Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Nassos
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 16.07.2012, 00:35

hallo Bathasar,

das Thema ist nicht einfach.
Der oben erwähnte Rückhalt hat Konstantin und seine Mutter als Heilige im Synaxarion. Aber wie passt das mit Deiner Ausführung zusammen?
Politik? Scheuklappen?

Bitte dies noch zu ergänzen.

Danke und lieben Gruß,
Nassos

Balthasar
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Balthasar » 16.07.2012, 01:29

Hallo Nassos,

den Rückhalt bezog ich nicht auf Konstantin sondern auf die Orthodoxie in der Gegenwart. Ohne Byzanz als Christliche Nation, hätte es wohlmöglich kein orthodoxes Christentum im heutigen russischen Gebiet und auch im heutigen Gebiet Griechenlands gegeben. Diesen Punkt wollte ich fokussieren in Hinsicht auf einen göttlichen Einfluss in der Geschichte des Byzantinischen Kaiserreiches.

Konstantin und seine Mutter aber heilig zu sprechen stößt mir aber ehrlich gesagt etwas negativ auf, scheint es doch mehr aus politisch-theologischen zwecke geschehen zu sein.

Zumal wurde Konstantin ja wie es für einen römischen Kaiser üblich war nach seinem Tod zum sog. "Divus" erhoben und nach paganischen Brauch in den Götterhimmel aufgenommen :king:

Zweifelsohne war Konstantin ein herausragender Stratege und unterstützer des Christentums, andererseits sprechen aber auch viele negative Seiten eben nicht für eine Heiligsprechung wie die Ermordung von vielen seiner Familienangehörigen. Andererseits hatte die damlige Kirche eventuell gar keine andere Wahl da Ihnen dies mehr oder weniger vom nachfolgenden Kaiser diktiert wurde.

Gruß, Balthasar

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Aramis
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Aramis » 16.07.2012, 02:30

Fest steht, Constantin wurde heiliggesprochen. Ob er ein Mensch war, dem wir heutzutage das Attribut "heilig" anreden würden oder nicht, sei mal dahingestellt. Feststeht: Constantin hat eine ganze Menge für die Verbreitung des Christentums getan.

Warum er das getan hat? Keine Ahnung. Ich kann nur wie Du auf geschichtliche Tatsachen schließen. Möglicherweise hat er das getan, um seinen Machterhalt zu sichern.

Wichtig ist für uns Christen jedenfalls nur, dass er der Kirche den Weg über das gesamte römische Reich geebnet hat. Die Bedeutung des Christentums in der heutigen Welt, tausende Jahre später, haben wir der Politik Constantins zu verdanken.

Ohne Constantin gäbe es kein christliches Europa.
Ohne Constantin gäbe es keine Kirche, keine Lutheraner, keine Baptisten, keine Adventisten, kurzum, es gäbe gar kein westliches Christentum. Ja, es gäbe noch nichteinmal die Zeugen Jehovas.
Also, was willst Du uns eigentlich sagen?
28 Thomas antwortete ihm: „Mein Herr und mein Gott!“

Nassos
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 16.07.2012, 11:20

Mahlzeit!

Ich fasse mal zusammen. Constantin war ein Politiker und auch Mörder. Er ebnete, obwohl durchaus blutrünstig, der Christenheit den Weg und zum Dank wurde er heilig gesprochen. “Schlimm, dass er Leute umbringen ließ, aber ohne ihn gäbe es uns als Christen nicht, daher drücken wir zähneknirschend ein Auge zu, der Zweck heiligt die Mittel“ (überspitzt, ich weiß).

“Mein Königreich ist nicht von dieser Welt“. Gemäß oberer Ausführungen hätte die Kirche dem absolut zuwider gehandelt und das glaube ich nicht. Nicht aus patriotischen Gründen (denn sie sind von dieser Welt), sondern wegen des Selbstverständnisses der Kirche.

In letzter Zeit findet ein Umbruch in der Gesichtsschreibung über Byzanz statt, weil sie bisher eher sehr negativ belastet war. Vergessen wir nicht, dass der westliche Einfluss mir seinen Missionaren in den von den Osmanen befreien orthodoxen Ländern das orthodoxe Element aus Staat und Schule eliminiert hat (Kapodistrias hatte das Lesen der Heiligenviten in die Schulen eingeführt, und diese wurden dann durch die Märchen ersetzt) und uns eine entsprechende, aufgeklärte Denkweise bescherte.

Und ich glaube, dass die westliche Geschichtsschreibung genau das fabriziert hat, was heute behauptet wird (plus Säkularisierung der Gesellschaft, auch in orthodoxen Ländern).

Ich sage nicht, dass es so nicht ist, aber wir müssen auch andere Sichtweisen überprüfen und sehen, ob sie standhalten.

Warum ich beharre - ich wiederhole das - ist, dass ich nicht glaube, dass die heiligmachende Kirche sich solcher Mittel bedient. Die Heiligsprechung Konstantins muss einen anderen Grund haben, sonst brauche ich mich nicht mehr um Theosis zu kümmern, die ja das ist, was im Heiligen Geist den Menschen heiligt. gestern sprachen wir über die Theologie der Auferstehungsikone, aber das Thema Constantin führt das ad absurdum. Ich bekomme das nicht unter einem Hut und an einen faulen Kompromiss glaube ich nicht.

Sehr problematisiert,
Nassos

Balthasar
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Balthasar » 17.07.2012, 15:20

Ohne Constantin gäbe es kein christliches Europa.
Ohne Constantin gäbe es keine Kirche, keine Lutheraner, keine Baptisten, keine Adventisten, kurzum, es gäbe gar kein westliches Christentum. Ja, es gäbe noch nichteinmal die Zeugen Jehovas.
Also, was willst Du uns eigentlich sagen?[/quote]

Hallo Aramis,

du verstehst die Aussage meiner Interpretation nicht, denn du hast am Ende deines Textes genau das geschrieben was die Kernaussage von mir war, nämlich das wenn man sich Gedanken über einen göttlichen Einflusses in Byzanz macht, eventuell schliessen könnte, dass die Verbreitung des Christentums im göttlichen Sinne vorrangig war und nicht das bestehen des Oströmischen Reiches.

Mir wäre es auch lieber wenn Byzanz heute noch stehen würde, dies war aber für das gesamte römische Imperium zudem Byzanz auch gehörte nicht vorgesehen, dass steht schon so in den Prophezeihungen! Deshalb kann man sich die ganze Diskussion ob irgendwas von den Byzantinern oder Priestern falsch gemacht wurde und Gott deshalb eine STrafe über Byzanz brachte sparen, denn es war von anfang an so Prophezeit.

Ich weiss das dir das als orthodoxer Christ nicht schmeckt wenn ich nüchtern und nur anhand geschichtlicher Fakten über Konstantin schreibe und dann auch noch seine Heiligsprechung in Frage stelle, aber ich bin nun mal nicht orthodox und kann da dann auch meine Kritik äußern. Ich kenne mich speziell mit den Heiligsprechungen nicht aus, und es kann aus kirchicher Sicht sehr gute Gründe für eine Heiligsprechung geben. Ich bin aber kein orthodoxer Theologe, deshalb kann ich keine eindeutige Stellung diesbezüglich beziehen, nur meine Gefühle äussern.

In den ersten zwei Zeilen schreibst du aber selber deine Zweifel bezüglich der heiligung Konstantins auf Aramis, was mich ein wenig verwirrt. Du sagst,

"Fest steht, Constantin wurde heiliggesprochen. Ob er ein Mensch war, dem wir heutzutage das Attribut "heilig" anreden würden oder nicht, sei mal dahingestellt. Feststeht: Constantin hat eine ganze Menge für die Verbreitung des Christentums getan"

Gruß, Balthasar

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Aramis » 17.07.2012, 15:39

Hallo Balthasar,
vielleicht habe ich mich nicht richtig ausgedrückt. Ich habe nicht den geringsten Zweifel an der Heiligsprechung Constantins. So, wie sie damals erfolgt ist, wird es schon richtig gewesen sein. Ich lege nicht die moralisch-ethischen Maßstäbe meiner mitteleuropäischen Erziehung bei der Beurteilung Constantins zu Grunde. Ich habe Vertrauen in die Entscheidung der damaligen kirchlichen Verantwortungsträger. Von daher ist der Status Constantins als Heiliger für mich kein Problem.

LG
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 17.07.2012, 16:37

Leute,

es kann keine Heiligsprechung zu einer Zeit richtig sein und zu einer anderen falsch. Die Maßstäbe hierfür sind zeitlos, wie die Helligkeit Gottes.
Man kann nur in diesem Leben Seinen Anteil ab der Herrlichkeit durch Sünde verlieren. Daher ist mir nicht bewusst, dass ein Heiliger zu Lebzeiten heilig gesprochen wird (er kann immer noch fallen).

Weltreiche kommen und gehen. Das zu prophezeien ist keine Kunst. Aber welche Prophezeiung hat explizit den Fall Konstantinopels vorgesehen?

Und was ich nicht verstehe: einerseits beruft man sich auf geschichtliche Fakten und andererseits auf Gefühle. Geschichte sollte nicht auf Gefühle oder Bauchgefühle oder Vorteile beruhen (letzteres bezieht sich nicht auf Dich, Balthasar), es ist auch so schon schwer genug, objektive Historie zu betreiben.

Du bist kein Orthodoxer und selbstverständlich hast Du ein Recht auf Deine eigene Meinung. Dürfen wir jedoch evtl aus orthodoxer Sicht unsere (oder meine) Meinung sagen? Würde Dich das nicht mal interessieren, um es mal gehört zu haben?

Lieben Gruß,
Nassos

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Priester Alexej » 17.07.2012, 22:15

Lieber Balthasar,

eins vorab - "nüchtern und nur anhand geschichtlicher Fakten" reden wir orthodoxen auch, wir sind weder betrunken, noch würden wir soetwas für logisch und nachvollziehbar halten:
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409586_461506830533791_1274909111_n.jpg (37.38 KiB) 5349 mal betrachtet
Erst vor kurzem gab es ein FOCS-Treffen zu diesem Thema: Kaiser Konstantin - Heiliger und Apostelgleicher - oder das sperrige Erbe der Kirche-Staat-Symphonie

Nur ein paar kurze Stichworte.

1) Konstantin wurde ein paar Tage vor seinem Tod getauft. Streng genommen ist es so, dass selbst wenn er vorher böses getan hat, für uns nur der orthodoxe Lebensabschnitt zählt.
2) Auch wenn er arianische Ansichten hatte, war er kein Häretiker. Denn Häretiker ist nicht jemand, der etwas falschen Glaubt (ansonsten wären alle Häretiker, keiner ist Gott uns weiss alles richtig), sondern derjenige, der seine falschen Ansichten agressiv gegen den Beschluß der Kirche stellt. Außerdem hat seine Verehrung ziemlich schnell eingesetz, und wäre er Arianer, wäre dieses grade zu der Zeit nicht passiert, wo man doch mit den Arianern auf Kriegsfuß war.
3) Selbst wenn die Berichte über die Gräultaten Konstantins an seiner Familie wahr sind (diese stammen nämlich aus späteren Quellen), war er nicht nur berechtigt Todesstrafen für Verräter anzuordnen, vielmehr war das seine Pflicht gegenüber Byzanz.
4) Du schreibst vom Traum Konstains mit dem PAX-Symbol im Konjunktiv mit dem Wort "angeblich" vebunden. Und das Licht, dass auf dem Schlachtfeld erschienen ist, ist für dich ebenfalls "einer der Berichte". Natürlich muss du diese Wunder in die Kategorie des Ausgedachten verschieben, denn wenn diese tatsächlich geschehen sind, ist deine gesamte Vorstellung von Konstantin hinfällig. Also die Wahl, war es Gott, der das ganze einfädelte und den Kaiser bekehrte, oder ist es alles eigentlich Politik gewesen? Es ist für einen Protestanten sehr schwierig ein Wunder zu akzeptieren, ebenfalls die direkte Einwirkung Gottes auf die Geschichte. In deiner Denkweiße kannst du wenn, dann nur eine unsichtbare, indirekte Einwirkung Gottes auf die Geschichte zulassen, so, wie du es in deinem letzten Post akzeptierst. Wir orthodoxe unterscheiden uns von protestanten dadurch, dass wir Wunder aus den alten Texten und Viten auch für Fakten halten.
Um es auf den Punkt zu bringen: es gibt zwei Ansichtsweißen. Bei der einen lässt man der direkten Einwirkung Gottes auf die Menschen und die Geschichte platz, und so auch den Wundern. Bei der anderen streicht man alles "übersinnliche" durch, im Gesite des Materialismus, und erklärt alles geschehene mit Politik, weil man es prinzipiell mit nichts anderem zu erklären vermag. Seien wir doch ehrlich, der hl. Kaiser hat uns nicht seine Ansichten mitgeteilt, warum er das eine oder andere gemacht hat, an was er geglaubt hat, wie er zum Christentum stand. Wir haben bestimmte Aussagen und historische Angaben/Fakten, aus denen wir uns nach 1700 Jahren etwas interprätieren. Und wie unsere Interprätation ausfällt, hängt letzten endes von unserem Glauben ab.

Nimm die volle Ladung nicht persönlich :wink:
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Balthasar » 18.07.2012, 22:11

Hallo,

Ich nehme hier nichts persönlich solange es um den Austausch von theologischen Sichtweisen geht und man auf ktitische Fragen nicht gleich mit der orthodoxen Keule erschlagen wird :)

Deshalb bin ich ja hier, um mehr über die orthodoxe Theologie heraus zu finden.

Das mit der Bibel und dem Spider man Heft soll mir wohl sagen, dass hier der Glaube an die heilige Kirche im Vordergrund steht??

Ja, Weltreiche kommen und gehen, aber die Propheten haben von Gott ziemlich genau die Eingebungen bekommen, wann und wie diese Weltreiche kommen und gehen, und daran ist nicht zu rütteln, es sei denn man zweifelt die Propheten an. Würd ich aber von abraten :mrgreen:

Also, der Untergang des römischen Imperiums und damit ist nun mal das gesamte römische Imperium gemeint, ist untergegangen. Und es wurde auch prophezeiht. Darauf habe ich meine Ansicht gestützt, dass Byzanz welches ja aus diesem übrig blieb oder sich herausbildete auch untergehen musste, politisch wohl gemerkt, nicht kulturell und theologisch!

Die Stelle in der Schrift, Buch Daniel müsste doch bekannt sein: Daniel 2,31-45

Nur ein Tipp, das Reich Alexanders war die blüte der Bronzezeit. Die Römer waren später berühmt für das härteste Eisen in der Schmiedekunst :)

Gruß, Balthasar

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 18.07.2012, 23:01

Ägypten, Assyrien, Babylonien, Mesopotamien, Griechenland, Rom und jetzt die Angelsachsen...
Das meinst Du also...

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Priester Alexej » 19.07.2012, 00:58

Lieber Balthasar,

ich persönlich freue mich immer über einen Austausch!

Das Bild sollte dich keineswegs auf den Glauben der Kirche hinweißen, es bezog sich auf deine Aussage "Ich weiss das dir das als orthodoxer Christ nicht schmeckt wenn ich nüchtern und nur anhand geschichtlicher Fakten über Konstantin schreibe und dann auch noch seine Heiligsprechung in Frage stelle". Du hast hier den orthodoxen Christen unterstellt, sie würden nicht nüchtern in ihren Beurteilungen sein, dazu dass wir nicht nur geschichtliche Fakten ignorieren, sondern dass war diese mit Absicht nicht hören wollen. Ich würde meinerseits jedoch, bis auf wenige Ausnahmen, genau das Gegenteil behaupten.

Habe grade einen interessanten Artikel über die Tradition der Kirche gelesen. Hier ein Zitat, dass auch zu meinem letzten Post passt. "Zwar ist es nicht zu bestreiten, dasss Machtpolitik und Intrigen bei vielen kirchlichen Entschiedungen involviert sind. Dies ist nach orhtodoxer Sicht auch keineswegs verwunderlich, denn, wo Gott sein Reich aufbaut, ist auch der Satan, der dies verhindern will, am Werk. Aber die gedanken- und glaubenslose Art, in der manche westliche Theologen die Dogmengeschichte als Spielwise der kirchlichen machtpolitik beurteilen, zeugt von Blidheit fürs Wesentliche. Nicht, dass Intrigen stattfinden, Leidenschaften entbrennen, Menschen ihnen unterliegen ist das Erstaunliche, sindern dass dennoch die Glaubenswahrheiten in der Kirche nicht verdunkelt wurden und die heilschaffenden mysterien weitergegeben werden". (Zur kirchlichen Tradition in orthodoxer Sicht, Prof.Dr. Susanne Hausammann)


Beste Grüße!
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Balthasar » 19.07.2012, 01:10

Hallo,

hmmm...ich wollte hier niemanden angreifen oder etwas schlechtes unterstellen.

Mit dem Satz "Ich weiss das dir das als orthodoxer Christ nicht schmeckt wenn ich nüchtern und nur anhand geschichtlicher Fakten über Konstantin schreibe und dann auch noch seine Heiligsprechung in Frage stelle" wollte ich eigentlich nur hervorheben, dass es für mich nachvollziehbar ist, dass er als orthodoxer Christ dies göttlich interpretiert und ich eben rein nüchtern ohne diesen Bezug zu haben wie er.

Damit wollte ich aber keine Blindheit unterstellen, sondern nur unsere verschiedenen Ansichten hervorheben. War nicht negativ gemeint.

Ja, ich weiss was du mir damit sagen willst, dass Gott mitten im Chaos einen Keim von Licht aufgehen lässt. Interessante Sichtweise.

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Stephanie » 19.07.2012, 11:17

Die historische Wissenschaft hat mit geistlichen Themen, Motivationen nichts am Hut. Sie arbeitet mit den Überlieferungen der jeweiligen Zeit und interpretiert sie aus ihrer heutigen Sicht. Weshalb jede Zeit neue Interpretationen eines vergangenen Ereignisses hervorbringt. Soll heißen der Historiker des 19.Jh. interpretiert anders als der Historiker des 20. Jh. etc. In der Geschichtswissenschaft gibt es keine absolute Wahrheit, sondern nur Wahrscheinlichkeiten, Hypothesen, Interpretationen die von der Quellenlage abhängig sind und vom sozialen, geistigen, zeitlichen Standort des Historikers. Die gegenwärtige historische Wissenschaft ist hauptsächlich kultur-soziologisch (und politisch) geprägt - geistliche Vorstellungen finden kaum Platz. Sehr viele der Historiker besitzen weder eine theologische Ausbildung noch fundierte theologische Kenntnisse, von ihrem persönlichen Glauben ganz zu schweigen. Sprich, es wird grundsätzlich jedes Handeln weltlich beleuchtet. Dass aber die Herrscher durchaus ein deziertes christliches Selbstverständnis hatten und aus diesem handelten wird zwar akzeptiert, findet aber in der Beurteilung ihrer Handlungen sehr selten Eingang. Wenn, dann höchstens aus einem gegenwärtigen, meist noch sehr persönlichen (und nicht kirchlichen) Verständnis wie ein Christ zu sein habe.
Das nur mal ganz allgemein dazu, wie sich die historische Wissenschaft zu den Heiligenviten (die sie in der Regel als topoi und Märchenerzählungen zur Machtfestigung betrachtet) verhält.

Ob nun Konstantin nach meinem persönlichen Verständnis heilig ist, ob er die theosis erlangt hat, kann ich nicht beurteilen, weil ich dazu zu wenig Wissen besitze, da uns schlappe 1600 Jahre trennen und ich weder seine persönlichen Tagebuchaufzeichnungen, Videoaufzeichnungen seiner Gremien etc. kenne :wink: Ich vertraue der Kirche und die hat ihn heilig gesprochen.
Aber, da ich keine Kaiserin bin und mir zu wenig über sein Glaubensleben bekannt ist, so spielt er für mich ganz persönlich als Vorbild keine Rolle. Sein Leben, seine Verantwortung und Aufgaben sind gänzlich anderer Art als die meinen. Und damit kann ich es stehen lassen. Ich orientiere mich an Heiligen, die mir in irgendeiner Weise besonders nahe sind, deren Leben, Entscheidungen ganz konkretes Vorbild für mich, meine Entscheidungen, meine Lebensführung und Lebensplanung sind.
Ich finde die Diskussion ob der Hl. Konstantin zu recht heilig gesprochen wurde müßig. Die Kirche hatte damals andere Belege/Einsichten - nämlich das konkrete Erleben - als wir 1600 Jahre später.

Man stelle sich vor, die Menschen der Zukunft würden unseren, meinen Glauben, ja unser Leben im Gesamten, anhand einiger Dokumente und einzelner Handlungen die ich getätigt habe, aus ihrer Sicht im Jahre 2250 beurteilen...könnte spannend werden und ziemlich häßlich.

Nebenbei angemerkt, im Grunde steckt in der vorausgegangen Diskussion die Frage drin, ob theosis zu erlangen ist, wenn man große Macht und Verantwortung besitzt.
Da ein Staatsoberhaupt aber auch immer Entscheidungen zu treffen hat, die unbequem bis häßlich sind (z.B. Kriege führen, Feinde eleminieren), wir aber davon ausgehen können, dass auch diese Funktion von Gott gewollt wurde, dass ein Mensch von ihm dort ganz konkret an diesen Platz gestellt wurde und dort seine Aufgabe zu erfüllen hat, so kann ich mir nicht vorstellen, dass diesem Menschen die Heiligung unmöglich sein sollte. Ein jeder Mensch muss an seinem jeweiligen Platz in der Welt, Gesellschaft, die Möglichkeiten haben heilig zu werden. Und damit auch ein Herrscher.

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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Aramis » 19.07.2012, 12:21

Die historische Wissenschaft hat mit geistlichen Themen, Motivationen nichts am Hut. Sie arbeitet mit den Überlieferungen der jeweiligen Zeit und interpretiert sie aus ihrer heutigen Sicht. Weshalb jede Zeit neue Interpretationen eines vergangenen Ereignisses hervorbringt. Soll heißen der Historiker des 19.Jh. interpretiert anders als der Historiker des 20. Jh. etc. In der Geschichtswissenschaft gibt es keine absolute Wahrheit, sondern nur Wahrscheinlichkeiten, Hypothesen, Interpretationen die von der Quellenlage abhängig sind und vom sozialen, geistigen, zeitlichen Standort des Historikers. Die gegenwärtige historische Wissenschaft ist hauptsächlich kultur-soziologisch (und politisch) geprägt - geistliche Vorstellungen finden kaum Platz. Sehr viele der Historiker besitzen weder eine theologische Ausbildung noch fundierte theologische Kenntnisse, von ihrem persönlichen Glauben ganz zu schweigen. Sprich, es wird grundsätzlich jedes Handeln weltlich beleuchtet. Dass aber die Herrscher durchaus ein deziertes christliches Selbstverständnis hatten und aus diesem handelten wird zwar akzeptiert, findet aber in der Beurteilung ihrer Handlungen sehr selten Eingang. Wenn, dann höchstens aus einem gegenwärtigen, meist noch sehr persönlichen (und nicht kirchlichen) Verständnis wie ein Christ zu sein habe.
Das nur mal ganz allgemein dazu, wie sich die historische Wissenschaft zu den Heiligenviten (die sie in der Regel als topoi und Märchenerzählungen zur Machtfestigung betrachtet) verhält.

Ob nun Konstantin nach meinem persönlichen Verständnis heilig ist, ob er die theosis erlangt hat, kann ich nicht beurteilen, weil ich dazu zu wenig Wissen besitze, da uns schlappe 1600 Jahre trennen und ich weder seine persönlichen Tagebuchaufzeichnungen, Videoaufzeichnungen seiner Gremien etc. kenne :wink: Ich vertraue der Kirche und die hat ihn heilig gesprochen.
Aber, da ich keine Kaiserin bin und mir zu wenig über sein Glaubensleben bekannt ist, so spielt er für mich ganz persönlich als Vorbild keine Rolle. Sein Leben, seine Verantwortung und Aufgaben sind gänzlich anderer Art als die meinen. Und damit kann ich es stehen lassen. Ich orientiere mich an Heiligen, die mir in irgendeiner Weise besonders nahe sind, deren Leben, Entscheidungen ganz konkretes Vorbild für mich, meine Entscheidungen, meine Lebensführung und Lebensplanung sind.
Ich finde die Diskussion ob der Hl. Konstantin zu recht heilig gesprochen wurde müßig. Die Kirche hatte damals andere Belege/Einsichten - nämlich das konkrete Erleben - als wir 1600 Jahre später.

Man stelle sich vor, die Menschen der Zukunft würden unseren, meinen Glauben, ja unser Leben im Gesamten, anhand einiger Dokumente und einzelner Handlungen die ich getätigt habe, aus ihrer Sicht im Jahre 2250 beurteilen...könnte spannend werden und ziemlich häßlich.

Nebenbei angemerkt, im Grunde steckt in der vorausgegangen Diskussion die Frage drin, ob theosis zu erlangen ist, wenn man große Macht und Verantwortung besitzt.
Da ein Staatsoberhaupt aber auch immer Entscheidungen zu treffen hat, die unbequem bis häßlich sind (z.B. Kriege führen, Feinde eleminieren), wir aber davon ausgehen können, dass auch diese Funktion von Gott gewollt wurde, dass ein Mensch von ihm dort ganz konkret an diesen Platz gestellt wurde und dort seine Aufgabe zu erfüllen hat, so kann ich mir nicht vorstellen, dass diesem Menschen die Heiligung unmöglich sein sollte. Ein jeder Mensch muss an seinem jeweiligen Platz in der Welt, Gesellschaft, die Möglichkeiten haben heilig zu werden. Und damit auch ein Herrscher.
Ganz genau meine Meinung :guterbeitrag:

LG
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Re: Fall Konstantinopels , 500 Jahre Türkenbelagerung

Beitragvon Nassos » 19.07.2012, 15:00

In der Tat, ein sehr guter Beitrag, danke!
Mein Punkt in diesem Thema ist es auch nicht, Konstantin hagiologisch in den Vordergrund zu rücken (er ist mir auch kein Vorbild in dem Sinne). Mir geht es genau um die Herangehensweise an eine Heiligsprechung, die vielen Bauchschmerzen verursacht (inkl Orthodoxer). Und ich bin fest davon überzeugt, dass diese Perspektive zeitlos ist.
Mein Punkt ist das geistliche Verständnis und das schwierige Zusammenpassen mit der Historie bzw dem stark rationellen Verstand (den ich um Gottes Willen nicht abschalten will!!!). Es geht mir darum, die o.g. Darstellung zu erweitern bzw zu komplettieren, im Sinne von “wie passt das mit der Lehre der Kirche zusammen“. Dass es passen muss ist klar (oder auch nicht) - aber wie?

Und da habe ich noch nichts gehört. Übertreibe ich? Ist es wirklich so uninteressant, weil die breite Meinung so festgesetzt ist? Kann ja sein...

Und auch die Frage, wie habe ich Heiligenviten zu lesen (einfach Schema x, und fast beliebig einen Namen einsetzen? Ist das wie die Darstellung von Heiligen, von denen keiner weiß, wie sie wirklich ausgesehen haben?)
Fragt
Nassos


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