Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Nassos
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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Nassos » 04.02.2011, 03:07

Aber zumindest wurde das so explizit mal festgezurrt!

Was Vater Martinos sagt ist richtig, und doch kommt langsam ein Wandel auf uns zu. Die Jugendlichen haben wohl nicht mehr das Bedüfnis, ein Stück Heimat zu besuchen (höchstens etwas, was ihnen in idealisierter Form von den Eltern beigebracht wurde, denn wirklcih kennen tun sie die Heimat nicht). Desweiteren wage ich zu behaupten, dass das Verhätlnis der Deutschkenntnisse zu den Kenntnissen der Heimatsprache sich immer mehr Richtung Deutsch verschiebt.
Zumindest ist das die Erfahrung, die ich aus Kulturvereinen so mitbekomme (und in den Vereinen ist das immer noch besser als bei Leuten, die nicht mal diese Verbindung pflegen).

Der Besucher hat wohl vom Athos eine andere Erwartung (es ist und bleibt ein Urlaubserlebnis) als von der Liturgie in der deutschen Heimat (wo es der Alltag ist). Da fehlt noch ein bißchen der orthodoxe Geist, aber ich glaube, man kann eigentlich auch so schon recht zufrieden sein.

Matwej, noch eines: die Smileys gefallen mir auch nicht, die sehen tatsächlich fies aus.... Bitte mit Vorsicht verwenden

Ich weiß nicht, wie die Orthodoxie in 20 Jahren sein wird in Deutschland. Ein mögliches Szenario, das ich mir vorstelle ist eher "eschatologisch" angehaucht. Die Kirche steht unter stärkster Verfolgung und in Anbetracht des Kampfes um die nackte Existenz könnte es tatsächlich zu einer orthodoxen Einheit zwischen West und Ost kommen. Offen gesagt, ist das für mich gerade der einzige - wenn auch doch recht unwahrscheinliche - denbare Fall, in dem das Schisma vor der Zweiten Parusie beendet werden könnte.
Wie gesagt, reine Vorstellung.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Priester Alexej » 04.02.2011, 13:36

Ich bin sehr gespannt auf die Orthodoxie hier in 20 Jahren. Vieles hängt von uns ab, denn jetzt werden die Menschen groß, die in 20 Jahren etwas bewirken können. Nur wenn es genug solcher Menschen geben wird, gibt es gute Aussichten. Aber dafür muss man diese jetzt fördern, die Kinder und Jugendliche müssen lernen, das deutsch auch eine schöne Sprache ist, dass orthodox auch deutsch sein kann. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, Priesterseminare zu besuchen. Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen, wenn sie an die Zukunft in 20 Jahren denken, vergessen, dass diese Zukunft jetzt, von uns geschrieben wird. Natürlich hängt vieles von Gott ab, aber wenn der Mensch nicht mit Gott mitarbeitet, wird auch nicht passieren.

Die Skite ist aber auch nur ein Teil des ganzen. Wir habe mehrere Klöster, orthodoxe Gemeinden, Verlage, theologische Fakultäten, Theologen, Priester, Gemeindeglieder, den OJB, Internetseiten, sogar einen Multimedia Channel :), andere Initiativen. Und das alles auf deutsch.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Lazzaro
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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Lazzaro » 04.02.2011, 21:10

Carissimi!
Igor hat geschrieben:

Unser Gemeindevorsteher Erzpriester Wiktor Aleksejew gab im Oktober 2010 ein Interview der Zeitschrift Damaskin des Geistlichen Seminars von Nizhnij Novgorod, Ausgabe Nr. 3 (15) vom Oktober 2010 (in russisch), in welchem auch einige Gedanken zur hier aufgeworfenen Fragestellung enthalten sind. Der Artikel ist auch auf deutsch auf unserer Gemeindewebseite verfügbar „Gott auf deutsch preisen...“
Vielen dank für den Verweiß zum Artikel! Leider seht da aber auch, daß die deutschen Texte in Vorbereitung sind. Wie sieht denn die Verwirklichung inzwischen aus.
Matwej hat geschrieben:
:aufsmaul:
Ich habe Kampfsport beim Polizei-Sport-Club in Bautzen gelernt :bigtongue:
Liebe Moderatoren, ich sehe es gelassen, und freue mich daß meine Provokation gelungen ist. :lol:
Matwej hat geschrieben:
an Weihnachten singen wir deutsche, russische und georgische Weihnachtslieder.
Ich glaube kaum, daß in einer Orth. Kirche in Deutschland VENI REDEMPTOR GENTIUM (= Nun komm der Heiden Heiland) geduldet wird, obwohl an der orthodoxie des Autores, des Ambrosius von Mailand NICHT DER GERINGSTE ZWEIFEL BESTEHT !
Sinaitis hat geschrieben:
Deutsche Gemeinden zählen meist 10-20 Köpfe (und keine einzige deutschsprachige Gemeinde ernährt ihren Priester !!!!), russische, griechische usw. Liturgien versammeln hunderte von Menschen.
Warum gehen Griechen und Russen (...etc.) nicht zu deutschsprachigen Gottesdiensten? Und umgekehrt? Und warum öffnet sich weder die eine noch die andere Partei der jeweils anderen Sprache? Ich persönlich finde ich auch nicht richtig, wenn der Gottesdienst mit Außname des Vater Unsers auf Deutsch stattfindet, obohl es in der Kirche Leute gibt, die kein Wort Deutsch können. (Wie man das nach 10 jahren Aufenthalt schafft ist mir ein Rätsel, aber das ist ein anderes Thema.)
Sinaitis hat gesagt:
Die Kirche hat hier auch eine wichtige Aufgabe der Heimat.
Wenn ich als "Guter Orthodoxer" wegen der Heimatgefühle in die Kirche gehe, ist es doch nur logisch und konsequent, daß ich die röm.-kath. Kirche meiner Kindheit wieder aufsuche!!! Oder wie siehst Du das ?????
Sinaitis hat gesagt: gewohnte liturgische Sprache
Bei mir wäre das: Griechisch, slavisch ,rumänisch, englisch, cechisch italienisch, lateinisch, deutsch in den sich kollidierenden Übersetzungen von Vater Peter und Vater Sergius ... Richtig beherschen kann ich nur zwei...
Sinaitis hat geschrieben:
Dafür braucht es allerdings auch Arbeiter im Weinberg des Herrn und Missionare. Und bewahre uns Gott, dass wir ein Zerrbild der Orthodoxie bieten und die Menschen guten Willens auch noch abschrecken.
:lol: Ich würd ja schon gerne, aber in der orth. Kirche "um die Ecke" läßt mann mich ja nicht. :lol: Naja, eine - zwecks Werbung- vorzeigbare Gemeinde findet sich erst nach 1.30 bis 2 h Autofahrt. Und das am Sonntag Morgen ... :schneewerfen:

Liebe Forenmitglider!
Ich denke wier hier ( Betonung auf HIER ) sind uns doch einig welche Vorstellung wir von der Orthodoxen Kirche in 20 Jahren haben. Sicherlich das Exarchat in der Rue Darue hat den Vorteil, daß es unhabhängig vom Ausland und daher viel freier in der Entwicklung ist. Die russischen Pfarrer sollen ja z. B. Rücksicht auf die russ. Außenpolitik nehmen.

Die eigentliche Frage ist, wie können wir die Kirche der deutschen Sprache und die Deutschen der Kirche annähern!

HIER MUSS ICH DEUTLICH SAGEN, DASS GERTENNTE WEEGE, wie leider meist praktiziert werden, DER FALSCHE WEG IST :!:

Die Skite in Gailnau ist da eher auf dem richtigen Weg. Auch die Gemeinde Mariae Verkündigung in Würzburg ist ein sehr positives Beispiel von deutsch-fränkisch-russischer Integration! Oder praktische deutsch-cechische Versöhnungsarbeit der St. Johannes Kirche in Rumburg.
Was macht den jeder einzelne von uns, um dieses Ziel zu erreichen?
Ich habe lange genug an dieser Front gekämpft und werde es magels Interesse der Mehrheit der Gottesdienstbesucher nicht mehr tun. Wenn sich die "Heimatnostalgiker" Ihre Kirche kaputt machen wollen, wird es die meinige nicht mehr sein.
Ich habe in den letzen Jahren leider auch das Gefühl bekommen, daß die Mehrheit der ausländischen Gottesdienstbesucher die deutsche Minderheit genau so schlecht behandelt, wie die Mehrheit der einheimischen weltlichen Gesellschft die Migranten. (Das kommt nicht nur in Neuköllner Schulen vor.)
Ich denke hier ströhmt ein allgemeies gesellschftliches Problem in die Kirche hinein, das erkannt werden muß und dem Enhalt geboten werden muß!

Zu guter Letzt: Vielen dank fürs geduldige Lesen.
Pace e bene!
Lazzaro
:ende: :dream2:
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Elias
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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Elias » 05.02.2011, 15:27

Lazzaro hat geschrieben: :lol: Ich würd ja schon gerne, aber in der orth. Kirche "um die Ecke" läßt mann mich ja nicht. :lol: Naja, eine - zwecks Werbung- vorzeigbare Gemeinde findet sich erst nach 1.30 bis 2 h Autofahrt. Und das am Sonntag Morgen ... :schneewerfen:
Was lässt man dich nicht? Ich kann dein Gedanken aber auch sehr gut verstehen! Einerseits hat Sinaitis Recht, das die Gläubigen ein Stück Heimat in den kirchen haben möchten aber andererseits verschliessen wir uns. Hier Orthodox werden bedeutet fast immer noch eher Russe, Serbe oder Grieche zu werden. Ich habe es am eigenen Leib erfahren. Wenn jemand unbedingt orthodox werden möchte wird dies wohl kein Hinderniss sein die jeweilige Liturgiesprache zu lernen und zu Verstehen aber für die breite Masse ist das nix und dadurch gehen sehr viele, die wirklich interesiert sind völlig unter. Zumal nicht jeder Bereit ist seine Kulturellen Hintergrund unterzuordnen aber genau das bedeutet es meistens. Unser Serbische Bischof hat die Zeichen der Zeit (Im Gegensatz zu manchen Priestern, wie zb. Vater Milan Pejic )immer noch nicht richtig erkannt und nach geistlichen Zustand geht es ihm meistens nicht, sondern eher nach Kulturellen Hintergrund . Was für die Zukunft der Orthodoxie eher Schade ist. Für die Zukunft unserer Kirche in diesem Land ist es aber bedeutend das das Deutsche immer mehr einzug in den Gottesdiensten hällt. Das Griechisch in Zypern, Griechenland u.s.w natürlich die Vorherschende Liturgische Sprache ist macht natürlich Sinn aber hier in Deutschland muss aus der Migrantenkirche, die sie ja noch ist, langsam zu einer Volkskirche werden, denn sonst wird diese Unsere Kirche hier keine Zukunft haben. Ich bin überzeugt, wenn der Gottesdienst zweisprachig gehalten würden, wird der harte Kern der Heimatsuchenden trotzdem in die Kirchen kommen. Eine orthodoxe Kirche ist für ALLE offen und nicht nur für diejenigen die Russisch, Serbisch, Griechisch können. Was mich aber positiv stimmt ist, das sich in letzter Zeit einiges Geändert hat und auch weiter ändern wird. In Bremen wird inder dortigen Russischen Gemeinde (www.rok-bremen.de) ab April einmal im Monat die göttliche Liturgie komplett auf Deutsch statt finden. Das ist zwar nicht viel aber ein Anfang zumal die übrigen Gottesdienste auf kirchenslavisch und zum Teil auch auf Deutsch statt findet. Einige Priester haben die Zeichen der Zeit schon erkannt und versuchen ein Spagat hinzubekommen der nicht einfach ist. Bis jetzt gehöre ich noch zur dortigen serbischen Gemeinde an aber das Serbisch reicht mir nicht wenn ich die Predigten nicht verstehe oder das Evangelium immer nachschlagen muss. Ich habe einfach nicht die Kraft neben Georgisch, Russisch (Für mein Beruf) noch serbisch zu lernen. Ich finde das kann man einen normalen (deutschsprachigen) Gläubigen auch nicht zumuten.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von ElvisVrinic » 05.02.2011, 16:22

Genau das ist auch meine Meinung.

Wenn man versuchen würde nur einmal im Monat, die Liturgie in deutscher Sprache zu zelebrieren und ansonsten in der jeweiligen Liturgisprache bleiben, würden auch andere eher zu uns kommen und sich wohlfühlen.

Was ich aber noch zu sagen habe:

Es wäre auch nicht schlecht, wenn man auch ein bisschen auf uns jüngere achten würde. Da wir ja unsere abstammungsländer auch nur vom Urlaub kennen und sogar die eigene Muttersprache nicht richtig beherrschen. Nicht nur dieses, sondern man muss auch bedenken das die BRD unsere Heimat geworden ist auch wenn man sich im Abstammungsland wohlfühlt.

Gruß

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

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Lazzaro
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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Lazzaro » 05.02.2011, 18:20

Lieber Iljia,
Du fragtest:
Was lässt man dich nicht?
Ganz konkret hat der Pfarrer mir Verboten die Chorempore zu betreten. Die Sänger haben haben mich sogar gefragt, ob ich nicht zu ihnen kommen. Ich habe mit Vater ... oft und lange geprochen. Er hat viele Worte gemacht, die alle nur eines bedeuten: Ich dürfe die Kirche betreten, die Sacramente empfangen UND MEHR NICHT. Warum ? Ich habe keine Antwort bekommen und denke mir meinen Teil.
Hier Orthodox werden bedeutet fast immer noch eher Russe, Serbe oder Grieche zu werden. Ich habe es am eigenen Leib erfahren.
Ich habe ernste und wichtige Gründe das genau nicht zu können. Wenn jemand freiwillig eine andere Nationalität annehmen möchte, bitte. Er hat aber sicherlich eine andere Biographie.
Ich bin überzeugt, wenn der Gottesdienst zweisprachig gehalten würden, wird der harte Kern der Heimatsuchenden trotzdem in die Kirchen kommen.
Das wollte ich eigentlich in meinem "grande Sermone" sagen :2thumbs: :bravo2: :bananadancer2: :2thumbs: :bananadancer2: :2thumbs: :bravo2: :2thumbs: :bananadancer2: :bananadancer2: :bravo2: :bravo2: :bravo2:

( Ich sehe gerade,daß Du einen anderen Smilie-Rekord gebrochen hast.)

Ich bin auch überascht, daß in Bremen die Landessprache Einzug erhält. War das eine Bedingung der Stadt zu finanziellen Unterstützung, oder ist die Gemeinde selbst auf die Idee gekommen. Ein befreundeter Kirchenmusiker hatte schon die Befürchtung, die gemeinde würde öffentliche Gelder praktisch dazu benutzen, um sich mehr von der Mehrheitsgesellschaft abzukapseln,satt sich zu integrieren.
Appro posito Vater Milan: Auch dort gibt es ein interessantes Beispiel von Integration,das aber nicht sofort auffällt: Die serb. Musik von St. Mokranjac, die eigentlich deutsche (Johan Sebastian) Bach-Schule des 19. Jahrhunderts ist. Ich bin ja schließlich Cantorianer. :P

Hier vor Ort gibt es leider einen Priester, der die Zeichen der Zeit erkannt hat und (absichtlich :?: ) nichts macht.
Ilja, wenn Du russisch professionell sprichst, wieso verstehst Du kein serbisch? Bei mir in der Firma funktioniert die russ- serbokroat. Kommunikation recht gut. Oder legt es bei uns am nicht vohandenen Niveau der Sprache.
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Nassos
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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Nassos » 05.02.2011, 20:19

wenn das mit "einmal im Monat deutsch" klappen soll, dann am besten (aber nicht ausschließlich) wenn

a) überall der selbe Wortlaut vorhanden ist.
b) das alle umsetzen. Dann ist das einheitlich und hat einen anderen Stellenwert für die Gläubigen, als wenn das einzelne Gemeinden machen.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Mops » 05.02.2011, 20:41

Warum gehen Griechen und Russen (...etc.) nicht zu deutschsprachigen Gottesdiensten? Und umgekehrt? Und warum öffnet sich weder die eine noch die andere Partei der jeweils anderen Sprache? Ich persönlich finde ich auch nicht richtig, wenn der Gottesdienst mit Außname des Vater Unsers auf Deutsch stattfindet, obohl es in der Kirche Leute gibt, die kein Wort Deutsch können. (Wie man das nach 10 jahren Aufenthalt schafft ist mir ein Rätsel, aber das ist ein anderes Thema.)
wo steht das? ich treffe schon den griechischen Bruder in einer russischen Gemeinde, ebenso deutsche Orthodoxe, auch kenne ich Deutsche die in die griechische Gemeinde gehen und sich dort zuhause fühlen. Wenn wir nur auf die anderen zeigen wird sich nichts ändern. Ich (als Deutscher) fühle mich z.B. in russischen Gemeinden oft wohler, als in einer deutschen, das hat aber andere Gründe. Auch mein Besuch im Sinai hat gezeigt, dass Nationalismus völlig fehl am Platze ist, dort triffst du Väter und Brüder aus vielen Nationen. Im Kloster in München (russisch orthodox) sind auch mehrere Deutsche zu finden usw....

Sieh doch mal positiv, ich bin orthodox getauft, nicht russ., gr, georg. orth.. Ich gehe da hin, wo ich mich am wohlsten fühle und nicht der Sprache wegen. Ich möchte in eine orthodoxe Kirche gehen und dort ganz einfach in Ruhe beten und den Gottesdienst erleben dürfen.
alles andere will ich nicht. Weder politische Debatten, noch irgendwelchen "ökumenischen" Unsinn, wo man mancherorts oft hingedrängt wird....
Aber das ist nur meine Meinung.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Elias » 05.02.2011, 21:18

Lazzaro hat geschrieben: Ich bin auch überascht, daß in Bremen die Landessprache Einzug erhält. War das eine Bedingung der Stadt zu finanziellen Unterstützung, oder ist die Gemeinde selbst auf die Idee gekommen. Ein befreundeter Kirchenmusiker hatte schon die Befürchtung, die gemeinde würde öffentliche Gelder praktisch dazu benutzen, um sich mehr von der Mehrheitsgesellschaft abzukapseln,satt sich zu integrieren.
Appro posito Vater Milan: Auch dort gibt es ein interessantes Beispiel von Integration,das aber nicht sofort auffällt: Die serb. Musik von St. Mokranjac, die eigentlich deutsche (Johan Sebastian) Bach-Schule des 19. Jahrhunderts ist. Ich bin ja schließlich Cantorianer. :P
Die Landessprache hält nicht ganz dort Einzug. Der dortige Priester legt aber Wert darauf, das die deutschen in der Gemeinde intergriert werden. Öfters wird dort Apostel (Wenn die richtigen leute dabei sind!) und Evangelium in Zwei Sprachen gelesen aber natürlich nicht immer! Wenn erstmal die Liturgie einmal im Monat komplet (Zusätzlich mit Glaubensgespräch) erfolgt wird das Zweisprachige auch öfters passieren. Mann darf ja nicht vergessen das man auch dir richtigen Leute dafür braucht! Das wir ab April die Liturgie einmal im Monat in Deutsch anhalten wollen war mein Vorschlag und der Priester hat es dankend angenommen da er die gleiche Idee hatte. Nur hatte er keinen der auf Deutsch lesen kann, denn der dortige Leser ist nicht immer da und dann machen das die Russen selber und deren Deutsch ist oftmals sehr Schlecht!
Lazzaro hat geschrieben:Hier vor Ort gibt es leider einen Priester, der die Zeichen der Zeit erkannt hat und (absichtlich :?: ) nichts macht.
Ilja, wenn Du russisch professionell sprichst, wieso verstehst Du kein serbisch? Bei mir in der Firma funktioniert die russ- serbokroat. Kommunikation recht gut. Oder legt es bei uns am nicht vohandenen Niveau der Sprache.
Ich lerne noch Russisch und das bedeutet nicht das ich es sehr gut kann. Es wird immer besser aber Mein Georgisch ist um weiteren besser....Etwas Serbisch verstehe ich ja aber es geht mir nicht so ganz um meine persönliche Situation sondern um die gesammtsituation hier. Für mich war das bisher ok aber irgendwann möchte man etwas weiter kommen und auch alles Verstehen. Ich habe Zwei (deutsche) Freunde, die selber auch orthodox sind aber sie haben in der Gemeinde schweirigkeiten. Ihnen gefällt es in der 8serbischen) Gemeinde, aber Beichten können sie nicht weil der Priester nicht gut Deutsch versteht und so bleiben sie oftmals weg. Ich hatte immer versucht das die auch mehr Integriert werden, habe vor der Liturgie die Stundengebete auf Deutsch gelesen. Deshalb habe ich letztes Jahr mit dem russischen Gemeindepriester gesprochen und er sagte das er auch deutschsprachige Gottesdienste abhalten möchte. (In Bremen wird ja ab diesen Herbst die neue Russische Kirche gebaut). In der Russischen Gemeinde gibt es eine vielzahl von Deutschen (meist mit Russischen Frauen verheiratet) wo es nötig ist und dies ist wohl nur eine logische Konsequenz, denn der dortige Priester kann Deutsch, hat die Liturgie schon öfters auf Deutsch abgehalten und er kann auch auf Deutsch die Beichte abhalten.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Lazzaro » 06.02.2011, 00:15

Ilija hat geschrieben:
Ich lerne noch Russisch
Lieber Ilija,
entschuldige bitte. Ich bin in meiner Unwissenheit davon ausgegangen, daß jeder mit (Ex-)GUS- Hintergrund automatisch fließend russisch spricht.
Was Du von aus Bremen erzählst hört sich doch ganz gut an. Ich bin auch eher ein Freund der kleinen Schritte, aber bitte jeden Tag kontinuierlich ein Millimeter weiter. Ich werde meinem Freund berichten.

Wie sieht denn das in anderen Gemeinden aus?
Wie fühlen sich eigentlich Griechen oder Russen behandelt, wenn sie in die jeweils andere Kirche gehen (müssen, z.B. mangels eigener Gemeinde) ?
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Nassos
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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Nassos » 06.02.2011, 03:10

Ich sollte endlich mal zu den Stuttgarter Serben und auch zu den Russen.
Eigentlich wäre es schön, mir einen alten Wunsch zu erfüllen: Milo kennenzulernen.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Stephanie » 06.02.2011, 10:47

Ich muss nun leider auch noch mal in die Kerbe schlagen...

Selbstverständlich verstehe ich, dass Menschen Heimweh haben und ein Stück Heimat pflegen wollen ... aber mit Verlaub, das ist etwas für die eigenen 4 Wände und für den Kulturverein. Im Übrigen entsprechen die Feste ja als Lokalbrauchtum sehr wohl dem Heimatland.
Ich würde mir aber schon wünschen, dass man sich auch irgendwann entscheidet, wo man leben möchte. Soll heißen, ich finde es schon sehr schwierig, wenn meine geliebten (das ist nicht ironisch gemeint, ich mag die griechische Kultur sehr) griechischen Glaubensbrüder - ich weiß nicht, wie das andernorts aussieht, ich habe bislang nur diese Erfahrung - kaum ein Wort Deutsch sprechen und verstehen und das, obwohl sie hier seit deutlich mehr als 10 Jahren leben und dem dann im Gottesdienst Rechnung getragen werden muss (?)
Wie kann das aber sein, dass ich als Deutsche in Deutschland um orthodoxer Christ werden zu können erst Bibelgriechisch und dann noch Neugriechisch lernen muss, damit mich der Priester verstehen und mir die Beichte abnehmen kann oder ich mich mit Glaubensbürdern unterhalten kann? Das finde ich schon sehr...na, sagen wir merkwürdig. Wie sieht denn das mit dem Heilsauftrag der Kirche aus? Paulus hat die Menschen doch auch dort abgeholt, wo sie waren (wie man das in der Pädagogik so schön formuliert) und hat nicht den Menschen erklärt, dass sie erst mal hebräisch lernen und Juden werden müssen. Ich bin nun mal Deutsche und keine Griechin - das hat der Storch so beschlossen, als er mich ausgetragen hat... :wink:
Mit Verlaub, wir können uns nicht aufregen, dass Muslime sich in diesem Land nicht integrieren, wenn wir das noch nicht mal unter uns Glaubensbrüdern hinbekommen. Und darüber bin ich traurig...und wenn ich ganz ehrlich bin, auch missmutig.

Nach all dem Gemotze nun aber noch das Wichtigste: Euch allen einen gesegneten Sonntag! :D

(musste leider meine Rechtschreibfehler ausbügeln...bei meinem Gemotze über mangelnde Sprachkenntnis ist das natürlich doppelt peinlich :oops: )
Zuletzt geändert von Stephanie am 06.02.2011, 11:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von holzi » 06.02.2011, 11:30

Dieser Zwiespalt zwischen heimatlicher Traditionspflege und Missionsauftrag ist auch anderswo zu finden. In der protestantischen Freikirche meiner Frau wird auch immer darum gestritten, ob man denn nun mehr in Protugiesisch/Spanisch oder aber mehr in Deutsch beten, predigen und singen sollte. Eben auch der Konflikt zwischen Heimatverein und Missionskirche.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Stephanie » 06.02.2011, 12:26

Um das Ganze übrigens noch ein wenig dramatischer auszugestalten: Wenn ich mich nun orthodox taufen lasse und mir nun tatsächlich das Griechische aneigne und dann umziehe (in meinem Fall ist es zum Beispiel so, dass ich die nächsten 2-3 Jahre ziemlich häufig umziehen muss) und sich an diesem Ort keine griechisch-orthodoxe sondern "nur" eine russisch-orthodoxe Kirche in erreichbarer Nähe befindet...so geht das Spielchen von vorne los? Muss ich dann erst Russin werden? :wink:
Und das ist wohl gar nicht übertrieben oder ein absurdes Glasperlenspiel, wenn man hört, dass man als deutscher Konvertit dann erst mal abklären muss, ob der neue Priester befindet, dass man überhaupt orthodox ist... Ich bin wirklich ein neugieriger und offener Mensch, aber irgendwann bekäme sogar ich echte Identitätsprobleme...


Dementsprechend, um auf die Ausgangsfrage einzugehen, würde ich mir wünschen, dass die Orthodoxie in 20 Jahren in Deutschland so weit angekommen ist, dass diese lästigen und unsinnigen Sprachbarrieren nicht mehr bestünden. Dann würde man sie vielleicht hierzulande auch nicht mehr als "kulturelle/exotische Folklore" aus der Ferne betrachten...

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Re: Orthodoxie in Deutschland in 20 Jahren?

Beitrag von Lazzaro » 06.02.2011, 12:30

Holzi sagte:
Dieser Zwiespalt zwischen heimatlicher Traditionspflege und Missionsauftrag ist auch anderswo zu finden. In der protestantischen Freikirche meiner Frau wird auch immer darum gestritten, ob man denn nun mehr in Protugiesisch/Spanisch oder aber mehr in Deutsch beten, predigen und singen sollte.
Ich hörte bei den Adventisten am Bodensee, gäbe es ähnliche Probleme und deshalb habe sich die Gemeinde praktisch zweigeteilt in je einen russischen und deutschen Teil.

Auch in der russischen Kirche in S. habe ich erlebt wie zwischen Russophilen und Germanophilen die Fetzen geflogen sind, so daß sogar der Pfarrer, sonst die Güte in Person, ärgerlich wurde. Ich denke es ist auch wichtig, daß diese Auseinandersetzung offen und ehrlich geführt wird, damit man einen für alle tragfähigen Kompromiß finden kann.
Die andere Seite war aber: Am Versöhnungssonntag flossen die Tränen und wir vergaben uns die Streiterein des vergangenen Jahres.

Vielen Dank an die Väter, die diesen Brauch eingeführt haben!
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