih Sultan Mehmet zB dass die orthodoxen Gelehrten ihre heiligen Reliquien und Schriften mit dem Schiff nach Venedig transportieren wollen. Daraufhin ordnet er an, dass das Schiff umkehren soll, denn sie würden dort nicht in sicheren Händen sein und könnten zerstört werden.

Liebe Grüße

Versichern? Versichern kannst du uns nichts, glaube mir :mrgreen: Versichern kann da niemand etwas, "wie es glaufen wäre, wenn...".

Im Idealfall wären sicher alle Menschen orthodoxe Christen und bemüht um die Errettung ihrer Seele, aber bei uns ist das nicht wie z.B. im Islam, wo eine Theokratie das höchste Ziel ist, da Gott sich sein Reich schon selber schafft, wobei jeder Mensch nach Erfüllung bestimmter Anforderungen (uneingeschränkter Glaube and die Lehre Christi, also der Kirche, Taufe etc.) als Brüger dieses Reiches Herzlich Willkommen ist!

Dieser zugegeben sehr kluge Schachzug des Sultans diente selbstverständlich der Sicherung seiner Macht, wie das bei (menschlichen) Herrschern und ihren Entscheidungen nunmal der Fall ist.

Schön aber, das du auf diese Weise erwähnst, wir orthodoxen Christen wären dann in der Unterzahl gewesen in unseren angestammten Gebieten, denn wenn wir an die Geschichte der Kirche denken, fällt uns doch als orthodoxen Christen, die darum wissen sofort ein, das wir Rechtgläubigen eben nicht zum ersten Mal in der Unterzahl wären! Man denke and die ökumenischen Konzilien :wink:

En Christo
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Loukia » 22.08.2010, 12:44

Hallo,


Es gibt einen guten türkisch/griechischen Film über die Eroberung Istanbuls/Konstantinopels durch die Türken. Dort erfährt der türkische Sultan Fatih Sultan Mehmet zB dass die orthodoxen Gelehrten ihre heiligen Reliquien und Schriften mit dem Schiff nach Venedig transportieren wollen. Daraufhin ordnet er an, dass das Schiff umkehren soll, denn sie würden dort nicht in sicheren Händen sein und könnten zerstört werden.

Liebe Grüße
naja ich weiss nicht ob das mehr propaganda war, als historische begebenheit. Man muss bedenken, die orthodoxie konnte "nur" überleben, da meiner Meinung nach, die osmanen sich die machtstellung irgendwie sichern mussten.

LG

Elvis

Gott braucht keine mohammedanischen Osmanen, um die Wahrheit aufrecht zu erhalten, lieber Elvis!
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon stefan1800 » 23.08.2010, 08:50

@Loukia:
Nein, aber ER schreibt auf krummen Linien gerade !

Nassos
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 23.08.2010, 22:05

Lieber Filip,

vielen Dank für die Hervorhebung der Vita des Hl. Markus von Ephesos. In der Tat hatte und hat das Mönchtum eine wichtige Funktion als Wächter der Orthodoxie, die den politikabhänigigem Klerus in Konstantinopel auf die Finger schauten.

Welche Insel ist denn mit "Semnos" gemeint? Etwas Lemnos?

Gruß,
Nassos

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Mirjanin
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Mirjanin » 15.09.2010, 22:52

@Loukia: Stimmt tatsächlich, das russische Zarenreich hat fast ein Dutzend Kriege gegen das Osmanische Reich geführt, wobei die Rückeroberung Konstantinopels eines der erklärten Ziele war. Was im Erfolgsfall gefolgt wäre, darüber kann man nur spekulieren.

Ich denke wir sollten vorsichtig mit Verurteilungen sein. "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" (Johannes 8:7). Auch von "Orthodoxen" gab es Verbrechen und Mord, machen wir uns keine Illusionen, meine Damen und Herren. Die Verderbtheit des Menschen kennt keine Grenzen. Bis zum heutigen Tag ist jede noch so großartige Idee immer missbraucht wurden, um eigene Ziele durchzusetzen. Damit kann und mag man sich als Christ natürlich nicht abfinden, aber man sollte es zur Kenntnis nehmen.

Interessant finde ich ja den Gedanken, wie sich das byzantinische Reich - sofern es nicht von den Türken überrannt worden wäre - bis zum heutigen Tage entwickelt hätte - und damit die gesamte Orthodoxie. (z. B. hätte sich Moskau sicher nicht so leicht zum "Byzanz des Nordens" erklären können)
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

Nassos
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 29.05.2012, 16:56

Η ΠΟΛΙΣ ΕΑΛΩ - I POLIS EALO.

Heute ist der 559. Jahrestag des Falls der Stadt.
Gestern gab es im ZDF eine Doku über Konstantin den Großen, mit den Fragestellungen, die heute allgemein bekannt sind, u.a. die Kritik an seiner Heiligsprechung.

Ich habe demletzt einen Artikel auf griechisch gefunden, wo eine andere historische Annäherung an seine Person stattfindet. Wenn Interesse besteht, kann ich das gerne übersetzen und im Forum einstellen. Vielleicht wird dann auch klarer, warum er dem Osten ein Heiliger ist. (Hat Karl der Große eigentlich ähnliche Probleme im Westen?)

Ehemaliger
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Ehemaliger » 29.05.2012, 21:15

Lieber Nassos;

Karl der Grosse ist nicht kanonisiert. So einfach ist das ;)

Ansonsten gibt es ja viele Gemeinsamkeiten der beiden Herren.

Nassos
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 29.05.2012, 21:31

Hallo Benedikt,

da habe ich anderes gehört über Karl. Aber ich kenne mich in den katholischen Heiligenbüchern nicht so aus.

Was hatten denn die Herrn so gemeinsam?

Lieben Gruß,
Nassos


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