Verehrung westlicher Reliquien und Wallfahrtsorte

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Walter
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Verehrung westlicher Reliquien und Wallfahrtsorte

Beitrag von Walter »

Bei uns in Deutschland und Österreich (überhaupt in ganz Westeuropa) gibt es zahlreiche Reliquien und Wallfahrtsorte. So stellt sich die Frage,
  • welche davon man auch als Orthodoxer verehren und
  • bei welchen man das besser bleiben lassen sollte.
Die orthodoxe Philosophin Cornelia Delkeskamp-Hayes ist diesem Fragenkomplex nachgegangen und hat darüber einen Artikel verfasst. Daraus der Abschnitt über die grundlegenden Prinzipien, nach denen hier vorgegangen wird:
Cornelia Delkeskamp-Hayes hat geschrieben:1. Was gilt als Reliquie?,
2. wie stark gesichert muß ihre Existenz sein?,
3. von wem soll es eine Reliquie sein?


1. Der Begriff der Reliquie, oder wie man auch verdeutscht hat, des Heiltums, umfaßt ? in erster Linie ? Körper-Reliquien, also zumeist Gebeine. Im weiteren Sinne wird dieser Begriff auch für Gewand-Reste oder sonstige Textilien und Gebrauchsgegenstände verwendet. So werden im Aachener Dom Gewandreliquien von Christus, der Gottesgebärerin und Johannes des Täufers aufbewahrt, die vielleicht darum nicht ganz unglaubwürdig sind, weil sie ein Geschenk des Patriarchen von Jerusalem zur Weihe dieser ersten der Gottesgebärerin geweihten Kirche des Abendlandes im Jahre 799 darstellten. Und so werden Bischofs-Stäbe der Heiligen Magnus, Bonifaz und Severin in Füssen, Fulda und Köln verehrt. Schließlich gibt es in der ganzen Welt, und so auch bei uns, geradezu unglaublich viele Holz-Partikel vom Heiligen Kreuz. Abgesehen von der Staurothek im Dom-Museum in Limburg und dem großen Kreuz in der Kirche von St. Matthias in Trier habe ich diese Partikel, ebenso wie auch die meisten Gewand-Reliquien in meiner Liste nicht berücksichtigt, und mich vielmehr, außer in begründeten Ausnahmefällen, auf primäre Reliquien von Heiligen beschränkt.

2. Zur Frage der Sicherung: In fast allen Fällen bleibt die Frage, ob überhaupt schon ursprünglich die richtigen Gebeine verehrt, oder später feierlich erhoben wurden, und ob bei den allfälligen Umbauten, Anbauten, Wiederaufbauten abgebrannter oder zerstörter Kirchen diese ursprünglich richtigen Reliquien richtig aufbewahrt und nicht etwa vertauscht oder durch andere Gebeine ersetzt wurden, offen. Historische Nachweise sind meist nicht lückenlos führbar. Ich habe mich hier an den Rat von Mönch Paisius von der Skite des Heiligen Spyridon in Geilnau gehalten: Wenn es immerhin möglich ist, daß der Heilige am Ort seiner Verehrung durch Reliquien anwesend ist, dann dürfen wir ihn dort auch verehren: Er weiß ja, daß wir ihn meinen, auch wenn vielleicht mit den Gebeinen etwas nicht stimmt. Nur dort, wo diese Möglichkeit nicht gegeben ist, sollten wir uns zurückhalten.

3. Wer sind nun die Heiligen, deren Reliquien wir verehren? Sicherlich keine perfekten Menschen. Alle Menschen sind Sünder. Manche Heilige haben sogar in ihren theologischen Lehren geirrt. Ein Heiliger ist ein Mensch, der in erkennbarer Weise Gnade vor Gott gefunden hat. Diese Erkennbarkeit wird besonders deutlich an den zu Lebzeiten oder nach dem Tode gewirkten Wundern. Nun ist es mit Wundern so eine Sache. Als Ereignisse, die gegen das wissenschaftlich Erklärbare verstoßen, finden sie sich auch außerhalb der Kirche. Andererseits können Wunder, selbst unter orthodoxen Christen, auch dämonisch sein. In diesem Fall zählen sie gerade nicht als Ausweis besonderer Gnade Gottes.

Für die Entscheidung, wer ein Heiliger ist, und wessen Reliquien darum verehrungswürdig sind, ist der Christ an die Kirche verwiesen. Natürlich bietet auch der Begriff dieser Kirche seine Schwierigkeiten: als Leib Christi ist sie auch die Versammlung der Heiligen, und besonders derer, an denen Gott erkennbar, und durch Wunder, seine Gnade erweist. Die säkulare Logik gerät hier ins Schleudern. Glücklicherweise gilt für uns Gläubige diese Logik nur begrenzt. Ein geistliches Leben in Christus bedeutet, daß wir demütig annehmen, was die Kirche, so wie wir sie vor Ort vorfinden, uns im Sinne der orthodoxen Tradition lehrt.

Diese Rückbesinnung ist wichtig. In einer nicht-orthodoxen, aber doch christlich geprägten Kultur können wir uns nicht auf das verlassen, was durch die Traditionen der hiesigen Volksfrömmigkeit oder durch den hiesigen Klerus sanktioniert erscheint. Wir müssen in jedem Einzelfall prüfen, ob die Kirche, auf deren Urteil wir uns verlassen, noch die eine, ungeteilte Kirche ist, oder ob sie schon geistlich geschwächt, durch falsche Lehren irregeleitet, und von der Kommunion mit dem einen Leib Christi getrennt ist. Damit stellt sich das schwierige Problem der Festlegung des Zeitpunktes zu dem, und der Örtlichkeiten an denen, sich die Vatikanische Glaubenstradition so weit von der wahrhaft römischen, katholischen und apostolischen Kirche entfernt hat, daß das Urteil der Institutionen dieser geschwächten Glaubens-Tradition für uns nicht mehr vertrauenswürdig ist.

Wenn wir nun von solchen Abgrenzungen in Zeit und Raum sprechen, so geht es nicht um die Anmaßung eines Urteils über die Heiligkeit der außerhalb unserer einen wahren Kirche als heilig verehrten Personen. Der Heilige Justin Popovic hat den Franziskus von Assisi commemoriert, und der Heilige Johannes von Shanghai und San Franzisco zählte Ansgar von Bremen, den Missionar Skandinaviens, unter die Heiligen. Uns kann es demgegenüber bei der Abgrenzung nur um das gehen, worauf wir als orthodoxe Christen (quasi im Zustand der ?Schafe?) vertrauen können. Wenn also die hier erarbeitete Liste die Mehrzahl der in Deutschland tatsächlich verehrten (oder vernachlässigten) Reliquien nicht enthält, so verstehen Sie dies bitte nicht als ein Urteil über deren mangelnde Heiligkeit. Es liegt darin nur ein Urteil über die Grenzen unserer Gewißheit.

Für die Frage, welche der in Deutschland liegenden Reliquien von der russisch orthodoxen Kirche im Ausland anerkannt werden, dürfen wir uns an die Weisung ihres Bischofs halten. Vladyka Mark hat mir durch den Mönch Michael mitteilen lassen, daß Karls Kaiserkrönung (800) als Grenze gelten soll, zumindest was das Wirken der Heiligen angeht. Dabei möge ich in Zweifelsfällen meinem Urteil folgen. Mein Urteil in dieser Sache orientiert sich an Abt Basilius von der Skite des Heiligen Spyridon in Geilnau, dem ich meine Zweifelsfälle vorgelegt habe.
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protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Walter !

Zu dem von Ihnen zur Diskussion angebotenen interessanten Fragenkomplex erscheint mir der ins Forum gestellte Beitrag durchaus informativ und nützlich; dabei ist es allerdings eine wirkliche Ermessensfrage, welche Zeitbegrenzung (wenn wir das Jahr 1054 als eine definitive Grenze für eine "offizielle" Anerkennung der Heiligen setzen wollen) Gültigkeit haben sollte. Das im Artikel genannte Jahr 800 scheint mir in einem "gesamteuropäischen" Kontext allerdings nicht haltbar; zwar ist hier der Bezug auf die Einführung heterodoxer Irrtümer zur Zeit der Karolinger evident, doch sollte eine daraus abgeleitete chronologische Einschränkung - wenn überhaupt - nur in begrenzterem Rahmen zur Anwendung gebracht werden.

Wenn auch darauf hingewiesen wird, daß die als heilig zu verehrenden Persönlichkeiten "keine perfekten Menschen" waren, die persönlichen Irrtümern zu unterliegen vermochten, so scheint mir - angesichts der Tatsache, daß das gesamte abendländische Christentum bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts in kanonischer Form ein unbestrittener Teil der Heiligen Orthodoxen Kirche war, eine gewisse "Großzügigkeit" angebracht, da es in der Anerkennung der Heiligkeit des Einzelnen - wie die Autorin richtig anmerkt - "nicht um die Anmaßung eines Urteils" bestellt sein kann. In diesem Kontext verweise ich auf manche unwürdige Diskussionen seitens sogenannt "orthodoxer" Kreise, die beispielsweise Person und Lehre des Kirchenvaters Aurelius Augustinus in grober Weise verunglimpf(t)en und ihn sogar als Häretiker brandmark(t)en !

Gerade in den Heiligen - jenen Persönlichkeiten, die nach kirchlichem Verständnis bei Gott Wohlgefallen fanden - erweist sich eine Universalität der offenbarten Erlösungsgewißheit, die - auf den Fundamenten des orthodoxen Bekenntnisses ruhend - über jeglichem menschlich-begrenzten Kalkül stehen sollte. Selbst wenn die - wie es im genannten Text heißt - "Vatikanische Glaubenstradition" späterhin zweifellos ihren häretischen Eigenweg beschritt, wäre es doch einigermaßen bedenklich, gleichsam als Sanktionierung dieser (zumeist erst in späteren Jahrhunderten zur "offiziellen" Lehre erhobenen) Abweichungen denen, die zwar nach den orthodoxen Prinzipien der Heiligkeit buchstäblich in Abbild und Ähnlichkeit Gottes ihre Existenz ausrichteten, dies jedoch (der im Beitrag zum Ausdruck gekommenen Ansicht folgend) gewissermaßen zum "falschen" historischen Zeitpunkt taten, die Anerkennung vorzuenthalten.

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian »

Lieber Walter, lieber Erzpriester Peter,

das von dir Walter eingestellte Thema finde ich äusserst interessant. Danke dafür. Ich möchte ein wenig den Blick auf "nachshismatische Heilige" werfen. Als wir vor einigen Wochen noch recht rege über die Autokephalie einer abenländischen Orthodoxie philosophierten war der Einwand des Users "Legion", dass wir keine abendländischen, postshismatischen Heilige haben, nicht von Pappe. Meine Frage: Ist das denn wirklich so? Sind alle nachshismatischen, von der römischen Kirche Heiliggesprochenen abzulehenen, da diese als Grundvorraussetzung ihrer Heiligsprechung die Treue zum römischen Katholizismus, mitinbegriffen aller (von Epoche zu Epoche unterschiedlich ausfallenden) Häresien, bezeugten?
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Sebastian !

Die von Dir ins Treffen geführte Frage scheint zweifellos berechtigt, da sie uns auch zur Überlegung führt, nach welchen Kriterien die Orthodoxe Kirche (in Unterscheidung zum römischen Katholizismus) jemanden als "heilig" anerkennt. Absolut unverzichtbare Grundlagen sind vor allem die einander ergänzenden Dimensionen von orthodoxia und orthopraxia - Rechtgläubigkeit und daraus entspringendem Lebensvollzug. Aus dieser Voraussetzung sollte es klar sein, daß all jene Persönlichkeiten, die diesen Ansprüchen nicht genügen, seitens unserer Kirche nicht als Heilige verehrt werden können; nach orthodoxem Verständnis ist ein Heiliger - bei allen möglichen persönlichen Unzulänglichkeiten - jemand, der in der Kirche lebt, mit der Kirche glaubt und durch die Kirche verherrlicht wird.

Was nun die Anerkennung eines Heiligen betrifft, so unterscheiden sich orthodoxe Auffassung und Vorgangsweise im Hinblick auf die Kanonisation: Während die römische Kirche seit dem Ende des 10. Jahrhunderts den "offiziellen" Akt der Heiligsprechung vollzieht, der im Laufe der Jahrhunderte seine "Verfeinerung" und Ausdeutung (inklusive eines voraufgehenden prozeßähnlichen Verfahrens) erfuhr, kann man dagegen in der Orthodoxen Kirche eher von einer durch das Gedächtnis der Kirche begründeten Bestätigung des Charakters der Heiligkeit, die sich durch die obengenannten Grundkriterien zeigte, sprechen. Ein orthodoxer Heiliger ist in diesem Sinne eine Persönlichkeit, die den an alle Glieder der Kirche ergangenen Ruf, in besonderer Weise Christusträger zu sein, in seinem Leben realisierte - somit besteht zwischen ihm und den Gläubigen eine lebendige Verbindung, die eben durch den gemeinsamen Weg im Glauben befestigt ist. Aus diesen Grundlagen ergibt es sich, daß - bei aller (durchaus berechtigten) Wertschätzung für gewisse postschismatische Heilige des römischen Katholizismus - eine offiziell sanktionierte Verehrung innerhalb der Orthodoxen Kirche ausgeschlossen sein muß.

Brüderliche Grüße und Segenswünsche,
Erzpr. Peter
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theofan
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Beitrag von theofan »

Liebe Forengemeinde,

ich finde das Thema ebenfalls sehr interessant. Besonders erstaunlich, wie schnell von der Anfangsfrage zum Kirchenrecht umgeschwenkt worden ist. Sind wir denn Juristen?

Ich habe dennoch oder grade deshalb hier mal ein paar Abschnitte aus dem "Kirchenrecht" von Zypin übersetzt, die sich mit der Frage beschäftigen. Deutlich wird, dass die Frage der Wirksamkeit der Heiligsprechung über die Grenzen der Ortskirche hinaus auch innerhalb der Ostkirchen noch gelehrten Diskussionen unterliegt.

Für eine offizielle Heiligenverehrung ist die Rechtgläubigkeit des Betreffenden Grundvoraussetzung; damit ist das Thema kirchenrechtlich an sich abgeschlossen.

Können wir aber - mit dem Verweis auf die kirchenrechtliche Unmöglichkeit - es uns leisten, auf die Fürbitte aller Westheiligen seit 800 oder 1054 zu verzichten? Sind wir so sicher, dass da niemand ist? Oder haben wir nur den Blick für das Heilige verloren, sind unsere Herzen versteinert?

Der zitierte Text zeigt deutlich, dass Heiligenverehrung eine Sache "von unten" ist, Sache des Kirchenvolkes. Wenn es nun z.B. in Assisi eine orthodoxe Gemeinde gäbe - käme die an einer Verehrung des hl. Franz vorbei?
Kann ich meine nun mal überwiegend "abendländisch" tickenden Kinder christlich erziehen, ohne über Edith Stein oder Mutter Theresa zu reden?
Wenn ich sie doch nur dazu bekäme, für Christus zu brennen! Dann könnte ich immer noch den Finger heben und sagen, dass sie auf dem weiteren Wege nicht unbedingt dem Geiste einer Theresa v. Avila folgen mögen usw.

"Wir" - das Kirchenvolk - dürfen hier wohl wesentlich kreativer sein als das kanonische Recht. Wir müssen auch nicht ständig um Erlaubnis fragen, wenn da etwas nach unserem Gespür Heiliges zu verehren ist ? lieber einmal zu viel verbeugt. Erst im kirchlichen Gottesdienst ist die erforderliche kanonische Präzision unumgänglich.

Auf die Gebete aller Heiligen
Hans-Peter


:!:
Es stimmt im Übrigen nicht, dass es keine abendländischen Heiligen nach dem Schisma gibt - z.B. Prokop von Ustjug/Lübeck.
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Hans-Peter !

Gestatten Sie zum guten Anfang einen kleinen Hinweis: Nach orthodoxem Verständnis sind kirchenrechtliche Normierungen eben keineswegs "monolithische", isoliert für sich stehende Gebilde; sie reflektieren auf ihre spezifische Weise die kirchliche Tradition und sind dazu angelegt, mit entsprechenden Vorgaben zu Werke zu gehen - gerade das nun zur Diskussion stehende Thema erweist dies.

Ihre Aussagen, dergemäß orthodoxe Heiligenverehrung eine Sache "von unten" sei wie auch der Hinweis auf Edith Stein oder Mutter Teresa decken sich im Wesentlichen mit den in meinem obenstehenden Beitrag zum Ausdruck gebrachten abschließenden Überlegungen. Fügen Sie den Genannten noch eine große Frauengestalt des christlichen Abendlandes hinzu - Hildegard von Bingen - so wird besonders aus ihren Schriften deutlich, daß im "Westen" das Kontinuum rechtgläubiger Weltsicht auch noch im 12. Jahrhundert erhalten blieb. In späterer Zeit ist beispielsweise der Schweizer Nikolaus von der Flüe (15. Jahrhundert) durch sein Leben und Wirken durchaus mit den Wüstenvätern und Starzen zu vergleichen - so gesehen tun sich zahlreiche Analogien auf.

Es dürfte darüberhinaus über jeglichen Zweifel erhaben sein, daß eine Annäherung in rechtgläubiger Perspektive einzig im Bezug auf die jeweilige Persönlichkeit (beziehungsweise im Hinblick auf jene Aspekte, die unserem Glaubensethos entsprechen) geschehen kann. Wie Sie aber durchaus zutreffend zum Ausdruck bringen, sollte das orthodoxe Bewußtsein so ausgeprägt sein, für eine persönliche Hinwendung als "Entscheidungsinstanz" gelten zu können. So gilt zwar in der Orthodoxen Kirche das Wort vox populi-vox Dei in besonderem Maße (im Sinne, daß ein jeder Gläubige Träger der Tradition ist), doch sollte uns mit Gottes Beistand die immer wieder notwendige Unterscheidung der Geister vor Übertreibungen gleich welcher Art bewahren.

Mit besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
theodor

Beitrag von theodor »

Lieber bruder im priesterlichen dienst PPeter, liebe brüder und schwestern.
in der "Göttlichen Liturgie" wird ausgerufen: "das Heilige den Heiligen".
Damit sind alle gläubigen gemeint die rechtgläubig getauft sind und den
HL. Geist durch die myronsalbung erhalten haben. Im hebräischen ist das wort für "heilig" -kadosch. Heilig ist das oder der, der für etwas ausgesondert wurde oder sich GOtt zur verfügung stellte; die sache oder der mensch waren also nicht mehr profan. Gläubige die in der kirche als Heilige verehrt werden haben sich voll und ganz dem HErrn zur verfügung gestellt. Aber der begriff "heilig" ist natürlich nur ein ausdruck der hilflosigkeit unserer sprache. Heilig im strengen sinne ist n u r GOtt.

in demut P.Theodor
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Beitrag von protopeter »

Liebe Diskussionsteilnehmer !

Dem Ruf "Das Heilige den Heiligen" folgt dann in der Göttlichen Liturgie die affirmative Antwort: "Einer ist heilig, Einer ist Herr - Jesus Christus zur Ehre Gottes des Vaters", um auf diese Weise einerseits den umfassenden Charakter der gottmenschlichen Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen und andererseits Quelle und Ausgangspunkt unserer Berufung zur Heiligkeit zu benennen. Die Grundlegung des Menschen "in Abbild und Ähnlichkeit Gottes" definiert diesen unseren Weg auf unvergleichliche Weise; die Eingliederung in die Erlösungsgemeinschaft der Kirche fügt entsprechende Voraussetzungen hinzu.

Dies nun aus dieser Perspektive betrachtet, wird klar, daß die Heiligkeit als vornehmster Ausdruck der Gotteskindschaft gleichsam der naturgegebene Weg des Christen ist - besonders deutlich wird dies, wenn der Apostel die Gläubigen als "Heilige" apostrophiert. In diesem Sinne mag die (unter anderem vom Gerechten Johannes v. Kronstadt) für einen Heiligen geprägte Bezeichnung "Gottesfreund" genau diesen Gemeinschaftsaspekt zum gemäßen Ausdruck bringen.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter
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Beitrag von IoannesProselytos »

Welche Heiligen der röm.-kath. Kirche von meiner (folgenden) Auswahl, sind komplett abzulehnen? Anscheind muss es das ja auch geben, wenn manche Heilige, wie St. Hildegard von Bingen oder St. Klasu von Flüe, zwar von der orthodoxen Kirche nicht "heiliggesprochen" sind, aber durchaus akzeptabel wären?

-) Beda Venerabilis
-) Romuald von Camaldoli
-) Bruno von Köln
-) Bernhard von Clairvaux
-) Dominicus Guzman
-) Giovanni Battista Bernardone; also Franciscus de Assisi
-) Giovanni di Fidanza; also Bonaventura de Bagnoregio
-) Thomas d'Aquino
-) Klara d'Assisi
-) Katharina von Siena
-) Theresa d'Avila
-) Juan de la Cruz
-) Ignatius Lopez de Loyola
-) Jean-Baptist Marie Vianney; der Pfarrer von Ars
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Ioannes !

Um keine wie auch immer gearteten Mißverständnisse aufkommen zu lassen - es handelt sich nicht darum, daß die von mir genannten Persönlichkeiten als orthodoxe Heilige "akzeptabel" (d.h. im eigentlichen Sinne "offiziell verehrungswürdig") sein könnten; hier sollte gezeigt werden, daß bei den Genannten gewisse Grundprinzipien rechtgläubiger Weltsicht dem Wesen nach die Zeit des abendländischen Schismas "überlebten".

Was nun die von Ihnen ins Forum gestellte Liste anbelangt, so sind gemäß orthodoxen Glaubensgrundlagen unbestritten einzig Beda Venerabilis (er findet sich übrigens bereits im Heiligenkalender unserer Kirche) und Romuald von Camaldoli anzuerkennen. Teilaspekte des Lebens und Wirkens Brunos von Köln, Franziskus´ und Klaras von Assisi mögen ebenfalls als unserer Tradition konform erkannt werden - bei den übrigen ist aus diversen Gründen eine ablehnende Haltung einzunehmen; besonders gilt dies etwa bei Thomas von Aquin oder Ignatius von Loyola, die auf ihre Weise als "Säulen" römisch-katholischer Kirchlichkeit gelten können.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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Beitrag von IoannesProselytos »

Gott sei dank, wenigstens der Heilige Romuald und Beda. Denn bei den beiden hätte es mich wirklich sehr gewundert ... Schade um St. Bruno von Köln, vor dem ich eine sehr große Hochachtung habe, wie auch vor St. Franziskus ...
IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos »

Wie ist es eigentlich mit Johannes Gualbertus?
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