Die Seele nach dem Tod
Die Seele nach dem Tod
Oft - wenn auch leider die Beiträge verloren gingen - wurde auf dieses hochinteressante Buch von Vater Seraphim Rose verwiesen.
Ich möchte jedoch an dieser Stelle gerne den einleitenden Kommentar der griechischen Ausgabe zitieren, weil mir das sehr aus der Seele sprach.
Der Kommentar stammt von Vater Ioannis Droggitis.
Einleitender Kommentar
Der moderne Mensch, der sich in einer weltlichen Umgebung entwickelt und eine humanistische Bildung im Geiste der europäischen Aufklärung erhalten hat, steht ratlos da im Angesicht großer Ereignisse und Gefühle, wie es der Tod, die Liebe, die Reue, die Hingabe usw. sind. Es ist ihm unmöglich, diese zu begreifen und zu interpretieren, weil er an sie nicht unterwiesen, sondern desorientiert und als "Knecht seiner unvernünftigen Leidenschaften" herangeht.
Ohne demütiges Lernen der Tradition, welche alles, was von den Heiligen der Kirche gelebt wurde und wird, übergibt, steht er offen (schutzlos) gegenüber jeglichen Ideen oder Erfahrungen, welche seine Ratlosigkeit rühren.
Speziell beim Thema des Lebens nach dem Tode wird der moderne Mensch Teilhaber romantischer Auffassungen, die ihn den Ideen und Auffassungen fernab der Wahrheit aussetzen. Das Ergebnis dessen ist, dass sich der Mensch nicht mit der Wahrheit synchronisieren kann, welche ihn heilen und letztendlich retten könnte.
An diesen modernen Menschen richtet sich das Buch des Vaters Seraphim Rose. Ziel ist nicht die Kritik an diesem Menschen oder ihm etwas vorzuwerfen, sondern - ganz im Gegenteil - ihn an der Wahrheit teilhaben zu lassen. Der Wahrheit, die vom weltlichen Geiste und von den verfälschenden Spiegelungen* der christlichen Häresien verdorben wird.
Seine Argumentationen kommen aus dem Reichtum der Tradition der Väter, deshalb sind sie in ihrer Tiefe menschenfreundlich (philanthrop). Sogar der Bezug zu den "überirdischen Zollstationen" tragen die Qualität der Philanthropie.
Alles lädt ein zur Reue, zur Frömmigkeit, zu einem sakralen wie auch einem schmerzvollen Prozess, der in den "tiefen Frieden" führt, über welchen die Kirchenväter sprechen. Alles hat den Sinn, den Menschen von seiner Eigenleidenschaft zu befreien, um so Gott und Seine Liebe kennenzulernen.
Und die Erfahrung der Liebe Gottes ist die (im positiven Sinne) erschütternste Erfahrung nach dem Tode, durch die der von Gott geliebte Mensch das Leben und den Tod überwindet, angezogen durch Seine unerschöpfte Gnade.
* im Originaltext heißt es "διαστρέφεται ... από τα παραμορφωτικά έσοπτρα των χριστιανικών αιρέσεων". Das Wort "esoptra" hat mir sehr große Schwierigkeiten bereitet. Zwar läßt es sich schnell aus eso + optra zusammensetzen, was wortwörtlich übersetzt "Innensicht" bedeutet, aber aus dem Altgriechischen mit "Spiegel" übersetzt wird. Hier ist wohl "das unvollkommene Wiederspiegeln" gemeint.
Aus Bible Wiki habe ich folgendes:
"βλέπομεν γαρ άρτι δι εσόπτρου εν αινίγματι τότε δε πρόσωπον προς πρόσωπον άρτι γινώσκω εκ μέρους τότε δε επιγνώσομαι καθώς και επεγνώσθην (Kor. 13,12) was soviel heißt wie Denn nun schauen wir durch ein Glas... Paulus benutzt hier eine weitere Illustation, um die Unvollkommenheit unseres Wissens hevorzuheben... Das Wort "Glas" (esoptron) wird hier im Sinne von "Spiegel", "Sehglas" verwendet."
Ich habe das schlussendlich mit "Spiegelungen" etwas freier übersetzt. Man sollte daran denken, dass zu jener Zeit Spiegel aus poliertem Metall hergestellt wurden!
"Sehglas": stelle ich mir wie die Palantiri im "Herr der Ringe" vor
Wenn ich irgendwo danebenliegen sollte (übersetzungstechnisch) dann teilt es mir bitte mit, ich werde es dann umgehend korrigieren.
Danke.
Ich muss sagen, dieses Buch ist wirklich hervorragend, ich muss es bald wieder lesen und kann es nur sehr empfehlen.
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christodoulos
- Beiträge: 614
- Registriert: 21.12.2008, 15:48
Vater Seraphim trifft meistens "den Nagel auf den Kopf"!
Er ist oft auch sehr direkt - und seine Weisheit kommt aus Erfahrung und nicht von theologischer Spekulation.
Es gibt aber auch andere gute Bücher zu diesem Thema: Das Mysterium des Todes, von der griechisch orthodoxen Bruderschaft des Erlösers. Dort findet man die orthodoxe Lehre genauso selbstverständlich wie bei Vater Seraphim. Oder ein serbisches Buch: Das Leben nach dem Leben (shivot posle shivota)....
Aber auch Metropolit Hierotheos hat ein gutes Buch darüber geschrieben; und das Kloster von Jordanville: The Mystery beyond the grave:
Wieso gerade Vater Seraphim so attackiert wurde und wird, versteh ich auch nicht ganz. Er wurde als Gnostiker beschimpft.....einige seiner Gegner sind dann in Häresie gefallen, die glauben heute an den Seelenschlaf, so als könnt die Seele nach dem Tod nicht agieren.
Andere wieder - glaube ich - waren und sind nur neidisch auf die seine Beliebtheit und seine Bekanntheit.
Seine beiden größten Gegner: der so-genannte Erzbischof Lazar - der ein Diakon in der ROKA war und dann abgesetzt wurde. Die ROKA hatte ihn aufgefordert, die Debatte der Zollstationen zu beenden - was er nicht tat... Er wechselte in eine andere Jurisdiktion und wurde dann "Erzbischof" - was ja schon vieles sagt.
Ein anderer; Vater Michael Azkoul (er zeigt gerne überall seinen Doktortitel), ist glaub ich nur neidisch.....
Aber es gibt sicher viele mehr, da die heutigen Menschen nicht mehr gerne mit den "harten" Realitäten konfrontiert werden. Vor allem in griechischen Gemeinden in den USA ( auch hier in Europa) mag man das gar nicht. Gott ist barmherzig, also warum bemühen...?? Dass Askese ein wichtiger Bestandteil orthodoxen Lebens ist, haben viele anscheinend vergessen...
Vater Seraphim beschreibt in seinem Buch einiger solche modernistische Gemeinden: ein griechischer Priester wurde gefragt bezüglich der orthodoxen Lehre über das Leben nach dem Tod. Der Priester antwortete man wisse nicht viel über das Leben nach dem Tod und die Orthodoxe Kirche hätte keine genauen Vorstellungen darüber. Vater Seraphim traurig über solch eine Ignoranz der wahren Orthodoxie will mit seinem Buch eine traditionelle Antwort geben.
In CHRISTUS
Ich kann es nicht leiden, wenn man unseren Glauben genauso verweichlicht und Antwortenlos darstellt, wie eine frisch gegründete, amerikanische Bibel-Umdreh-Vereinigung...
Askese?
Manchmal bin ich sehr enttäuscht über meine eigene Weltlichkeit. Mit manchen Werken bindet man sich zu sehr an diese Welt, an die Verderbliche... Es gibt auch ebensolche Beziehungen...
Es ist besser, sich von so etwas zu lösen und wer zu Schwach ist, kann und muss Gott bitten, sonst hält er sich selbst auf und steht sich selbst nur im Weg zum Paradies herum, um sich praktisch selbst zurückzuschubsen.
Ich verstehe nicht, wie man sich selbst belügen kann (Geistliche, die behaupten, es gäbe kaum eine Lehre über die Seele nach dem Tod in der Orthodoxie) nur um sich sicher zu fühlen (Ich trete niemandem auf den Schlips und mache es allen Recht und mir wird schon nichts passieren).
Man sollte sich sicher fühlen durch die Liebe zu Gott, aber wer Gott liebt bemüht sich darum, seine Gebote zu befolgen und folgt der Lehre Jesu Christi, die eben seine Kirche, die orthodoxe Kirche, lehrt.
Neid ist eine Sache, die ich immer Versuche mir auszutreiben, wenn ich spüre das sie in mir aufköchelt.
Leider sieht kaum ein Mensch gerade in dem Überfluss, in dem wir leben, was er hat.
Jemand der nichts hat, weiß viel mehr zu schätzen, was er bekommt!
Ich kenne Menschen (meine Oma in Polen, die aber römisch-katholisch ist z. B.), die würden sich sogar über ein Bonbonpapier freuen, wenn man es ihnen schenkt... Dankbarkeit ist etwas wunderschönes!
Wenn ich jetzt so lese, was ich geschrieben habe, wird mir meine eigene Schlechtigkeit noch viel bewusster.
ich freue mich, dass das Thema diskutiert wird.
Jedoch gehört - denke ich - die Diskussion über die Existenz der Zollstationen in den Thread "Z - wie Zollstationen" http://orthodoxesforum.bplaced.de/viewtopic.php?t=504 .
Mir ging es primär um die Einleitung in diesem Buch. Es wird der moderne Mensch mit der entsprechenden Bildung und Einstellung beschrieben. Ich bin mit dem Autor d' accord in dieser Hinsicht - betrachte ich mich doch auch als modernen Menschen, daher kann ich die Einleitung gut nachvollziehen.
Der Mensch ist erzogen im Geiste des Humanismus und der Aufklärung. Tatsächlich sind uns Themen wie der Tod unangenehm, und doch fasziniert er uns - noch mehr als Sex.
Tatsächlich sieht der Mensch vieles aus romantischer Sicht.
Ihm bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich über diese Sachen Gedanken mit dem "richtigen Hintergrund" zu machen - und ist deshalb zum Scheitern verurteilt, da er die Wahrheit nicht zu sehen vermag.
Und das geht hin bis zur Häresie.
Das ist, was die Einleitung sagt. Das war mir wichtig, hier reinzustellen, und genau das ist, was ich in diesem Thread gerne diskutiert haben wöllte.
Doch auch sehr gerne auch entsprechend in dem Thread "Z - wie Zollstationen" - mit entsprechend dort gehörenden Diskussionen.
Ich danke Euch und freue mich auf weitere Beiträge!
Nassos
Die Seele nach dem Tod
Ich fand es interessant. Besonders mit diesen "Nach-Todes"-Erlebnissen.
Und die Protestanten können das auch ruhig mal lesen, wirklich da werdet ihr auch erwähnt.
Müsste das Buch aber nochmal lesen um euch sagen zu können was Vtr. Seraphim Rose über euch schreibt.
Liebe Grüße
Michael
bewundernswert und verherrlicht ist der Herr in die Äonen der
Äonen!“
Re: Die Seele nach dem Tod
da Deine Anfrage nun an der richtigen Stelle ist, kannste schon was lesen.
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Viel Spaß beim Suchen-Finden-Lesen,
Nassos