Frauenweihe

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talitaNeu
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Mutter Maria, Heilige

Beitrag von talitaNeu » 13.09.2006, 12:19

Wie gut nur, dass der Glaubensbeweis von Mutter Maria zu Beginn des christlichen Glaubens steht und auch dass es viele Heilige gibt, in denen die Würde als Gottes Kind durchaus eine Gleichheit von Mann und Frau bestättigt. Nur offensichtlich reicht das für unsere weltlichen Kirchen nicht....

Gott läßt sich jedoch, es sei ihm Dank, nicht von von der Kirche beeinflußen was die Gabenverteilung betrifft.

Ich frage mich überhaupt, wie wir, die alle unter der Gnade stehen, darauf kommen darüber zu streiten, wem sie mehr zusteht :roll:

Betone ich strebe nicht nach einem Priesteramt, ich lasse mich aber auch nicht von den gesellschaftlichen oder kirchlichen Rahmenbedingungen davon abhalten den Menschen zu dienen in der Seelsorge wo ich kann ;-)

Würde es den uns jemals einfallen darüber zu streiten, wer von uns Gott mehr liebt anstatt zu streiten, wem Gott mehr schenkt....
Mein Zuhause

Herr Gott mein Vater, (Psalm 61. V.5)
ich m?chte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Fl?gel.

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 13.09.2006, 12:52

Liebe Schwester und Brüder!

Wenn ich darf, würde ich gerne dem Schreiben V. Peters meine ausdrückliche Zustimmung zu seinem Beitrag ausdrücken.

Das Diakonamt ist ein vollwertiger Bestandteil kirchlicher Hierachie.

Ich hätte in meinem vorherigen Beitrag differenzierter sein sollen...

Gruss von der Elbe
Sebastian :oops:

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 13.09.2006, 18:05

Hallo Lieber Vater Peter!

aus ÖRK
protopeter hat geschrieben: Inwieweit nun eine panorthodoxe Umsetzung der Pläne zur Wiederherstellung des Frauendiakonates tatsächlich erfolgt, ist zum gegebenen Moment nicht abzuschätzen, da in diesem Punkt Theorie und Praxis noch allzu weit voneinander entfernt sind - aus eigener Erfahrung weiß ich, daß dieses Thema für nicht wenige Geistliche gleichsam das sprichwörtliche "rote Tuch" darstellt und man darauf zum Teil äußerst negativ reagiert.
Warum?

Gruss
Ihr Sebastian

Milo
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Beitrag von Milo » 13.09.2006, 22:16

protopeter hat geschrieben:
Ein Erweis, daß nun die verschiedenen Stufen des priesterlichen Dienstes (ich gebrauche hier dieses Wort in seiner umfassendsten Bedeutung !) auf einen gemeinsamen Ursprung, ein einander verbindendes Amtsverständnis zurückzuführen sind, ergibt sich aus dem bis heute in der Orthodoxen Kirche üblichen Weiheritus: Die Chirotonie (Handauflegung) aller drei hierarchischer Ämter findet im Altarraum, am Altar statt; die Weiheformel ist (bis auf die jeweilige unterschiedliche Amtsbezeichnung) vollkommen ident. In der typologischen Deutung der verschiedenen Dienste, wie sie beispielsweise der Hl. Symeon von Thessaloniki zum Ausdruck bringt, wird die Bischofswürde den 12 Aposteln, das Priesteramt den 70 Jüngern und der Diakonat den 7 Diakonen der Urgemeinde zugeordnet.
Lieber v. Peter, segnen Sie!

Ich bin froh darüber wenn etwas jemand wie Sie, es etwas "ausgiebiger" und mit Verweisen umschreiben kann. Daraus lernen wir alle immer viel und daher hoffe ich (wir) das Sie uns weiterhin stets aufklären werden.

Bezüglich unseres Themas hier...ich habe angemerkt das wir nicht konkret auf die Tatsache hinweisen sondern etwas "umherjonglieren", um vielleicht Missverständnisse mit manchen Brüdern und Schwestern nicht zu vertiefen.

So wie Sie es sagten, habe ich dem nichts zu wiedersprechen, jedoch will ich noch ergänzend folgendes sagen, in der Hoffnung die orthodoxe Tradition zu wahren:

Ja, die OK kennt diese drei haupt "Hierarchiestufen" im Klerus.
Es hat sich sehr früh schon in der Kirche charismatisch rauskristaliesiert das diese drei "Niveaus" um den liturgischen und allgemein den "Dienst des Wortes" vollenden zu können, notwendig sind. Schon immer mit deren sukzesiven Chirotonie.
Jedoch darf nicht einiges an Tatsachen übersehen werden.
In der Frühgeschichte der Gemeinde, ist es gerade ein bestimmter Anlass der die jeweiligen Ämter hervorruft und ihnen diese Aufgabe zukunftsweisend wird, was wir dann als Tradition der Kirche heute wahrnemen.
Die Apostel hatten eine besondere Berufung, durch unseren Heiland selbst...und diese führten die erste Gemeinde an, ohne einen Bischof noch geweiht zu haben. Als sie erkannten sie brauchen Helfer /Diener, kamm das Amt des Diakons als erstes geweihtes Amt. Erst mit dem Sendungsauftrag aus Jerusalem in umliegende Städte, wurde Ap. Jakobus als Bischof der Gemeinde Jerusalems bestimmt (nicht geweiht), und die übrigen Apostel weihten in ihrem Verbreiten und Errichten der Glaubensgemeinden, weitere Bischöffe und Älteste, welche als ihrer Nachfolger hinterblieben. Die Diakone aber sind in ihre Tätigkeitsperspektive als Diener/Helfer der Apostel/Bischöfe geblieben. Bischöfs/Priesteramt (Älteste) haben perspektivisch eine andere Aufgabe aufgetragen bekommen, als das Diakonsamt. Obwohl sie in der Liturgie zusammen wirken.
So wird es auch heute in der OK sichtbar, das Diakone dem Priester/Bischof ständig dienend zur Seite stehen. Sie können nicht alleine Gottesdienst zelebrieren und auch nicht alle Sakramente spenden. Es sei, Bischof erlaubts in der Ausnahme.
Diese Unterscheidung in diesen drei Stufen führen schon die Apostelschüler und frühe Kirchenvater auf (wie zB. Ignatius von Antiochien). Interesant finde ich es was Hyppolit von Rom in seiner Apostolische Überlieferung schreibt:
"den er (Diakon) wird nicht für das Presbyterium geweiht, sondern zum Dienste des Bischofs, damit er das tut was im dieser auferlegt. Er gehört nicht dem Konzilium des Klerus an, sondern dient dem Bischof...er bekommt nicht den Geist des Presbyteriums..."
Auch trennt der Hl. Hyppolit streng den Dienst der Wittwe (Diakonisse) hinsichtlich dem liturgischen (Altar) Dienst. Sie wird nicht durch Chirotonie ins Amt bestellt, denn "dies tut man nur für Klerus, den liturgischen Dienst". (Literaturquelle: Werke der Apostelschüler- Bischof Athanasius Jevtic)

Fakt ist, das diese Trennungen einen heiligen Sinn machen. Besonders gut erklärt es Metropolit Johannes Ziziulas in seiner Dissertation- Diakonne sind wie eine Klammer zwischen dem Altar und dem Volk.

Diakon steht auch meist mit dem Volk betend vor dem Altarraum.

Fakt ist das die Kirchentradition keine Frauen im Presbyterium kennt.
Auch Diakonissen haben nicht das gleiche wie ein Diakon geleistet (liturgisch gesehen).

Natürlich darf daraus nicht die falsche Fragestellung zur Würdigkeit entstehen, nach dem Motto: Eva hat als erstes gekostet, also sind Frauen unwürdiger...
Ich denke aber das, wenn wir so stark und zur Recht betonen, das der Hl. Geist, der ja immer hin einer der Drei Personen unseres Dreeinigen Gottes ist, die heilige Kirche konstituiert, in ihr "atmet" und sie so am Leben erhält, das diese Ordnung auch so hinzunehmen ist und nicht nach menschlichen "Reformationen" zu suchen gilt.

Diakonissin... kann ich noch folgen, Priesterin wäre für mich überhaupt nicht nachvolziehbar.

Entschuldigen Sie meine Vielwörterei.

unwürdiger milo

ps. Zum Schluss noch eine interessante, wie ich finde, Typologie:

Ignatius an die Magnesier
1. Da ich nun in den genannten Personen die ganze Gemeinde im Glauben sah und lieb gewann, ermahne ich euch: Befleissiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind, welcher von Ewigkeit beim Vater war und am Ende (der Zeiten) erschienen ist. 2. Nehmet also alle gottgefällige Sitte an, gebet einander nach, und keiner sehe in fleischlicher Weise nach dem Nächsten, sondern liebet einander in Jesus Christus allezeit. Nichts sei unter euch, das imstande wäre, euch zu spalten, seid vielmehr eins mit dem Bischof und mit den Vorgesetzten zum Vorbild und zur Lehre der Unvergänglichkeit.

Milo
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Beitrag von Milo » 13.09.2006, 22:33

Walter hat geschrieben: Bist Du der Ansicht, Christen sei alles erst einmal alles verboten, was nicht ausdrücklich in Bibel und anderen Gesetzbüchern (als erlaubt) erwähnt wird?
Das dürfte in manchen Situationen zu Schwierigkeiten führen, denn die meisten Gesetzbücher (so auch die Bibel) gehen den umgekehrten Weg: Es ist erlaubt, was nicht verboten ist.
Grüß Gott!

Nein bin ich nicht,
aber sehr wohl der Meinung das die Gebote der Bibel (welche übrigens von Christen selbst definiert wurde) unbedingt zu halten sind.

Mat 5.17 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. 19Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.

Christus unter uns,
Milo

protopeter
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Beitrag von protopeter » 13.09.2006, 22:58

Lieber Br. Sebastian !

Auf Ihre Frage gibt es zunächst folgende Antwort: Man ist sich schlicht und ergreifend der umfassenden Bedeutung dieses Traditionsamtes nicht mehr bewußt und versucht infolge der entsprechenden Unkenntnis, dessen Wert zu mindern. Dies geschieht in bestimmten orthodoxen (vorgeblich "traditionellen") Kreisen wohl auch als Reaktion auf die unterschiedlichen Entwicklungen in den abendländischen Bekenntnissen, wenn Weiheämter für Frauen unter dem Aspekt der "Gleichberechtigung" geradezu gefordert werden. Bei der Ablehnung der Wiederbelebung des Frauendiakonates bedient man sich zudem nicht selten der - eindeutig in dieser Hinsicht nicht zuteffenden - Argumentation gegen weibliche Bischöfe und Priester; der Diakonat sei nach Ansicht der Gegner des Erneuerungsgedankens aus analogen Gründen eben auch ausschließlich Männern vorbehalten.

In dieser Hinsicht ist allerdings auch der historisch-kulturelle Faktor nicht zu unterschätzen - ich führte an anderer Stelle schon aus, daß der Frauendiakonat zumindest in zwei Patriarchaten - Konstantinopel und Antiochia - verbreitet war; sehr wahrscheinlich existierte diese Institution auch im Patriarchat Alexandria (darauf ist insoferne zu schließen, da zwei altorientalische Kirchen - die koptische und die syrische - vor einigen Jahren den Frauendiakonat reaktivierten). In der Mehrzahl orthodoxer Jurisdiktionen, die im zweiten christlichen Jahrtausend entstanden, kannte man - mit Ausnahme der Kirche Griechenlands - das Amt der Diakonin in der Praxis nicht; es spielte im kirchlichen Bewußtsein somit keine Rolle, galt - wenn überhaupt richtig interpretiert - als ein Relikt vergangener Zeiten.

Darüberhinaus entwickelten sich (bedingt durch die diversen Erschütterungen, die über die orthodoxen Völker Europas seit dem späten Mittelalter hereinbrachen) auch veränderte Gesellschaftsstrukturen, die mitunter die Geschlechterrollen neu definierten und sich demgemäß prägend auswirkten - Frauen mochte es unter solchen Umständen nicht möglich sein, eine (wie auch immer geartete) exponierte Aufgabe wahrzunehmen. Hierzu eine persönliche Anmerkung: In den Argumenten, die ich gegen ein Diakonat der Frau immer wieder zu hören bekam, fand unter anderem sehr häufig der Einwand, dies sei "nicht angebracht", da es "der Tradition nicht entspräche". Es stellt sich im Anschluß an eine solche Wahrnehmung für mich lediglich die Frage, welcher Überlieferung die Orthodoxe Kirche in diesem Punkt verpflichtet zu sein hat - der ehrwürdigen, verbrieften Tradition der Kirche, die dieses Amt in historischen, kanonischen und liturgischen Zeugnissen wiederfindet oder einer geistigen Haltung, aus der in jedem Fall Unsicherheit und auch Belastung durch diverse Vorurteile zu erkennen sind.

Wenngleich auch die Berechtigung zu Erneuerung und Wiedereinführung des orthodoxen Frauendiakonates zweifellos besteht, so ist man doch daran gehalten, hier mit entsprechender Diskretion zu Werke zu gehen - es wäre dem kirchlichen Sendungsauftrag keinesfalls dienlich, wenn die Initiative Einzelner zum Anlaß innerorthodoxer Zerwürfnisse werden würde.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von protopeter » 14.09.2006, 00:12

Lieber Br. Milo !

Nur einige kleine Ergänzungen zu Ihren Anmerkungen: Wohl erwähnt die "Apostolische Tradition" des Hl. Hippolyt den Witwenstand in der von Ihnen genannten Weise, doch folgt man den für die Ausformung der rechtlichen Grundlagen der Orthodoxen Kirche durchaus nicht unerheblichen "Apostolischen Konstitutionen" sowie den entsprechenden Kanones des Kirchenrechts, so ist daraus klar abzuleiten, daß "Witwe" und "Diakonin/Diakonisse" eben nicht als Synonyme nebeneinanderstehen - woraus schließen Sie eigentlich die von Ihnen erwähnte Analogie ? Darüberhinaus wird in den "Apostolischen Konstitutionen" gleichfalls betont, daß Witwen und Jungfrauen lediglich durch ein Segensgebet in diesen Stand aufgenommen, jedoch nicht geweiht werden.

Dagegen findet sich im selben Dokument (VIII, 19-20) die folgende Textstelle: "Was die Diakonin/Diakonisse anbelangt, so schreiben wir dies vor: O Bischof, Du wirst ihr in Gegenwart des Presbyteriums die Hände auflegen"; dann folgt im vollen Wortlaut das Weihegebet, das in voller Analogie zum Gebet über einen männlichen Diakon steht und unter anderem von "Deiner Dienerin, die hier dem Diakonat gewidmet wird" spricht. Wenn dies also kein Weiheamt wäre, wie ist dann die Einreihung unter den Klerus - und zwar nach den männlichen Diakonen aber vor den Hypodiakonen - zu erklären; wie kommt es dann zu den von mir schon erwähnten (und anhand von Dokumenten einwandfrei nachweisbaren) Weiheriten ?

Es erscheint auch nicht unbedingt angebracht, in diesem Zusammenhang von mangelnder "liturgischer Leistung" der Diakonissen zu sprechen - so ist es doch eine unbestrittene Tatsache, daß nach den relevanten Zeugnissen die Beteiligung einer Diakonin an den Gottesdiensten in analoger Weise zu ihren männlichen Kollegen nicht nachzuweisen ist; es steht zu vermuten, daß diese "Funktionen" prinzipiell eben nicht zu den diesem Amt übertragenen Aufgaben zu zählen waren.

Angesichts der Tatsache, daß die hier diskutierten Probleme durchaus delikat sind und daher aller Wahrscheinlichkeit nach kontrovers aufgenommen werden, sollte doch das Bemühen um eine möglichst umfassende Sichtweise, die jeglichen Eklektizismus zu vermeiden trachtet, umso deutlicher erkennbar sein.

Mit den besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von Milo » 14.09.2006, 08:36

Lieber v. Peter,

danke für Ihren Hinweis, ich werde baldmöglichst die von Ihenen erwähnte Stelle in der Schrifft des Hl. Hyppolit nachlesen und nachvollziehen wollen.

Was die von mir geschriebenen Zusammenhänge bzgl. Witwe-Dikaonisse anbelangt, nun...in diesem Textabschnitt deutet Hyppolit daraufhin das sie zwar in den Dienst aufgenommen wird und die bezeichnung ihr zusteht, aber eben nicht durch Chirotonie, da sie auch nicht die Gaben zum Altar vorträgt. Dazu sei gesagt das der würdige Bischof Athansius selbst neben dem Termin Witwe in Klammern (=Diakonisse) hinzugefügt hat. Ich will natürlich auch eine Unfehlbarkeit des Bischofs nicht herbeischwören.

Ich persönlich habe es so aufgefasst das Diakonissen ihre Aufgabe im Gemeindedienst primär darin hatten, zu vermitteln zwischen Bischof und Frauenangelegenheiten, so wie sie mal erwähnten, das (weibliche) "Ohr und Auge" des Bischofs zu sein. Aber das ist nur meine These.

Ihr unwürdiger Schüler,

milo

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Beitrag von protopeter » 14.09.2006, 11:24

Lieber Br. Milo !

Eine kleine Anmerkung zu Beginn, um in der Diskussion keine Verwirrung oder Verwechslung der Quellentexte entstehen zu lassen: Sie sprachen von der "Apostolischen Tradition" des Hl. Hippolyt von Rom, die im 3. Jahrhundert entstand; ich erwähnte das Zeugnis der sogenannten "Apostolischen Konstitutionen", die etwa um das Jahr 400 in Antiochia festgeschrieben wurden - beide Dokumente existieren unabhängig voneinander, sind aber im Ganzen gesehen für die Entwicklungsgeschichte kirchlicher Traditionen und Rechtsnormen von zentraler Bedeutung.

Über Art und Weise der Einsetzung weiblicher Diakone gibt eben das chronologisch jüngere Dokument Auskunft und ergänzt damit die ersten relevanten kanonischen Bestimmungen - wie beispielsweise Kanon 19 des Ökumenischen Konzils von Nikaia 325 oder Kanon 44 des Hl. Basilios d. Großen, der nicht von "diakonissa" (im Sinne des rein sozial-caritativen Funktionen zugewandten Ehrenamtes der "Witwe"), sondern von "diakonos" mit vorgestelltem weiblichen Artikel (also eigentlich "die Diakon"!) spricht und damit wohl eine Gleichrangigkeit mit dem entsprechenden männlichen Weiheamt zum Ausdruck bringen will.

Wenn Sie auf die diakonale "Auge-und-Ohr-Funktion" hinweisen und diese im Falle der Diakoninnen auf die Vermittlertätigkeit zwischen dem Bischof und den Frauen innerhalb der Gemeinden geltend machen wollen, so trifft dies im vollen Umfang zu: Diakoninnen übten bei Frauen katechetische Tätigkeiten (gerade im Rahmen der Taufvorbereitung) aus, assistierten bei der Taufe von Frauen, übernahmen den Dienst an Witwen und Waisen (bis hin zur Beauftragung der Kommunionspendung) und waren somit eben in sämtlichen Belangen die Kontaktpersonen par excellence für den weiblichen Teil der Gemeindemitglieder - es sei damit gesagt, daß aufgrund dieser Tatsachen Ihre (wie sie es selbst nannten) "These" umfassende Bestätigung erfährt !

Zum Abschluß nur noch das: Natürlich ist Bischof Atanasije nicht "unfehlbar" - so wie ich ihn kennenlernte, denke ich, daß er das auch gar nicht sein möchte! :wink: . Bei all diesem steht allerdings seine herausragende Position als orthodoxer Gelehrter (im umfassenden Wortsinn) völlig außer Frage; darüberhinaus ist es - bezogen auf den Hippolyt-Text - fraglos legitim, sich eigene Gedanken zu machen !

Die Gnade Unseres Herrn sei mit Ihnen !

Herzliche Grüße,
Erzpr. Peter

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 14.09.2006, 18:58

protopeter hat geschrieben:Lieber Br. Sebastian !

Auf Ihre Frage gibt es zunächst folgende Antwort: Man ist sich schlicht und ergreifend der umfassenden Bedeutung dieses Traditionsamtes nicht mehr bewußt und versucht infolge der entsprechenden Unkenntnis, dessen Wert zu mindern. Dies geschieht in bestimmten orthodoxen (vorgeblich "traditionellen") Kreisen wohl auch als Reaktion auf die unterschiedlichen Entwicklungen in den abendländischen Bekenntnissen, wenn Weiheämter für Frauen unter dem Aspekt der "Gleichberechtigung" geradezu gefordert werden. Bei der Ablehnung der Wiederbelebung des Frauendiakonates bedient man sich zudem nicht selten der - eindeutig in dieser Hinsicht nicht zuteffenden - Argumentation gegen weibliche Bischöfe und Priester; der Diakonat sei nach Ansicht der Gegner des Erneuerungsgedankens aus analogen Gründen eben auch ausschließlich Männern vorbehalten.

In dieser Hinsicht ist allerdings auch der historisch-kulturelle Faktor nicht zu unterschätzen - ich führte an anderer Stelle schon aus, daß der Frauendiakonat zumindest in zwei Patriarchaten - Konstantinopel und Antiochia - verbreitet war; sehr wahrscheinlich existierte diese Institution auch im Patriarchat Alexandria (darauf ist insoferne zu schließen, da zwei altorientalische Kirchen - die koptische und die syrische - vor einigen Jahren den Frauendiakonat reaktivierten). In der Mehrzahl orthodoxer Jurisdiktionen, die im zweiten christlichen Jahrtausend entstanden, kannte man - mit Ausnahme der Kirche Griechenlands - das Amt der Diakonin in der Praxis nicht; es spielte im kirchlichen Bewußtsein somit keine Rolle, galt - wenn überhaupt richtig interpretiert - als ein Relikt vergangener Zeiten.

Darüberhinaus entwickelten sich (bedingt durch die diversen Erschütterungen, die über die orthodoxen Völker Europas seit dem späten Mittelalter hereinbrachen) auch veränderte Gesellschaftsstrukturen, die mitunter die Geschlechterrollen neu definierten und sich demgemäß prägend auswirkten - Frauen mochte es unter solchen Umständen nicht möglich sein, eine (wie auch immer geartete) exponierte Aufgabe wahrzunehmen. Hierzu eine persönliche Anmerkung: In den Argumenten, die ich gegen ein Diakonat der Frau immer wieder zu hören bekam, fand unter anderem sehr häufig der Einwand, dies sei "nicht angebracht", da es "der Tradition nicht entspräche". Es stellt sich im Anschluß an eine solche Wahrnehmung für mich lediglich die Frage, welcher Überlieferung die Orthodoxe Kirche in diesem Punkt verpflichtet zu sein hat - der ehrwürdigen, verbrieften Tradition der Kirche, die dieses Amt in historischen, kanonischen und liturgischen Zeugnissen wiederfindet oder einer geistigen Haltung, aus der in jedem Fall Unsicherheit und auch Belastung durch diverse Vorurteile zu erkennen sind.

Wenngleich auch die Berechtigung zu Erneuerung und Wiedereinführung des orthodoxen Frauendiakonates zweifellos besteht, so ist man doch daran gehalten, hier mit entsprechender Diskretion zu Werke zu gehen - es wäre dem kirchlichen Sendungsauftrag keinesfalls dienlich, wenn die Initiative Einzelner zum Anlaß innerorthodoxer Zerwürfnisse werden würde.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter
Lieber Erzpr.,

ich möchte Ihnen voll zustimmen. Das Diakonenamt für Frauen sollte, wenn dies an der "Tagesordnung" steht nicht "ohne Rücksicht auf Verluste" wiederbelebt werden, sondern einem gesamtorthodoxen Wunsch entsprechen. Zerwürfnisse (wie vielleicht bei Esphigmeou) sind mehr als bedauerlich und daher - wie Sie sagen - kontraproduktiv. Auf der anderen Seite hat die Kirche auch ein weibliches Gesicht, welches offen gezeigt werden sollte (evtl. sogar in Zukunft im Diakonenamt), alleine schon in Hinsicht auf die großen Frauen und Mütter, die wir aus der Heiligen Schrift kennen. In der Frage des Diakonenamtes für Frauen erkenne ich aus Ihren Schreiben kein "Rotes Tuch", sondern viel mehr den Willen über diese Sache in der OK genauer nachzudenken. Das freut mich. Viele Frauen engagieren sich defacto ja heute schon in der Gemeindearbeit, oder auch in der Erziehung der Kinder. Dies an dieser Stelle zu würdigen, ist mir ein Bedürfniss.

Lieben Gruss
Sebastian

Walter
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Die Heilige Diakonin Phoebe

Beitrag von Walter » 17.09.2006, 01:30

Bild
Heute* gedenkt die Orthodoxe Kirche der Heiligen Diakonin Phoebe aus Kenchreai (bei Korinth).




---
* mittlerweile schon gestern :oops:

Milo
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Re: Die Heilige Diakonin Phoebe

Beitrag von Milo » 17.09.2006, 21:13

Walter hat geschrieben: Heute* gedenkt die Orthodoxe Kirche der Heiligen Diakonin Phoebe aus Kenchreai (bei Korinth).
Grüß Gott,

1. Frage: ich konnte in keinem orthodoxen Kalender auf die schnelle finden wann der Heilige gedenkt wird. Nach welchem Kalender hast du es bestimmt (julianisch -gregorianisch)? In welcher OK wird sie stark verehrt, der griechischen ?

2. Frage: du schreibst Diakonin, aber auf der Ikone selbst steht Diakonisse - warum?

3. Frage: welche Sprache ist das die man auf der Schriftrolle da sieht?


Danke im voraus für Antworten und danke für die Ikone (sehe ich zum ersten Mal).


Milo

Walter
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Beitrag von Walter » 18.09.2006, 01:52

Lieber Bruder Milo,

danke für Deine Fragen (besonders die dritte, da musste ich selbst erst mal googeln):

1. Bis ein ökumenisches (zumindest panorthodoxes) Konzil etwas anderes bestimmt, beziehe ich mich immer auf den julianischen Kalender. M.W. werden die Heiligen in allen (kanonisch) orthodoxen Kirchen gemeinsam verehrt, doch werden nicht überall alle erwähnt. Für alle nichterwähnten gibt es ja auch das Allerheiligenfest. Die Hl. Phoebe wird am 3. September vom Moskauer Patriarchat aufgeführt, aber auch im Ökumenischen Heiligenlexikon (unter Orthodox:).

2. Sowohl Diakonin als auch Diakonisse wird im Deutschen als weibliche Form von Diakon verwendet. Allerdings wurde das Wort Diakonisse im 19. Jhdt. von der ev. Kirche zweckentfremdet, daher benutzte ich lieber Diakonin.

3. Es handelt sich um eine finnische Ikone, die ich allerdings auf einer russischen Internetseite gefunden habe.

Gruß
Walter
γενηθήτω το θέλημά σου·

orthohans
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Frauenordination

Beitrag von orthohans » 06.12.2007, 19:43

Liebe Schwestern und Brüdern

Früher oder später wird es eine Priesterinnenordination in der Orthodoxie geben.

Das können wir mit noch so ausgefeilten theologischen Begründungen nicht verhindern.

Letztlich ist und bleibt der Ausschluss von Frauen aus dem Priestertum eine Frauendiskriminierung, die auf Dauer nicht hingenommen werden kann.

Ich freue mich auf den Tag, da ich zu einer Beichtmutter gehen kann. Ich hoffe, dass ich ihn noch erlebe.

Der diesmal nicht so orthodoxe

orthohans
Die senkrechte, himmelw?rts zielende Gottesverehrung lebe ewig.

IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos » 06.12.2007, 20:45

Letztlich ist und bleibt der Ausschluss von Frauen aus dem Priestertum eine Frauendiskriminierung, die auf Dauer nicht hingenommen werden kann.
Christus hat also Frauen diskriminiert oder wie? So ein Unsinn!

Ich hoffe, ich erlebe das niemals, denn dann wäre die Hl. Kirche unerträglich, mit einer derartigen Falschheit ... so eine Häresie!

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