O - wie Oikonomia

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Anastasis+
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O - wie Oikonomia

Beitrag von Anastasis+ » 19.08.2009, 09:40

Was ist Oikonomia?

Wann wird Oikonomia angewandt?

Unterscheidet die Anwendung von Oikonomia uns Orthodoxe von anderen Christen (gar kein Abweichen vs. "alles ist erlaubt")?

Gibt es Grenzen der Oikonomia?

Was meint ihr?
Meine Hoffnung ist der Vater,
meine Zuflucht der Sohn,
mein Schutz der Heilige Geist.
Heilige Dreiheit, Ehre sei dir.

Nassos
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Beitrag von Nassos » 20.08.2009, 22:34

Wie ich es verstanden habe:
Oikonomia ist eine gewisse Toleranz zu einem gewissen und wohl unausweichlichen Abweichungen zur Kanonizitaet.

So zum Beispiel, wenn man sich in einem Land befindet, das nicht orthodox ist, und die Kirchen nun mal nicht typisch orthodox ist (schlechtes Beispiel)? Ein weiteres Beispiel ist die Ikone der Dreieinigkeit mit Gottvater als alten Mann und dreickigem Stephanon.

Es gibt aber Sachen, bei denen gibt es keine Oikonomia, wie uns Vt. Martinos mitteilte: die Eucharistie. Dort gibt es nur Akribeia (Genauigkeit), ansonsten kann sie nicht stattfinden.

Bei den anderen Christen kenne ich mich nicht aus.

Da ich meinen neu erworbenen Buecher per Paket von einem Kumpel im Auto nach Deutschland bringen lassen, werde ich spaeter nochmal auf dieses Thema zurueckkommen. Ich hoffe, es ist recht zu spicken, oder?

Gruss,
Nassos

Mops
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Beitrag von Mops » 21.08.2009, 10:39

O. kann dann angewendet werden, wenn es dem seelischen Heile dient. Ein Beispiel ist die Ehe mit einem Nicht-Orthodoxen Partner oder in diesem Zusammenhang auch die Frage der Neutaufe...
l.G. Rene

Metanoia
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Beitrag von Metanoia » 27.08.2009, 23:51

Ich empfinde es als eine Grundlehre des Evangeliums, dass ich erst mit Gott Frieden machen soll, bevor ich mit dem Nächsten vollkommenen Frieden machen kann. Wo gibt es heute noch eine so volle Hingabe an Gott, dass daraus der himmlische Frieden in das ganze Leben eines Menschen überfließt?

Gott ist voll unbegreiflicher Frieden und Liebe zu allen. Was die Menschen davon trennt, ist alles, was ihre Sinne von Gott ablenkt. Gott will das ganze Herz, so wie Abraham seinen ganzen Sohn Isaak Gott opferte und wie Gott seinen geliebten Sohn ganz opferte. Halbe Opfer nimmt Gott nicht an.
Darum ist es nötig, dass die Christen in jeder Konfession in ihrer Weise einfach mehr Hingabe an Gott praktizieren ... und dann funktioniert auch die Ökumene. Ökumene soll nicht die Unterschiede verwischen, sondern ich meine, dass sie die Unterschiede im Vertrauen gegenüber Gott achten soll. Wenn Gott solche Christen hat, die ganz eins mit Ihm geworden sind, kann Er ihnen schon helfen, Frieden mit den Christen zu machen, die auf der anderen Seite konfessioneller Zäune sind. Gott schafft alles; aber wenn Gott nur zu 50% oder 90% geachtet wird, geht alles am Ende schief. Misstrauen zwischen Christen ist immer die Folge von einem Misstrauen gegenüber Gott. Wer sich Gott zu 100% hingibt, ist voller Frieden und Wohlwollen gegenüber jedermann, seien es Ferne oder Nahe, Freunde oder Feinde.

Da muss ich vor allem meine evangelischen Kollegen kritisieren, die ihre eigene modern-rationale Angepasstheit hoch wertschätzen, aber Gott nicht mehr zuhören. Alleine die Entscheidung, weibliche Bischöfe zuzulassen zeugt von mehr Gehorsam gegenüber dem Egoismus der Feministinnen als von Ehrfurcht vor Gott. Wie kann da Gottes Frieden einziehen? Nein, da ist, solange das so bleibt, aller Frieden nur oberflächlich, denn ohne Frieden mit Gott, bleibt jede zwischenmenschliche Beziehung mehr oder weniger verfremdet.

Soweit meine Meinung. Gott sei mir Sünder gnädig!
Der Friede des Herrn sei mit euch!
Metanoia

Nassos
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Beitrag von Nassos » 28.08.2009, 00:14

Hallo Meanoia,

ähm, mir entgeht die Verbindung zur Oikonomia.

Als Orthodoxer kann ich zwar sagen, dass sich das mit den Unterschieden echt schön anhört, das aber so nicht klappen wird.
Wenn die Unterschiede Wahrheiten betreffen, dann kann man leider nicht darüber hinwegschauen.

Aber ich wünschte mir - genau wie Du - dass alles gut wird....

Der Herr sei auch mit Dir,
Nassos

Mops
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Beitrag von Mops » 28.08.2009, 00:29

es geht hier ja um das anwenden der Gesetze. Dies in Hinblick auf das seelische Heil des Einzelnen und damit auch Gesetz - Barmherzigkeit.

Die Ökumene als solche kann es nur zwischen den einzelnen Orth. Schwesternkirchen oder Landeskirchen geben.
Alles andere wäre m.E. ein Verrat an den Glaubensgrundsätzen der Kirche und in Bezug auf die heterodoxen Kirchen auch Augenwischerei.
L.G. Rene

Nassos
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Beitrag von Nassos » 28.08.2009, 00:35

das war keine kritsche Frage nach dem Zusammenhang, ich bin einfach zu blöd, den zu kapieren...

Dein statemen zur Ökumene: yep.

G.N.
Nassos

Metanoia
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Beitrag von Metanoia » 30.08.2009, 12:46

Oh, ich habe das wohl mit dem Begriff "Ökumene" verwechselt. Was bedeutet Oikonomia genau? Wenn ich richtig sehe, ist es sprachlich eher mit dem begriff der "Ökonomie" verwandt, siehe Orthodoxwiki (englisch):
http://orthodoxwiki.org/Oikonomia

Demnach gilt Oikonomia als einer von zwei Wegen, den Kanon der Kirche zu beachten. Es bedeutet, wenn ich es richtig sehe, dass (um mal ein Beispiel aus dem Evangelium zu nehmen) zum Beispiel Jesus das Gebot des Sabbats ignorierte, wenn es um das Heilen von Menschen geht. Manchmal ist es aus Liebe geboten, manche Regeln nicht halsstarrig zu verfolgen; und manchmal gibt es bestimmte Grundsätze, die aus Liebe zu Gott und den Menschen immer eingehalten werden müssen.

Was gehört in der orthodoxen Kirche zur Oikonomia und was zur "Genauigkeit"?

Ehemaliger

Beitrag von Ehemaliger » 30.08.2009, 13:24

Zu Beidem gehört das Herz und die Treue, die Liebe und Strenge.

Mathias, das ist nicht zu definieren, schon garnicht in Regeln festzuhalten. Ebensowenig wie Güte.

Übrigens, 'kat Oikonomia' kannst du nichts für dich selbst entscheiden, das macht ein Anderer.

Nassos
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Beitrag von Nassos » 30.08.2009, 14:59

oikonomia ist eigentlich wortwörtlich (so wie ich das verstehe)
oikos = Haus(halt)
nomie = Gesetz

Es meint eigentlich "sparen, haushalten". Warum aber dies in den kirchlichen Kreisen "kat' Oikonomian" heisst kann ich nicht genau sagen. Sparsam mit Akribeia umgehen?

Loukia
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Beitrag von Loukia » 30.08.2009, 15:09

Lieber Nassos, das hört sich passend an ;)
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Metanoia
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Beitrag von Metanoia » 30.08.2009, 23:07

Warum aber dies in den kirchlichen Kreisen "kat' Oikonomian" heisst kann ich nicht genau sagen. Sparsam mit Akribeia umgehen?
Vielleicht - da kann ich natürlich auch irren - bedeutet es, das wir als Menschen Haushalter Gottes in der Welt sind und als solche Freiheit in unserem Verhalten haben. David hatte als König die Freiheit, zu tun was er wollte, denn Gott war "mit ihm". Als Gott ihm aber ausdrücklich verbot, den Tempel zu bauen, war diese Freiheit zu ende.

Loukia
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Beitrag von Loukia » 31.08.2009, 17:54

Nassos hat geschrieben: Oikonomia ist eine gewisse Toleranz zu einem gewissen und wohl unausweichlichen Abweichungen zur Kanonizitaet.
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Beitrag von Mops » 31.08.2009, 18:14

Dies in Hinblick auf das seelische Heil des Einzelnen und damit auch Gesetz - Barmherzigkeit.... unser Pater Martinos hat uns im Forum z.B. schonmal das Beispiel gegeben mit der Ehe. Wenn es dem seelischen Heil dient, kann die Kirche auch mal von der "Regel" abweichen...

Nassos
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Beitrag von Nassos » 01.09.2009, 00:44

Also, ich verstehe es dann so, dass aus einer Notlage heraus die Toleranzbreite erhöht wird.
Aber welche Notlage gibt es z.B. bei der Darstellung der Hl. Trias mit Gottvater als altem Mann? Die Volksmehrheit? Hmmmm...

Nassos

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