Alexander Men

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Petrus
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Alexander Men

Beitrag von Petrus » 28.11.2007, 13:10

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie wird das Lebenswerk des russischen Erzpriesters Alexander Men in der offiziellen orthodoxen Kirche bewertet?

Mit herzlichen Grüssen

Péter

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 29.11.2007, 09:36

Hallo Petur !

Ich kenne weder diesen Geistlichen noch das von Dir erwähnte Werk. Evtl. stellst du es uns vor, dass wir uns ein Bild davon machen können :idea:

Freundliche Grüße
Sebastian

Ieromonach
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Orthodoxe Kirche

Beitrag von Ieromonach » 29.11.2007, 11:34

Hallo Sebastian,

Titel: Alexander Men, Der Menschensohn Verlag Herder ISBN 13:978-3-451-29059-6

Ein sehr faszinierendes Buch. Ist zu empfehlen.
In Gesprächen mit Russen erhielt ich Meinungen die von Begeisterung bis antisemitischen Äußerungen gingen.
War russ.-orth. Priester MP, ist 1990 auf dem Weg zum Gottesdienst mit einem Beil erschlagen worden. Die (den) Täter hat man nie gefunden.

+ P.Theodoros
Um Gott zu lieben muß man sich von sich selbst lossagen, und die Liebe Gottes läßt sich nur als Liebe des Herzens zu Gott wahrnehmen.

protopeter
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Erzpriester Aleksandr Men´

Beitrag von protopeter » 29.11.2007, 15:33

Liebe Mitdiskutierende !

Einige Worte zu Aleksandr Men´: Er wurde 1935 in einer Familie mit russisch-jüdischen Wurzeln geboren; ab 1960 war er in verschiedenen Gemeinden als Geistlicher tätig. Vater Aleksandr galt durchaus als Universalgelehrter - davon zeugen seine zahlreichen Schriften, die im Wesentlichen als Apologie des Christentums gegenüber materialistisch-atheistischen Weltanschauungen gelten können. Darüberhinaus verfaßte er auch katechetische Abhandlungen (darunter eine Darlegung des Glaubensbekenntnisses); weiters sind zahlreiche Predigten und Ansprachen überliefert und publiziert.

Erzpriester Aleksandr galt besonders in intellektuellen Kreisen als ein wesentlicher Vermittler christlicher Wertvorstellungen; durch sein Charisma gelang es ihm, hier zahlreiche Menschen zur Orthodoxen Kirche zu führen. Ein entscheidender Punkt (der ihm von seinen Kritikern sogar noch posthum zum Vorwurf gemacht wird) war seine Betonung einer christlichen Weltsicht, die nicht unbedingt auf eine völlige Abgrenzung der Orthodoxen Kirche von den heterodoxen Bekenntnissen gerichtet schien. Dazu ist allerdings zu sagen, daß er einer ökumenistischen "Kirchendiplomatie" niemals das Wort redete - für ihn war (was er auch in seinen Schriften immer wieder betonte) das authentische Glaubenszeugnis und das Bekenntnis zu Christus von herausragender Bedeutung.

In der österlichen Festzeit des Jahres 1983 setzte er mit der Massentaufe von nahezu 7000 Menschen ein spektakuläres Zeichen; von da an intensivierten sich Aktivitäten des KGB gegen ihn in vermehrter Form - er wurde immer wieder verhört, zudem waren Mitarbeiter des Geheimdienstes regelmäßig bei seinen Gottesdiensten anwesend usw. Nachdem die sowjetische Religionspolitik nach dem Millennium der Orthodoxen Kirche 1988 einen Kurswechsel vollzogen hatte, konnte Vater Aleksandr seine Tätigkeit auch in staatlichen Medien entfalten, hielt öffentliche Vorträge und wurde zu Diskussionen eingeladen.

Zu jener Zeit formierte sich allerdings auch Widerstand gegen seine Person - sogenannt "patriotisch-orthodoxe" Kreise wandten sich in polemischer Weise gegen ihn und diffamierten ihn unter anderem als "jüdischen Katholiken" (!); auch wurden Stimmen laut, die seine Amtsenthebung und Exkommunikation forderten, da er angeblich der "wahren Orthodoxie" Schaden zufügen würde. Im September 1990 sollte der Erzpriester die Funktion des Rektors der neugegründeten Orthodoxen Universität in Moskau übernehmen; wenige Tage zuvor wurde er - wie schon erwähnt - ermordet. Tatsächlich konnte die Identifikation der Täter bis heute nicht gelingen; interessant ist, daß der für den Fall zuständige Untersuchungsrichter, der die Mörder entweder in den Reihen des KGB oder im Umfeld der nationalistischen Pamjat´-Bewegung vermutete, einige Zeit später selbst ums Leben kam.

Es grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von retro24 » 04.12.2007, 11:07

Danke, Vater Peter, für die gute Zusammenfassung.

Ich persönlich habe hohen Respekt vor Vater Aleksandr Menj und kann seine Bücher und Schriften nur empfehlen. Sie zeugen von tiefem Glauben und sind auch für den modernen Menschen gut zu verstehen, der vom Glauben z.T. weit entfernt ist.

Zu den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben wurden und werden, möchte ich sagen: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." - Die Frucht von A. Menj sind unzählige Menschen, die sich in der kommunistischen Sowjetunion dank seiner Vorträge und Schriften Gott zugewandt haben.
Господи, сподоби мя любити Тя от всея души моея...

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Alexander Men

Beitrag von Radoslav » 03.12.2013, 20:58

Hallo Leute,

ich wollte fragen, ob ihr folgendes Buch des ermordeten orthodoxen Erz-Priesters Alexander Men (1935-1990) kennt:

Alexander Men
"Der Menschensohn"
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Verlag Herder; Auflage: 2 (20. September 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3451290596
ISBN-13: 978-3451290596
Preis: 24,90 €

Das Buch scheint ziemlich populär zu sein und ich wollte gerne von denen, die es bereits gelesen haben, wissen, ob es für einen Anfänger wie mich geeignet ist.

Gruß
Radoslav

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Re: Alexander Men

Beitrag von Hermann » 04.12.2013, 05:54

Hallo Radoslav,

das Buch habe ich gelesen, es ist aber schon einige Zeit her, sodass ich jetzt zum Inhalt nichts mehr Genaues sagen kann. Aber ich weiß, dass es mir gut gefallen hat und das es eher einfach zu lesen ist. Ich denke auf jeden Fall, dass es anfängergeeignet ist.

Liebe Grüße, Hermann
Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugeschenkt.

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Re: Alexander Men

Beitrag von Nikolaj » 04.12.2013, 09:45

Vater Alexander Men war auf jeden Fall ein guten Theologe, jedoch sind seine Thesen und Aussagen nicht unbestritten. Es gibt viele, die seine Theologie kritisieren und einige die ihn der Häresie bezichtigen. Ich habe bisher nur die Isagogik (eine Einleitung in das Alte Testament) gelesen, habe aber noch ein paar weitere Bücher von ihm die lesen möchte sobald ich dazu komme. Das, was ich gelesen habe, erscheint mir sehr offen und eine wissenschaftliche Herangehensweise zu haben - im positiven Sinne.

Aber, wie bei jedem Autoren, auch orthodoxen, muss man beachten, dass Sie nicht unfehlbar sind.

Radoslav, bist du des Russischen mächtig? Die meisten seiner Schriften kann man im russophilen Internet herunterladen.

Gruß
Nikolaj

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Re: Alexander Men

Beitrag von Radoslav » 04.12.2013, 19:05

Nikolaj hat geschrieben: Radoslav, bist du des Russischen mächtig? Die meisten seiner Schriften kann man im russophilen Internet herunterladen.
Leider noch nicht. Ich werde erst ab Januar 2014 anfangen russisch zu lernen, um eben genau diesen Zugang zu orthodoxer Literatur zu bekommen. Falls du aber die Internetlinks kennst, wo man sich die Bücher von Alexander Men downloaden kann, und sie mir nennen könntest, so dass ich sie mir schon mal downloaden könnte, dann wäre das echt super. Könnte die ebooks mit der Zeit, während ich ab nächstes Jahr russisch lerne, dann als erste Übungsliteratur verwenden, um meine Russisch-Kenntnisse zu vertiefen.

Gruß
Radoslav

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Re: Alexander Men

Beitrag von Igor » 05.12.2013, 18:59

Radoslav hat geschrieben:Falls du aber die Internetlinks kennst, wo man sich die Bücher von Alexander Men downloaden kann, und sie mir nennen könntest, so dass ich sie mir schon mal downloaden könnte, dann wäre das echt super. Könnte die ebooks mit der Zeit, während ich ab nächstes Jahr russisch lerne, dann als erste Übungsliteratur verwenden, um meine Russisch-Kenntnisse zu vertiefen.
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Radoslav
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Re: Alexander Men

Beitrag von Radoslav » 05.12.2013, 21:24

Igor hat geschrieben:
Radoslav hat geschrieben:Falls du aber die Internetlinks kennst, wo man sich die Bücher von Alexander Men downloaden kann, und sie mir nennen könntest, so dass ich sie mir schon mal downloaden könnte, dann wäre das echt super. Könnte die ebooks mit der Zeit, während ich ab nächstes Jahr russisch lerne, dann als erste Übungsliteratur verwenden, um meine Russisch-Kenntnisse zu vertiefen.
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Dank Igor. Die Seite ist ja echt super. Ist das eine Internetseite nur für orthodoxe Literatur bzw. ebooks? Ein Grund mehr richtig russisch zu lernen. Danke, danke. :)

Gruß
Radoslav

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