Sehr gutes und sehr wichtiges Thema, dass hier angeschnitten wird. Hier mein Senf dazu:
1.)
Klare Aussagen: Kein "so ist gut, aber so ist auch gut" oder "we are the world" Geheuchle. Klare Botschaften waren mir als Jugendlicher sehr wichtig gewesen (bzw. ich habe das definitiv gesucht). Als junger Mensch ordnet man gerade sein eigenes Wertesystem an, da wünscht man sich klare Linien. Was mir persönlich (evangelische Landeskirche) schrecklich auf die Nüsse ging, waren diese ausgewählten "Jugend-Themen" im Konfirmationsunterreicht, meist mit extrem hohem Peinlichkeitsfaktor, weil völlig verzerrt dargestellt.
Aufgrund dieser eigenen Erfahrung bin ich schlichtweg
gegen ein spezielles Programm für Jugendliche. Jungen Menschen sind nicht dümmer als Erwachsene, sie sind meines Erachtens auch durchaus in der Lage die komplexeren Botschaften zu verstehen. "Anpassung" an Jugendliche führt im schlechtesten Fall in Richtung Käßmann-Kirche, im besten Fall zur Unglaubwürdigkeit gegenüber den Jugendlichen ("ach, die haben doch keine Ahnung wie es wirklich als Teenager ist!" <---- Stimmt! Und darum besser gar nicht erst versuchen!)
2.)
Konsequenz im Handeln! Wenn ich z. B. Homosexualität öffentlich als falsch erkläre und dann von einer Schwulenvereinigung angegriffen werde, darf ich nicht mit hängendem Kopf zurückrudern! Das habe ich leider bei den Katholiken beobachten können - da wird dann gleich öffentlich dementiert und voneinander distanziert. Wirft ein ganz ganz schlechtes Licht auf die Kirche, denn sonst kennt man so etwas nur von Parteien, Gewerkschaften und Versicherungsvertretern…. nicht gerade Menschen, denen ich mein Seelenheil anvertrauen wollte.
3.)
Zugänglichkeit / Erreichbarkeit - meines Wissens das größte Problem aller Kirchen und für mich DER ultimative Grund, warum protestantische Freikirchen soviel Erfolg haben: Sie laden die Menschen ein, sie stellen Ansprechpartner & Mentoren für Interessierte bereit, sie nutzen das Internet um sich mit jungen Leuten zu verabreden, senden "eMail Newsletter" zu Arbeitskreisen. Dabei gehen sie stark auf die persönliche Ebene:
"Wenn du Fragen hast oder unseren Gottesdienst besuchen willst, dann schick einfach unserem Gemeindemitglied Frank eine e-mail: frank@protestantischegemeinde.com"Damit erreicht man prinzipiell einen viel größeren Kreis, als durch schnöde "Offener Gottesdienst 22.03.2009 - Kommt alle" Plakate o. ä.
Man unterschätzt leicht die Skepsis Jugendlicher im Bezug auf Unbekanntes. In Zeiten in denen man eben keine christlichen Grundlagen mehr zu Hause lernt, sind viele
extrem unsicher, was man denn bei einem Gottesdienst so zu erwarten hat? Und warum man den überhaupt besucht? Und wann muss ich mich jetzt wie verhalten - ohne das blöde Blicke kommen?
Zugegeben, als reifer Gläubiger mögen diese Gedanken fern erscheinen, für den "unvorbelasteten" Jugendlichen

sind sie aber ganz real. Wie schön wärs da, wenn man als 14-jähriger weiß, dass man sich vor der Kirche mit dem Frank trifft, mit dem man letzte Woche schon e-mails gewechselt hat und der einem bei den ersten Schritten hilft? Oder warum nicht schon vorab das Medium Internet nutzen, um auf der Webseite der Gemeinde ein paar erste Infos zu geben? (lässt sich ja wieder prima mit "Frank" kombinieren, der bei Interesse gern auch weitere Fragen beantwortet)
Nicht das wir uns falsch verstehen: Ich denke nicht, dass die Kirche es nötig hat, irgendetwas "zu verkaufen". Und jeder Mensch muss und soll definitiv seinen eigenen Weg gehen um zu Gott zu finden. Aber wie wir alle selbst erfahren haben, sind bei vielen Dingen in unserem Leben die ersten Schritte die schwersten. Wenn man daher diese ersten Schritte mit einem neuen Bruder/Schwester gehen kann, dann ist verdammt viel dadurch gewonnen. Und das erachte ich viel wichtiger als einen speziellen Zuschnitt bei den Themen.
Random quote: "Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen." (Friedrich Hölderlin)