Panorthodoxes Konzil

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MariaM
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von MariaM »

Hallo, also ich habe schon vor ein paar Tagen gelesen, dass die Bulgarische OK nicht nur mit Boykott/Nichtteilnahme "droht", sondern dies bereits Tatsache ist und sie schon die Flugtickets gecancelt haben...
http://www.vimaorthodoxias.gr/patriarc ... νορθόδοξης

Kontrovers ist wohl vor allem der Text (Texte?) zu den Beziehungen "mit der restlichen christlichen Welt". Auch Georgien und nun Antiochia haben offenbar eine Reihe von Vorbehalten und sie wollen das Konzil verschieben, da gibt es wohl mehrere kontroverse Themen...

http://www.vimaorthodoxias.gr/patriarch ... -του-καταρ

Was ich aber nicht so recht verstehe - wäre es nicht besser, zu kommen und das vor Ort mit Diskussion (und Gebet) zu klären, statt die Teilnahme zu boykottieren??? Es sagt doch niemand, dass die vorgelegten Texte so bleiben müssen, es sind doch Vorschläge/Entwürfe - oder?

Und noch eine "blöde" Frage - warum heisst es auf Griechisch " Αγία και Μεγάλη Σύνοδο της Ορθόδοξης Εκκλησίας" (Heiliger und Grosser Synod der Orthodoxen Kirche), aber auf Deutsch sagt man "Konzil" dazu? Und was ist dann ein "Synod"???¨

Verwirrte Grüsse ;-), Maria
SebastianS
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von SebastianS »

Die bulgarisch-orthodoxe Kirche hat es sich bestimmt nicht leicht mit der Entscheidung gemacht. Es sieht fast so aus, dass sie befürchten, dass ihre Stimme auf dem Konzil nicht genug gehört werden wird und eventuell (ein) häretische(r) Texte(e) verabschiedet wird. Was alles hinter den Kulissen läuft, wie viel Druck vielleicht auf Bischöfe ausgeübt wird, die sich deutlich gegen die vorgelegten Texte äußern, das alles wissen wir nicht.

Ehrlich gesagt stimmt es mich traurig, mit welcher Vehemenz das ökumenische Patriarchat seine Agenda durchdrücken will und in keinster Weise auf die mittlerweile aus vielen Kirche vorgebrachten Kritiken eingeht.

Zum Thema Konzil: so weit ich gehört habe, ist im Griechischen das Wort für Synode und Konzil genau dasselbe. Erzbischof Mark schlug auf einer Konferenz in Moskau auch vor, man sollte das Konzil eher "Konferenz, Beratung" (russisch: совещание) nennen und nicht Konzil.
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Priester Alexej
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von Priester Alexej »

http://rum-orthodox.de/2016/06/antioche ... nzil-teil/
Am 06. Juni 2016 fand eine Sitzung des Patriarchats von Antiochien statt, in der verschiedene Aspekte des panorthodoxen Konzils beraten wurden. Darunter wurde auch der Aspekt der Autokephalie der Orthodoxen Kirchen besprochen. Seit einiger Zeit gibt es zwischen Jerusalem und Antiochien eine Auseinandersetzung über die kanonischen Zuständigkeitsgrenzen, die noch nicht beigelegt ist und zu einer Kirchenspaltung geführt hat. Am 31. Mai hatte das Ökumenische Patriarchat die Bildung eines Ausschusses aus Vertretern der Kirche von Antiochien und Jerusalem bekannt gegeben, wobei das Ökumenische Patriarchat die Koordination übernehmen möchte, um eine Lösung für die Auseinandersetzung im Anschluss an das Große Konzil zu finden. Antiochien führt jedoch an, dass das Konzil nicht stattfinden könne, solange die Kirchenspaltung zwischen Antiochien und Jerusalem nicht aufgehoben ist.

Zudem kritisiert das Patriarchat von Antiochien, dass die Positionen der verschiedenen Orthodoxen Kirchen bezüglich der Tagesordnung noch verschieden sind und einige Kirchen es verweigern, bestimmte Dokumente zu akzeptieren. Auch Organisation und Kostenfrage stehen in der Kritik. Weiterhin wird die Problematik angeführt, dass die bulgarische orthodoxe Kirche nicht am Konzil teilnimmt und eine Verschiebung der Synode verlangt wird. Auch die russische Kirche deutete auf einer Sitzung am 03. Juni an, dass ungelöste Probleme noch zu prüfen seien und es keinen wirklichen Konsens zwischen den einzelnen orthodoxen Kirche gebe.

Die Synode des Patriarchats von Antiochien bemerkte auch, dass die Dokumente zum Mysterium der Ehe und ihrer Hindernisse weder vom Patriarchat von Antiochien noch vom Patriarchat von Georgien unterzeichnet wurden, jedoch weiterhin auf der Tagesordnung der panorthodoxen Synode stehen. Weiterhin seien Fragen nach einer kanonischen Regelung für die Diaspora und die Kalenderfrage nicht genügend vorbereitet, jedoch von großer Wichtigkeit. So sieht das Patriarchat von Antiochien ein Risiko des Scheiterns des Konzils.

Aufgrund dieser hier kurz zusammengefassten Gründe hat sich die Heilige Synode von Antiochien dazu entschlossen, eine Verschiebung des Konzils vorzuschlagen, bis ein Konsens in den angeführten Fragen erreicht ist. Zudem wird das Patriarchat von Antiochien erst am Konzil teilnehmen, wenn die Kommuniongemeinschaft mit Jerusalem wieder hergestellt ist und ein Konsens zwischen den Orthodoxen Kirchen in den zu behandelnden Themen erreicht ist.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
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MariaM
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von MariaM »

Hallo, schön dass doch jemand noch etwas dazu geschrieben hat! Irgendwie ist ja hier momentan recht wenig los im Forum... Auch andere Themen (von denen ich gedacht hätte, sie beschäftigen viele), bleiben lange ohne Reaktion... schade.

Ich finde es halt sehr schwer zu beurteilen, oder besser gesagt: einzuschätzen ("Urteile" sollte ich mir wohl nicht anmassen), was das Problem genau mit dem Panorthodoxen Konzil ist, wer "Recht" hat usw.

Sebastian, du schreibst dass es deiner Meinung nach traurig ist, dass das Ökum.Patriarchat seine Agenda "durchdrücken will". Woraus ersiehst du das? Wieso ist es nur die Agenda des Ökum.Patriarchats?
Könnte man nicht genausogut andersherum kritisieren, dass die verschiedenen Kirchen vehement versuchen, ein Nichtstattfinden "durchzudrücken"?

Das ist jetzt nicht meine Meinung, sondern ich frage ganz unbedarft ;-), denn ich weiss es einfach nicht, man kann es ja immer von zwei Seiten sehen. Man könnte ja auch argumentieren, dass einfach alle kommen sollen und man dann alles versucht, so gut wie möglich vor Ort zu klären (deshalb trifft man sich doch eigentlich auch?) und dabei auf Gottes Führung vertraut, dass die OK als Ganze zu guten/richtigen Ergebnissen kommen wird, wenn man gemeinsam dafür betet und etwas tut... oder ist das naiv???

Gibt es reale Gründe (welche?), warum man befürchtet, das wäre nicht möglich?

Gruss, M.
Luka Filipp Kiriak
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von Luka Filipp Kiriak »

Ich halte es mittlerweile auch für unwahrscheinlich, dass das geplante panorthodoxe Konzil zu Pfingsten stattfinden wird. Eine Verschiebung ist denkbar. Auch die Argumentation des Patriarchats von Antiochien ist für mich schlüssig und nachvollziehbar. Ein gesamtorthodoxes Konzil sollte von keiner Kirchenspaltung/fehlenden Kommuniongemeinschaft zwischen einzelner orthodoxer Kirchen beschattet sein. Aber der von allen fest eingeplante Termin (19. bis 26. Juni) könnte doch zumindest für ein intensives vorkonziliares Treffen genutzt werden. Denn es ist ja organisatorisch und terminlich nicht so einfach, dass alle mal zusammen kommen. Dieser Termin steht für alle lange fest. Es müsste dann jedoch klar sein, dass es wirklich nur ein vorkonziliares Treffen ohne Beschlüsse sein wird, damit niemand aufgrund von Bedenken gegen die bisherigen Textvorlagen fernbleibt.
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MariaM
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von MariaM »

Luka, stimmt, das kligt vernünftig, finde ich. Denn mit dem Termin rechnen ja wirklich schon praktisch alle...
SebastianS
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von SebastianS »

Natürlich gibt es auch andere, die der Agenda des ökum. Patriarchen folgen. Es gibt auch wirklich erschreckende Stimmen von Orthodoxen Theologen, die (in den USA) an irgendwelchen katholischen Universitäten sitzen. Aber er steht halt schon sehr prominent dafür, z.B. mit seinem äußerst problematischen Verhalten gegenüber dem Papst. Gleichzeitig wird er vom Westen immer wieder als orthodoxer Papst aufgebaut. Das ist eine sehr gefährliche Mischung.

Wenn man Verlautbarungen des ökum. Patriarchats liest, dann klingt es für mich immer so, dass das Allerwichtigste jetzt ist, dass die Orthodoxie ihre Einigkeit vor der Welt zeigt. Der Rest ist nebensächlich: Streit über den Ökumenismus, nicht so wichtig... Konflikte zwischen den Patriarchaten von Jerusalem und Antiochien.... kann man schonmal aufschieben. Es gibt nun schon seit Monaten kritische Stimmen zu den Dokumenten und jetzt kommt, dass er das mit "Verwunderung" sieht... naja...

Ich kann wie gesagt weder die Atmosphäre auf den vorkonziliaren Treffen einschätzen, noch den Druck unter denen die kleinen Kirchen, die Probleme mit den Dokumenten haben, jetzt stehen. In der Verlautbarung der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche steht, dass es wohl nicht so einfach möglich sein werde, die Dokumente auf dem Konzil nochmal zu ändern. Ob das so genau stimmt, das weiß ich nicht. Ich glaube zumindest, dass die Väter der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche nicht einfach lügen... Und wenn Hierarchen dem Konzil fernbleiben, damit solch ein Text wie das Dekret über das Verhältnis zur restlichen christlichen Welt nicht unterschrieben wird, dann danke ich Gott dafür! Lieber wirken wir in der Welt als etwas zerstritten, als das problematische Texte auf einem Konzil verkündet werden...

Und nur kurz zum Thema Einigkeit: Die Katholiken loben sich immer selbst, dass ihr Papst die Einigkeit garantiert und dass man jetzt genau sieht, dass die Orthodoxen unter dem Papst stehen müssten. Aber wenn ich egal wo eine göttliche Liturgie besuche, dann werde ich mich immer zu Hause fühlen, und werde höchstens die Sprache nicht verstehen. Was die katholische Kirche anbelangt, da kann ich schon 2 Kirchen hier in Deutschland besuchen und mich fragen, ob das ein und dieselbe Kirche ist.... Hier sieht man die wahre Einigkeit. Wir sollten nicht eine irgendwie geartete Einigkeit in einem politischen Sinne überbewerten.

Hier noch eine Stimme aus der Bulgarischen Kirche:

http://www.pravoslavie.ru/english/94090.htm
Luka Filipp Kiriak
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von Luka Filipp Kiriak »

Die Serbische Kirche schlägt jetzt auch vor, das Konzil zu verschieben, aber das geplante Treffen auf Kreta als "Vorkonzils-Beratung der Orthodoxen" zu erhalten:

http://religion.orf.at/stories/2779388/
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Thuja
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von Thuja »

Na, das wird ja langsam spannend, ob das Pfingst-Konzil doch noch ein "Vor-Konzils-Treffen" wird... und das Konzil dann irgendwann später...

Interessierte Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!
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MariaM
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von MariaM »

Hallo Sebastian,
mit der Göttlichen Liturgie hast du natürlich völlig recht, ich kenne auch genau dieses Gefühl, das du beschreibst, mit dem "Zuhausesein" - ob nun die Liturgie auf Rumänisch, Griechisch oder Kirchenslawisch ist... :-)

Auf dem Panorthodoxen Konzil soll ja übrigens auch jeden Tag zu Beginn die Liturgie gemeinsam gefeiert werden, damit alles im Hl.Geist geschieht und man immer spürt, dass man nicht einfach auf irgendeiner weltlichen Konferenz ist.

Ansonsten - meinst du wiklich, es geht dem Ökumenischen Patriarchen in erster LInie darum nach aussen hin als "einheitlich" dazustehen? Ich weiss nicht... Habe neulich ein Interview mit Vater Makarios gelesen, er ist eine Art Berater des Patriarchen und äussert sich darin zu den Kritikpunkten bzgl. des Konzils. Darin sagt er u.a. auch das mit der Göttli. Liturgie als das, was uns eint.

Ansonsten sieht der die Kritik nicht als Revolution etc., sondern als konstruktive Anmerkungen, damit ein besseres Ergebnis erzielt bzw. richtigere Entscheidungen getroffen werden.

Bzgl. mancher Kritiker sagt er, er habe den Eindruck, sie wollten eher sich selbst in den Vordergrund stellen als das Interesse der Kirche. Auch merkt er an, dass einige dem Ök.Patriarchat "Ökumenismus" vorwerfen, dabei aber übersehen oder fur nicht so wichtig halten, dass heute ein grosses Problém bzw, Häresiegefahr vom Nationalismus ausgeht, von dem aber nicht gesprochen werde - immer gehe es nur um den Ökumenismus.
Diese Gefahr sieht er nicht so gross wie sie dargestellt wird, nach seiner Meinung droht hier kein "Verrat".

Was er als wichtige Gefahren sind, ist wie gesagt Nationalismus (wenn man nationale/ethnische Interessen über die der Kirche stellt) und auch etwas, was er Zelotismus nennt (gr. ζηλωτισμος). Das definiert er so - wenn man im Namen Gottes, aber ohne den Geist und den Ethos der Kirchenväter und Heiligen versucht, Dinge in der Kirche zu erklären und auszulegen, oder wenn man das eigene Ich über die Kirche stellt und meint, nur man selbst als Person könne die Wahrheit für sich beanspruchen. Das hängt seiner Meinung nach mit dem Individualismus zusammen. Er führt an, wie einmal Gerontas Paisios gefragt wurde, wie man an schwierige Kirchenfragen herangehen solle, und er sagte "auf jeden Fall Extreme vermeiden, mit Extremen löst man nichts". Und er bracht das Beispiel, wie man früher im Kaufladen die Waage mit Gewichten ausbalancieren musste - Stück fur Stück und mit Gefühl", so sei auch hier die Herangehensweise - nicht abrupt und ins Extreme gehen. Vater Makarios sagt, dass die die den Ökumenismus fürchten, dann teilweise in die Härese des Zelotismus verfallen (können)...

Er ruft dazu auf, "Frieden im Herzen zu haben und auf unsere Kirche zu vertrauen". Der Patriarch höre alle an und auch wenn so manche ihm gegenüber nur negativ reagieren, habe er niemanden dafür kritisiert/verurteilt.

Zu den Beziehungen "restlichen christlichen Welt" führt er an, dass ausser Zweifel steht, dass die eine, durch Gott/Jesus gegründete Kirche nichts damit zu tun hat, dass historisch auch andere Konfessionen enstanden sind. Angst vor drohenden Verrat unserer Dogmata und /oder gar Vereinigung mit den Lateinern weist er enstchieden als unbegründet zurück.
Schon der Hl.Basil habe schismatische und häretische Gruppen als "Kirchen" bezeichnet. Deswegen ist der Hl.Basil aber doch kein Häretiker, noch sind die kritischen Stimmen automatisch häretisch. Er ruft dazu auf, unsere persönlichen Auslegungen, Argumentationen und Bezug auf einzelne Personen etwas an den Rand zu schieben, und statt dessen "der Kirche und ihren Vätern Raum geben/Gehör schenken" und ihre Organisationsstruktur respektieren.

Weiter sagt er, dass wir, ohne es so recht zu bemerken, die Kirche in "Traditionelle" und "Freiheitsliebende" eingeteilt hätten, was aber mit dem kirchlichen Ethos nicht zusammengehe. MIt den Altkalendariern z.B. habe man keine dogmatische Differenz, sondern einen Unterschied in der Moral, im Ethischen, weil sie an die Dinge anders herangehen und sie untersuchen als die Kirche.

Der Geist der alten Häresien des 3-und 4- Jahrhunderts habe im Westen überdauert, sei aber auch in unsere Reihen eingedrungen. So entstand eine "scholastische Theologie",scholastisch und individualistisch. "Scholastiche Theologie ist, wenn du kein Herz hast, nur Hirn. Wenn du versuchst, individualistisch alles mit den Lettern des Gesetzes zu erklären. Man bildet Gruppen aus Klerikern, die protestieren. Scholastische Theologie hat keine Fülle. Unsere Theologie hat dann keine Fülle und Tiefe, wenn man die Dinge einseitig und mit Skeptizismus untersucht, ohne dabei den Geist Gottes wirken zu lassen. Wirkliche Theologie ist kein Begreifen im Sinne (nur) menschlischer Logik und Weisheit. Die Kirche funktioniert nichth mathematisch. Früher haben die Kirchenväter die Regeln/Kanones festgelegt, nachdem Probleme oder Häresioen aufgetreten waren. Die Kanones waren eine Lösung, die auf ein Problém folgte. Sie waren keine Argumente an sich. Heute scheint es macnhmal, als würden wir sie benutzen, un Probleme zu schaffen, statt sie zu lösen. Dann verlieren sie aber ihren Zweck."

Er sagt u.a.: "Die Orthodoxe Theologie erlöst, erleichtert, beruhigt, bringt Frieden. Mich betrübt es zu sehen, wie manche heute eine Theologie verkünden, die Spaltung und Aufruhr/Unruhe bringt."

Auf die Frage, ob an den Texten zu den verschiedenen wichtigen und kontroversen Themen Änderungen vorgenommen werden sollen/können, antwortet er "Sicher, wir wissen nie, was fur Überraschungen uns der Heilige Geist bereitet". Natürlich könne laut den Regeln jeder Bischof sich dazu äussern, sein eigenen Vorschläge einbringen, so dass es gewiss zu Änderungen kommen wird.

ZUm Schluss betont er noch, dass ausser "Einheit" (aber es klingt nicht, als meine er v.a. das einheitliche Aussehen nach aussen hin!) v.a. der "Frieden der Seele" wichtig ist. Wenn heute Fanatismus und Hass um uns herum sind, wo ist da der Frieden der Seele? Und weil manche von uns ihn nicht haben, können wir ihn auch nicht weitergeben, sondern geben das, was wir haben, weiter: Feindseiligkeit und Fanatismus. Dann kann es zu "Krieg der Kinder gegen den Vater, der Kleriker gegen den Bischof, der Gläubigen gegen die Kirche" kommen.

Er ruft zu Vertrauen in die Kirche und zum Patriarchen auf und fordert alle auf zu beten, für den Patriarchen und alle Beteiligten, "dass sie die Gnade und Erleuchtung Gottes haben mögen."

Hm, ich weiss nicht.... für mich klingt es eigentlich nicht so, als würde es nur darum gehen, nach aussen Einheit zu demonstrieren und nach innen alles unter den Teppich zu kehren oder gewaltsam zu vereinheitlichen... Ich finde, da wurde einiges gesagt, worüber man nachdnekn könnte/sollte. Oder seht ihr das ganz anders? (Vieleicht entgehen mir irgendwelche Zusammenhänge, die ich nicht kenne?)

Hoffentlich schreibt noch jemand etwas dazu, das ist schon wichtig und interessant, finde ich!
Gruss, M.
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MariaM
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von MariaM »

P.S. Ach so, und zu dem Prinzip der Einstimmigkeit sagt er, dass das zwar das wünschenswerte, anzustrebende Ziel sei, aber auch in der Praxis oft negativ wirke (Veto) und somit das Mehrheitsprinzip oft tauglicher und auch akzeptabel ist. Heisst das nun, auf dem Panorthodoxen Konzil muss gar nicht das Einstimmigkeitsprinzip gelten, wie ja oft angeführt wird (dass es Bediungun sei)? M.
SebastianS
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von SebastianS »

Danke, MariaM für den langen Text.

Zur Frage der Einheit: Um ehrlich zu sein, war das eines der wenigen Argumente, dass man immer wieder hört, warum die Orthodoxe Kirche jetzt überhaupt ein Konzil einberufen sollte/hat. Wenn wir ins erste Jahrtausend schaun, dann wurden die ökumenischen Konzilien bei schwerwiegenden Häresien einberufen, um die Kirche zu verteidigen. Das liegt aber heute nicht vor. Am ehesten würde ich da noch den Ökumenismus sehen, der aber ganz und gar nicht auf dem Konzil verurteilt wird. Ich folge da ganz dem hl. Justin, der von der Panhäresie des Ökumenismus spricht.

Zum Nationalismus: Ich denke schon, dass Nationalismus ein Problem sein kann, aber ganz ehrlich sehe ich heute nicht, dass die Kirche ein großes Problem mit Nationalismus hätte. Die weltlichen (und auch katholischen) Medien erklären gerne alle Gründe, die im Moment das Konzil bedrohen, zu politischen (und nationalistischen) Gründen. Aber darauf dürfen wir nicht reinfallen. Und ganz ehrlich: Gerade in der Gruppe derer, die ihre Sorgen zum Ökumenismus äußern, sehe ich keinerlei Nationalismus. Dort tummeln sich Russen, Serben, Amerikaner, Griechen, Deutsche, Georgier, Rumänen und so weiter, und die Nation spielt dort keinerlei Rolle, sondern die Sorge um unsere Kirche.

Im Gegensatz dazu sehe ich aber deutliche Gefahren durch den Ökumenismus, z.B. in den Taten des ökumenischen Patriarchen. Noch zu Zeiten von Papst Benedikt wurde für selbigen gebetet wie für einen orthodoxen Bischof (war wohl eine Ektenie), mit vollem Titel und sogar vor dem Patriarchen. Das ist einfach nicht angebracht. Oder wenn der serbische Bischof in Österreich auf der Familiensynode der Katholiken bei einer Ansprache überschwänglich davon spricht, wie toll er es hier bei den Katholiken finde, und dass er sich auch einen bestimmten katholischen Geistlichen als geistlichen Vater nehmen würde.

Aber noch viel skeptischer und gefährlicher sehe ich wirklich die Riege der Orthodoxen (Laien-)theologen (vor allen Dingen im Westen). Dort gibt es einige, die ihre Gedanken auf Blogs äußern. Und dort wird ganz offen gesagt, dass die Orthodoxe Kirche endlich so etwas bräuchte wie das zweite Vatikanische Konzil, und dass man endlich den Weg zur Kommunionsgemeinschaft mit den Katholiken einschlagen sollte, dass uns ja gar nicht viel trennt. Und dass nur der doofe Nationalismus von den etwas zurückgebliebenen Russen die ganze Orthodoxe Kirche zurückhält. Letzter Satz ist natürlich etwas überspitzt formuliert, kommt aber so raus. So viel auch nur mal zum Nationalismus....

Und dann kommen wir auch schon beim Zelotismus an. Ich denke, dass hat etwas mit "Eiferer" zu tun. Und natürlich kann man auch hier in ein Extrem fallen, das weise ich gar nicht zurück. Ich habe aber das Gefühl, dass heute nur allzu schnell dieser Begriff verwendet wird, auch besonders durch die von mir genannte Riege der Laientheologen. Dort wieder jeder, der nicht ihrem ökumenistischen Bild entspricht, sofort als fundamentalistisch und extrem abgestempelt (darunter fallen dann auch z.B. die Väter des Athos).

Noch zwei Sachen zum ök. Patriarchat:
1) Wenn es nach dem ök. Patriarchat gegangen wäre, dann wären die Texte von Januar gar nicht veröffentlich worden und nur gegen den Widerstand des ök. Patriarchen wurden sie dennoch veröffentlicht. Wahrscheinlich wusste er schon, dass viele Bischöfe und Mönche vieles zu kritisieren hätten. Und das entspricht einfach nicht dem Orthodoxen Prinzip eines Konzils. Bei den ökumenischen Konzilien konnten alle Bischöf hinfahren und abstimmen. Jeder Bischof hatte eine Stimme und nicht nur eine Stimme pro Ortskirche. Wenn man jetzt noch die Texte nicht veröffentlicht hätte und nur eine Delegation jeder Kirche abgestimmt hätte, dann hätten die restlichen Bischöfe keinerlei Einfluss darauf gehabt. Genausowenig wie der ök. Patriarch ein Orthodoxer Papst ist, genauso wenig ist auch ein beliebiger Patriarch der Papst seiner Ortskirche. Jeder Bischof ist für seine Diözese verantwortlich.

2) Hier ein Interview mit Vater Chryssavgis, ein enger Vertrauter des ök. Patriarchen:

https://cruxnow.com/global-church/2016/ ... can-ii-go/

Hier spricht er davon, dass das Konzil auch dann bindende Entscheidungen treffen wird, auch wenn eine oder mehrere Ortskirchen nicht anwesend sein werden. Auch das halte ich für sehr schwierig. Sobald eine Ortskirche bewusst nicht hinfährt, ist es kein panorthodoxes Konzil mehr. Und ich wüsste nicht, warum die Bulgaren, Antiochener und Serben sich an Beschlüsse halten sollten, bei denen sie nicht anwesend waren (ob sie das selbst entschieden haben oder nicht). Nicht hinzufahren ist keine Generalerlaubnis, alles zu beschließen.
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Stephanie
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von Stephanie »

Kurze fragende Anmerkung am Rande... hatte nicht auch der Athos an den Papieren zum Konzil Kritik geübt und seine Bedenken geäußert? (Ging es nicht auch um Kalenderfragen, u.a.?)

Solange das Konzil als solches benannt ist und nicht "umbenannt" wird in eine vorkonziliare Zusammenkunft, ist mir schon klar, weshalb etliche Kirchen von einer Zusammenkunft absehen. Die Gefahr, dass Beschlüsse durchgedrückt werden, also für gültig befunden werden, ohne dass sie mitgetragen werden ist ihnen zu groß und es gibt in der Zeit der frühen Kirche auch entsprechende Beispiele für ähnliche Situationen, sodass man wohl diese Sorge nicht einfach so abtun kann.
Ich finde es daher nicht wirklich tragisch, wenn das Konzil nicht (sofort) zustande kommt. Es ist seit 1000 Jahren kein Konzil zustande gekommen - unsere Kirche muss also nicht in Hektik oder Panik verfallen, wenn dieses noch einmal verschoben werden muss, aufgrund ernstzunehmender Unstimmigkeiten. Seien wir doch froh, dass in unserer Kirche mit mehreren Stimmen gesprochen wird, und nicht ein (oder zwei) Patriarchat(e) (welche auch immer) den anderen seine Vorstellungen aufzwingen kann, was diese dann mitzutragen haben. Dann wären wir wirklich nur die östliche RKK.
Abgesehen davon haben wir momentan ja alle sehr wenig Einblick, was genau die Hintergründe sind, keiner von uns hat die Papiere vorliegen, kennt alle Diskussionen usw. Wir erfahren nur in Bruchstücken, dass es offenbar ernste Unstimmigkeiten und Probleme gibt, schon seit Monaten immer wieder Kritik, Bedenken aufgetaucht sind. Wenn unsere Bischöfe also Magengrummeln haben, wird das seine Ursachen haben.
Wie gesagt, lieber langsam und stufenweise die Unstimmigkeiten angehen, als huschhusch schlimme Verwerfungen zu produzieren. Was wir in der gegenwärtigen Situation in der Welt nun wirklich überhaupt nicht brauchen können, ist eine zerfallene Kirche.
SebastianS
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von SebastianS »

Ja, die Mönche des Athos haben auch deutliche Kritik geübt. Hier der Brief der Versammlung der Äbte in englischer Übersetzung:

http://katehon.com/article/open-letter- ... tholomew-i
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Stephanie
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitrag von Stephanie »

Wow, was für ein Bild in dem Artikel. Danke für den Link (und die Seite, die ich nicht kannte)!
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