H - wie Hypostasen

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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protopeter
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Beitrag von protopeter » 21.06.2007, 13:26

Lieber Halil !

Es gibt in der Heiligen Schrift ein klares Zeugnis dafür: Christus betete vor Seiner Passion im Garten Gethsemane: "Vater, laß diesen Kelch an mir vorübergehen - aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe". Aus dieser Schriftstelle ist abzulesen, daß Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch sehr wohl eine Willensautonomie hatte, doch war die "Unterordnung" unter die Bestimmung, das Erlösungswerk zu vollziehen, auch der Ausdruck Seiner bewußten, willensgemäßen Hinwendung.

Herzliche Grüße,
Erzpr. Peter

Walter
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Beitrag von Walter » 21.06.2007, 17:57

Avner hat geschrieben:Hallo,

heisst das, dass ihr glaubt, das Jesus schon als eine eigenständige Person im Himmel existiert hat, bevor er auf die Erde kam?
Gleich nch dem Schöpfungsbericht erzählt das Alte Testmant vom Sündenfall Adams (Gen 3):

6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. 7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. 8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. 9 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? 10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

Vergleiche das Einherschreiten Gottes gegen den Tagwind mit folgender Stelle aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 14):

23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. 24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. 25 In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. 26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. 27 Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!

Für die Kirchenväter ist die Ähnlichkeit der Erscheinung in beiden Stellen ein Anzeichen, dass Gott schon im Paradies dem Adam in der Person des Christus begegnet ist.
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Jeremias
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Beitrag von Jeremias » 22.06.2007, 07:36

Übrigens ist der Avatar unseres Admins, wenn ich mich nicht irre, eine Abbildung einer alttestamentalischen Begnegung mit der Dreieinigkeit. Also war das schon im AT angedeutet!

talitaNeu
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Wiederuhulng der Bitte um Erklärung

Beitrag von talitaNeu » 22.06.2007, 10:21

Hallo liebe Freunde,

ich habe unter Vorstellungen von Mary eine Bitte reingestellt, hier ist sie aber eher am richtigen Ort. Hat jemand bitte die Erklärung der Symbole bei der Dreieinigkeits-Ikone, die ja tatsächlich in Milos Avatar abgebildet ist (Danke Black).

Ich wäre euch sehr dankbar.
Gruß Aleksandra
Mein Zuhause

Herr Gott mein Vater, (Psalm 61. V.5)
ich m?chte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Fl?gel.

Walter
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Beitrag von Walter » 22.06.2007, 15:10

Hallo Aleksandra,

eine kurze Erklärung findest du hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeitsikone


Es gibt aber auch andere Deutungen der Personen, siehe z.B. hier:

http://www.trinitaet.de/Texte/Rubljow/rublev-text.htm


Nachtrag: Es gibt auch einen eigenen Strang zum Thema der Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rubljow. Wir sollten darüber also dort weiterdiskutieren:

http://orthodoxes.forum-on.de/ftopic181.html


LG
Walter
Zuletzt geändert von Wanderer am 22.06.2007, 17:50, insgesamt 1-mal geändert.
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IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos » 22.06.2007, 17:26

Christus ist ungeschaffen und gezeugt vom Vater vor aller Zeit, Er ist die zweite Person der Göttlichen Trinität und eines Wesens mit dem Vater.

Christus hat zwei Naturen, eine menschliche und eine göttliche.

Christus hat einen menschlichen und einen göttlichen Willen, wobei der menschliche, dem göttlichen Willen gehorcht und ohne Widerstand sich ihm fügt, da sie nicht im Gegensatz zueinander stehen; der menschliche Wille ist dem göttlichen untergeordnet. Das wurde beim 6. Ökumenischen Konzil von Konstantinopel beschlossen und St. Maximus Confessor gab dafür seine rechte Hand und seine Zunge.

Ich hoffe, das stimmt so - sofort soll man mich ausbessern, wenn ich hier falsche Lehren schreibe!
Zuletzt geändert von Gast am 23.06.2007, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.

talitaNeu
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Danke

Beitrag von talitaNeu » 22.06.2007, 19:09

danke an alle.

Gruß Aleksandra
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Avner
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Beitrag von Avner » 24.06.2007, 20:53

Hallo!

Sitzt den Christus buchstäblich zur Rechten Gottes?
Und haben die Katholiken ein anderes Bild von der Dreieinigkeit als die Orthodoxie?

protopeter
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Beitrag von protopeter » 24.06.2007, 21:13

Lieber Halil !

Der Ausdruck zur Rechten bezeichnet in der biblischen Terminologie ein besonderes Naheverhältnis - in diesem Zusammenhang bezogen auf die Relation zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn.

Zu Deiner zweiten Frage: Ja, bei den Katholiken ist eine etwas andere Dreieinigkeitsvorstellung gegeben - sie lehren, daß der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht. Diese Doktrin steht allerdings im Gegensatz zur biblischen Offenbarung bei Joh 15,26; in der Orthodoxen Kirche wurde die ursprünglich-schriftgetreue Darlegung bewahrt.

Es grüßt herzlich
Erzpr. Peter

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Avner
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Beitrag von Avner » 24.06.2007, 21:21

Hallo lieber Erzpriester,

und andere Unterschiede gibt es nicht? Ich mein, dass der Heilige Geist vom Vater ausgeht ist doch logisch, steht in der Bibel. Zum anderen bin ich kein Freund des Papsttums :)

LG
Halil

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Beitrag von protopeter » 24.06.2007, 21:47

Lieber Halil !

Nun, ich nahm an, daß es hier vorrangig um die Frage des Dreieinigkeitsdogmas ginge...aber natürlich gibt es zwischen Orthodoxer Kirche und Katholizismus auch andere strittige Punkte - dazu gehört eben die Frage des päpstlichen Primates und des damit verbundenen Kirchenbildes: Während im romischen Katholizismus der Papst Kirchenoberhaupt ist, richtet sich die Orthodoxe Kirche nach der Lehre des Apostels Paulus (unter anderem bei Eph 5,22 ff.), dergemäß Christus das alleinige Haupt der Kirche ist.

Gerade in der Dogmatik gibt es noch einige wesentliche Unterschiede - so erkennt die Orthodoxe Kirche beispielsweise die römisch-katholische Doktrin über das Fegefeuer nicht an; auch in der Lehre über die Eucharistie gibt es Definitions-, und Auffassungsunterschiede. Ein weiterer Anlaß zur Differenz ist die römisch-katholische Erbsündenlehre, die sich ebenfalls von der orthodoxen Überlieferung unterscheidet.

Soviel in aller Kürze - wenn Bedarf besteht, können wir ja über die einzelnen Punkte in nächster Zeit ausführlicher sprechen.

Abendliche Grüße sendet
Erzpr. Peter

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Avner
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Beitrag von Avner » 24.06.2007, 21:55

Guten Abend,

über die Differenz der Erbsünde und der Eucharistie würde ich gerne mehr erfahren.

Schönen Abend wünsch ich dir verehrter Erzpriester

talitaNeu
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Durch Einen, zugang zu Heiligen Dreien

Beitrag von talitaNeu » 24.06.2007, 22:01

Liebe Freunde,

aus persönlicher Erfahrung berrichtend, wenn man sich Einem nähert und voller vertrauen hingibt, kriegt man die Ganzheit offenbart.

Nähert man sich Gott dem Vater und beugt sein Haupt(Demut gemeint und Liebe), wird man von Zeit zu Zeit den Heiligen Geist spüren.
Erkennt man Jesus, so offenbart er den Vater in sich.(Auf die Frage nach dem Vater von den Aposteln sagt Jesus: ich war die ganze Zeit bei euch, habt ihr mich nicht erkannt)
Und bei Nachfragen beim Herr Gott, lernt man den Sohn zu schätzen.

Der Ausgangspunkt aber vor allem ist die Liebe und Bereitschaft zu hören.
Deshalb heißt es Glaube und keine Wissenschaft, einen Sprung wird es immer geben ohne im Detail zu wissen, damit es Glaube bleibt.

Liebe Grüße Aleksandra
Zuletzt geändert von zoki am 24.06.2007, 22:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Rene

Beitrag von Rene » 24.06.2007, 22:01

Avner hat geschrieben:Hallo lieber Erzpriester,

und andere Unterschiede gibt es nicht? Ich mein, dass der Heilige Geist vom Vater ausgeht ist doch logisch, steht in der Bibel. Zum anderen bin ich kein Freund des Papsttums :)

LG
Halil
Hallo,

einige Punkte wurden hier in folgender Verlinkung schon kurz angesprochen. Vielleicht kann Vater Peter ja auch einiges ergänzen. Mich würde es sehr freuen.
L.G. Rene

http://orthodoxes.forum-on.de/ftopic134 ... t=filioque

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Avner
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Beitrag von Avner » 28.06.2007, 22:35

Hallo,

gibt es wirklich keine Unterschiede in Bezug auf die Dreieinigkeit? Haben Katholiken das gleiche Gottesbild oder unterscheidet es sich schon? Der chaldäische Freund von mir gehört zur chaldäisch katholischen kirche an. Sie haben einen orthodoxen Rhitus aber seit dem 18 Jahrhunder oder so sind sie katholisch geworden. Und die chaldäischen Christen sind glaube ich Monophysiten, kann es daran liegen, dass er sagt es gibt nur einen Gott im Himmel, d.h, nur eine Person und nicht 3 ?

LG

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