Ekklesiologie - Selbstverst?ndnis der Orthodoxen Kirche

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Milo
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Ekklesiologie - Selbstverständnis der Orthodoxen Kirche

Beitrag von Milo » 25.11.2007, 22:47

Liebe Interessierte an der Orthodoxie,

da sich hier im Forum die Diskusionen des öffteren "verlaufen" bzw. gratwandern in Sache des orthodoxen Kirchenverständnises, wollte ich dieses Thema (neu) eröffnen.

Was ist, wo ist, wie ist...die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche?

Es geht hier um das Wesen, die Legitimität, das Heiligsein der Kirche.
Wer gehört zu ihr und wer ist ausserhalb ihr?
Ganz einfach wo ist die Wahrheit bei so vielen "Kirchen" heutzutage?


Vielleicht hilft es wenn man von der Gründerzeit aus auf die Ekklesiologie blickt, um das Orthodoxe an ihr zu erkennen.

Im voraus sich freuend auf fruchtbare und interessante Beiträge,

euer Euch herzlich einladender,

br. milo

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 29.11.2007, 11:11

Hallo Milo,

irgendwie möchte keiner den Anfang machen, also was soll's. Ich probier's mal mit eigenen Worten auszudrücken, aber bitte nicht Hauen, wenn unzureichend ;-)

Die Eine, Heilige, Katholische (allumfassende) und Apostolische Kirche ist nach orthodoxem Verständnis die Orthodoxe Kirche. Sie ist es dem Verständnis nach, da Sie auf den Stifter Jesus Christus zurückgeht und Seine Lehre vollumfänglich bewahrte, in und mit ihr (über-)lebte und lebt. Sie setzt sich zusammen aus den Gläubigen (den "Heiligen") im Diesseits, wie im Jenseits. Christus, der Pantokrator ist einziges Haupt der Gemeinde. Sie ist weder durch irdische Grenzen gebunden (durch den Sendauftrag Christi), noch durch den Tod geteilt (den Christus selbst durchbrach), sondern begreift sich als universal. Verbunden ist die Gemeinde, der Leib Christi, durch die Liebe Gottes, welche in dem Mysterion der Hl. Kommunion ihren stärksten Ausdruck findet. Durch das Mysterion der Hl. Taufe und Salbung nimmt sich der menschenliebende Gott dem Menschen an, befreit ihn von Sünden und verleiht ihm durch seinen Geist die Gotteskindschaft (=Fügt ihm, seinen Leib zu). Christus, den Herrn, den Pantokrator, bezeichnet die Kirche auch als Bräutigam, da er versprach bei seiner zweiten Herabkunft (Parusia), die Auferstehung der Toten zu feiern und die gesammelte Gemeinde (=Braut) heimzuholen.

Soviel vom Laien Sebastian ! Bitte korrigiert mich, wenn ich Mißverständliches, oder Falsches schrieb.

Ieromonach
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orthodoxe Kirche

Beitrag von Ieromonach » 29.11.2007, 11:21

Bravo, Bravo, Bravo :!: :!: :!:
Um Gott zu lieben muß man sich von sich selbst lossagen, und die Liebe Gottes läßt sich nur als Liebe des Herzens zu Gott wahrnehmen.

Milo
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Beitrag von Milo » 29.11.2007, 13:43

Ehre sei Gott!

Ja, ein sehr guter Anfang Sebastian. Das beschreibt vorwiegend "was und wie" die Kirche ist.

Nun die Frage "wo" die Kirche ist? Stichwort: Bischof-Versammlung-Diptichon-Interkommunio...

Kann jeder (jede Gemeinschaft) die Eucharistie feiern, die Sakramente spenden, sich als Laib Christi sehen...?


Es grüßt gleichfalls der Laie

milo

Ieromonach
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Beitrag von Ieromonach » 05.12.2007, 19:50

Lieber Br. Milo,
Orthodoxe Kirche ist da wo ein kanonischer Bischof (natürlich auch Priester) die Göttliche Liturgie feiert. - Siehe den Begriff: "Eucharistische Ekklesiologie. Das Problem ist aber in der Gegenwart die Frage nach der "Kanonizität". Interkommunion allein ist kein Kriterium. Dies ist allein gelebte Orthopraxie. Ein Beispiel: In vielen Kirche hängt eine Ikone des hl. Johannes Maximowitsch Shangheiskij. Obwohl die ROAK zu seiner Zeit von vielen "kanonischen" Kirchen als "unkanonisch" angesehen wurde verehrt man heute in der Praxis einen Heiligen der zu Lebzeit wohl "unkanonisch" war. Bruder Milo, Deine Frage ist nicht leicht zu beantworten. +P.Theodoros der Fehlbare
Um Gott zu lieben muß man sich von sich selbst lossagen, und die Liebe Gottes läßt sich nur als Liebe des Herzens zu Gott wahrnehmen.

rafailia_3
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Beitrag von rafailia_3 » 06.12.2007, 11:55

Lieber Milo,
die Antwort von Pater Theodor ist sehr richtig.
Ich frage mich jedoch, warum schon wieder so ein Thema hier begonnen wird!
In Christus

Milo
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Beitrag von Milo » 06.12.2007, 22:50

Liebe Rafaila,

wenn wir schon viel Wert legen auf originelle Orthodoxie, dann bitte auch in allen Ihren Facetten.
Dazu gehört es zu klären "wo" die eine heilige katholische apostolische Kirche heute ist. Da wo sie schon immer war, nähmlich in der Intercommunio der Bischöfe in continuo. Stimmts? Nun wenn die Einheit wieder herzustellen ist, wie im Falle der rus.orth.Kirche, Ehre sei Gott! Wenn nicht, wie im Falle römischen Patriarchats...was dann? Wo ist die Kirche!?
Das gilt aber für jeden Bischof der sich von ihr absondert!
Vielfalt ja - Vielheit nein
Einfalt nein - Einheit ja

Schöne orthodoxe ekklisiologische Formel, oder? :)

Gruß,

Apfel

protopeter
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Beitrag von protopeter » 07.12.2007, 18:27

Lieber Br. Milo !
administrator hat geschrieben: Vielfalt ja - Vielheit nein
Einfalt nein - Einheit ja

Schöne orthodoxe ekklisiologische Formel, oder?
Ja, allerdings :!:

Herzlich grüßt
Erzpr. Peter

Nassos
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Beitrag von Nassos » 08.12.2007, 20:24

Lieber Milo,

und wieder mächtige Worte.
Gefällt mir immer besser hier! :)

Ein gesegnetes Wochenende,
Nassos

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