Orthodoxe Erlösungslehre

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Nemanja
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Registriert: 25.02.2010, 19:17
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Orthodoxe Erlösungslehre

Beitrag von Nemanja »

Ich hätte eine Frage bezüglich der orthodoxen Erlösungslehre, die ich nicht ganz verstanden habe. (Die frage wurde schon im Kreuzgangforum gestern von mir gestellt (Aleksander), also nicht unter Umständen verwundern) .


Zufällig las ich auf Orthopedia den Artikel über "Sünde" http://orthpedia.de/index.php/S%C3%BCnde und da habe ich auch zum ersten Mal erfahren, dass wir nicht die gleiche Lehre vertreten wie der Westen.Der Westen soll die Lehre der "Satisfaktion"( Befriedigung) von Anselm, Erzbischof von Canterbury mal übernommen haben.Ich muss sagen, dass ich eine ähnliche Vorstellung von dieser Erlösungslehre hatte ( man sollte aber bedenken , dass ich mich erst kürzlich der Orthodoxie richtig zugewandt habe).

Meine Frage zieht sich besonders zu den "Vergebung der Sünden". Ich zitiere mal den Artikel wie es der Westen sieht :" Für die meisten westlichen Christen ist Sünde eine Angelegenheit, wo jemand Schlechtes tut, dadurch eine Schuld gegenüber Gott schafft, und diese Schuld muss irgendjemand bezahlen. Sie glauben, dass Jesus die Schuld für unsere Sünden am Kreuz bezahlt hat - den Vater bezahlt hat, so dass wir nicht länger die Strafe tragen würden"


Die Orthodoxen lehnen meines Wissens diese Lehre ab. Wir glauben , glaube ich (bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege), dass die Sünde eine Krankheit ist , die den Seelentod als Strafe nach sich zieht ( auch aus dem Artikel), von der wir Rettung und Heilung bedürfen.


Was ich ja jetzt nicht ganz verstehe: Von den Sünden werden wir ja gereinigt in dem wir Vergebung erlangen, oder ? Aber wenn ich einer Vergebung bedarf, trage ich nicht gleichzeitig eine Schuld mit mir , und wem schulde ich? Weil bei mir kommt automatisch der Gedankengang,ich schulde, Jesus hat als Opfer meine Schuld bezahlt ( die Frage ist jetzt an wen ?) und mir kann somit vollkommen Vergeben werden.(so eine Art Gerechtigkeitssinn) Hier ein Bibelzitat das dazu interessant ist "Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung." Hebr. 9, 22- ich weiß nicht ob sich das nur auf das Alte Testament bezieht (Gesetz).


Welches Zitat mich noch interessiert ist dieses " gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. " Matth 20, 28 Die Frage ist, ob im Original auch Lösegeld steht. Wenn ja , würde mich interessieren, an wen er das Lösegeld zahlt. Es wurde mal gut erklärt , dass Jesus mit seinem Opfer die Juden vom Gesetz losgekauft hat, kann das hier auch zutreffen ?
Zahlt er ein Lösegeld an den Teufel ? Oder zahlt er niemanden was :) ?

Mich würde freuen wenn mir vielleicht einer die Erlösungslehre(Orthodox) ein wenig erklären könnte, spziell interessiert mich die Angelegenheit mit der "Vergebung der Sünden" und der Schuld.Wem schulde ich was ? Wie kann ich das Opfer Christi verstehen ,wird mir erst Vergeben nach dem Jesus dafür mit seinem Opfer bezahlt hat usw .

Wieso wurden früher eigentlich genau die Tieropfer bei den Juden vollbracht , hier mach ich bestimmt nach orthodoxer Sicht einen Gedankenfehler wenn ich mir denke , dass Gott nach einem Opfer erst die Sünden vergeben hat/konnte , oder ? Sie dienten glaube ich der Reinigung.

Bitte verzeiht mir wenn ich vielleicht einiges durcheinander gebracht habe, vielleicht könnt ihr mir hier helfen.
Andromachi
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Re: Orthodoxe Erlösungslehre

Beitrag von Andromachi »

Nach allem, was ich gelesen habe, verstehe ich unsere orthodoxe Lehre auf folgende Weise:
Gott hat mich perfekt aber frei geschaffen. Ich musste Ihm nur zeigen, dass ich mir diese Perfektion wünsche, damit sich das Gute in mir stabilisiert. Ich habe aber die falsche Wahl getroffen und bin gefallen. Der erste Adam ist gefallen, aber auch ich als Einzelperson. Denn kein Mensch kann ohne Sünde leben, kein Mensch kann dem Gesetz Gottes in jedem Punkt folgen und Gott in allem gehorchen. Da ist unser Jesus Christus gekommen, der Letzte Adam (1Kor 15,45), Gott und Mensch zugleich, und war der einzige, der Gottvater in allem gefallen konnte. Er hat Seinem Willen gehorcht bis in den Tod. Jesus hat für uns alle das erfüllt, das wir nicht erfüllen wollten oder konnten. Jetzt gibt es also den perfekten Menschen, der für uns alle als Beispiel da steht. Nicht nur das: Er hat als Priester das Opfer gebracht, das eigentlich wir hätten bringen müssen: "Du bist Priester auf ewig / nach der Ordnung Melchisedeks" (Hebr 5,6/5,10/6,20/7,17/7,21). Und das tut Er bei jeder Leitourgie (Und deswegen heißt die Leitourgie Eucharistie, weil nur dadurch Gottvater Gefallen findet εὐχαριστῶ τινί = ich handle so, dass jemand Gefallen an mir findet)). Er ist der Große Priester, der das Opfer bringt, Er ist selbst das Opfer, aber gleichzeitig nimmt Er als Gott dieses Opfer an, verwandelt das Brot und den Wein in Fleisch und Blut und verbreitet sich unter uns, sodass wir in Kommunion mit Ihm bleiben.
Wo ist hier die Rede von einer Satisfikation? Gott braucht nichts, nicht mal unsere Entschuldigung. Was Er tut, tut Er aus Liebe für uns.

Ich schlage vor, dass wir alle den Hebräer-Brief Kapitel für Kapitel lesen und hier gemeinsam besprechen.
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Mary
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Re: Orthodoxe Erlösungslehre

Beitrag von Mary »

Nemanja hat geschrieben:
Hier ein Bibelzitat das dazu interessant ist "Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung." Hebr. 9, 22- ich weiß nicht ob sich das nur auf das Alte Testament bezieht (Gesetz).


Welches Zitat mich noch interessiert ist dieses " gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. " Matth 20, 28 Die Frage ist, ob im Original auch Lösegeld steht. Wenn ja , würde mich interessieren, an wen er das Lösegeld zahlt. Es wurde mal gut erklärt , dass Jesus mit seinem Opfer die Juden vom Gesetz losgekauft hat, kann das hier auch zutreffen ?
Zahlt er ein Lösegeld an den Teufel ? Oder zahlt er niemanden was :) ?
Lieber Nemanja,

das sind die Fragen, mit denen ich mich ein Leben lang als Noch-röm. Katholikon herumgeschlagen habe. Ich habe es immer als äusserst "falsch" empfunden, dass Gott durch das Opfer seines Sohnes (also Gottes) hätte besänftigt werden sollen. Ich bin sehr froh, das nicht mehr glauben zu müssen.

Zu Hebräer 9,22 hilft vielleicht die Erklärung in einer Predigt von Johannes Chrysostomos:
Mit diesem Blute hat uns nicht Moses, sondern Christus besprengt durch das Wort, so er gesprochen: „Dieß ist das Blut des neuen Bundes zur Vergebung der Sünden.“ Dieses Wort, statt des Hyssop mit Blut getränkt, besprengt Alle. Und dort wurde der Leib von aussen gereinigt, denn es war eine körperliche Reinigung; hier aber dringt die Reinigung, weil sie eine geistige ist, in die Seele, nicht sie einfach umsprengend, sondern als sprudelnder Quell in unsern Seelen. Die Eingeweihten verstehen diese Worte. Und bei Jenen wurde nur die Oberfläche besprengt und Derjenige, welcher besprengt wurde, wieder abgewaschen; denn er ging nicht beständig blutbedeckt einher; bei der Seele aber ist es nicht so, sondern mit ihrem Wesen selbst mischt sich das Blut und macht sie stark und rein und führt sie zu einer unerreichbaren Schönheit.
gefunden hier
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel3268-1.htm

Die Frage, die sich bei Mt. 20, 28 stellt:
Ich glaube schon, dass das Wort "Lösegeld" dort steht.
Der Heilige Gregor der Theologe hat dazu geschrieben (zitiert aus orth. dogm. Theologie, V. Pomazanskij)
"Für wen wurde das Blut, das für uns vergossen wurde, geopfert, und warum wurde es vergossen? Ich meine das wertvolle und gepriesene Blut unseres Gottes und Hohenpriesters und Opferlammes. Wir werden vom Bösen gefangengehalten, sind unter die Sünde verkauft, und wir empfangen Wonnen im Tausch gegen Niedertracht. Nun, da ein Lösegeld jenem zukommt, der gefangenhält, frage ich, wem dieses denn angeboten wird und aus welchem Grund? Wäre es der Böse - welch ein empörender Gedanke! Der Räuber erhielte das Lösegeld, nicht nur von Gott, sondern ein Lösegeld, das aus Gott selbst besteht, und hätte eine solch vortreffliche Bezahlung für seine Tyrannei, eine Vergütung, um derentwillen er uns allesamt in Ruhe lassen könnte. Aber ich frage zunächst: wie? Denn es geschah nicht durch Ihn, dass wir unterdrückt waren; und dann, aus welchem Grund hätte das Blut Seines einziggeborenen Sohnes den Vater erfreut, Der nicht einmal Isaak angenommen hatte, als dieser Ihm von dessen Vater angeboten worden war, sondern das Opfer verwandelte und einen Widder an die Stelle des menschlichen Opfers tat? Ist es nicht offensichtlich, dass der Vater Ihn annimmt, doch weder um Ihn bat, noch um Ihn verlangte; doch wegen der Menschwerdung und weil die Menschnatur durch die Menschlichkeit Gottes geheiligt werden muss, geschah es, dass ER Sich Selbst uns darbrachte und den Tyrannen überwand und uns zu Ihm Selbst hinzog durch die Vermittlung Seines Sohnes, der dies alles zur Ehre des Vaters vollführte, Dem Er, wie es sich in Wirklichkeit zeigte, in allen Dingen gehorsam ist."
Weiter wird dann (bei Pomazanskij) auch die Frage noch erörtert, was "Loskauf" bedeutet. Es muss nicht nur Loskauf VON etwas sein, aber auch Loskauf FÜR etwas oder FÜR jemand. Dazu sind interessant die Bibelstellen
1 kor 6, 19
Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?
20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.
1 Kor 7,22
Denn wer als Knecht berufen ist in dem Herrn, der ist ein Freigelassener des Herrn; desgleichen wer als Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi.
23 Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.
Offb 5,9
9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen
Lg Maria
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.
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