Griechisch Orthodoxe Kirche

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Ehre sei Dir oh Herr

Griechisch Orthodoxe Kirche

Beitrag von Ehre sei Dir oh Herr »

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

kann jemand einige Worte über die Griechische Orthodoxe Kirche verlieren?

Es gibt doch da auch verschiedene "Teilkirchen" und mich interessiert da der Unterschied. So gibt es doch die so genannten Altkalendarier, Neukalendarier (ich weiß nicht, ob das auch der offizielle Name ist) und auch die, wo Br. Nilos herkommt (leider kenne ich auch diesen Namen nicht, er bezeichnete sie als die einzig wahre Kirche, was natürlich Quatsch ist).
Da mich dieses interessiert, ich selbst aber zu wenig darüber weiß, hoffe ich, dass jemand hier einige Worte zur Orientierung geben kann.

Vorab herzlichen Dank für Eure Mühe.

herzlichst René
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. René !

Auf Ihre Frage zunächst einmal generell festgestellt: Das orthodoxe Prinzip der "Einheit in der Vielfalt" gilt auch für diese Kirchen; diesbezüglich festzumachende Unterschiede können also rein sekundärer Natur sein. Es ist vielleicht interessant, daß etwa bis zum Ende des I. Weltkrieges nahezu alle orthodoxen Kirchen auf irgendeine Weise den Terminus "griechisch" in ihrer Selbstbezeichnung führten: So nannte sich etwa die russische Orthodoxie in der Synodalperiode (1721-1917) "Griechisch-Russische Östliche Orthodoxe Kirche"; dies geschah unter anderem, um die von Byzanz übernommene geistlich-geistig-kulturelle Kontinuität zu unterstreichen.

Im engeren Sinne sind heute (zur Gänze oder teilweise) "griechisch" geprägte Kirchen: 1. das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel (mit einem nicht unbeträchtlichen "internationalen" Anteil in Nordamerika und Westeuropa), 2. das Patriarchat von Alexandria (heute mit allerdings nur einem kleinen rein griechischen Anteil; der Großteil der Kleriker und Gläubigen ist schwarzafrikanischen Urspungs), 3. die Kirche von Zypern (autokephal seit 431), 4. die Kirche von Hellas (erlangte 1850 die Autokephalie), 5. das Patriarchat von Jerusalem (dessen Episkopat und Mönchsgeistlichkeit überwiegend griechischer Herkunft, der Klerus in den Gemeinden - wie auch die Gläubigen - jedoch arabischer Abstammung sind).

Zu den altkalendarischen Gruppierungen, die sich - wie schon an andere Stelle berichtet wurde - nach der Kalenderreform von 1923 bildeten, ist zu sagen, daß sie sich selbst als "Wahre orthodoxe Christen" oder (in früherer Zeit) auch als "Synode der Widerstehenden" bezeichne(te)n; weder bei diesen noch bei der Kirche von Hellas spielt in der Selbstbezeichnung der Hinweis auf den Kalender eine Rolle - die von Ihnen genannten Benennungen wurden beiderseits in erster Linie im Zuge polemischer Auseinandersetzungen gebraucht.

In der Hoffnung, einen kleinen Einblick gegeben zu haben, grüßt mit herzlichen Segenswünschen
Erzpr. Peter
Ehre sei Dir oh Herr

Beitrag von Ehre sei Dir oh Herr »

Lieber Vater Peter,

vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Ich merke schon, dass man das schlecht in wenigen Worten sagen kann, da die Materie sehr umfassend ist.
Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich auch die Einzelheiten kennen lerne.
Fürs erste nochmals herzlichen Dank!

In Christo
Ihr René
Milo
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Beitrag von Milo »

Guten Abend miteinander.

Lieber v.Peter,

vielleicht sollten wir gerade mit dem "polemischen" Stück des griechischen orthodoxen Kuchens beginnen. Die anderen werden uns leichter fallen zu verdauen.

"Altkalendarier", die ja mitlerweile nicht nur in Griechenland ihr Unheil verbreiten, sind im Prinzip Shismatiker und haben nichts mit den von Ihnen aufgeführten anderen kanonischen Kirchen (griechischen Ursprungs) zu tun. Bei den übrigen Kirchen geht es um positivie Entwicklungen (auch wenns anderst mal scheint), doch bei diesen sg. "einzig wahren Orthodoxen" ist es eine negative Erscheinung.

Konservativ sein ist das Eine und auch legitim, aber Ungehorsam hat nur einen Sinn: Zerstörung Gottes heiliger Werke.
Mir fehlt hier das deutsche Wort für prelest, vielleicht können Sie mir helfen :)

Was ich also meinen will, ist das dieser "Teil der Kirche" der Griechischen Orthodoxen, gar keine Kirche ist.

Bis auf Weiteres gespannt,

Euer milo
protopeter
Priester
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo,

zunächst zum Wort prelest - dieser Ausdruck bedeutet "List, Reiz, Verlockung"; gerade in erster Bedeutung erscheint er für das Wirken diverser altkalendarischer Kreise von charakteristischer Bedeutung, da hier Tatsachen oftmals bewußt verdreht oder mißinterpretiert werden.

Was nun die Aktivitäten der Altkalendarier anbelangt, so neigen diese leider zur Bildung von Strukturen und Verbreitung von Lehren, die man - ein Widerspruch in sich ! - mit einigem Recht durchaus als "orthodoxes Sektenwesen" bezeichnen könnte: Die Kalenderfrage nimmt als Kriterium der Rechtgläubigkeit in diesen Kreisen einen so absoluten Rang ein, daß dahinter selbst das eigentliche kirchliche kérygma - die in und durch Jesus Christus vollzogene gottmenschliche Erlösung - in Gefahr gerät, in seiner zentralen heilsgeschichtlichen Bedeutung gemindert zu werden.

Davon ausgehend ergeben sich entsprechend unkanonische Handlungen diversen Charakters - in erster Linie bezogen auf die Spendung der Taufe und die Erteilung von Weihen; auch ist es eine Tatsache, daß nicht wenige Angehörige altkalendarischer Hierarchien ursprünglich Kleriker der Kirche von Hellas waren, denen aus unterschiedlichen Gründen die Amtsausübung untersagt wurde - gewissermaßen als ultima ratio schlossen sich diese dann den Altkalendariern an, wobei sie sich dann zumeist als von der "offiziellen" Orthodoxen Kirche verfolgte "Bekenner des wahren Glaubens" bezeichneten.

Es steht außer Frage, daß all diesen Gruppierungen (denn die altkalendarische Bewegung ist in sich selbst gespalten und zerstritten) zumindest das Prädikat des "Schismatikers" beizufügen ist; betrachtet man indessen einzelne Elemente der von ihnen vertretenen Doktrin oder gewisse Praktiken, so könnte in mancherlei Hinsicht sogar der Häresieverdacht aufkommen. Dies zu illustrieren sei nur als kleines Beispiel genannt, daß sich der gegenwärtige "Ersthierarch" der "Synode im Widerstand", "Metropolit" Kyprianos (ursprünglich ein von der Kirche von Hellas in den Laienstand versetzter ehemaliger Mönchspriester) auf einer Ikone des Christus Pantokrator als "Randfigur" (nebst Inschrift: "Mit Christus bin ich gekreuzigt" !) abbilden ließ - ein nach orthodoxen Maßstäben mit der Überlieferung keinesfalls in Einklang zu bringender (in diesem Falle sogar gotteslästerlicher) Vorgang !

Macht man sich also diese und ähnliche Entgleisungen bewußt, so rechtfertigt es sich durchaus, dem Altkalendariertum den Charakter der Kirchlichkeit abzusprechen, um es schlußendlich als eine "sich orthodox darstellende Sekte" erfassen zu müssen.

Mit besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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Tamira
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Beitrag von Tamira »

Ich habe mal gelesen, daß es selbst in Griechenland zwei "unterschiedliche" Ortdoxe Auffassungen gibt. Die eine ist die, die Konstantinopel als Richtschnur hat, die andere Athen?

Hm, kann mir dazu jemand mehr sagen?

Liebe Grüße und eine gesegneten Sonntag noch
Tamira
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Tamira
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Byzantinischer Zweig

Beitrag von Tamira »

Wer kann mir zum Byzantischen Zweig Infos geben (Geschichte)?
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protopeter
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Beitrag von protopeter »

Liebe Tamira !

Es ist richtig, daß auf dem Territorium des heutigen Griechenland sowohl die Kirche von Hellas als auch das Ökumenische Patriarchat Jurisdiktionsgewalt ausüben - dafür gibt es sowohl historische als auch kirchenrechtliche Gründe: Einige Diözesen wurden nach der sogenannten "Kleinasiatischen Katastrophe" der Jahre 1922 und 1923, als etwa drei Millionen Griechen aus Kleinasien vertrieben waren, neu gegründet; da diese ursprünglich im Jurisdiktionsverband mit Konstantinopel standen, wurde diese Lage der Dinge auch beibehalten.

Darüberhinaus ist die Orthodoxe Kirche auf Kreta im Rahmen des konstantinopolitanischen Patriarchates mit halbautonomem Status ausgestattet - dies ist wiederum eine Folge historischer Entwicklungen. Der von Ihen verwendete Begriff der "Richtschnur" wäre demgemäß einzig in diesem Zusammenhang anzuwenden - wobei es allerdings schon seit längerer Zeit Überlegungen gibt, hier eventuelle Umstrukturierungen vorzunehmen.

In der Hoffnung, zur Klärung Ihrer Frage beigetragen zu haben, grüßt herzlich
Erzpr. Peter
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Liebe Tamira !

Eine kleine zusätzliche Verständnisfrage meinerseits: Was verstehen sie unter Byzantinischem Zweig ?

Es grüßt ein etwas verwirrter Erzpr. Peter
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Tamira
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Beitrag von Tamira »

Hallo lieber Vater Peter,

ganz lieben Dank für die Erklärung. Sie war sehr aufschlußreich. Mit dem Byzantinischen Zweig meinte ich den OK "Bereich", den der Patriarch von Konstantinopel verwaltet.

Daß mit der "Kleinasiatischen Katastrophe" war sehr interessant. D. h., wenn ich das richtig verstanden habe, daß die Griechen aus Kleinasien also den Patriarchen von Konstantinopel angehören?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einme Patriarchen und einen Metropliten? Bitte entschuldigen Sie vielmals diese Frage, aber ich weiß es wirklich nicht. :cry:

Liebe Grüße
Tamira
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Tamira
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Beitrag von Tamira »

Was bedeutet eigentlich Ökumenisches Patriarchiat? Ist das der Zusammenschluß von vielen OK (z. B. syrisch-orthodox, russiche-Orthodx usw)?

Ich habe mal im Bezug der OK das Wort Papst gehört. Wen nennt man dort so, den Metropoliten?

Wer hat über die OK in Detschland oder dem deutschsprachigen Raum das "Sagen"? (spez. gr-orthodox)

Die Umstrukturierung, von der Sie sprechen, Vater, in welche wird diese Tendenziell gehen?

Ich bitte nochmals um Entschuldigung für diese Fragen und die Unbeholfenheit :cry:
Tamira
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Jeremias
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Beitrag von Jeremias »

Die deutschen orth. Kirchen unterliegen verschiedenen Jurisdiktionen. Die gr.-orth. Metropolie von Deutschland gehört zu Konstaninopel, während auch die anderen Patiarchate Kirchen in Deutschland, wie z.B. Moskau, die Auslandskirche, Rumänen, Serben, etc. Das liegt an der Herkunft der modernen Orthodoxie in Deutschland, die über die Einwanderer oder Flüchtlinge, die ihre Landeskirche mitgenommen haben, hierhin gekommen ist.

Einen orthodoxen Papst gibt es, das Oberhaupt der koptischen Kirche nennt sich so. Ansonsten gibt es meines Wissens nach keine weiteren Kirchenoberhäupter in der Orthodoxie, die sich Papst nennen. Eine Figur vergleichbar mit dem Papst von Rom, insbesondere mit dessen kirchenrechtlicher Machtfülle findet man nur im Bischof. Die Realität sieht allerdings anders aus.

Das Ökumenische Patriarchat ist das alte Patriarchat von Konstantinopel. Aufgrund der geschichtlichen Bedeutung wird diesem Patriarchen ein Ehrenvorsitz unter den orthodoxen Kirchenoberhäuptern gewährt, echte Macht ist damit aber nicht verbunden. Das Ökumenische Patriarchat sieht sich eigentlich überall dort zuständig, wo keine andere Zuständigkeit existiert.
Zuletzt geändert von danadoina am 20.02.2007, 01:53, insgesamt 1-mal geändert.
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Liebe Tamira !

Ich will versuchen, Ihre Fragen der Reihe nach zu beantworten:

* zunächst zur Frage eines orthodoxen Papstes: Dieser Titel ist heute nicht nur dem koptischen sondern auch dem (griechisch-)orthodoxen Patriarchen von Alexandria vorbehalten. In den ersten Jahrhunderten trugen ihn Bischöfe ehrwürdiger Sitze - unter anderem auch Karthago und eben Rom; damit wurde ein besonderer Akzent auf die geistliche Verantwortung und Vaterschaft (papas = Vater) gelegt. Niemals jedoch war diese Bezeichnung in der Orthodoxen Kirche mit irgendwelchen Prärogativen und jurisdiktionellen Vorrechten verbunden

* Metropolit im ursprünglichen Sinne ist der Bischof einer Provinzhauptstadt, der zugleich Vorsitzender einer Synode war, die aus Bischöfen bestand, die wiederum in kleineren Städten tätig waren. Späterhin wurde (in den Kirchen, die der griechisch-byzantinischen Tradition folgen) ein jeder Bischof, der in einer Stadt residierte, so benannt. Als Patriarch (übersetzt etwa "Vater-Vorsteher") werden heute Ersthierarchen von insgesamt 9 autokephalen orthodoxen Teilkirchen bezeichnet - diese Amtsbezeichnung ist als ein reiner Ehrentitel zu sehen

* Ökumenischer Patriarch: Dieser Titel des Patriarchen von Konstantinopel geht auf das Ende des 6. Jahrhunderts zurück und wurde zum ersten Mal durch Patriarch Johannes IV. den Faster verwendet. Er steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Kanon 28 des Konzils von Chalkedon 451, der dekretiert, daß der konstantinopolitanische Oberhirte nicht nur über seine eigene Diözese Jurisdiktionsgewalt haben sollte, sondern ihm darüberhinaus auch die Kirchen "bei den Barbaren" - also die Missionen - zugeordnet werden sollten. "Ökumenisch" heißt in diesem Sinne "die ganze bewohnte Welt betreffend"

* mit "Umstrukturierung" meinte ich in erster Linie, daß seit längerer Zeit überlegt wird, alle kirchlichen Verwaltungsbereiche, die auf griechischem Gebiet liegen, der autokephalen Kirche von Hellas zuzuordnen - doch scheint es noch längerfristig zu keiner Lösung zu kommen


Zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen hier einige Literaturhinweise:

H.-G. Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche im byzantinischen Reich, Göttingen 1980

Metropolit Maximos von Sardes, Das Ökumenische Patriarchat in der Orthodoxen Kirche, Freiburg 1980

S. Runciman, Das Patriarchat von Konstantinopel : Vom Vorabend d. türk. Eroberung bis zum griechischen Unabhängigkeitskrieg, München 1970


Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Erzpr. Peter
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