Evangelisch, Evangelikal, Protestantismus, Freikirchen
Fang ich mal mit dem Oberbegriff
Protestantismus an: der Name kommt von der "Protestation zu Speyer" wo 1529 einige reformatorisch gesinnte Fürsten und Städte gegen die Verhängung der Reichsacht über Martin Luther und seine Schriften stimmten. Seither wurden die Anhänger Luthers Protestanten genannt, der Begriff erweiterte sich seither aber auf alle aus der Reformation enstandenen kirchlichen Gemeinschaften.
Evangelisch: Luther & Co. waren der Meinung, die katholische Kirche wäre vom eigentlichen Evangelium Jesu Christi abgefallen und sei häretisch geworden. Ihre Versuche, wieder zum ursprünglichen Evangelium zurückzukommen, nannten die Reformatoren "evangelisches" Christentum. Da damit auch Sachen wie Bilder, Liturgie, Sakramente (=Mysterien), Priestertum, Hierarchie und dergleichen mit auf den Müll geworfen wurden, überlasse ich die Beurteilung euch, wie erfolgreich der Versuch der Rückkehr zum Evangelium war. Auch Teile des alten Testamentes verwarfen sie als unkanonisch, da sie nicht im hebräischen Kanon der Juden enthalten sind. Das sind die Bücher, die uns aus der griechischen Septuaginta überliefert sind und die sowohl von den orthodoxen Kirchen als auch von der katholischen Kirche als kanonisch anerkannt werden.
Evangelikal: Einige Zeit nach der Reformation bildete sich in den reformatorischen Kirchen wieder eine noch radikalere Bewegung, die von der real existierenden Reformation enttäuscht war, da sich die lutherischen Landesherren der Religion als politisches Instrument bedienten. Diese Puritaner waren noch radikaler als die Reformierten und beseitigten in ihren Gruppierungen auch noch die letzten Reste herkömmlicher Kirchlichkeit und Tradition und legen die einzige für sie gültige Autorität in die Bibel. Daraus entstanden Kirchen wie die Baptisten, Quäker, Mennoniten, Kongregationalisten, etc. Sie waren sich zumindest darin einig, nicht zu einer Staatskirche wie den lutherischen und reformierten Kirchen in Kontinentaleuropa bzw. der anglikanischen in Großbritannien und Amerika gehören zu wollen. Sie wollten davon frei und unabhängig sein und nannten/nennen sich daher
Freikirchen. So verzichten daher diese Gruppierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz darauf, am staatlichen Kirchensteuersystem teilzunehmen, auch wenn es ihnen grundsätzlich zustehen würde.
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