Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischof

Die deutschsprachige Orthodoxie stellt sich vor
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Ehemaliger
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Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischof

Beitragvon Ehemaliger » 21.01.2012, 18:26

Liebe Geschwister,

würde "man" es wirklich wollen, hätten wir noch dieses Jahr EINEN Metropoliten/Bischof von Deutschland. Das würde voaussetzen, dass "man" klare Ziele hätte und knackige Gespräche mit der jeweiligen Mutterkirche führen würde.

In Hamburg 'regieren' mindestens 8!!! verschiedene kanonische Bischöfe (das ist so was von unkanonisch).
Und ich kenne keinen Theologen, Bisachof, Professor, der das nicht unkanonisch nennen würde. Leider befinden wir uns immer noch in der Phase der Stammesorthodoxie. Das Schlimme ist, dass diese Stammesorthodoxie es den Einheimischen, den Eingeheirateten und auch den Nachkommen schwer macht, ORTHODOX (also das worum es geht!) zu werden oder zu bleiben, abgesehen von all den eigenartigen Rivalitäten, die das beinhaltet.

Findet ihr nicht "man" sollte wollen wollen?

Liebe Grüsse
Benedikt

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Elias
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Elias » 21.01.2012, 21:27

Hallo Benedikt!

Ich gebe dir da völlig Recht! Manchmal bin ich etwas "neidisch" wenn ich in Georgien bin. Die haben einen Patriarchen, Metropoliten und Bischöfe. Wenn ich die Gemeinde innerhalb meiner Stadt wechsel habe ich immer gleich einen neuen Bischof und eine andere Tradition in der ich mich hineinfunden muss und muss auch noch ALLES wieder neu lernen (Was die Gesänge auf einer anderen Sprache angeht). Aber wie meinst du es, wenn wir es wirklich wollen dann hätten wir in diesem Jahr einen eigenen Metropoliten? Mehr Infos bitte... :)

Ilias

Ehemaliger
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Ehemaliger » 22.01.2012, 01:27

Nun, was wir tun könnten wäre endlich ohne Scheuklappen darüber zu reden und zu schreiben. Solche Erzdummheiten wie: "werde erst mal "XXX" (da kannst du griechisch, russisch, serbisch oder sonst was einsetzen), dann kannst du orthodox werden, bleiben zu lassen. Wer immer noch meint aus falsch verstandenem 'orthodoxem' Verständnis Amin anstatt Amen (in Deutschland seit ca 1700 Jahren im Gebrauch) sagt, der hat ein Problem.

Mir geht es nicht darum, wie V. Martinos einmal in eigenartiger Weise unterstellte, zu "germanisieren", mir geht es darum, dass die Fülle des Glaubens in Deutschland, ohne Zwang zum "Stallgeruch" der jeweiligen Tradition, erfahrbar wird.

Und das fängt damit an, dass unsere Bischöfe ihre 'Erbhöfe' angehen würden und einsehen, dass wir alle die Schafe des HERRN sein wollen und nicht die von Konstantinopel oder Moskau oder Belgrad oder Sofia oder oder oder. Wenn Männer und Frauen mit der Berufung zum Mönchsstanderst nach Giechenland geschickt werden (denn nur da kann man "richtig" Mönch werden), oder in ein Kloster in München kommen in dem mehr russisch als deutsch gesprochen wird ( da allem Anschein nach orthodox "russisch" ist) dann ist etwas gewaltig im Argen.

Und wenn in jeder grösseren Stadt alle Strukturen einer Diözese 5 oder 6 Mal parallel existieren bloss weil 'dia Anderen' ja nicht dem richtigen Stamm angehören, dann ist das höchst traurig. Und schärfer gesagt: Ein Vergehen gegen die Kanones. Ich hätte gerne eine Antwort von unseren Hirten, die nicht unter dem Thema "JA, aber" steht.

Ich bin die: "Man muss doch aber" . . ., die: "Es ist aber leider so, dass" . . . die: "Wir können doch nicht" . . ., die: "Nun ja, aber" LEID!
Wann wird ein Bischof endlich die Menschen in Deutschland zur Umkehr aufrufen und nicht über seine Diözese schreiben?
Stellt es euch vor, in der Bischofskonferenz müsste deutsch geredet werden . . .ohne Übersetzer
Euer hoffender, aber schon angesäuerter
Benedikt

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Mirjanin
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Mirjanin » 22.01.2012, 08:06

Benedikt, ich bin ganz bei dir. Aber ich befürchte, dass durch diesen mutigen und (meiner Meinung nach) überfälligen Schritt am Ende ein großes Schisma entstehen könnte. Mit genau jenem Vorwurf: Man wolle sich nicht zwangsgermanisieren lassen. Und ich kann dies auch verstehen und nachvollziehen, was diese Gruppierung bewegt (vgl. dazu den Thread von sveta). Auf der anderen Seite ist der Schritt mittelfristig unumgänglich. Ich vermute, momentan hofft man einfach, dass sich die Gläubigen alle soweit integrieren in Deutschland, dass sich die Problematik über die Generationen hinweg auswäscht.
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

Ehemaliger
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Ehemaliger » 22.01.2012, 12:22

Ich habe die Beiträge in dem von dir verlinkten thread gelesen und verstehe, so glaube ich, besser was du meinst.

Allerdings: Es geht mir nicht primär um eine "Germanisierung", aber ich möchte ein paar Bemerkungen dazu machen.
1. Wir sind Glieder der Einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Das steht so im Glaubensbekenntnis. Dort steht aber nichts von russisch, griechisch oder deutsch. Es gibt keine "russische" Orthodoxie, sondern nur die Orthodoxie in Russland oder eben sonstwo. Wenn nun jemand findet, eine Abkehr (ich möchte gerne wiederholen, daum eht es mir gar nicht primär) vom "russischen" sei gleichbedeutend mit der Abkehr von der Orthodoxie, dann ist das ein massives Missverständnis. Es ist doch ziemlich gleichgültig ob der Priester einen flachen oder hohen Kragen hat, es soll darum gehen, den Menschen den Weg zu Gott in seiner ganzen Fülle zu ermöglichen.
Dass das oft vermischt wird ist ein Skandal. Ich erinnere an die mir sehr liebe Babuschka Olga, die mir freudig ein Stück ihrer aus Petersburg mitgebrachten Wust mit den Worten anbot: "Richtige, orthodoxe Wurst". Oder an die Szene im Big fat greek wedding (oder so ähnlich) wo der Junge nach seiner Aufnahme in die Kirche sagte: "Jetzt bin ich richtig Grieche". Oder auch an ein Gemeindeglied in der hiesigen Serbischen Kirche, der fand, dass alle 'Orthodoxen' dafür sein müssten, dass der Kosovo Serbisch sei und dabei übersieht, dass das keine religiöse Frage ist.

2. Eine Bischofskonferenz, die von keinem Bischof so richtig ernst genommen werden kann, da alle an der Nabelschnur ihrer jeweiligen Mutterkirchen hängen kann nicht Verantwortung für die Orthodoxie in Deutschland (oder in meinem Fall Schweden) übernehmen. In Deutschland leben mindestens 1½ Mio Orthodoxe, aber es gibt kein Priesterseminar, kein ernsthaftes Kloster, kaum Diakonie, keinen klaren Plan für kathechetischen Unterricht, weder in der Schule noch in den Gemeinden. Und das liegt daran, dass kei Bischof dfür Verantwortung übernehmen kann, da die Einzelkirchen sich mit sich selber beschäftigen und nicht mit der Gesamtsituation der Kirche in Deutschland.

3. Ich habe vor gerade mal einer Woche mit einem Priester meiner Ex-Gemeinde in Hamburg gesprochen, der erzählte, dass der Kirche die Jugendlichen in Massen davonliefen. Er erzählt, dass der rigide Umgang mit der "Muttersprachlichkeit" oder auch den Ritualismen dazu führt, dass sie 'verschwinden'. Auch die Ehepartner kämen praktisch nicht zum Glauben, auch wenn sie konvertierten. Wäre da nicht in den letzten Jahren ein massiver Zustrom von Menschen aus Russland gewesen, stände die Gemeinde vor dem Aus.

Ich befürchte also, dass sich nicht das Hängen an dem jeweiligen Mutterland auswäscht, wie du sagst, sondern wegen der mangelnden Bereitschaft, die schädlichen Strukturen, DIE UNKANONISCHE SIND, die Kirche in hehrer 'Griechlichkeit' oder sonst was, in die Bedeutungslosigkeit 'auswäscht'. Es gibt auf Grund der mangelnden Zusammenarbeit kaum eine funktionierende Krankenhausseelsorge (Ich war krank und du hast mich besucht), keine Gefänggnisseelsorge (Ich war gefangen und du hast mich besucht), keine Diakonie (Ich war hungrig und durstig und du hast mich gespeist) oder auch eine theologische Ausbildung für Priester, geschweige denn für Laien (fragt doch mal einen Orthodoxen danach, wo die 10 Gebote stehen oder wer Judith war).

Was man erreichen könnte macht vielleicht klar wenn wir bedenken, dass es in Finnland ganze 80 000 Orthodoxe gibt und auf Zypern grade mal die Hälfte der Anzahl von Orthodoxen die es in Deutschland gibt.

Einen schönen Sonntag wünscht
Benedikt

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon holzi » 22.01.2012, 14:32

Lieber Benedikt, diese Phänomene, die du hier beschreibst, sind zu einem großen Teil dafür mitverantwortlich, daß ich den Schritt zur Konversion vorerst noch bleiben lassen werde.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Lazzaro » 22.01.2012, 18:55

Liebe Brüder und Schwestern!
Seid bitte etwas vorsichtiger:
Es geht nicht ums Germanisieren, sondern um die Doppelchierarchien (ach wenn es blos 2 wären!) in der Diaspora. Die ethnische Juristiktion ist zwar der Grund dieses Übels, aber die Überwindung dieses Zustandes hat nichts mit einer allgemeinen Eindeutschung zu tun.

Ich müchte ein paar Bemerkungen hinzufügen:
1. Nicht unwichtig, aber es muß heißen "eine Stadt - ein Bischof". Benedikt, ich habe schon verstanden, was Du sagen wolltest und Du hast recht.

2. Wenn wir sagen wir mal je einen einzigen Bischof in Berlin, München, Hildesheim, Bonn, Stuttgart, Hamburg (und ...) hätten, müßten zum Beispiel alle russischen Gemeinden in Köln dem Bischofssitz zu Bonn unterstehen, der bekanntlich griechischem Typikon und Kalender folgt und in Berlin zum Beispiel entsprechend umgekehrt. Es ist nun mal so, daß unsere Gemeinden jeweils einer gewissen Prägung unterliegen und daß diese kulturellen Prägungen (Reizwörter Kirchenbänke & polyphoner Gesang) manchmal einander ausschließen. Es erfordert daher auch bei den Gemeinden einen gewissen Lernprozess, daß ein Bischof, der zu viele oder zuwenig Stühle in der Kathedrale hat und einiges etwas anders macht als gewohnt, dennoch "gut" orthodox sein kann.

3. Versuch eines Lösungsansatzes oder Sizilien ein Vorbild? Auf dieser Insel exestiert bekanntlich die päpstlich-katholische Diözese Pianura degli Albanesi, die dem byz. Ritus folgt. Im kanonischen Gebiet dieser Diözese gibt es auch einige lateinische Kirchen, wie es auch byzantinische Gemeinden in den lateinischen Nachbareparchien gibt. Braucht z. B. die lateinische Gemeinde in Pianura degli Albanesi einen Bischof für die Firmung, bittet der byzantinische Bischof einen lat. Amtsbruder ihn zu vertreten. In umgekehrten Fällen funktioniert das ähnlich.*
Wäre es in der orthodoxen Diaspora auch möglich, daß die Bischöfe sich gegnseitig helfen lassen können, wenn es um spezifische seelsorgliche Schwierigkeiten geht?

4. Wir beten in jeder Liturgie und auch in den Morgen- und/oder Abendgebeten, also täglich mindestens einmal:
Πιστεύομεν ... Εἰς μίαν, Ἁγίαν, Καθολικὴν καὶ Ἀποστολικὴν Ἐκκλησίαν.
Oder:
Credo in ... unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam.

Oder:
Верую во ... единую Святую Соборную и Апостольскую Церковь.
Oder:
Cred ... întru una, sfântă, sobornicească și apostolească Biserică.
Was alles das selbe bedeutet:
Ich glaube an ... die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Ich kann es nicht oft genug wiederholen! Dazu kommt noch eine wichtige Frage: Wo gibt es in diesen Satz eine geographische oder ethnische Vokabel ?????

Daran müssen wir arbeiten, daß das endlich unseren Gläubigen in Fleich und Blut übergeht und dann hoffentlich auch mal in den Herzen Eingang findet. Dazu bedarf es aber auch Prediger, die es wagen das Glaubensbekenntnis auch korrekt auszulegen ....

Lazzaro
(immer noch an das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche glaubend)

* Vielen Dank an Vater P.P. für diese infos.
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Elias
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Elias » 22.01.2012, 19:25

Hallo, positiv sind bis jetzt meine Erfahrungen in der Antiochenischen Gemeinde bei mir vor Ort! DIe Liturgie wird in Arabisch und Deutsch zelebriert, in beiden Sprachen wird gepredigt, die Lesungen in beiden Sprachen. Das ist noch nicht alles, den die Gemeindemitglieder haben den Wunsch noch mehr in Deutsch zu machen. Alos ich dort das erste Mal die Gebete gelesen habe, fragte mich ein älterer wo ich so gut Deutsch gelernt habe :) und das er sich freut mehr auf Deutsch zu hören für unsere Kinder! Sie wollen auch die Gesänge Zweisprachig umstellen. Dort gibt es ausser mir und einer Freundin praktisch keine "Ethnischen" Deutschen (Deutsche sind sie ja fast alle!). Was passiert dort? Neben den alten sind auch sehr viele Junge Leute in der Kirche... So etwas würde ich mir auch von unsere serbischen oder russischen Gemeinde hier vor Ort wünschen. Allerdingst ist das hier nicht exemplarisch für den ganzen Deutschen Raum. Ich glaube das es noch etwas dauern wird aber man darf nicht vergessen das "wir" erst seit ungefähr 40 Jahren hier gut vertreten sind und dafür hat sich schon allerhand getan :) Beten wir und vertrauen wir auf Gott.

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Ehemaliger » 23.01.2012, 10:32

Liebe Geschwister,

ja, es muss heissen: Eine Stadt, ein Bischof. Jedenfalls nach dem Wortlaut. Dass ich hier 'Land' anstelle von Stadt gewählt habe liegt daran, dass die strengen 'Stadt'-orientierte Strukture heute an Bedeutung verloren haben. Zu den Zeiten als das formuiert wurden gab es praktisch keine Nationalstaaten sondern eher Regionen, die von jeweiligen Städten 'regiert' wurden. Doch, ich fühle mich schon verstanden und was du zum Glaubensbekenntnis schribst tut richtig gut. Danke!

Weniger verstanden fühle ich mich bei dem Begriff 'Germanisierung'. Er ist ein gelinde gesagt unglücklicher Begriff, da er belastet ist. Man hört da das "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" oder auch die rasseideologische Anwendung im 3. Reich durch. Dadurch ist er tendenziell und ich würde einem evtl. Gesprächspartner das so darstellen und darum bitten, ihn nicht zu verwenden, da er am Thema, wie man unterstellen müsste gezielt, vorbeiführt. Es ist um so befremdlicher, dass das allem Anscheine nach gängige Praxis ist.

Ich schlage statt dessen den Begriff Verwurzelung oder auch etwas geschwollener Enkulturierung vor. Denn es ist doch inbestritten, die Orthodoxie ist in Deutschland (ich betone nochmals, dass wir uns in Schweden mit exakt dem gleichen Thema herumschlagen, wobei es hier nicht so 'geladen' zugeht) angekommen und es gilt, dem Rechnung zu tragen. Nicht erst vor 40 Jahren, erste orthodoxe Gemeinden existieren schon seit dem 18/19 Jahrhundert, einen sprunghaften Anstieg gab es bereits 1917 im Zusammenhang mit der Oktoberrevolution, aber es stimmt, richtig massiv wurde es innerhalb der letzten 40-50 Jahre. Das Problem mit der unkanonischen Eparchie-Aufteilung und den x-fach Strukturen hat da ja seinen Unrsprung.
Auch wenn Lazzaro warnt, die Verrwurzelung, und die Frage der Sprachlichkeit nicht zu vermischen, so glaube ich doch, dass es unmöglich ist, die unkanonischen Strukturen ohne Einbeziehung der Sprachenfrage zu lösen. Die Alternative wäre der Weg der Hutterer oder Amish, der nach meinem Dafürhalten nicht zu vergleichen ist.

Das Problem erscheint mir eher ein spirituelles als ein nationalstaatliches zu sein. Ein paar Fakten vorweg. Lediglich ca 5% der Gläubigen sind 'ethnische' Deutsche innerhalb der Orthodoxie, keine einzige 'deutsche' Gemeinde wäre in der Lage einen eigenen Priester zu unterhalten oder die Kosten für eine Kirche/Gemeinde zu bestreiten, geschweige fur eine vernünftige Pension für diesen Priester zu gewährleisten. Hier hängen wir ganz und gar von den 'ausländischen Gläubigen' ab. Deutsche innerhalb der Orthodoxie sind sehr seltene Vögel, die noch kein Nest zustande gebracht haben. Das gilt es anzuerkennen. Dass sich bei diesem Zahlenverhältnis keinerlei 'Anrecht' auf Deutsch ableiten lässt ist mehr als einsichtig.
ABER: Es geht darum, anzuerkennen, dass die Orthodoxie in Deutschland als Teil der Kirche Christi existiert und daher auch leben muss und soll. Und das beinhaltet, dass sie einen Verkündigungsauftrag an ALLE Menschen in diesem Land hat. Genau diesen Punkt hat nach meinem Erleben die Bischofskonferenz nur per Lippenbekenntnis behandelt. Dieser Punkt beinhaltet eben den Aufbau kirchlich einwandfreier und auch effektiver Strukturen (ja schimpft nur, aber wenn wir einen Verkündigungsauftrag haben, dann gilt es auch den so gut wie möglich zu erfüllen. Da war doch was mit den 'Talenten', oder?), eine zukunftstaugliche visionäre 'Politik' und auch die seelsorgerischen Anstrengungen für Existierendes (Stichpunkt: Mischehen, Kinder daraus usw.) und noch einiges mehr. Eben da versagt nach meinem Eindruck 'Die Orthodoxie' in Deutschland, da sie sich mehr um den Saft des eigenen Bratens kümmert, in dem sie jeweils nach griechischen oder sonst einem Geschmack schmort, als darum, genug Essen für die, die an den Tisch des Herrn wollen bereit zu stellen. Oder in einem anderen Bild: Wer im kleinen niedlichen Gärtchen im Hinterhof der Kirche den mitgebrachten Olivenbaum (der obendrein grosse Schwierigkeiten im deutschen Klima hat) mit Erde aus dem Säckchen Heimaterde versorgt, wird feststellen, dass der irgenwann mal leer ist und der Baum verkümmert. Wenn dann eher die Reise ins 'Heimatland' (um neue Erde zu holen) wichtiger wird, als danach zu suchen, ob es nicht einen dem Klima und den Bodenverhältnissen besser angepassten Baum gibt, dann wird es sehr schwierig, ja geradezu verzweifelt. Und wenn dann sogar noch die nachfolgenden Generationen darauf verpflichtet werden sollen, diese Reisen zur Erd-beschaffung als wichtiger anzusehen als einen Apfelbaum zu pflanzen und zu pflegen, ja, dann wird es skuril. Und dann muss man fragen, was das eigentlich soll.
In diesem Sinne meinte ich, dass es notwendig ist, dass die Bischöfe deutsch miteinander reden lernen, also über Apfelbäume nachzudenken anstatt die Einfuhr sibirischer Braunbären zu erörtern.
In Deutschland warten Millionen ! darauf, den Glauben in seiner ganzen Fülle erleben zu können, Holzi ist nur ein uns bekanner davon, und wir kümmern uns um Kirchenslawisch, Kirchenbänke oder auch Melodien. Und das ist ein Skandal, auf jeden Fall mein 'Stein des Anstosses'. Ich will die damit verbundenen Schwierigkeiten weder weg- noch kleinreden aber ich halte dafür, dass solche Gespräche über Kirchenbänke den Geist in der Kirche trüben und behindern. Das meine ich mit "spirituelles" Problem.
Lieber Lazzaro, nein, ich halte das sizilianische Modell für eher kontraproduktiv, denn es würde diese abstrusen Strukturen eher verfestigen. Was, bitte, sollte denn ein 'russischer' Bischof in einer 'griechischen' Gemeinde nicht können? Abgesehen davon, dass es keinen 'russischen' Bischof sondern nur einen Bischof aus der russischen Tradition gibt und das halte ich für wichtig: Nicht 'russisch' sondern orthodox ist unsere Grundlage. Der Philetismus wird schon seit Jahrhunderten gegeisselt und das zu Recht. In Deutschland/Westeuropa oder auch Amerike haben die Chance, dass wir dieses Problem ernsthaft angehen und zu seiner Lösung beitragen können, wenn . . .
ja, wenn . . .

Liebe Grüsse
Benedikt

P.S. Buchhagen halte ich aus Gründen, die ich nicht näher erläutern will für keinen guten Ansatz

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Lazzaro
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Lazzaro » 24.01.2012, 00:05

Benedikt schrieb:
Lieber Lazzaro, ... Was, bitte, sollte denn ein 'russischer' Bischof in einer 'griechischen' Gemeinde nicht können?

Er kann nicht neugriechisch sprechen. Manchmal ist aber gerade genau das aus seelsorglichen Gründen wichtig. Darum geht es. Wir können von den einfachen Leuten nicht zuviel auf einmal verlangen.
Abgesehen davon, dass es keinen 'russischen' Bischof sondern nur einen Bischof aus der russischen Tradition gibt und das halte ich für wichtig: Nicht 'russisch' sondern orthodox ist unsere Grundlage. Der Philetismus wird schon seit Jahrhunderten gegeisselt und das zu Recht.

Meine Rede, die ganze Zeit. Wir sind uns 10000000000000000000000000000 % :) einig. Aber leider kann ich diese Unsitte nicht mit einem Machtwort beenden. Ich sehe sie als Realität an, die es behutsam mit vielen kleinen, stetigen, Schritten zu beenden gilt.
In Deutschland/Westeuropa oder auch Amerike haben die Chance, dass wir dieses Problem ernsthaft angehen und zu seiner Lösung beitragen können, wenn . . .
ja, wenn . . .
. . . wir mehr an die Katholizität / Sobornost denken würden. Ci siamo o non ci siamo? Sind wir oder sind wir nicht?

Lieber Benedikt,
Wie sieht denn die Verwurzelung unserer Kirche in Schweden aus? Gesellschaftlich? Sprachlich? Was können wir hier in Deutschland lernen?
LG Lazzaro
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Igor
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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Igor » 24.01.2012, 09:00

Grüß Gott!

Ich hatte mir länger überlegt, ob ich zu diesem Strang etwas beitrage. Der Themenkomplex, um den es hier geht, wurde schließlich schon sehr ausgiebig in einigen Strängen diskutiert (ich bringe hier nicht explizit die Links darauf, es sind einfach zu viele) und ich war gespannt, ob es nach dem sehr ambitiösen Auftakt tatsächlich neue Erkenntnisse gibt.

Doch bevor ich darauf eingehe, ein paar Worte zu etwas anderem. Was mich beim Lesen sehr erstaunt hat, sind einige Behauptungen, die hier niedergeschrieben worden sind, z.B., dass auf der Bischofskonferenz nicht ohne Übersetzer deutsch geredet würde (ich habe unsere Bischöfe bislang in ihren Auftritten durchaus deutsch sprechend erlebt, Erzbischof Mark ist sogar ethnischer Deutscher), oder, dass z.B. Klöster entweder bedeutungslos seien oder sogar „geschnitten“ würden (Wie geht das eigentlich?).

Doch zurück zur Sache. M.E. werden hier mehrere Fragestellungen miteinander vermischt und in einen Topf geworfen. Wir sollten voneinander trennen:

1. Was hat die derzeitige Situation es mit der Kanonizität der Kirche zu tun?
2. Was kann getan werden, um die Orthodoxie in Deutschland zu stärken?
3. Was kann in den Gemeinden getan werden, um ein Gemeindeleben zu gestalten, welches auch für die künftige Generation attraktiv ist und diese zum Glauben führt bzw. ihr diesen erhält?

Zu 1. Was hat die derzeitige Situation es mit der Kanonizität der Kirche zu tun?


Hier sollten wir uns erstmal mit den Fakten vertraut machen. Ich bin zwar kein Kirchenhistoriker oder Kirchenrechtler, aber nach meinem bescheidenen Wissen sind die wie folgt:

Wir befinden uns nach wie vor auf dem kanonischen Territorium des römischen Patriarchats. Leider – und darin liegt die eigentliche Ursache des Übels – hat sich dieses Patriarchat von der Orthodoxie abgewendet und spätestens seit 1054 einen eigenen Weg beschritten, heute ist das die Römisch-Katholische Kirche. In der Zwischenzeit hat es keine Entscheidungen betr. dieses Territoriums gegeben, die diesen Status verändert hätten. So etwas kann m.E. auch nur ein panorthodoxes Konzil treffen, nur dieses hat die Kraft und das Mandat, so etwas zu tun. Dass sich hier in der Zwischenzeit orthodoxe Diözesen gebildet haben, ist ausschließlich darauf zurückzuführen, dass diese die Aufgabe hatten (und auch noch haben) orthodoxe Immigranten (inkl. diplomatischer Vertretungen) geistlich zu betreuen. Es gibt genügend Aufsätze über die Geschichte der Orthodoxie hier in der Neuzeit. Dieses Faktum „Immigrationskirche“ reflektiert sich folglich auch in der geringen Zahl ethnischer Deutscher unter den ca. 1,5 Mill. Orthodoxen hier in Deutschland, es sind weit unter 1 % (s.a. Orthpedia), also wohl so um die als 10.000; auf die Gesamtbevölkerung gerechnet 0,01 %. Letztendlich zeigt der oben von Mirjanin erwähnte Strang auch sehr deutlich die Realität diesbezüglich.

Obwohl das, was Benedikt vorschlägt, sehr wünschenswert wäre, sehe ich aufgrund dieser Faktenlage - und ich würde mich an dieser Stelle sehr gern irren und eines Besseren belehrt werden – keine schnelle Lösung dieser Fragestellung.

Also, zurück zur Realität:

2. Was kann getan werden, um die Orthodoxie in Deutschland zu stärken?

Zuerst wäre da eine bessere Zusammenarbeit der Gemeinden auf lokaler Ebene anzuregen. Wann hatte es mit eurer orthodoxen Nachbargemeinde eine gemeinsame Andacht, eine gemeinsame Liturgie, eine gemeinsame Pilgerreise, eine gemeinsame Jugendfreizeit, ein gemeinsames Gemeindefest gegeben?

Gibt es auf lokaler Ebene eine Institution, die das Zusammenwirken koordiniert? Eine Mustersatzung hierfür gibt es z.B. auf der Seite der Bischofskonferenz.

3. Was kann in den Gemeinden getan werden, um ein Gemeindeleben zu gestalten, welches auch für die künftige Generation attraktiv ist und diese zum Glauben führt bzw. ihr diesen erhält?

Wir neigen immer gern dazu, auf andere zu zeigen und zu erklären, was sie alles falsch machen, anstelle zu überlegen, was wir selbst tun können („Splitter-Balken-Syndrom“). Wir sehen auch gerne immer erst einmal das Negative und suchen die Hilfe außerhalb unseres eigenen Wirkungskreises.

In Abwandlung eines berühmten Zitats: „Frage nicht, was die Kirchengemeinde für dich tun kann, frage dich, was du für die Kirchengemeinde tun kannst!“.

Der Hl. Seraphim von Sarow sagte einmal: „Erwerbe einen friedlichen Geist, und um Dich herum werden tausende gerettet.“

Wenn ein Mensch Vorbild im Glauben für die anderen ist (seine Lebensweise, seine Eigenschaften und Tugenden etc.), dann beeinflusst er automatisch die ihn Umgebenden.

So wie wir unsere von Gott gegebenen Talente nutzen (vergl. Mt 25,14-30), werden wir zur Rechenschaft gezogen werden. Setzen wir also unsere Talente dafür ein, dass wir diese nutzen, um die Samenkörner des rechten Glaubens zu verbreiten, diese in die Herzen der Menschen zu legen. Das können auch durchaus kleine praktische Dinge und Tätigkeiten sein, die im alltäglichen Gemeindeleben wichtig sind.

Wichtig ist dabei natürlich auch, dass der Gemeindevorsteher die Talente der Gemeindemitglieder erkennt und fördert, so dass sich eine aktive Gemeinde bildet, die von der Mitwirkung aller getragen wird

Wenn so etwas der Fall ist, dann läuft auch die junge Generation nicht weg, egal, in welcher Hauptsprache gesprochen und zelebriert wird. Und das ist weitgehend unabhängig von der Lösung von Frage 1., deren schnelle Umsetzung natürlich durchaus wünschenswert wäre. Es sind erstmal die kleinen Schritte, wie auch Lazarus schrieb, die uns weiter bringen.

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Florianklaus » 24.01.2012, 09:40

@Igor: Es gehört genau genommen nicht hierher, dennoch folgende Frage: Die orthodoxen Kirchen haben auf dem kanonischen Territorium des römischen Patriarchats Bistümer gegründet. Wieso war die Empörung in Rußland so groß, als Rom die apostolischen Administraturen in Bistümer umgewandelt hat und somit das gleiche getan hat, was die orthodoxen Kirchen schon lange vorher in Westeuropa getan haben? Diese Frage ist nicht als Provokation gemeint, ich möchte es wirklich nur besser verstehen!

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Priester Alexej » 24.01.2012, 10:01

Lieber Benedikt,

leider habe ich nicht verstanden, welche Probleme es heute deiner Meinung nach genau gibt und was genau du vorschlägst zu tun, um diese Probleme zu lösen. Ausgehend von dem Titel des Beitrags, geht es dir wohl in erster Linie um einen Bischof für Deutschland, der nur einer bestimmten Jurisdiktion unterstehen wird. Welchen Sinn hätte das deiner Meinung nach? Könntest du konkrete Beispiele nennen?

Was die Fage des "unkanonischen" angeht, ist deine Aussage nur bedinkt richtig. Unsere Kanones sind keine Dogmen, sie dienen dazu, das Kirchenleben zu regeln. Und wenn es in Deutschland zur Zeit eine Notwendigkeit gibt, mehrere Jurisdiktionen zu haben, wäre das nur eine Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Grüße!

D. Alexej

P.S. So, Igor war schneller, ich schließe mich gerne den ausführlichen Fragestellungen an.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon Igor » 24.01.2012, 21:55

Lieber Florianklaus,

wie schon oben angemerkt: ich bin weder Kirchenhistoriker noch –rechtler, daher würden meine Antworten eher spekulativen Charakter tragen. Für mich stellt sich dabei die Frage nach dem Ziel dieses Unterfanges der RKK. Meines Wissens nach hat es in den letzten Jahrzehnten keine merklich wahrnehmbare Immigration von römisch-katholischen Christen in Russland gegeben (in ein Land, dessen Gebiet zum kanonischen Territorium einer beim rechten Glauben gebliebenen Kirche gehört), die dies begründen würde.

Aber, wie Du schon richtig schreibst:
Florianklaus hat geschrieben:@Igor: Es gehört genau genommen nicht hierher, …

… und daher belasse ich es dabei mit dieser Fragestellung.

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Re: Und im Übrigen bin ich der Meinung: Ein Land, ein Bischo

Beitragvon songul » 25.01.2012, 13:42

Der erste richtige Schritt in eine öffentlichere Richtung kann meiner Meinung nur eine Vereinigung von Orthodoxen Deutscher Zunge (ich schreibe bewusst nicht, Deutscher Nation, denn es geht hier ja nicht um unsere Ethnie, sondern um die Mission) um überhaupt mal eine Körperschaft zu erlangen die ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt.
Das ist nämlich nicht zu unterschätzen und gerade das fehlt uns Deutschen oder jenen, die sich am Leben in diesem Land mehr beteiligen. Das ist es ja was die verschiedenen Ethnien in ihren Kirchen hierzulande auch suchen und finden. Nun ist es für uns noch nicht so weit aber es wäre ein wesentlicher Schritt in diese Richtung.
Es gibt Vereine für jeden Pups hier in D und inzwischen auch einen für orthodoxe Zwecke (http://orthodoxinfo.de/index.php/foerderung) und man könnte sich dort anschliessen oder wenn der zu sehr im medialen Bereich sich abspielt doch noch so eine Vereinigung gründen die auf lokaler Ebene die Leute zusammen kommen lässt.
Mein Gott, jede kleine evangelikale Gruppe kriegt das hin oder nicht zu reden von den Zeugen Jehovas und wir Orthodoxe jammern nur aber bleiben sonst auf unserem Gejammere sitzen.
Es gibt so viele Möglichkeiten auf lokaler Ebene, im häuslichen Rahmen (Bibelabende, Hauskreise etc) im Internet Webseiten oder Blogs oder lokale (regionale) Treffen.
Es gibt ja schon via Skype eine Gebetsgruppe; man kann eine Menge tun um damit andere zu motivieren sich anzuschliessen. Es muss vor allem ein Zusammengehörigkeitsgefühl da sein. Solange sich jeder nur "seiner" Kirche verpflichtet fühlt aber von einer gesamt-deutschen Orthodoxie träumt, kommt nichts zustande.
Eine nationale Organisation mit lokalen Zweigstellen muss her in denen sich die Leute zusammentun, ganz egal zu welcher Jurisdiktion sie gehören. Die Orthodoxie spielt die Rolle - nicht nationales Brauchtum anderer Leute.
Die Orthodoxie muss sich erstmal von diesem Image befreien können und das macht man am Besten im kleinen Rahmen und den Deutschen, und denen die sich auch anschliessen wollen um zu zeigen, dass es auch anders sein kann - eben ganz normal für alle...
Gegen die Lokalpolitik der einzelnen Jurisdiktionen hier im Land anzugehen hat zum jetzigen Stand wenig Sinn, da die einfach und auch verständlicherweise den Instruktionen ihrer Heimatpatriarchaten verpflichtet sind und sich nur der Immigrantenseelsorge widmen.
Ich finde das kann nur das Volk (und das sind wir) tun in dem wir uns organisieren und aktiv werden. Auf einzelnen Positionen machen wir doch schon eine Menge: es gibt Verlage, Internethandel, dieses Forum und Orthpedia, noch zwei andere Internetplattformen zum Austasch über die Orthodoxie und anderes mehr.
Es müssen langsam mal alle zusammen finden und sich eben gemeinsam und gegenseitig helfen, Werbung (Mission) machen...sich nicht von den Umständen oder anderem entmutigen lassen.
Denn Mut und Unberirrtheit tun Not; immer wieder sind es gerade die eigenen Landsleute die sich gegen eine breitere deutsche Gemeinde innerhalb der Orthodoxie hier wehren und das meist aus einem falschverstandenen Loyalitätsbewustsein ihrer "Heimatkirche" gegenüber.
Und es gibt eine - oder gar eigentlich zwei - Kirchen mit denen man doch vielleicht Dinge organisieren kann und die einem nicht gleich spüren lassen, man sei aber schon....
Packen wir's an.


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