"Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Mirjanin
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"Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Mirjanin » 30.09.2011, 10:17

"Dafür hab ich jetzt keinen Nerv" ...

Diese Antwort habe ich mittlerweile schon drei Mal von unterschiedlichen Personen im Familien- und Bekanntenkreis bekommen, wenn ich auf das Thema Christentum & Gott zu sprechen kam. Ich fand es fast erheiternd, denn es wirkt wie abgesprochen. Immer der gleiche Satz :lol:

Natürlich ist das "jetzt keinen Nerv" nur stellvertretend für "Ich will mich damit nicht beschäftigen". Was ich spannend finde, ist woher diese reflexartige Reaktion rührt? Warum hat niemand einen Nerv sich damit zu beschäftigen?

(und als zweite Frage)

Wie reagiert ihr in dieser Situation? Was antwortet ihr? Habt ihr selbst die Erfahrung gemacht?
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

Andromachi
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Andromachi » 30.09.2011, 16:49

Meine beste Freundin hat mir verboten, ihr etwas über die Orthodoxie und unsere Kirche zu erzählen. Ihr Mann macht sogar böse Witze über unsere Priester.
Das machte mir zu schaffen, und ich fragte meinen Beichtvater danach, was ich mit ihnen tun sollte. Er antwortete, ich soll mich von ihnen entfernen. Und als ich fragte, ob das nicht gegen die christliche Liebe ist, sagte er, auch Christus hat nicht versucht, die Pharisäer umzustimmen. Und vielleicht würde eben dieses Entfenen von mir sie umstimmen, so dass sie umdenken.
Auch hier in Griechenland hat die größte Mehrheit der Leute Gott aus ihrem Leben verbannt.
Wir wissen, dass wir in der Minderheit sind. Aber:
"Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben" (Lk 12,32)

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songul
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von songul » 01.10.2011, 12:47

Ich finde schon dass sich in unserem Land (D) etwas ändert, der Papstbesuch hat das gut gezeigt; Religion und Glaube sind wieder ein Diskussionspunkt geworden.
Würden die orthodoxen Kirchen nicht nur sich, gemäss der Absprache mit den hiesigen Amtskirchen, auf die Ausländerseelsorge beschränken, dann hätte die Mission hier gute Chancen.
Denn ich habe gemerkt, dass wenn man nicht kath. oder evangelisch ist, die Leute fragen was ist denn das "orthodox".
Vor allem wenn sie die Nähe zur röm.-katholischen Kirche wahrnehmen.
Was den Nerv betrifft, der die Leute auf die Palme bringt: das Resultiert wohl vor allem wegen der Negativen Schlagzeilen die, meist, durch die Vorkommnisse in der kath. Kirche passiert sind, die kontroverse Figur des Papstes und allgemein die Lehren der Kirche.
Man lässt sich halt nicht gerne was in sagen in Sachen Moral, Ethik und anderem.
Auch die häufige Volksunnähe der Kirchenoberen, der Zwang, Kirchensteuer zahlen zu müssen und allgemein die Streitigkeiten innerhalb der Kirche zwischen Konservativen und Freiheitlichen hat auch dazu beigetragen.
Ich kenne jetzt in erster Linie kath. "Nervigkeiten"; was bei den Evangelischen nerven könnte kann ich wenig beurteilen. Insofern...
Ich finde aber dass gerade die orthodoxe Kirche da einen guten Mittelweg anbieten kann.
Die orthodoxe Bischofkonferenz hierzulande sollte halt einfach mal den Mut haben die Mission und vor allem die Landessprache (ich meine damit Deutsch 8) ) mehr zu forcieren in Kirchen und Liturgie.
Immer nur sich zurück zu halten, um sich mögliche Tantiemen nicht zu verspielen, bei den Landeskirchen, ist nicht im christlichen Auftrag.
Aber eben immer da wo materielle Werte eine Rolle spielen, diskreditieren sich die Kirchen beim Volk.
Davor ist auch die orthodoxe Kirche nicht gefeit vor.

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Hermann
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Hermann » 01.10.2011, 14:09

Bei uns in Österreich ist die Situation noch eklatanter: Bei uns sind die Orthodoxen zahlenmäßig zweitstärkste Konfession hinter den Katholiken. Die Schätzungen differieren etwa zwischen 250 und 500.000 bei 8 Millionen Einwohnern in Österreich. Das heißt, in Österreich gibt es relativ zur Gesamtbevölkerung zwei bis drei Mal mehr Orthodoxe als in Deutschland. Wie schaut es aber etwa mit deutschsprachigen Angeboten aus? Ein mal pro Monat in der russischen Kirche in Wien und dann war's das - für ganz Österreich. Das orthodoxe Selbstverständnis und das Verhalten nach außen passen da überhaupt nicht zusammen, wenngleich ich Ansätze zu einem missionarischen Denken nicht leugnen will - aber das ist sehr wenig. Ich seh's einmal wie es Vater Alexander Schmemann in seinen Aufzeichnungen gesagt hat angesichts der Lage der Orthodoxie in Nordamerika zu seiner Zeit: "Man muss viel beten für die Kirche".

Liebe Grüße, Hermann
Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugeschenkt.

christodoulos
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von christodoulos » 01.10.2011, 17:20

Hermann hat geschrieben:Bei uns in Österreich ist die Situation noch eklatanter: Bei uns sind die Orthodoxen zahlenmäßig zweitstärkste Konfession hinter den Katholiken. Die Schätzungen differieren etwa zwischen 250 und 500.000 bei 8 Millionen Einwohnern in Österreich. Das heißt, in Österreich gibt es relativ zur Gesamtbevölkerung zwei bis drei Mal mehr Orthodoxe als in Deutschland. Wie schaut es aber etwa mit deutschsprachigen Angeboten aus? Ein mal pro Monat in der russischen Kirche in Wien und dann war's das - für ganz Österreich. Das orthodoxe Selbstverständnis und das Verhalten nach außen passen da überhaupt nicht zusammen, wenngleich ich Ansätze zu einem missionarischen Denken nicht leugnen will - aber das ist sehr wenig. Ich seh's einmal wie es Vater Alexander Schmemann in seinen Aufzeichnungen gesagt hat angesichts der Lage der Orthodoxie in Nordamerika zu seiner Zeit: "Man muss viel beten für die Kirche".

Liebe Grüße, Hermann
Hallo Hermann,

ich treffe immer wieder "zufällig" auf orthodoxe Österreicher! Die Situation ist halt die, dass diese zersplittert oder verstreut sind im ganzen Land - ohne gemeinsames spirituelles Zentrum. Meistens sind sie Gäste in verschiedenen Kirchen.

Ich kann mich ich auch erinnern, dass Bekannte von mir sogar abgwiesen wurden. In der griechischen Kirche in Wien hatte man sie nicht aufgenommen - sie sollten in ihrer Kirche (RKK) bleiben - so hieß es. Sie wurden dann in einer anderen aufgenommen.

Während alle möglichen Religionen und Sekten missionieren - schlafen die Orthodoxen. Diese Sekten richten großen Schaden an - und dann kommt noch der militante Atheismus der auch immer größere Kreise zieht und gegen das Christentum den Hass schürt (Kampf gegen Kreuze in Schulen, öffentlichen Gebäuden usw...)

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Igor
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Igor » 04.10.2011, 07:41

Lieber Mirjanin,

danke für den Beitrag mit den Fragestellungen, die bestimmt fast alle von uns hier berühren.
Mirjanin hat geschrieben:"Dafür hab ich jetzt keinen Nerv" ...
Diese Antwort habe ich mittlerweile schon drei Mal von unterschiedlichen Personen im Familien- und Bekanntenkreis bekommen, wenn ich auf das Thema Christentum & Gott zu sprechen kam. Ich fand es fast erheiternd, denn es wirkt wie abgesprochen.
[…]
Wie reagiert ihr in dieser Situation? Was antwortet ihr? Habt ihr selbst die Erfahrung gemacht?
Ich denke, dass Du schon eine erste Antwort auf die Ursache nach der Verwendung dieser Phrase gegeben hast; sie ist einfach eine Ausflucht dafür, das Wort Gottes und den Glauben anzunehmen. Wir brauchen uns darüber eigentlich nicht zu wundern, denkt an das Gleichnis vom Sämann, das Christi selbst seinen Jüngern nahebrachte: Mt 13.1-41

Wir können nur Samenkörner des Glaubens auslegen, aber dass dieses Korn dann auch bei jemandem sich zur Pflanze entwickelt, hängt nur wenig von uns selbst ab, sondern in erster Linie von ihm/ihr selbst.

„Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.“ (Mt 13.19)

Dies ist leider oftmals der Fall. Manchmal dauert es aber auch nur eine gewisse Zeit, bis dann doch der Samen aufgeht.

Eigenes Beispiel: Ich selbst habe mich auch in jungen Jahren widersetzt und erst dann, als Gott durch „leichten Druck von oben“ mir sehr deutlich machte, dass ich mich auf dem falschen Weg befand, kam ich zum Glauben.

Des weiteren sagte schon zur damaligen Zeit Christi.

„Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden und mit ihren Ohren hören sie nur schwer und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.“ (Mt 13.15)

Das ist leider auch wahr. Damit zur zweiten Frage: Was tun?
Andromachi hat geschrieben: Das machte mir zu schaffen, und ich fragte meinen Beichtvater danach, was ich mit ihnen tun sollte. Er antwortete, ich soll mich von ihnen entfernen. Und als ich fragte, ob das nicht gegen die christliche Liebe ist, sagte er, auch Christus hat nicht versucht, die Pharisäer umzustimmen. Und vielleicht würde eben dieses Entfenen von mir sie umstimmen, so dass sie umdenken.
Ob das sich Entfernen, wie von Andromachi angeführt, das Einzig richtige ist – ich weiß nicht. Ich würde es eher mit dem Hl. Seraphim von Sarow halten, er sagte einmal:

„Erwerbe einen friedlichen Geist, und um Dich herum werden tausende gerettet.“.

Wenn ein Mensch Vorbild im Glauben für die anderen ist (seine Lebensweise, seine Eigenschaften und Tugenden etc.), dann beeinflusst er automatisch die ihn Umgebenden. Das kann letztendlich auch dazu führen, dass letztendlich der/die eine oder andere zum Glauben findet. Letztendlich hat der Spruch, den Joseph hier im Forum an anderer Stelle brachte, schon seinen Sinn:

„Man kann das Pferd zum Wasser führen, aber man kann es nicht zum trinken zwingen.“

Noch ein paar Worte zur Mission im Allgemeinen.
songul hat geschrieben: Die orthodoxe Bischofkonferenz hierzulande sollte halt einfach mal den Mut haben die Mission und vor allem die Landessprache (ich meine damit Deutsch 8) ) mehr zu forcieren in Kirchen und Liturgie.

Immer nur sich zurück zu halten, um sich mögliche Tantiemen nicht zu verspielen, bei den Landeskirchen, ist nicht im christlichen Auftrag.
Grundsätzlich ja. Erste Schritte (deutsche Liturgie) werden gerade gegangen. Ich denke, dass es (auch und insbesondere für einen Bischof) nicht leicht ist, immer die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit zu treffen. Die Verantwortung ist groß, da muss schon mit Augenmaß vorgegangen werden. Ich sehe hier doch eher den persönlichen Aspekt bei der Mission, wie oben mit dem Zitat des Hl. Seraphim von Sarow angedeutet.
Hermann hat geschrieben: Ich seh's einmal wie es Vater Alexander Schmemann in seinen Aufzeichnungen gesagt hat angesichts der Lage der Orthodoxie in Nordamerika zu seiner Zeit: "Man muss viel beten für die Kirche".
Genau, das müssen wir!
christodoulos hat geschrieben:Ich kann mich ich auch erinnern, dass Bekannte von mir sogar abgwiesen wurden. In der griechischen Kirche in Wien hatte man sie nicht aufgenommen - sie sollten in ihrer Kirche (RKK) bleiben - so hieß es. Sie wurden dann in einer anderen aufgenommen.
An so einer Stelle sollten wir zuerst ansetzen, wobei im vorliegenden Fall zu untersuchen wäre, was die Gründe für das Abweisen waren.

Abschließend: Ich würde mich freuen, wenn wir von denen, die auf der Limburger Veranstaltung zum Thema „Mission“ dabei waren, einige Infos zu den Inhalten des Vorgetragenen und Diskutierten bekommen würden – das würde ganz gut hier passen.

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Nassos
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Nassos » 05.10.2011, 19:46

Nun hat es aber der geistliche Vater Andromachis gesagt: was ist nun zu tun? Ungehorsam? nochmaliges Gespräch?

Mein eigener Gedanke hierzu war: nicht gehen. Da wir schon Sonderlinge sind, wird ein Schneiden des Kontaktes das noch bestätigen.
Nein, es gilt das, was schon mal hier gesagt wurde für den Fall, dass man nicht die gleiche Sprache spricht: durch Verhalten Vorbild sein und vor allem auf den Heilgen Geist hoffen.
Ich sehe mich nicht in der Lage, Menschen zu bekehren, Herzen anzusprechen. Es ist meiner Meinung nach der Heilige Geist der wirken kann. Ihm zu vertrauen ist das Grundprinzip.

Dann spielt plötzlich der Nerv keine Rolle mehr.

Kleines Erlebnis: ich war letztes Wochenende auf einem anderen Forumstreffen. Ich habe das niemandem gesagt, eben weil niemand einen Nerv hierfür hat. Offiziell war ich auf Dienstreise (wir können sehr gerne in einem anderen Strang über Lügen diskutieren, filetiert ich dort). "Wenn es für die Arbeit ist, dann ist es OK. Aber wenn es für die Kirchen und Klöster ist.... :piratecap: ".

Ich bereue NICHTS. GAR NICHTS. Zum Bereuen habe ich einfach keinen Nerv. :mrgreen:

holzi
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von holzi » 06.10.2011, 15:22

Nassos hat geschrieben:Kleines Erlebnis: ich war letztes Wochenende auf einem anderen Forumstreffen. Ich habe das niemandem gesagt, eben weil niemand einen Nerv hierfür hat. Offiziell war ich auf Dienstreise (wir können sehr gerne in einem anderen Strang über Lügen diskutieren, filetiert ich dort). "Wenn es für die Arbeit ist, dann ist es OK. Aber wenn es für die Kirchen und Klöster ist.... :piratecap: ".

Ich bereue NICHTS. GAR NICHTS. Zum Bereuen habe ich einfach keinen Nerv. :mrgreen:
Waaas? Du hast andere belogen? Wie gut, daß ich nicht Sempre bin, ... :mrgreen:
Es war aber auch irgendwie eine Dienstreise, du warst auf Missionstour, und Ikonen und Gräber der Heiligen besuchen.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

Andromachi
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Andromachi » 06.10.2011, 17:42

Die Ehrlichkeit ist meiner Meinung nach für sich keine Tugend. Die Liebe ist es. Denn ich kann z.B. mit einer "ehrlichen" Antwort meinen Mitmenschen tief verletzen und so gleichzeitig die Tugend der Liebe brechen, nicht?

Es gibt noch andere menschliche Werte, die nicht für sich unbedingt taugen, z.B. die Freiheit. Ich habe meine Freiheit mit vollem Gewissen unserem Herrn Jesus geopfert, weil ich weiß, dass sein Wille das Beste für mich ist und weil ich bekenne, dass mein Wille geblendet wird von meinem Egoismus.

Ist es nicht so?

Nassos
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Nassos » 07.10.2011, 01:26

bestimmt ein schwieriges thema. Gerne in einem anderen Strang

ElvisVrinic
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von ElvisVrinic » 10.10.2011, 22:20

Andromachi hat geschrieben:Die Ehrlichkeit ist meiner Meinung nach für sich keine Tugend. Die Liebe ist es. Denn ich kann z.B. mit einer "ehrlichen" Antwort meinen Mitmenschen tief verletzen und so gleichzeitig die Tugend der Liebe brechen, nicht?

Es gibt noch andere menschliche Werte, die nicht für sich unbedingt taugen, z.B. die Freiheit. Ich habe meine Freiheit mit vollem Gewissen unserem Herrn Jesus geopfert, weil ich weiß, dass sein Wille das Beste für mich ist und weil ich bekenne, dass mein Wille geblendet wird von meinem Egoismus.

Ist es nicht so?
das was du geopfert hast ist wohl DAS gerechte opfer. Aber bedenke, dadurch erlangst auch du echte Freiheit, da du auch nicht mehr deiner sündigkeit Sklave sein wirst, wie es andere tun.

Nun um noch mal auf das thema hinzuzukommen:

Es ist schon sehr haarsträubend was im laufe der Zeit passiert ist - die abspaltung aus rom, daraus resultierend die Gründung des Protestanismus etc. Es ist schon klar, das es dementsprechend auf den Nerv geht. Vor allem wen ein "zeuge jehova" versucht, dir mit aller gewalt einzubläuen, dass seine häresie die richtige ist.

Für den menschen an sich ist es sehr verwirrend, da es schon so viele Religionen aus allen himmelsrichtungen gibt und jede ihre eigene philosophie vertritt. Da kann es schon mal zu entmutigungen kommen oder auch zu streiteren bzw. zum Atheismus oder dem Anti-Theismus.

Ich persönlich halte mich aus solchen diskussionen heraus, vorallem wenn ich bedenke, dass so manches wort auf harten boden stösst - Ausserdem darf ich nicht predigen, da ich (noch) kein Priester bin.

Früher habe ich mal versucht über solche themen zu diskutieren. Die Erfahrung die ich gemacht habe ist die: Entweder du bleibst auf deinen Standpunkt und es kommt zum Streit oder du fängst an deinen Gegenüber zuzustimmen, wenn auch vielleicht nur im geringen maße. (Ich denke, dass daraus auch der Ökumenismus irgendwie resultiert).

Alles in allem ist es dem menschen selbst, ob der Samen der im Herzen gepflanzt wurde zu hüten und zu pflegen. Wir können nicht unsern gegenüber das Einbläuen, was wir für richtig halte. Wir sind ja keine erleuchteten Väter oder rechtgläubige hierarchen.

Was wir tun können ist wie schon gesagt, einen das evangelium vorzuleben, einen neuen Kind das zum Vater finden will zu helfen uws.
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA

rafaella
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von rafaella » 11.10.2011, 18:49

Ich stimme Elvis zu...

ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das Beispiel die beste Predigt ist. Also man versucht einfach, so christlich wie möglich zu leben und Demut zu zeigen, und das wirkt als persönliche Erlösung und parallel als Predigt für den Nächsten.

Die Mutter Gavrilia sagte, dass sie nie zu den Menschen über Gott sprach, bis man sie fragte. Und man fragte sie, weil sie das Beispiel der Aufopferung für den Nächsten und des geistlichen Lebens gab. Und dann sprach sie, und dann gab sie ein Buch oder die Bibel.
Die Menschen sind die vielen Worte satt, glaube ich.
"Liebet ihr Mich, so werdet ihr Meine Gebote halten", Jo 14,15

holzi
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von holzi » 11.10.2011, 18:57

Da gibt es ja auch das Sprichwort:
"Rede nicht über Gott, ohne nach ihm gefragt zu werden. Lebe aber so, daß du gefragt wirst!"
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

Nikolaj
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Nikolaj » 12.10.2011, 09:04

Sehr guter Beitrag Holzi! Wie wahr wie wahr...

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Elias
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Re: "Dafür hab ich jetzt keinen Nerv"

Beitrag von Elias » 12.10.2011, 10:56

holzi hat geschrieben:Da gibt es ja auch das Sprichwort:
"Rede nicht über Gott, ohne nach ihm gefragt zu werden. Lebe aber so, daß du gefragt wirst!"
:up:

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