Benedikt hat geschrieben:
Lieber Igor,
mich interessiert wie es dir mit dieser Fassung ergeht. Die Teile, die ich gelesen habe, sind eher spröde. Verständlich wenn man berücksichtigt, dass ja die rein wissenschaftliche/sprachliche Absicht dahinter steht. Ich habe mir diese Überstezung aus diesem Grund bislang nicht zugelegt und halte mich an die Orthodox Study Bible, die zwar englisch aber gut lesbar ist.
Magst du mal berichten?
Benedikt
Ja, lieber Benedikt, die vorliegende Septuaginta Deutsch ist natürlich primär sprachwissenschaftlich ausgerichtet. Das wird auch noch durch die beiden zusätzlichen Bände mit Erläuterungen und Kommentaren (ISBN-13: 978-3438051448) untermauert. Wie wir schon
an anderer Stelle feststellten
… ist eine Übersetzung ist immer ein Kompromiss zwischen Strukturtreue, Sinntreue und Wirkungstreue. Dazu kommt eine Reihe anderer Faktoren, wie die Persönlichkeit des/der Übersetzer, die Zeit der Übersetzung, die Zielgruppe für das Werk usw.
Von Vorteil ist aber bei dieser Ausgabe, dass darin auch spezielle Fußnoten darauf hinweisen, welche Besonderheiten bei den orthodoxen Lesungen für die jeweilige Textpassage zu beachten sind.
Für mich war erst einmal primär auschlaggebend, dass die vorliegende Ausgabe die einzig in meiner Muttersprache zugängliche Fassung der Septuaginta ist.
Übrigens waren auch die Rezensionen beim größten Onlinebuchhändler durchaus positiv, und ihrem Inhalt nach schienen die Verfasser dieser Beurteilungen auch etwas von der Materie zu verstehen – es gab natürlich auch Kritisches zum Sprachlichen und zu den neuzeitlichen historisch-kritischen Forschungen. Zwei Beispiele aus Rezensionen, deren Inhalt ich mich grundsätzlich anschließe:
Zu den Besonderheiten der Septuaginta Deutsch gehört, dass im Anhang die Lesungen im orthodoxen Gottesdienst, für den die Septuaginta ja maßgeblich ist, mit ihrer Verortung im Kirchenjahr angegeben werden. Abweichungen im Wortlaut zwischen orthodoxer Liturgie und dem an wissenschaftlichen Editionen orientierten Text der Septuaginta Deutsch werden im erläuternden Apparat am Fuß jeder Seite geboten.
Was natürlich die Besonderheit einer textkritischen Ausgabe angeht: Die an dieser Übersetzung beteiligten haben jedem Buch ein Einleitung vorangestellt. Die darin angeführten Hypothesen beruhen auf historisch-kritischer Forschung. Dessen sollte man sich als richtiger Christ (Ergänzung: Damit meine ich jemanden, der die Heilige Schrift als geistinspiriert ansieht - nicht bloß als einen Text von Menschenhand) bewusst sein und man sollte, wenn man damit nicht konfrontiert werden möchte, auf die Lektüre verzichten.
In Christo
Igor