Kirche und Militär?

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Alyonka
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Kirche und Militär?

Beitrag von Alyonka » 26.03.2013, 15:55

Hallo,
ich bin Alyona und ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht. Jetzt war ich ein Jahr zuhause und bin daran mir einen Beruf zu suchen.
Eigentlich war ich immer schon am Militär interessiert. In meiner Familie waren viele hauptberuflich bei der Armee und ich habe schon
lange darüber nachgedacht dies auch zu tun. Da ich die russische Staatsbürgerschaft habe und auch bis ich 14 war dort gelebt habe würde ich
in die russische Armee gehen.
Meine Mutter ist sehr gläubig und als wir noch in der Heimat waren war ich auch sehr oft in der Kirche. Sie sagt dass Militär und Kirche nicht
vereinbar wären und das die Weltanschaung nicht übereinstimmt.

Ist das wirklich so?
Kann man nicht in der Armee und gliechzeitg religiös sein?

Vielen Dank schon einmal im Vorraus,

Nikolaj
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Nikolaj » 26.03.2013, 17:56

Liebe Alyonka,
Die offizielle Meinung der Kirche ist nicht gegen die Armee.
Aber, du solltest dir bewusst sein, was alles in der russischen Armee so abgeht. Unterdrückung der Untergebenen, usw.

Auf deinen Namen schließend, denke ich dass du weiblich bist?

Gruß
Nikolaj

Alyonka
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Alyonka » 26.03.2013, 18:28

Danke schon einmal.

Ich bin weiblich.
Ich habe schon viel gehört,kenne auch viele, die Wehrdienst geleistet haben/ leisten und habe deshalb ein Bild.

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Thuja
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Thuja » 26.03.2013, 19:00

Hallo Alyonka,

hmmm, also mir ist nicht wohl bei der Verbindung Militär-Kirche... klar wurde's in der Geschichte auch oft zusammen "verwendet" ("Gott ist mit uns", siehe hier http://de.wikipedia.org/wiki/Gott_mit_uns )...
doch eigentlich schließt sich beides als Verbindung für mich aus.
Das Militär besitzt Waffen und ist von seiner Bestimmung her auf das Vernichten und Töten ausgerichtet (selbst wenn es das nicht ständig tut, wenn es "nur" in Bereitschaft auf den Ernstfall "wartet"), auf Krieg. Frieden ist genau das Gegenteil davon. Und wir haben ein Gebot von Gott, das heißt grundsätzlich: Du sollst nicht töten! Nicht "im allgemeinen" oder "bis auf Ausnahmen" oder "außer zur Verteidigung" oder so...
Die für den Militärdienst nötige körperliche Fitness kannst Du auch in anderen Berufen brauchen, z. B. bei der Bergrettung, Wasserwacht, Feuerwehr, Polizei etc.
Gehorsam und Bedürfnislosigkeit kannst Du auch in einem Kloster lernen, da ist nicht die Armee die einzige Möglichkeit dafür.
Gute Werke zum Wohle anderer Menschen z. B. bei Unglücken kannst Du genauso, z. B. beim Katastrophenschutz, im Saniätsdienst o. ä. leisten.
Muss es wirklich die "Aufforderung zum Töten" beinhalten???
Das nur so als Beispiele zum Nachdenken... ich wünsche Dir, dass Du den für Dich richtigen Weg mit Gottes Hilfe findest!

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

Alyonka
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Alyonka » 26.03.2013, 19:22

Nachvollziehen kann ich es, aber es geht mir eher um die offizielle Stellung der Kirche zur Armee. Schließlich ist diese
meiner Meinung nach eher bindend.
Ich habe eine starke Verbindung zur Armee und auch zu meiner Heimat.Und zumal ich auch einmal heiraten und eine
Familie haben möchte, wäre Kloster keine Option. Ich bin mit Religion aufgewachsen, aber nicht so gläubig, dass ich
in einem Kloster richtig aufgehoben wäre.

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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Igor » 27.03.2013, 07:21

Liebe Alyonka!

Herzlich willkommen hier im Forum. Hier – wie gewünscht – einige Quellen mit Stellungnahmen zu Deiner Fragestellung:

Schau mal bitte in die :arrow: „Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche“ und z.B. da im Abschnitt VIII.3 (S. 45 im PDF). :book:

Im Orthodoxen Medienkanal gibt es einen schönen Beitrag dazu :arrow: Folge 3 - "Der Christ und der Staat": Wie ist das Verhältnis zwischen Christen und dem weltlichen Staat? In diesem Gespräch behandelt Priester Johannes R. Nothhaas auch die Frage des Wehrdienstes.

Ein paar Beiträge haben wir auch noch hier :arrow: im Forum und auch auf dieser russischen Webseite: http://kapellan.ru/ (Вестник военного и морского духовенства.)

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Alyonka
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Alyonka » 27.03.2013, 12:29

Danke :)

Ich habe beides überflogen. Im ersten Text wird ja quasi gesagt, dass Krieg zwar ''böse'' ist, aber wenn er gerechtfertigt ist und man eine Punkte beachtet, dass es dann annehmbar ist sozusagenю
Auch, dass es Военные священники gibt finde ich sehr interessant und zeigt ja auch, dass die Kirche versucht die Soldaten zu unterstützen oder besser gesagt aufzufangen.

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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von bogoslov05 » 30.03.2013, 21:53

Stimmt und du darfst eins nicht vergessen. Wenn Christen nicht im Wehrdienst dienen dürften, dann dürfte es auch keine Heiligen Soldaten geben. Die meisten von ihnen sind sogar Märtyrer geworden.

In der alten Kirche gab es zu Anfangszeiten tatsächlich ein Widerspruch zwischen Kirche und Militär, aber auch nur, als es Christen verboten wurde Soldat zu sein. Sie mussten also bei ihrem Eintritt ins Militär sich von Jesus Christus und vom christlichen Glauben abschwören. Somit konnten sie auch keine Christen sein. Als die Christenverfolgung aber endete und mehr noch, sie zur Staatsreligion wurde, gab es keine Einwände mehr.

Krieg und Tod sind immer was schlechtes, aber es ist auch nicht das Ziel eines christlichen Soldats ein Raubkrieg zu führen. Ihre Aufgabe ist es ihr Land zu schützen. Ebenso wird die orthodoxe Askese OFT mit dem Militär verglichen. Wir sind geistig unaufhörlich im Kampf gegen das Böse.

Somit kannst du Christin bleiben und dennoch im Militär tätig sein. Vorallem in Russland wo derzeit ihre Gegenseitige Mit- und Zusammenarbeit gefördert wird.

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Lazzaro
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Lazzaro » 31.03.2013, 13:43

... dabei gibt es aber auch folgende Worte -sie stammen nicht von mir- zu beachten:
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. (... )Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. (...) Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Mt.V; 5,7,9
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Nikolaj
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Nikolaj » 31.03.2013, 17:06

bogoslov05 hat geschrieben:Stimmt und du darfst eins nicht vergessen. Wenn Christen nicht im Wehrdienst dienen dürften, dann dürfte es auch keine Heiligen Soldaten geben. Die meisten von ihnen sind sogar Märtyrer geworden.
Die Heiligkeit dieser Soldaten beruht aber nicht auf Ihrem militärischen Dienst, sondern auf Ihrem Martyrium für Christus. Kennt jemand Heilige Soldaten, die für Ihren Dienst heilig gesprochen sind?

Aber, davon abgesehen, ist es natürlich wichtig sein Land zu verteidigen und Soldaten sind natürlich gebraucht,um die Orthodoxie und das Christentum zu verteidigen. Jedoch ist dieser Beruf eben ein sehr widersprüchlicher. Denn jeder Soldat tötet Menschen, was eine Sünde ist. Andererseits nimmt ein Soldat in Kauf im Krieg zu fallen oder die Sünde des Tötens zu begehen, um seine Mitmenschen zu schützen. Wo aber auch die Frage aufkommt, ob dies heutzutage gerechtfertigt werden kann. Es kann auch in Russland schnell passieren, dass die Armee wieder gegen orthodoxe Christen wegen politischer Interessen zihehen muss (z. B. Georgienkrieg). Müsste man als orthodoxer Christ nicht den Dienst verweigern?

Johannes
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Johannes » 30.04.2013, 15:58

Hallo!

Nach langer Zeit bin ich nun auch wieder im Forum.

Ich würde gern zu diesem Thema meinen Senf dazugeben, nicht weil ich ein großartiger Kriegstheoretiker o.ä. bin, sondern da ich früher selbst beim Militär war, und nun Polizist bin.

Ursprünglich ist die Aufgabe des Militärs das Kämpfen.
Man muss aber auch unterscheiden wofür man kämpft. Es wird ein Unterschied sein, ob du russische Soldatin kämpfst oder etwa in einem zentralfrikanischen Clan.

In der heutigen Zeit ist in vielen Staaten ein Militär sogar obsolet geworden, wie Costa Rica, Liechtenstein, etc.
Allein aus Gründen des Katastrophenschutzes, der Sicherung von Auslandsmissionen, etc benötigen wir jedoch das Militär.

Ich persönlich sehe keinen Grund, dass das Militär unchristlich sei.
Wir haben die Zeiten Gott sei Dank überwunden, in denen das Militär eine Kriegs- und Tötungsmaschinerie war.

Selig, die Frieden stiften.
Genau das macht das Militär vielerorts. Es mag zwar zynisch klingen, aber das Sprichwort "peace through superior firepower" ist heutzutage leider der Weg des Krieges. Wo die Diplomatie scheitert (Nordkorea, Südsudan, etc), was weltliches kann da noch den Frieden bringen?

Wünschenswert wäre naürlich eine Welt ohne Armeen und sogar ohne Polizei, aber 1. hätte ich dann keinen Job mehr, und 2. ist das eine Utopie.

Es stimmt, es heißt "Du sollst nicht töten", das kann ich garnicht bestreiten, und will es auch nicht.
Ich selbst möchte nie in die Lage kommen töten zu müssen. Aber das bedeutet auch nicht, dass ich im Falle gerechter Notwehr oder Nothilfe meine Schusswaffe nicht einsetzen würde.

Wenn man sagt, das Militär sei unchristlich, weil "es tötet", müsste man schon viel früher zu argumentieren anfangen. Schusswaffen sind ihrem Wesen nach dazu bestimmt zu verletzen, ja sogar zu töten. (Ich weiß, das ist nicht der Gesetzestext, aber vereinfacht ausgedrückt kommt das hin).
Und wenn es keine Schusswaffen gäbe, dann würden sich die Menschen mit Macheten oder sonst was gegenseitig umbringen. Und wenn es die nicht gäbe, dann mit Steinen, etc., pp.
Es ist also ein Dilemma.

Wenn man dann also nicht kämpft, weil es nicht vorgesehen ist, wo endet das dann? Es gibt Menschen, denen macht es nichts aus zu kämpfen, zu töten, und am besten dabei noch selbst zu sterben. Ab einem gewissen Punkt muss man kämpfen. So sehe ich das.

Fakt ist, dass man als Soldat verpflichtet ist, deinem Vorgesetzten und dem Staat zu dienen und treu Folge zu leisten. Wenn man die Politik des jew. Staates nicht akzeptiert, dasnn kann man faktisch auch kein Soldat sein - zumindest nicht mit Herz und Seele. Es hat keinen Sinn, Soldat zu werden um dann doch zu desertieren.

Ich meine, man muss sich diese Sache schon gut überlegen, denn für die meisten ist das Soldatentum kein Beruf, sondern eine Berufung und vereinnahmt einen großen Teil des Lebens und des Denkens.

Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Aber das österreichische Bundesheer ist auch nicht gerade die russische Armee. Das gestehe ich ein..


Edit: div. Schreibfehler korrigiert

ElvisVrinic
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von ElvisVrinic » 08.05.2013, 21:44

Liebe alyonka,

Ich persönlich sage, dass es ganz in Ordnung ist. Du wirst ja in der Russischen Armee dienen, was wohl auch das orthodoxe christentum verteidigt. Aber um ehrlich zu sein, geht es dort auch sehr sehr streng zu und vielleicht auch ein bisschen unmenschlich....

Ich persönlich verstehe auch nicht, weshalb man meint, dass der Militärische dienst nicht in ordnund sei. Ohne die Verteidigung des Militärs würde es so Staaten wie Russland gar nicht geben - geschweigedenn die orthodoxen kirchen. Diverse Klöster im Kosovo werden auch von (fremden) militär beschützt. Was wäre wohl, wenn das nicht so wäre. Die Ungläubigen würden sich doch sofort darauf stützen.

Gruss

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA

Leo2
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Leo2 » 08.05.2013, 22:25

vielleicht mal ein Buch zum Nachdenken:
Die vierzig Tage des Musa Dagh:
von Franz Werfel

http://www.amazon.de/gp/product/3596294 ... UTF8&psc=1

wer sich und seinen Mitmenschen nicht schützen (helfen) möchte, kann kein Christ sein!
:wink:

Nikolaj
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Nikolaj » 10.05.2013, 13:38

Lieber Leo, wie passt das Buch denn zu dem Strang?

Leo2
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Re: Kirche und Militär?

Beitrag von Leo2 » 10.05.2013, 16:08

Nikolaj hat geschrieben:Lieber Leo, wie passt das Buch denn zu dem Strang?
vielleicht passt es nicht ganz zum Starng. Es soll nur Aufzeigen das es zu allen Zeiten nötig war sich selbst zu Verteidigen.

Die Bundeswehr war ja auch mal eine Verteidigungsarmee, leider ist Sie zu einer Söldnertruppe verkommen, die nach der Pfeife der USA tanzen muß.
:(

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