Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Andromachi
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Andromachi » 29.05.2011, 23:29

Der kleine Missionsverein, dem ich zugehöre (Heiliger Kosmas der Aetolos http://www.iersyn.gr/ leider nur auf Griechisch) leistet rührende Arbeit auf der ganzen Welt nur nicht in Westeuropa. Voriges Jahr, als in Griechenland die Krise ausbrach, wurde für diese Mission MEHR Geld gespendet als im Vorjahr. Man konnte keine plausible Erklärung dafür finden.
Ich mag diese Organisation, weil der Leiter der Bruder eines Missionars (Vater Kosmas) ist, der vor 20 Jahren sein Leben in Afrika gelassen hat. Und das Geld, das gespendet wird, wird ganz "transparent" verwaltet. Nur ca. 13% der Einnahmen werden z.B. für den " Betrieb" ausgegeben.
Ich mag es wirklich nicht, wenn ich auf der Straße von jungen Leuten angesprochen werde, die für eine der Wohlfahrtsorganisationen arbeiten und ihr Geld dadurch verdienen. Ich denke immer, dass mein schönes Geld nicht bei den wilden Wölfen landet, sondern ins Gehalt dieser Leute einfließt oder - noch schlimmer- für die Repräsentationsreisen und Luxusübernachtungen des Vorstands.

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songul
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von songul » 30.05.2011, 05:51

Kannst du einen Grund geben, weshalb Westeuropa nicht auf eurer Agenda steht?
Einen Grund muss es ja geben.

holzi
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von holzi » 30.05.2011, 06:24

songul hat geschrieben:Kannst du einen Grund geben, weshalb Westeuropa nicht auf eurer Agenda steht?
Einen Grund muss es ja geben.
Da soll der lateinische Patriarch von Rom und des Abendlandes seine Kirche (wieder-) aufbauen.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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Lazzaro
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Lazzaro » 30.05.2011, 08:24

songul hat geschrieben:Kannst du einen Grund geben, weshalb Westeuropa nicht auf eurer Agenda steht?
Einen Grund muss es ja geben.
XB!
Westeuropa steht auf der Agenda, aber eher in solchen Staaten, die mehr säkularisiert sind.
Erbischof Gabriel vom Komana ist ständig dabei, neue Gemeinden zu bestätigen. Allerdings mehr in Franzia, Inghliterra, ups... in Frankreich, England und Skandinavien.
In Deutschland haben wir wegen des Säkularisationsvertrages von 1803 und der Kirchensteuer inzwischen das strengste Staatskirchensysthem Europas. Daher sind die autochonen Kirchen und 2 Orthodoxe Diözesen eindeutig im Vorteil. Die eine dieser Diözesen möchte aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht missionieren, von der anderen kann ich mir kein Urteil erlauben.

Mit anderen Worten: Beginnen wir in Ostdeuschland. Ob aber 30 nicht Deutsch sprechende Mönche, die von einem ausländischen Betrieb gesponsert werden, das richtige Mittel sind, wage ich hiermit öffentlich anzuzweifeln.

@Holzi: Den Lösungsvorschlag, das orth. Patriarchat Rom wiedereinzurichen, hatte Professor Kallis schon vor 20 jahren! Damit wären alle Probleme in Westeuropa gelöst ...

Ich persönlich würde füe Dtland. folgene Lösung bevorzugen:
In der kanonischen Praxis ist das Oberhaubt einer orth. Landeskirche der Bischof der historischen Hauptstadt. Die 1.Hauptstadt des Imperii Sacri Romani, die diesen Namen auch verdiente, ist Prag und in Prag residiert auch ein autokephaler orth. Metropolit. Folglich gehören auch alle Gemeinden auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches in seine Juristriktion :P ! Keine Angst, Vladyka Christoph spricht gut deutsch.
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Meißner » 30.05.2011, 08:46

Folglich gehören auch alle Gemeinden auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches in seine Juristriktion
Großartig! Wer wird aber in Prag zum Kaiser gekrönt?
κύριε ἐλέησον

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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Lazzaro » 30.05.2011, 08:52

Chrisós anésti!
Wer weiß, wo die Nachkommen der Paleologen wohnen?
Aber gekrönt wird in Aachen ... :smartass:
Lazaros
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Meißner » 30.05.2011, 12:11

SDG!
Nö, aber vom Hause Romanow weilte kürzlich jemand in Dresden. Und die Krönung muß selbstverständlich in Konstantinopel stattfinden. :)
κύριε ἐλέησον

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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Andromachi » 30.05.2011, 21:17

Leute, eure Diskussion habe ich nicht verstanden. Mir fehlen die Kenntnisse dazu. Was ist mit Prag, was ist mit den Romanows? Anyway!
Es gibt keine orthodoxe Mission allgemein in Europa, denke ich, weil Europa schon christlich ist. So wie wir in Griechenland z.B. nicht gern die protestantischen Missionare und die νερόβραστοι (faden) Pentkostals sehen, so ist es auch nicht erlaubt, in anderen christlichen Ländern für die Orthodoxie zu werben. Aber z.B. in Süditalien, wo es immer noch einige orthodoxe Gemeinden und orthodoxe Klöster gibt, da sollte man sogar für die wenigen Orthodoxen sorgen. Auch mit dem spanischen orthodoxen Bischof hat Kosmas o Aetolos eine Verbindung.

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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von rafaella » 30.05.2011, 21:43

Andromachi hat geschrieben: Es gibt keine orthodoxe Mission allgemein in Europa, denke ich, weil Europa schon christlich ist. So wie wir in Griechenland z.B. nicht gern die protestantischen Missionare und die νερόβραστοι (faden) Pentkostals sehen, so ist es auch nicht erlaubt, in anderen christlichen Ländern für die Orthodoxie zu werben.
Liebe Andromachi, Christos anesti!

erstmal freue ich mich, dass du dich für diesen sehr geschätzten Verein einsetzt.
Ich verstehe aber diesen Satz von dir nicht. Wir sind alle von Gott dazu verpflichtet zu missionieren. Und zu den verlorenen Schafen gehören doch auch alle Menschen, die sich außerhalb der einen wahren Kirche, der orthodoxen, befinden... nicht nur die Atheisten, Muslime oder Götzenverehrer.
Man macht ja keine "Werbung", sondern versucht, Seelen zu retten.
Oder hast du das vielleicht ironisch gemeint?

En Christo
"Liebet ihr Mich, so werdet ihr Meine Gebote halten", Jo 14,15

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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Lazzaro » 30.05.2011, 22:10

Christós anésti!
Liebe Andromachi!
Wir haben nur ein wenig rumgeblödelt. Es ging darum, wieweit wir die Geschichte zurückschrauben möchten.
Du hast geschrieben:
Es gibt keine orthodoxe Mission allgemein in Europa, denke ich, weil Europa schon christlich ist.
Ich möchte da doch widersprechen: Europa ist ntürlich vom Christentum geprägt, aber auch von der Aufklärung. Deshalb sind in Frankreich alle Religionen in das Private gedrückt. Staatsbeamte dürfen sich wegen der Staatlichen Religions-Neutralität nicht kirchlich tätig werden, zum Beispiel als Lektor. Auch gibt es dort wegen der Antikirchlichen Ausschreitungen während der großen revolution viele Atheisten oder einfach nur Indifferente. Schweden ist auch sehr sekularisiert. In England wandelt sich auch die konfessionelle Geogrephie: Muslime und die Römische Kirche wachsen, letztere auf Kosten der Anglikaner. Auch in Ostdeutschland sind die meisten Menschen Atheisten und die Kirchen verfallen. Das gleiche gilt auch für die Großstadte. In den Dörfern gehen die Menschen nicht mehr in die Kirche, wenn ihr Stammplatz besetzt ist. Also so christlich ist (Zentral-)Europa nicht mehr.
So wie wir in Griechenland z.B. nicht gern die protestantischen Missionare und die νερόβραστοι (faden) Pentkostals sehen, so ist es auch nicht erlaubt, in anderen christlichen Ländern für die Orthodoxie zu werben.
Die kirchliche Situation unterscheidet sich in Deutschland in einem Punkt grundlegend von der in Griechenland: in Griechenland sind fast alle Einwohner orthodox. Anderglübige muß man suchen und werden ungern geduldet. Deutschland ist seit 500 Jahren bikonfessionell,das heißt, daß die Menschen es gewohnt sind daß es immer eine Alternative gibt, auch wenn sich schlimmstenfalls das Exil bbedeutet. Konversionen hat es immer gegben und zwar in beide Richtungen. Wenn wir Orthodoxen uns hier als 3. Möglichkeit präsentieren wollen, missionieren wir in einer gesellschaft, die religiös etwas weniger monolitisch ist als die griechische. Natürlich versucht die Staatskirche sich zu wehren, aber solange wir finanziell unabhängig sind, hat sie wenig Chancen.
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Lazzaro » 30.05.2011, 22:24

Christós anésti!
Danke liebe Raffaela,
so etwas ähnliches wollte ich gerade als Abschluß anbringen.
@Andromachi. Was ich sagen wollte: Die Grundvoraussetzungen für eine orth. Mission in Deutschland ist viel besser als z.B. für die Pentekostales in Hellas.
Das was uns hier hindert sind nicht die gesellschaftlichen Voraussetzungen, sonder die zersplitterung und die Kleinkariertheit. Und damit ist die OK schon sehr deutsch geworden :cry: .
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Nassos » 31.05.2011, 00:29

Meißner hat geschrieben:SDG!
Nö, aber vom Hause Romanow weilte kürzlich jemand in Dresden. Und die Krönung muß selbstverständlich in Konstantinopel stattfinden. :)
Am Sonntag war der 558. Jahrestag des Falls Konstantinopels und niemand hier hat dessen gedacht....
Im Gegensatz zu einem aufmerksamen User im KG.
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von Meißner » 31.05.2011, 09:54

Christus ist auferstanden!
Kannst du einen Grund geben, weshalb Westeuropa nicht auf eurer Agenda steht?
Einen Grund muss es ja geben.
Das sogenannte Kirchenjalta vielleicht?
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von songul » 31.05.2011, 10:29

???

holzi
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Re: Orthodoxe Kirche im deutschsprachigen Raum

Beitrag von holzi » 31.05.2011, 10:39

songul hat geschrieben:???
So wie im Februar 1945 in Jalta die Interessensphären der Alliierten Großmächte ausgehandelt wurde, liegt beim Begriff Kirchenjalta eine Analogie nahe.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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