Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
sinus
Beiträge: 1
Registriert: 21.12.2012, 10:10
Religionszugehörigkeit: evangelisch-lutherisch

Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon sinus » 28.12.2012, 20:04

Ich habe mal als lutherischer Christ eine Frage. Welche hab Einstellung ihr zu unserem Prinzip Sola Gratia? Wir sagen ja dass der Mensch ohne jegliches eigenes Tun von Gott wegen des Opfertodes Christi seine Sünden vergeben bekommt(Rechtfertigung).
Wir berufen uns dabei z. B. auf Römer 3,21-28:

"21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.
22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied:
23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,1
24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher
26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.
27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.
28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. "

Dabei meinen wir natürlich nicht, dass sich der Mensch in seinem Denken und Handeln keine verändert erleben muss(Heiligung). Soweit ich weiß redet die Orthodoxe Kirche ja mehr bei diesen Prozess von Gnade als bei der Sündenvergebung.

Ich habe schon versucht mich zu informiert und folgenden Satz über die Orthodoxe Kirche gefunden:

"Die Vergebung der Sünden ist weitgehend mit dem katholischen Verständnis übereinstimmend" (http://de.wikipedia.org/wiki/Gnade)

Stimmt das? Und wenn Ja wie begründet ihr das bzw. wie versteht ihr die Bibelstelle?

Benutzeravatar
Igor
Hypodiakon
Beiträge: 2027
Registriert: 15.01.2010, 21:02
Religionszugehörigkeit: (russisch-)orthodox
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Kontaktdaten:

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Igor » 28.12.2012, 21:55

Hallo Sinus,

herzlich willkommen hier im Forum. Schau' mal bitte in :arrow: diesen Strang, da wurde das Thema Sola Gratia diskutiert.

In Christo
Igor
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Benutzeravatar
Mary
Beiträge: 449
Registriert: 27.01.2009, 13:28
Religionszugehörigkeit: orthodox

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Mary » 29.12.2012, 15:06

"Die Vergebung der Sünden ist weitgehend mit dem katholischen Verständnis übereinstimmend" (http://de.wikipedia.org/wiki/Gnade)

Stimmt das? Und wenn Ja wie begründet ihr das bzw. wie versteht ihr die Bibelstelle?
Hallo und willkommen, Sinus,

nun, ich würde diesen Satz so nicht unterschreiben, ich selbst sehe (als ex-katholische) schon Unterschiede.
Die Frage wäre, von welchen "katholischen Verständnis" der Verfasser des wiki-Artikels ausgeht?

Die Vergebung der Sünden im "orthodoxen Verständnis", so wie ich es begriffen habe ist die:
Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jak 5,16
Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1 joh 1,9
Orthodoxe verstehen die Sünde als Krankheit der Seele (und des Leibes). Sündenvergebung geschieht im Bekenntnis der Sünde und im Zuspruch der heilenden Vergebung Gottes.
Je nach Tradition ist das Vergebungsgebet des Priesters mehr eine Fürbitte oder ein Zuspruch mit gleichzeitiger Vergebung durch den Priester (denn wir sündigen ja auch gegen die Gemeinschaft, deren Vertreter er ist). Immer, wenn eine Sünde gegen Mitmenschen gebeichtet wird, bsp ein Streit in der Familie, wird der Priester verlangen, dass auch dort um Vergebung gebeten wird.

Sündenvergebung geschieht weiterhin auch in der Krankensalbung und im Empfang der Kommunion, die wir "zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben" empfangen.

Das Bekenntnis vor dem Priester statt vor der ganzen Gemeinde hat sich eingebürgert aus praktischen Gründen. Bei uns ist es jedoch so, dass JEDER sehen kann, wer beichtet, insofern ist es auch öffentlich.

Im Gebet vor der Bekenntnis "belehrt" der Priester nochmals ganz klar: "Siehe, Christus steht unsichtbar vor dir und nimmt deine Beichte entgegen, schäme dich nicht, fürchte dich nicht, und verbirg nichts vor mir; sondern ohne Zweifel sag alles, was du getan hast, und du wirst Vergebung von unserem Herrn Jesus Christus empfangen. Siehe hier dieses sein Bildnis vor uns; ich aber bin nur der Zeuge, um vor Ihm alles das zu bezeugen, was du mir gesagt hast. Wenn du etwas vor mir verbirgst, wiegt deine Sünde doppelt schwer. Deshalb sei aufmerksam, damit du, einmal zum Arzt gekommen, nicht ungeheilt davongehst."

Hilft Dir das zum Verständnis? Sonst frag gerne nach
Lg Mary
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

Benutzeravatar
Igor
Hypodiakon
Beiträge: 2027
Registriert: 15.01.2010, 21:02
Religionszugehörigkeit: (russisch-)orthodox
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Kontaktdaten:

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Igor » 03.01.2013, 07:20

Hallo Sinus!
Wir berufen uns dabei z. B. auf Römer 3,21-28:
[…]
Stimmt das? Und wenn Ja wie begründet ihr das bzw. wie versteht ihr die Bibelstelle?
Die Stelle wird auch in der Orthodoxen Kirche gelesen, und zwar am 2. Samstag nach Pfingsten. Nur, dass die Lesung einige Verse eher beginnt (Römer 3,19-26). Die beiden Verse vorher sind aber für den Kontext des Zitats sehr wichtig:
Wir wissen aber: Was das Gesetz sagt, sagt es denen, die unter dem Gesetz leben, damit jeder Mund verstummt und die ganze Welt vor Gott schuldig wird. Denn durch Werke des Gesetzes wird niemand vor ihm gerecht werden; durch das Gesetz kommt es vielmehr zur Erkenntnis der Sünde.
Da kommt klar dabei heraus, dass hier Bezug auf diejenigen genommen wird, die das Gesetz des alten Bundes äußerlich beachtet haben, aber nicht in dessen Geiste gelebt hatten. In diesem Sinne ist die von Dir zitierte Stelle dann auch zu verstehen.

Eine andere relevante Stelle in den Apostelbriefen hatte ja auch schon Mary benannt:

Die Vergebung der Sünden im "orthodoxen Verständnis", so wie ich es begriffen habe ist die:
Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jak 5,16
Es lohnt sich, den gesamten Jakobus-Brief aufmerksam zu lesen (der ist übrigens gerade in der Vorweihnachtzeit an der Reihe). Der Apostel stellt durchgängig die Einheit von Wort (bzw. Glauben) und Tat heraus, z.B. in Jak 2,14-26:
Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke. Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern. Willst du also einsehen, du unvernünftiger Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist? Wurde unser Vater Abraham nicht aufgrund seiner Werke als gerecht anerkannt? Denn er hat seinen Sohn Isaak als Opfer auf den Altar gelegt. Du siehst, dass bei ihm der Glaube und die Werke zusammenwirkten und dass erst durch die Werke der Glaube vollendet wurde. So hat sich das Wort der Schrift erfüllt: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt. Ihr seht, dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein. Wurde nicht ebenso auch die Dirne Rahab durch ihre Werke als gerecht anerkannt, weil sie die Boten bei sich aufnahm und dann auf einem anderen Weg entkommen ließ? Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke.
Ich hoffe, das hilft Dir etwas weiter.

In Christo
Igor
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Benutzeravatar
Igor
Hypodiakon
Beiträge: 2027
Registriert: 15.01.2010, 21:02
Religionszugehörigkeit: (russisch-)orthodox
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Kontaktdaten:

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Igor » 22.02.2013, 20:13

Grüß Gott!

Hier noch in Ergänzung ein Ausschnitt aus einem Artikel der Zeitschrift „Der schmale Pfad“, Ausgabe Dezember 2011 (Band 38). Da schreibt Metropolit Hierotheos (Vlachos) in „Krankheit und Heilung der Seele“:
Zwei Arten von Glauben

Es ist nach den Heiligen Vätern offensichtlich, dass es zwei Arten von Glauben gibt. Der erste ist ein rationaler Glaube, genannt "Glaube, der auf dem Hören beruht". Dies ist ein einführender Glaube, ein einfacher Glaube. Der zweite ist ein Glaube, der auf der theoria beruht (der Schau Gottes). Dies ist der Glaube der Vollkommenen, der Glaube, der den Menschen rettet. Zwischen den beiden Arten von Glauben besteht kein Widerspruch. Der erste ist einführend, und der zweite ist ein Ergebnis des ersten. So akzeptieren wir den Glauben der Heiligen Väter der Kirche, um unsere Herzen von den Leidenschaften zu reinigen und erfolgreich durch die Phase der Läuterung zu kommen. Wenn diese erreicht ist, sollten wir die Phase der Erleuchtung des nous erreichen; dies ist der zweite Glaube, genannt Glaube, der auf der theoria beruht. Als Adam von Gott geschaffen wurde, war er im Zustand der Erleuchtung des nous, doch nach dem Fall war er verschiedenen Leidenschaften unterworfen. Jetzt brauchen wir den rechten Glauben, um den Glauben, der auf der theoria beruht, zu erreichen - dieser ist die Erleuchtung des nous -, und von dort aus die theoria Gottes zu erlangen. Der erste Glaube öffnet für uns den Weg, um geheilt zu werden, und der zweite Glaube ist die Frucht und das Ergebnis der Heilung.

Jakobus, der Bruder des Herrn, spricht über den ersten Glauben, der der Werke bedarf, um den Menschen zu reinigen. Er sagt: Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke (Jk 2,26). Sowohl der Glaube, der durch das Hören empfangen wird, als auch die Werke, die er mit sich bringt, sind für uns notwendig, um gereinigt und geheilt zu werden. Der Apostel Paulus spricht vom vollkommenen Glauben - dem Glauben, der auf der theoria beruht, wenn er sagt: Denn wir sind er Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes (Röm 3,28). Viele Christen denken, dass der hl. Jakobus dem hl. Paulus widerspricht. Insbesondere Luther, der den Brief des hl. Paulus an die Römer interpretierte, ging so weit, über den Glauben allein ohne Werke zu sprechen. Er war sich nicht der Tatsache bewusst, dass der Apostel Paulus in jenem Brief über den Glauben, der auf der theoria basiert, spricht, der jenseits der Werke des Gesetzes ist. Er meint damit nicht, dass es keiner Werke des Gesetzes bedarf. Sowohl der erste Glaube als auch die Werke sind notwendig für uns, um korrekt und effektiv die Phase der Reinigung des Herzens zu durchschreiten. Wenn dies vollbracht ist, erreichen wir das Stadium der Erleuchtung des nous, dessen Merkmal das unablässige noetische Gebet ist. Dann erfahren wir den Glauben, der auf der theoria beruht, welcher die Werke des Gesetzes übertrifft, sie aber nicht aufhebt.
Anm.: Nous = Geist, Auge der Seele

In Christo
Igor
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Benutzeravatar
Christ7777777
Beiträge: 230
Registriert: 02.11.2011, 19:47
Religionszugehörigkeit: griechisch-orthodox

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Christ7777777 » 23.02.2013, 10:34

danke liebe Igor für den letzten text vom schmalen Pfad. Der ist köstlich, ein wahres Wort. :)
Die Liebe macht dich närrisch. Im Guten Sinne jetzt. ;)
Dum Didl dei Dum dum dum.

Benutzeravatar
Stephanie
Beiträge: 279
Registriert: 08.01.2011, 17:27
Religionszugehörigkeit: orthodox

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Stephanie » 01.09.2015, 17:28

Das Thema passt zwar nur teilweise hier her, möchte jetzt aber nicht den 300sten Strang eröffnen für eine simple Frage.
Es geht um das Thema der Sündenvergebung in der Orthodoxie.


1) Es gibt in der Orthodoxie kein Sündenverständnis, dass dazu führt, dass der Mensch nach einer sehr schweren Sünde (Mord, Abtreibung) automatisch exkommuniziert wäre und aus diesem Grunde von allen Sakramenten/Mysterien und deshalb auch von der Beichte ausgeschlossen wäre, oder???

2) Wenn eine Frau eine Abtreibung hatte, diese aufrichtig bereut und beichtet, so ist ihr die Sünde im orthodoxen Verständnis vor Gott doch vergeben? Da braucht es keine gesonderte "Amtshandlung" seitens des Bischofs?


Vielleicht erscheint meine Frage merkwürdig, aber ich habe heute etwas zur aktuellen Meldung bzgl. des Papstes gelesen, was mich total irritiert hatte, deshalb nun die Nachfrage, wie das "bei uns" ist.

Benutzeravatar
MariaM
Beiträge: 385
Registriert: 30.11.2013, 19:59
Religionszugehörigkeit: christlich-orthodox

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon MariaM » 01.09.2015, 21:36

Hallo Stephanie,
ja meines Wissens ist es genau so, wie du schreibst!

Was hattest du denn so Irritierendes darüber gelesen...?

Gruss, M.

Benutzeravatar
MariaM
Beiträge: 385
Registriert: 30.11.2013, 19:59
Religionszugehörigkeit: christlich-orthodox

Stephanie, du meintest wahrscheinlich das hier...

Beitragvon MariaM » 01.09.2015, 22:22

...

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... ung-suende

... oder?

Das ist ja total absurd und abstrus!!! :shock: :?:

Von Geistlichkeit aboslut keine Spur mehr, nur noch sowas wie ein willkürlicher Verwaltungsakt, unglaublich: "... Daher habe er (der Papst) entschieden, "für das Jubiläumsjahr allen Priestern die Vollmacht zu gewähren, von der Sünde der Abtreibung jene loszusprechen, die sie vorgenommen haben und reuigen Herzens dafür um Vergebung bitten". "

Benutzeravatar
MariaM
Beiträge: 385
Registriert: 30.11.2013, 19:59
Religionszugehörigkeit: christlich-orthodox

P.S. Hm, aber es stimmt Stephanie, man fragt sich...

Beitragvon MariaM » 01.09.2015, 22:28

... wie es denn eigentlich vorher war, bei den "Papisten"?!? Wenn manche Sünden wie Abtreibung erst jetzt vergeben werden können - dann anscheinend vorher nicht?! Also waren manche römisch-katholische Christen (Christinnen) der Möglichkeit beraubt, sich durch BReue/Umkehr (Metanoia) und Gottes Gnade von der Sünde zu reinigen?!? Also war ihnen von vornherein der Weg ins Paradies versperrt, oder wie??? Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, Christ zu sein, wenn nach dieser "Logik" eh alles verloren ist????

Benutzeravatar
Sascha
Beiträge: 97
Registriert: 26.05.2011, 18:19
Religionszugehörigkeit: Orthodox
Wohnort: Bayern

Re: P.S. Hm, aber es stimmt Stephanie, man fragt sich...

Beitragvon Sascha » 01.09.2015, 23:22

... wie es denn eigentlich vorher war, bei den "Papisten"?!? Wenn manche Sünden wie Abtreibung erst jetzt vergeben werden können - dann anscheinend vorher nicht?! Also waren manche römisch-katholische Christen (Christinnen) der Möglichkeit beraubt, sich durch BReue/Umkehr (Metanoia) und Gottes Gnade von der Sünde zu reinigen?!? Also war ihnen von vornherein der Weg ins Paradies versperrt, oder wie??? Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, Christ zu sein, wenn nach dieser "Logik" eh alles verloren ist????
Bisher durfte diese Sünde nur der Bischof vergeben.
Der Artikel ist unglücklich formuliert, es klingt tatsächlich so als wäre eine Vergebung vorher nicht Möglich gewesen.
Letztenendes erlaubt der Papst aber jetzt nur dass auch Priester diese Sünde vergeben.
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

Benutzeravatar
Lazzaro
Beiträge: 970
Registriert: 09.01.2011, 17:09
Kontaktdaten:

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Lazzaro » 02.09.2015, 07:39

Vielleicht erhellt dieser Beitrag die römische Praxis etwas:
http://de.radiovaticana.va/news/2015/04 ... be/1135906
Gefunden über den "Kreuzgang":
http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php? ... start=1328
Lazarus
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54

Luka Filipp Kiriak
Beiträge: 82
Registriert: 25.08.2014, 18:57
Religionszugehörigkeit: (russisch-)orthodox

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 02.09.2015, 09:34

Hallo Maria,
das ist ja interessant. Wollte gerade auch über diesen aktuellen (päpstlichen) Beschluss der röm.-kath. Kirche bzgl. der Vergebung von Abtreibung im kommenden Jahr berichten und nun sehe ich, dass du mir schon zuvor gekommen bist.
Wenn manche Sünden wie Abtreibung erst jetzt vergeben werden können - dann anscheinend vorher nicht?!
Doch, jedoch nur durch einen Bischof bzw. in dessen Auftrag. In manchen Ländern, wie Deutschland, Österreich und den USA, gibt es aber eine Sonderregelung, durch die es wohl auch schon vorher möglich war, durch den Priester von Sünden wie Abtreibung losgesprochen zu werden.
Von Geistlichkeit aboslut keine Spur mehr, nur noch sowas wie ein willkürlicher Verwaltungsakt
Mir kommt das auch etwas fragwürdig vor. So nach dem Motto: Fristen müssen unbedingt eingehalten werden! Wer nicht bis spätestens zum 20.11.2016 aufrichtig bereut und beichtet, hat seinen generellen Anspruch auf Lossprechung durch einen Priester verwirkt.

Aufrichtige Reue ist doch ein Prozess, der sehr schmerzlich sein und mitunter auch viel länger als ein Jahr dauern kann, gerade bei solch schweren Sünden. Daher sollte man Gläubige und auch die Priester mit derart befristeten Regelungen nicht unter (zeitlichen) Druck setzen. Den Gedanken der Barmherzigkeit, den Franziskus durch diese Regelung zum Ausdruck bringen möchte, finde ich jedoch anerkennenswert.

In deinem Link irritiert mich aber noch viel mehr dieser Satz: "Ferner verfügt der Papst eine Reihe von Veränderungen für die Erlangung eines Ablasses während des Heiligen Jahres. Darunter versteht die katholische Kirche nach den Worten des Papstes die Zusage, dass Gott die Sünden eines reuigen Menschen nicht nur verzeiht, sondern sie komplett vergisst."

Wir Orthodoxen beten doch sogar: Selbst, was ich noch nicht vollbracht, sehen Deine Augen schon, denn eingetragen ist in Deinem Buch auch das, was ich noch nicht getan.

Unabhängig davon, dass Gott alles weiß (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) und demnach auch nichts "vergessen" kann, frage ich mich nach dieser zitierten Logik: Wenn Gott bereits verziehen hat, warum sollte es dann überhaupt wichtig sein, dass Gott "komplett" vergisst? Stellt man mit einer derartigen Haltung nicht die Barmherzigkeit Gottes in Frage?

Nikolaj
Beiträge: 475
Registriert: 08.03.2011, 09:17
Religionszugehörigkeit: russisch-orthodox
Wohnort: Trier

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Nikolaj » 02.09.2015, 13:48

Ich denke, dass der Gedanke hinter diesem Zuspruch für ein Jahr positiv zu bewerten ist. Der Papst will die Schwere dieser Sünde nich kleinreden, sondern belässt es bei der etwas härteren Regelung. Jedoch erlaubt er in diesem Jahr eine einfachere Lösung zur Wiedervereinigung von Sündern mit der Kirche. In manchen Fällen ist dies sicherlich sinnvoll. Jemand der mit einer schweren Sünde beladen ist und weiß, dass diese nicht durch den Priester vergeben wird, traut sich unter Umständen nicht in die Kirche. Er schließt sich selber aus, indem er nicht die Bußzeit auf sich nehmen will. Damit man aber auch an diese Menschen wieder einen Schritt zugehen kann und ihnen den Glauben näher bringen kann, gibt der Papst hier dem Sünder eine einfachere Chance.
Es wird dann, nach der Versöhnung, die Möglichkeit eröffnet, dass der Mensch seine Buße vollenden kann und erst durch die Nähe zu Gott und der Kirche die Größe dieser Sünde erkennt.

Man muss dies aber auch einfach in dem Kontext der heutigen Zeit sehen. Viele denken, dass die Kirche eine Gemeinschaft von Heiligen ist und ein Sünder verurteilt wird. Das hier ist aber ein Zeichen, dass die Kirche den Sünder annimmt und sich auch für ihn öffnet. Die Frage ist dann aber, ob dieser Same der Gnade der hierdurch gelegt wird aufgeht und der Mensch einen Schritt näher zu Gott macht.

Benutzeravatar
Mary
Beiträge: 449
Registriert: 27.01.2009, 13:28
Religionszugehörigkeit: orthodox

Re: Sola Gratia- Sündenvergebung allein aus Gnade

Beitragvon Mary » 02.09.2015, 15:13

Lösung zur Wiedervereinigung von Sündern mit der Kirche.
Ich denke, dass dieser Schnipsel aus deinem Post sehr wichtig ist, Nikolaj.
Es geht hier um die Wieder-Zulassung zu den Sakramenten der (katholischen) Kirche.
Die Abtreibung konnte immer vergeben werden, aber es brauchte bisher den aufwändigeren Weg über einen speziell dazu beauftragten Priester oder Bischof. Gott vergibt in jedem Fall den reuigen und bekennenden Sündern.

Bis die seelische Verwundung dieser Sünde geheilt werden kann, dauert es dann bestimmt noch einige Zeit... wie schön, dass diese Zeit IN der Kirche gelebt werden darf und nicht ausserhalb.
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.


Zurück zu „Verhältnis zu anderen Konfessionen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste