Reformation

Polemik und Ökumene - katholisch, evangelisch...
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Reformation

Beitragvon Alexej » 26.02.2010, 10:49

Guten Morgen!

Kennt jemand einen guten (und mehr oder weniger knappen) Text, in dem Begriffe wie Evangelisch, Evangelikal, Protestantismus, Freikirchen usw. erklärt und gegenübergestellt werden?

Danke!
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Re: Reformation

Beitragvon ElvisVrinic » 26.02.2010, 11:18

lieber alex,

also meiner meinung nach sind das alles protestanten. Wie schon erwähnt lehnen sie sich gegen gegen die Römisch katholische Kirche auf.

Jetzt gibt es wieder unterschiede. Die einzige Protestantische kirche die einigermaßen auch uns Vertritt. Wäre die Evangelisch-Lutherische Kirche, also die vom Martin Luther.

Es gibt auch noch zahlreiche andere Protestantische gruppen bis hin zu sekten. Z.B. Sieben-Tages-Adventisten, Zeugen Jehovas, Neu-Apostolische kirche usw. Die stehen meiner auffassung nicht in Weltkirchenrat. Wo glaube ich auch die Lutheraner mitsitzen.

Da wären aber auch noch Angelikaner, die haben sich nur von der Wesltlichen Kirche getrennt. Weil der König Heinrich der XVI oder so sich von seiner Frau scheiden lassen hatte wolle.

der HERR schütze euch
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

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Re: Reformation

Beitragvon holzi » 26.02.2010, 11:27

Alexej hat geschrieben:Kennt jemand einen guten (und mehr oder weniger knappen) Text, in dem Begriffe wie Evangelisch, Evangelikal, Protestantismus, Freikirchen usw. erklärt und gegenübergestellt werden?
Schau mal hier: http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?f=4&t=4286
und in der Zwischenzeit kann ich auch noch ein bisschen was zusammenstellen.
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Re: Reformation

Beitragvon holzi » 26.02.2010, 11:49

Evangelisch, Evangelikal, Protestantismus, Freikirchen

Fang ich mal mit dem Oberbegriff Protestantismus an: der Name kommt von der "Protestation zu Speyer" wo 1529 einige reformatorisch gesinnte Fürsten und Städte gegen die Verhängung der Reichsacht über Martin Luther und seine Schriften stimmten. Seither wurden die Anhänger Luthers Protestanten genannt, der Begriff erweiterte sich seither aber auf alle aus der Reformation enstandenen kirchlichen Gemeinschaften.

Evangelisch: Luther & Co. waren der Meinung, die katholische Kirche wäre vom eigentlichen Evangelium Jesu Christi abgefallen und sei häretisch geworden. Ihre Versuche, wieder zum ursprünglichen Evangelium zurückzukommen, nannten die Reformatoren "evangelisches" Christentum. Da damit auch Sachen wie Bilder, Liturgie, Sakramente (=Mysterien), Priestertum, Hierarchie und dergleichen mit auf den Müll geworfen wurden, überlasse ich die Beurteilung euch, wie erfolgreich der Versuch der Rückkehr zum Evangelium war. Auch Teile des alten Testamentes verwarfen sie als unkanonisch, da sie nicht im hebräischen Kanon der Juden enthalten sind. Das sind die Bücher, die uns aus der griechischen Septuaginta überliefert sind und die sowohl von den orthodoxen Kirchen als auch von der katholischen Kirche als kanonisch anerkannt werden.

Evangelikal: Einige Zeit nach der Reformation bildete sich in den reformatorischen Kirchen wieder eine noch radikalere Bewegung, die von der real existierenden Reformation enttäuscht war, da sich die lutherischen Landesherren der Religion als politisches Instrument bedienten. Diese Puritaner waren noch radikaler als die Reformierten und beseitigten in ihren Gruppierungen auch noch die letzten Reste herkömmlicher Kirchlichkeit und Tradition und legen die einzige für sie gültige Autorität in die Bibel. Daraus entstanden Kirchen wie die Baptisten, Quäker, Mennoniten, Kongregationalisten, etc. Sie waren sich zumindest darin einig, nicht zu einer Staatskirche wie den lutherischen und reformierten Kirchen in Kontinentaleuropa bzw. der anglikanischen in Großbritannien und Amerika gehören zu wollen. Sie wollten davon frei und unabhängig sein und nannten/nennen sich daher Freikirchen. So verzichten daher diese Gruppierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz darauf, am staatlichen Kirchensteuersystem teilzunehmen, auch wenn es ihnen grundsätzlich zustehen würde.

Reicht das vorerst oder brauchst du mehr Input?
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Re: Reformation

Beitragvon ElvisVrinic » 26.02.2010, 16:17

hmmmm ich merke langsam was damit gemeint ist. Das heisst sie wollen zum Urchristentum zurückkehren. Aber jetzt mal ne blöde Frage. Warum sollte man vom gewachsenen Baum auf die Wurzel zurückkehren. Zwar war im Mittelalter die Westliche Kirche häretisch d. h. Ablasshandel wurde Betrieben usw. aber der Westen war nach wie vor ein Machtinstrument der Fürsten. Im Kern war Sie natürlich Katholisch was die gemeinsamkeiten mit uns orthodoxen auszeichet. Also hat man da vor lauter angst ein bisschen übertrieben.

Was denkt Ihr dazu.
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Re: Reformation

Beitragvon holzi » 26.02.2010, 17:21

Interessantes zum ursprünglichen Verhältnis zwischen Reformatoren und Orthodoxie: http://kreuzgang.org/viewtopic.php?f=22&t=10993
Und nicht wundern, wenn dort drüben bekannte Namen auftauchen! :D
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Re: Reformation

Beitragvon Nassos » 28.02.2010, 23:26

Hallo Tavar-i,

Du machst das wirklich sehr gut. Wenn Du Zeit und Lust hast, dann würde ich mich freuen mehr davon zu lesen.

Zu den Puristen zählen wohl auch die Calvinisten, richtig? Für sie war - wenn ich mich richtig erinnere - harte Arbeit der Sinn des Lebens. Theater, Lachen usw. war ihnen zuwider. Aus dem Grunde, dass harte Arbeit der Mittelpunkt war (ich hoffe, ich gebe das richtig wieder), wurde Reichtum als Gotteslohn angesehen.
Sogesehen bildete der Calvinismus die Grundlage für den Kapitalismus (zumindest wurde letzterer davon geprägt).

Wie dem auch sei, wenn Du noch etwas schreiben willst, um etwas Übersicht zu schaffen - in kurzen Worten wie oben - dann wäre dies sehr interessant.

Danach können wir auf die Abkürzungen zu sprechen kommen. :mrgreen:

Lieben Gruß,
Nassos
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Re: Reformation

Beitragvon Mirjanin » 03.03.2010, 09:45

Nassos, das mit den Calvinisten habe ich auch gehört, inwiefern es wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen? Da sich Calvinisten ja an die Bibel klammern und keine anderen Lehren zulassen, habe sie diese Einstellung mit Sicherheit aus der Heiligen Schrift. Nur - mit welchen Stellen begründet man das? Wer weiß mehr?

Allerdings würde ich nicht den Kapitalismus als Produkt der Calvinisten intepretieren, denn Kapitalismus bedeutet ja nichts weiter als ein freier Markt ohne Gängelung. Und ein freier Markt (d.h. jeder Teilnehmer am Markt ist frei in seiner Entscheidung) ist sicher nicht von Calvinisten entdeckt, sondern ein natürlicher Zustand. Ein freier Markt existiert immer, selbst wenn er unterdrückt wird (z. B. Sozialismus). Er existiert dann dennoch in Form eines Schwarzmarktes weiter. Auch in Deutschland blüht der freie Markt in Form von z. B. Schwarzarbeit - unabhängig von einem Regulator (Staat) treffen sich hier zwei Marktteilnehmer, die sich über eine Leistung und Entlohnung einig werden.

Was speziell im Bezug auf protestantisch geprägte Regionen auffällt ist der historisch sehr frühe Wunsch nach "Optimierung", "Rationalisierung" usw. alles muss noch schneller, noch effektiver, noch effizienter, noch kostengünstiger gehen. Korrigiert mich, aber ich glaube dieses Denken war sowohl der katholischen als auch der orthodoxen Welt bis zur Moderne völlig fremd.
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Re: Reformation

Beitragvon Nassos » 05.03.2010, 01:33

Hallo Mirjanin,

diese Schlussfolgerung (Calvinismus - Kapitalismus) ist nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern aus Dieter Schwanitz "Bildung - Alles was man wissen muss".
Es klang zumindest plausibel.

Gruß,
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Re: Reformation

Beitragvon Mirjanin » 05.03.2010, 21:02

Danke für die Antwort Nassos :) ... hmm, hat der gute Mann denn noch eine Begründung für diese Verbindung nachgeliefert?

Das Problem mit dem Begriff "Kapitalismus" ist, dass heutzutage extrem viel dort reininterpretiert wird. Jeder projeziert im Grunde gern Dinge in diesen Begriff hinein, die ihm gefallen / mißfallen. Teilweise sehr abenteuerliche Dinge. Dadurch wird "Kapitalismus" mittlerweile sehr verschwommen wahrgenommen. Fragt man Leute auf der Straße, was denn "Kapitalismus" sei, dann erhälst du von fünf verschiedenen Menschen fünf unterschiedliche Antworten. Das macht es nicht leichter, sich darüber zu unterhalten. Insofern wär's ganz interessant, wie denn die persönliche Kapitalismus-Interpretation von Herrn Schwanitz aussieht ;)
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Re: Reformation

Beitragvon Volker » 12.03.2010, 22:39

Der Urheber der Theorie vom Calvinismus als Ursprung des Kapitalismus ist Max Weber mit seiner Studie "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus". Auch wenn die statistischen Angaben veraltet sind, immer noch ein lesenswertes Buch für alle, die sich mit der Frage beschäftigen wollem, welche Auswirkung die Religion auf das Wirtschaftsleben hat.

Kapitalismus lässt sich übrigens nicht auf das Vorhandensein eines Marktes reduzieren. Auch die meisten vorindustriellen Gesellschaften hatten (haben) Märkte.
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Re: Reformation

Beitragvon Mirjanin » 13.03.2010, 10:59

Hallo Volker, danke für die Buchempfehlung, ist notiert und werde mal sehen, ob die hiesige Bibliothek das Werk vorrätig hat. Auch wenn Etatisten des 19/20 Jahrhundert nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählen ;)

Hast du das Buch schon gelesen? Beim Wikipedia Eintrag heißt es, "Weber behauptet überhaupt kein Bestehen einer echten Kausalität zwischen Protestantismus und Kapitalismus, sondern eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines modernen Kapitalismus bei Zusammentreffen bzw. -wirken von Kapitalismus und Berufsethos bzw. innerweltlicher Askese." Das wäre ja dann doch nicht ganz so, wie in dem besagten Buch auf das Nassos hingewiesen hat.

Du hast auch mit deinem letzten Statement recht, allerdings sprach ich oben von freien Märkten. :) Der Markt ansich existiert (wie oben ausgeführt) immer, jede menschliche Gesellschaft verfügt(e) darüber. Die vorindustriellen Gesellschaften sind/waren in vielen Beziehungen übrigens weitaus "kapitalistischer", als wir es heute sind, allein schon aufgrund des oft fehlenden staatlichen Interventionismus in die Wirtschaft.
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Re: Reformation

Beitragvon Nassos » 15.03.2010, 21:12

Mirjanin hat geschrieben:Das wäre ja dann doch nicht ganz so, wie in dem besagten Buch auf das Nassos hingewiesen hat.

Verbesserungsvorschlag:

Das wäre ja dann doch nicht ganz so, wie Nassos das wiedergegeben hat. Zum besseren Vergleich müsste das Buch an dieser Stelle zitiert werden :mrgreen:

Gruß,
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