Der Athos und die Historie

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Ali111
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Der Athos und die Historie

Beitrag von Ali111 » 18.09.2010, 13:40

http://www.youtube.com/watch?v=n5YyEoaL ... re=related
Ich weiß nicht so recht was ich davon halten soll ?

peter
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Re: Athos

Beitrag von peter » 18.09.2010, 15:05

Na ja, lieber Ali, die Geschichte hat ja erwiesen, wer hier den kürzeren zog. Daß die deutsche Besetzung Griechenlands mitsamt Athos, wie schon ehedem die Übergriffe türkischer Invasoren, die Raubzüge der Lateiner, Sarazenen, Piraten, die "politische" Haltung der Athos-Mönche verändert haben sollte, ist ja wohl abwegig. Und daß das Porträt Adolf Hitlers unter die geistlicher Väter eingereiht wurde, dürfte ein Witz aus Not gewesen sein. Interessanter wäre schon die Frage, wie Hitler die Orthodoxen in sen Weltbild eingeordnet hat, oder die Führung der griechischen Orthodoxie den Führer ...

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songul
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Re: Athos

Beitrag von songul » 18.09.2010, 15:17

Ali111 hat geschrieben:http://www.youtube.com/watch?v=n5YyEoaL ... re=related
Ich weiß nicht so recht was ich davon halten soll ?
Weiss ich auch nicht; es ist ja das russische Kloster dort und vielleicht hat man einfach um die Nazis zufrieden zustellen, dort mal schnell ein Bild von Hitler da hingehängt.
Wäre möglich.
Oder im Kloster gab es eine Anhängerschaft von ihm, die sich vom Einmarsch in Russland die dortige Befreihung von den Kommunisten erhofft haben und er deswegen dort hing.
Durchaus auch möglich.
Vielleicht weiss Alexej mehr.

Ali111
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Re: Athos

Beitrag von Ali111 » 18.09.2010, 15:24

Weiss ich auch nicht; es ist ja das russische Kloster dort und vielleicht hat man einfach um die Nazis zufrieden zustellen, dort mal schnell ein Bild von Hitler da hingehängt.
Wäre möglich.
Oder im Kloster gab es eine Anhängerschaft von ihm, die sich vom Einmarsch in Russland die dortige Befreihung von den Kommunisten erhofft haben und er deswegen dort hing.
Das obere halt ich auch für ziemlich wahrscheinlich.

Walter
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Re: Athos

Beitrag von Walter » 18.09.2010, 21:28

www.wehrmacht-in-griechenland.de.vu hat geschrieben:
Der Klosterberg Athos während der deutschen Besatzungszeit

Gleich nach der Einnahme Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht und der Besetzung von Ostmakedonien und Thrazien durch die Bulgaren wurden sich die Athosmönche dessen bewußt, daß sie in großer Gefahr waren.
Die Bulgaren hatten in ihrem Besatzungsgebiet fast alle Kunst- und Kulturschätze der Klöster und Kirchen geplündert.

Deshalb fürchteten die Mönche, daß ihnen die gleiche Gefahr drohe, falls die bulgarische Armee den Athos betreten würde. Sie handelten weise. Am 22. April 1941 besuchte der deutsche Kommandant von Nea Madytos mit seinem Stabe die Verwaltung des Klosterberges in Karyes. Der Rat der Mönche sprach mit ihm über seine Sorgen, doch der deutsche Kommandant versprach ihnen die Unantastbarkeit der Mönchsrepublik "Berg Athos", riet ihnen aber, ein Gesuch an den Reichskanzler Adolf Hitler zu richten, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Dieses Gesuch wurde schon am 26. April verfaßt und am 29. des gleichen Monats von einer Gruppe deutscher Offiziere feierlich abgeholt und weiter befördert.

Hitler entsprach sofort ihrem Gesuch und die deutsche Heeresführung verbot daraufhin den Bulgaren, die bereits in Ierissos waren, den Einmarsch in das Gebiet vom Berg Athos. Im Jahre 1943 hat die Wehrmacht auch ein Gesuch der Bulgaren, ein Bataillon auf dem Athos zu stationieren, abgelehnt. [...]
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Re: Athos

Beitrag von Nassos » 18.09.2010, 22:12

Hochinteressant, vielen Dank. Komisch, dass ich nie darauf gekommen bin, in Griechenland selber mal nachzuschauen, was darüber geschrieben steht.

OT: ich habe erst kürzlich gelernt, dass Bulgarien der einzige Verbündete des Reichs war, das keine Juden ausgeliefert hat. Wusstet Ihr das?

peter
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Re: Athos

Beitrag von peter » 19.09.2010, 20:04

Danke, Walter, sehr informativ. Also hätte demnach die Wehrmacht Schutzmacht gespielt, und sich auf diesem Weg bei den Griechen einen "besseren" Ruf eingehandelt, im Verhältnis zu militärischen Okkupationsverbrechen wie folgt:

12.12.2003
Gedenken in Kalavrita
Ein Massaker der Wehrmacht 1943 in Griechenland
Von Marianthi Milona


Ein Kreuz und Betonstelen erinnern in Kalavrita an den 13. Dezember 1943. (Bild: AP)

In der Kleinstadt Kalavrita im Norden der Peloponnes zelebrieren die Einwohner jedes Jahr den Vorabend des 13. Dezember. Es wird Musik gemacht, gegessen und getrunken. Viele Gäste sind geladen. Die meisten haben als kleine Kinder in Kalavryta gelebt. Einige kommen aus Athen oder aus den benachbarten Bergdörfern. Andere aus dem Ausland. Schüler der Region musizieren und tragen selbstgemachte Gedichte vor.

In der Luft breiten sich die Seelen aus, die gerade den Körper verlassen haben, der Schmerz war überall, bedeckte ganz Griechenland, und es fielen Tränen vom Himmel herab.

In Kalavryta gibt es in diesen Tagen nur ein Thema, es wird jedem in die Wiege gelegt: das Massaker vom 13. Dezember 1943.

Nika: So kam der letzte Abend. Mein Onkel war sehr unruhig. Wir hörten von Fenster zu Fenster, dass die Deutschen am Montag das Dorf verlassen wollten. So brach die Morgendämmerung zum Montag an, und die Kirchenglocken fingen an zu läuten. Ich sprang aus dem Bett und lief zur Straße hinaus. Ich war fast am Dorfplatz angekommen, da sah ich auch viele andere Frauen, denn wir ließen die Männer nicht aus dem Haus, weil wir Angst hatten, sie könnten festgenommen werden. So gingen wir Frauen allein.

Im Frühjahr 2000 verurteilte der Areopag, das oberste Gericht Griechenlands, Deutschland zur Zahlung von Kriegsentschädigungen in Höhe von 55 Mio. Mark. Die Bundesregierung erklärte das Urteil für rechtsungültig. Iaonnis Stamoulis, ein Athener Anwalt und ehemaliger EU-Abgeordneter, kämpft um eine Entschädigung der Hinterbliebenen.

Stamoulis: Nach dem Londoner Abkommen von 1953 haben alle am Krieg beteiligten Länder, auch Griechenland, darin eingewilligt, keine Forderungen an Deutschland zu stellen, so lange es geteilt war. Diese Generosität verlangt den heutigen Deutschen ab, die alten Schulden zu begleichen. Das Land hatte nun die Gelegenheit, sich finanziell zu stabilisieren, und nun sollte es wieder gut machen an denen, die so lange gewartet haben.

Am 5. April 2000 besuchte Bundespräsident Johannes Rau Kalavryta: Für viele Überlebende hatte der Besuch des Bundespräsidenten in Kalavryta die Hoffnung auf eine Entschuldigung von deutscher Seite geweckt. Rau sprach von Trauer und Scham, nicht aber von Reue und Verantwortung.

Franzeska Nika war in der Stunde Null gerade 19 Jahre alt und lebte im Haus ihres Onkels. Ihr Mann hat nur überlebt, weil er an jenem 13. Dezember in den Bergen bei den Partisanen war. Über die Deutschen sprechen will er bis heute nicht. Er zieht sich in sein Zimmer zurück, flüchtet sich stundenlang in alte Filmmusik. Franziska Nika kommt über die Ereignisse von 1943 nur hinweg, wenn sie darüber spricht. Wenn der Tag des Gedenkens naht, kehren die Kriegsereignisse von 1943 wieder, wie alte Bekannte.

Nika: Wir sollten nach Hause gehen, und jeder sollte mit Brot für einen Tag und einer Decke zurückkehren. Wir gehorchten. Draußen breitete sich ein unglaublicher Nebel aus. Ich hatte noch nie in Kalavryta einen solchen Nebel gesehen, aber vielleicht bin ich auch noch nie zu so früher Stunde aus dem Haus gegangen. Man konnte keine zehn Schritte weit sehen. Wir fragten uns: Was ist los, weiß jemand etwas? In großen Gruppen schritten wir voran, völlig ahnungslos. In der Schule angekommen erwartete uns ein Deutscher, der die Frauen von den Männern trennte. Alle Jungen ab 14 Jahren wurden zu den Männern gezählt. Manche kleinen Jungen haben an diesem Tag die langen Hosen ihrer älteren Brüder getragen, damit sie mit ihrem Vater gehen konnten. Ich kann den Gedanken daran kaum ertragen.

Am 13. Dezember 1943 ermordeten Soldaten der deutschen Wehrmacht alle Männer und Jungen Kalavrytas, die älter als 14 Jahren waren.

Im Herbst 1943 wird die 5. Kompanie des Jägerregiments 749 auf Partisanenjagd in die Bergregion Kalavryta geschickt: Sie fällt am 18. Oktober einer Einheit der Widerstandsorganisation ELAS in die Hände. Am 8. Dezember finden Wehrmachtsangehörige in der Gegend von Kalavryta die Leichen von 70 deutschen Soldaten. Zwei Tage später befiehlt der örtliche Kommandeur, Generalmajor von Le Suire:

Als Sühnemaßnahme für die gemordeten Angehörigen des 1. und 5. Jägerregiments 749 sind die Orte Mazeika und Kalavryta dem Erdboden gleichzumachen.

Am 8. Dezember haben die Deutschen ein Hotel und einige Häuser im Ortskern Kalavritas niedergebrannt, weil die Besitzer von griechischen Spitzeln als Partisanen denunziert worden sind. Die Einwohner rechnen mit keinem weiteren Angriff der Deutschen. Nur so lässt sich erklären, warum sich niemand veranlasst sieht zu fliehen, solange das noch möglich ist. Am Morgen des 13. Dezember 1943 befindet sich somit fast die gesamte Bevölkerung im Ort. In dem Bericht eines Überlebenden heißt es:

Der Offizier drehte sich um und sagte: Habt keine Angst, wir werden Kalavryta verbrennen, und dann bringen wir euch woanders hin, da kann jeder machen, was er will. Niemand wird euch etwas tun. Und das beruhigte uns. Wir dachten: Sie zünden uns nun unser Kalavryta an, aber mehr nicht. Und der Offizier hatte uns wohlgemerkt sein Ehrenwort gegeben.

In der "Abschlussmeldung über Sühnemaßnahmen beim Unternehmen Kalavryta" an das 68. Armeekorps sind insgesamt 24 Ortschaften sowie die Klöster Mega Spileon, Agia Lavra und Omblu als zerstört aufgeführt. Die Gesamtzahl der Toten des "Unternehmens Kalavryta" wird mit 696 Erschossenen angegeben.

Das Massaker von Kalavryta traf Griechenland mitten ins Herz. Die kleine Stadt galt von jeher als Symbol griechischen Widerstandsgeistes. Dort begann im März 1821 der Aufstand gegen die Osmanenherrschaft. Im Kloster Agia Lavra, dass 1943 von der Wehrmacht zerstört wurde, hatte der Bischof Germanos von Patras die Fahne der Freiheitskämpfer gesegnet. Das Massaker provoziert den Schulterschluss von Kommunisten und Nationalisten gegen die Okkupanten. Nach dem Krieg haben sich deutsche Historiker mit Okkupationsverbrechen in Griechenland so gut wie gar nicht beschäftigt. Und auch nach Willibald Akamphuber, dem Mann, der die Exekution der Männer Kalavritas kommandiert haben soll, haben weder die österreichische noch die deutsche Justiz jemals gesucht.

Panos Bratsikas war am Tag des Massakers acht Jahre alt. Als Jugendlicher kam er später nach Deutschland, machte eine Lehre als Schreiner und fand später sogar eine Anstellung in den Chemiewerken von Bayer Leverkusen. Wörter wie "Wiedergutmachung" und "Entschuldigung" versteht er nur zu gut.

Bratsikas: Kalavryta war eine glückliche Kleinstadt. Es gab viele fremde Angestellte. Es gab Gerichte, Banken, Finanzämter und Schulen. Auch Bauern lebten hier. Es war eine schöne Stadt, den Menschen ging es gut bis zu diesem schwarzen Tag, dem 13. Dezember 1943. Wissen Sie, als Kinder, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, dann will man feiern, Partys veranstalten, Unterhaltung. Für uns gab es das alles nicht. Für viele Jahre war nicht an so etwas zu denken. Wir sahen nur schwarz gekleidete Frauen und Kinder.

Zu Beginn des Jahrhunderts war Kalavryta am Berg Chelmos ein beliebter Winterskiort. Heute wirkt der Ort wie jedes andere griechische Bergstädtchen auch. Das Gesicht Kalavritas hatte sich nach dem Einmarsch der Deutschen auch äußerlich verändert. Die traditionellen Steinhäuser, die dem Städtchen ein schönes Flair verliehen haben, gibt es kaum mehr. An die Ereignisse vom 13. Dezember 1943 erinnert noch das große weiße Kreuz an der Gedenkstätte. Es war nach dem Krieg direkt am Platz der Exekution errichtet worden. Er liegt hoch über der Stadt. Man kann es von überall her gut sehen. Auch die alte Kirchturmuhr ist im Zentrum des Ortes erhalten geblieben. Vor der Grundschule steht ein Denkmal für die überlebenden Mütter, das ein Sohn Kalavritas gestiftet hat.

In der Schule fielen am 13. Dezember 1943 die Frauen in Ohnmacht. Schwangere Frauen, die schrieen, Babys und greise Männer, alle waren sie so eng in den Räumen eingepfercht, dass sie nicht umfallen konnten. Als sich die Frauen endlich aus den Räumen befreien konnten, liefen sie in alle Richtungen und suchten nach ihren Männern.

Nika: Wir schauten uns überall um und sahen an einem Hang Menschen, die auf und ab gingen. Da riefen einige Frauen: "Schaut, da oben sitzen die Männer." Das war um die Mittagszeit. Wir liefen dorthin. Hinauf, am Friedhof vorbei. Auf dem Weg begegneten wir einer Hirtin, der alten Wasonia. Sie sagte: "Wo wollt ihr hin, Frauen? Sie haben alle Männer umgebracht." Wir dachten: Alle? Was heißt alle? Und wir stiegen weiter hinauf, als uns zwei Verletzte entgegen kamen. Giorgandas und Kokkinos. Giorgandas war voller Blut und konnte nicht sprechen. Kokkinas bestätigte, dass alle Männer umgebracht worden waren. Aufstieg, Stacheldrahtzäune, wir kamen an. Vom Weg aus konnte man noch nichts erkennen. Man musste schon direkt am Ort sein, um alles mitzubekommen. Der Weg ging ja steil hinauf, und oben erst wurde er flacher.

Franzeska Nikas kleine, runde Augen werden groß. Ihre kleine Gestalt kauert sich im Sessel noch mehr zusammen. Zur Begrüßung schien sie noch ganz fröhlich zu sein. Die Erinnerung nimmt ihr fast den Atem. Sie hat Angst, wie sie später gesteht, dass die Stimme versagt.

Nika: Man kann das nicht beschreiben. Ich dachte beim ersten Anblick, dass Atem als aufsteigender Dampf sich verflüchtigte. Vielleicht war es das Blut, das verdunstete. Wir wateten regelrecht im Blut, suchten, riefen, schlossen die Augen, öffneten sie wieder. Ich weiß noch, dass ich sagte: Das ist nicht wahr, es ist ein böser Traum. Ich schlafe sicher nur. Ich schloss und öffnete die Augen. Ich werde wahnsinnig, nein, ich darf nicht wahnsinnig werden. .. Wir hielten den Kopf eines Jungen, und er starb in unseren Armen.

Die meisten Frauen aus Kalavryta waren unter 30, als das Massaker geschah - aber nur vier Frauen haben später wieder geheiratet. Sie alle sind nie entschädigt worden.

Bratsikas: Schauen sie, die Gefühle um dieses Verbrechen waren und sind so stark, dass sie unser gesamtes Leben stigmatisiert haben. .. Denn es war ja nicht allein der 13. Dez. Natürlich war dies ein tragischer Tag. Aber von da an begann das eigentliche Golgatha. Die Mütter ohne Häuser, ohne Essen, ohne Geld, mit nichts. Sie mussten darum kämpfen, ihre Kinder groß zu ziehen, ihnen ein Heim zu bieten. Ich erinnere mich, wir holten Wellblech aus der Umgebung herbei und hielten es über unsere Köpfe, damit wir nicht nass wurden, denn es war Winter und feucht. So etwas kann man doch nicht vergessen. Wie soll das aus den Herzen der Einzelnen verschwinden.

Der 13. Dezember in der Dorfkirche von Kalavryta. Das Hauptgebäude wurde 1943 abgebrannt. Wie durch ein Wunder blieb das Evangelium, das auf dem Altar lag, unversehrt wie der Glockenturm, dessen Uhr exakt um 14.30 Uhr anhielt. Die Einwohner Kalavrytas haben ihn nach dem Wiederbau ihrer Kirche als Mahnmal erhalten. Die beiden Mosaike über dem Hauptportal des neuen Gotteshauses zeigen die zwei wichtigsten Augenblicke in der Geschichte Griechenlands: den Befreiungskampf von 1821 gegen die Türken und das Massaker vom 13. Dezember 1943.

Es war ein langer mühsamer Fußweg bis hinauf zum Hügel der Gedenkstätte. Die Frauen, die ihn auf sich genommen haben, waren 1943 noch kleine Mädchen. Sie mussten ihren Müttern helfen, die Leichen ihrer Väter und Brüder zu finden und sie hinunter zum Friedhof zu tragen. Eine Frau ist am 13. Dezember 1943 zur Welt gekommen. Ihr Geburtstag, der erste Tag ihres Lebens, war für die Männer von Kalavryta der letzte. Sie weint und weint.

Oben über der Stadt, auf dem Hügel Kapi, wo das Mahnmal der Opfer nach dem Krieg errichtet worden ist, haben sich alle Teilnehmer der Prozession versammelt. Direkt vor den Gräbern und den vier riesigen, in einem Halbkreis angelegten weißen Marmortafeln, mit den Namen aller getöteten Männer. Die Kapelle hat aufgehört zu spielen. Die Priester beten für die Seelen der Opfer. Sie segnen den Ort. Predigen um Frieden. Weihrauchduft liegt in der Luft.

Plötzlich kommen mehrere Kinder auf den Bürgermeister zugerannt. Sie rufen mit aufgeregten, zittrigen Stimmen. Berichten ihm von der Anzahl der Ermordeten. Es gehört zum Ritual. Die Kinder spielen die Ereignisse vom 13. Dezember in Szenen nach. Der Bürgermeister Kalavritas tritt vor. Er ruft alle Namen der ermordeten Männer in alphabetischer Reihenfolge auf.

Weiter oben am Hang, hinter der Zypressenlichtung versteckt, schießen die griechischen Soldaten Salut. Den Menschen steht der Schrecken noch immer ins Gesicht geschrieben. Zuerst herrscht eisige Stille, dann beginnen einige Frauen zu weinen. Kinder und Jugendliche, die sich weiter oben auf dem Hügel postiert haben, halten riesengroße Transparente: Nie wieder Nazis, nie wieder Krieg! Der Bürgermeister sagt:

Es geht um eine moralische Genugtuung. Und diese moralische Genugtuung kann nur von dem Land kommen, das für die Verbrechen verantwortlich war.

Nach der Gedenkfeier löst sich die Menge langsam auf. In kleinen Gruppen oder allein geht jeder den Weg hinunter Richtung Kalavrita. Manche halten kurz am Friedhof an. Der ist nur wenige Meter vom Dorfeingang entfernt. Auf den meisten Grabsteinen liest man auch heute noch ein und dasselbe Datum: 13. Dezember 1943.

Okkupationsverbrechen
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Re: Athos

Beitrag von songul » 19.09.2010, 20:41

Vechnaya Pamyat! Ewiges Gedenken!

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Re: Athos

Beitrag von stefan1800 » 19.09.2010, 21:09

1. Athos: Richtig, so habe ich das auch gelesen.
@Peter:
2. Kalavrita:
Massaker hin oder her: Die Ursache war die Ermordung von 70 Wehrmachtssoldaten, wie Du selbst zugibst.
Gemäß der Haager Landkriegsordnung von 1907 darf im Verhältnis 1:10 vergolten werden. Ja, das ist brutal, sehr sogar, aber so steht es dort drin ! Wißt Ihr, im welchem Verhältnis Russen und Amerikaner hier in Deutschland 1945 vergolten haben ? Zum Teil 1:100 oder 1:200. Und von wegen Reparationen: Um die Angehörigen der 70 Soldaten hat man sich auch einen Dreck gekümmert. Warum neigen manche Deutschen dazu, Kübel von Mist auf ihr Volk auszugießen ? Peter, ich höre !

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Re: Athos

Beitrag von songul » 19.09.2010, 21:27

1. Reaktionäre, faschistische oder auch ultra-linke Statements haben in diesem Forum nichts zu suchen! Halte dich dran.
2. Es ist immer noch ein Unterschied ob Soldaten im Dienst umkommen (das ist ihr Risiko) oder Zivilisten dahin massakriert werden.

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Re: Athos

Beitrag von Nassos » 19.09.2010, 21:35

Der Nazi hat den Wind gesät und den Sturm geerntet. Und trotzdem blieb er unerreichbar.

Die 70 und ihre Kumpane hatten gar nichts in Griechenland verloren - und mir tut es um jede Familie leid, die die ihren im Krieg verliert oder an einem Verbrechen!

Wenn hier eine historische Debatte über die sogenannte "Siegerpropaganda" ausbricht, wird der Strang sofort gesperrt.

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Re: Athos

Beitrag von Mary » 19.09.2010, 21:36

stefan1800 hat geschrieben:1. Athos: Richtig, so habe ich das auch gelesen.
@Peter:
2. Kalavrita:
Massaker hin oder her: Die Ursache war die Ermordung von 70 Wehrmachtssoldaten, wie Du selbst zugibst.
Gemäß der Haager Landkriegsordnung von 1907 darf im Verhältnis 1:10 vergolten werden. Ja, das ist brutal, sehr sogar, aber so steht es dort drin ! Wißt Ihr, im welchem Verhältnis Russen und Amerikaner hier in Deutschland 1945 vergolten haben ? Zum Teil 1:100 oder 1:200. Und von wegen Reparationen: Um die Angehörigen der 70 Soldaten hat man sich auch einen Dreck gekümmert. Warum neigen manche Deutschen dazu, Kübel von Mist auf ihr Volk auszugießen ? Peter, ich höre !
Stefan... ich bin geschockt. :shock:
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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Re: Athos

Beitrag von songul » 19.09.2010, 21:39

Mary hat geschrieben:
stefan1800 hat geschrieben:1. Athos: Richtig, so habe ich das auch gelesen.
@Peter:
2. Kalavrita:
Massaker hin oder her: Die Ursache war die Ermordung von 70 Wehrmachtssoldaten, wie Du selbst zugibst.
Gemäß der Haager Landkriegsordnung von 1907 darf im Verhältnis 1:10 vergolten werden. Ja, das ist brutal, sehr sogar, aber so steht es dort drin ! Wißt Ihr, im welchem Verhältnis Russen und Amerikaner hier in Deutschland 1945 vergolten haben ? Zum Teil 1:100 oder 1:200. Und von wegen Reparationen: Um die Angehörigen der 70 Soldaten hat man sich auch einen Dreck gekümmert. Warum neigen manche Deutschen dazu, Kübel von Mist auf ihr Volk auszugießen ? Peter, ich höre !
Stefan... ich bin geschockt. :shock:
Irgendwann lässt halt ein jeder die Katze aus dem Sack.

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Re: Athos

Beitrag von Mops » 19.09.2010, 22:28

Stefan, vielleicht solltest du vorher überlegen, was du wie schreibst...
eigentlich sollte man dir garnicht antworten...

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Re: Athos

Beitrag von stefan1800 » 20.09.2010, 01:46

@Mary:
@Mops:
Jedes Opfer in einem Krieg ist ein Opfer zuviel, doch darum ging es gar nicht ! Hier wurden stattdessen wieder zu Lasten meines Volkes Ursache und Wirkung verwechselt.
Vielleicht solltet Ihr Euch über die Stationerung englischer Truppen in Griechenland vor 1941 informieren ?
@Mops:
Vielleicht solltest Du Dich besser informieren, anstatt sofort mit einer seltsamen Äußerung zu antworten ?

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