manch einem Christen fällt es heutzutage leicht über seinen Nächsten vorschnelle Urteile zu fällen.
Thematischer Verweis:
http://orthodoxes.forum-on.de/ftopic67.html
Die Kehrseite des Christentums?
Woher rührt dies? Meine Antwort darauf ist eindeutig: Aus purer Unkenntnis und Halbwissen gegenüber seinen orthodoxen Brüdern und Schwestern.
Umso erfreuter war ich, als ich in der neuapostolischen Zeitschrift "Spirit" einen Bericht las, der sich mit dem Thema Ikonen in der Orthodoxie auseinandersetzte.
Ich habe mir die Mühe gemacht und diesen Artikel hier abgeschrieben, weil ich ihn sehr gut finde und hoffe, dass ihn viele gelesen haben. Er räumt mit dem Vorurteil auf, in der orthodoxen Kirche würde Götzendienst zelebriert. Der Artikel ist, wie man sagt, "brandneu"
[Fett hervorgehoben von mir
+++Originalabschrift+++
Verehrt, aber nicht angebetet - Ikonen
Eine Ikone widerspricht nach Auffassung der Orthodoxen Kirche nicht dem Bilderverbot Gottes im ersten Gebot: Indem Gott seinen Sohn Mensch werden ließ und somit abbildbar machte, durchbrach ER dies selbst. Ikonen sind für gläubige Orthodoxe "Abbilder" ihrer Heiligen und sogar Mittelpunkt des Gottesdienstes.
Maltechnik
Die kleinen Bildchen sind nicht als Versuch zu verstehen, realistisch zu malen. Durch bestimmte Techniken soll es weder dem Betrachter noch dem Künstler möglich sein, sich zu sehr in sie zu vertiefen: Der Hintergrund ist meist golden oder einfarbig gehalten, die menschlichen Gestalten davor in meditativer Haltung stilisiert, mit Heiligenschein oder betont großen Augen. Die Farbbereiche werden klar voneinander getrennt, damit kein dreidimensionales Bild entstehen kann. Als Farbe wird oft Eitempera verwendet, eine Mischung aus Farbpigmenten, Wasser, Eigelb und Öl, die diesen Effekt unterstützen soll. Typisierte Ikonen sind durch bestimmte Symbolik oder Beigaben sofort zu erkennen und lassen dem Künstler nur in Nebensächlichkeiten wie der Farbwahl Gestaltungsspielraum. Florian, der Schutzheilige der Feuerwehr, wird zum Beispiel immer mit einem Gefäß voll Wasser abgebildet.
Funktion
Die Orthodoxe Kirche betont den liturgischen Charakter der Ikonen. Zwar sind sie nicht Gegenstand der Anbetung, aber für die Gläubigen stellen sie im Gottesdienst die liturgische Anwesenheit des Abgebildeten her. Den Gegenständen, Statuen oder Gemälden wird stellvertretend für den Abgebildeten Verehrung zuteil durch Küsse, Kniefälle, Kerzen und Weihrauch - das Bild wird verehrt, aber nicht angebetet. Selbst das Malen einer Ikone stellt für den Gläubigen schon einen religiösen Akt dar, so dass nur ausgewählte Menschen, zumeist Mönche, dies dürfen. Für den privaten Gebrauch besitzt jeder orthodoxe Christ eine tragbare Ikone wie eine Karte oder ein kleines Gemälde.
Ikonostase
Mittelpunkt des orthodoxen Gottesdienstes sind die Mysterien, wie die Sakramente dort genannt werden. Sie werden vor dem einfachen Volk verborgen und sind nur den Priestern zugänglich. Dies geschieht durch eine Trennwand, die an der Schwelle des Altars zwischen Gläubigen und Priestern aufgestellt ist, die Ikonostase (griechisch: aufgestelltes Bild, Bilderwand). Die dreiflügelige Wand aus Stein oder Holz mit einer östlichen, einer westlichen und einer königlichen Tür ist überreich mit Ikonen geschmückt, die Türen selbst sind mit Erzengeln oder Seraphim bemalt. Die Ikonostase schirmt einerseits die geheimen Vorgänge ab, stellt vor die Gläubigen aber andererseits die bildliche und sakramentale Gegenwart ihrer Heiligen, macht für sie das Unsichtbare sichtbar, Gott und seine Unbegreiflichkeit, seine Gnade seh- und damit fassbar.
+++
Euch grüssend in Christo ein erfreuter
Sebastian