Heute möchte ich Sie wieder aufrufen, für unseren Verein Christlich-Orthodoxes Medienzentrum e. V. zu spenden.
Seit meinem Spendenaufruf vor einem Jahr hat sich vieles getan. Einige Gläubige haben auf den Aufruf reagiert und Daueraufträge für regelmäßige Spenden eingerichtet. Das ermöglichte es uns zum ersten Mal seit der Gründung, drei Helfer auf Minijobbasis zu beschäftigen. Dadurch kann der Verein endlich aktiv ausgewählte Projekte verfolgen.
Damit wir unsere Arbeit nicht nur weiter fortsetzen, sondern auch ausweiten können, möchte ich heute wieder um Ihre Spende bitten. Wie ich in meinem kürzlichen Interview zur Entwicklung der Orthodoxie in Deutschland gesagt habe, liegt die Verantwortung für die Kirche und die Mission auf uns allen, und zwar hier vor Ort. Nur durch die Beteiligung jedes einzelnen Gläubigen können wir dem Herrn und der Kirche dienen und eine Basis für uns und zukünftige Generationen schaffen.
Nikolaj Thon hat geschrieben: ... Doch dies ist, wie ich aus eigener Erfahrung von Bemühungen der KOKiD weiß, wahrlich kein leichter Weg!
Lieber Hr. Thon,
genau das beschätigt mich von Zeit zu Zeit.
Warum ist es nicht möglich, gerade durch die Dachorganisation KOKiD, das alle Vertreter der Bistümer sich einer Aufgabe gern annehmen? ZB. die Liturgischen Texte einheitlich zu übersetzen und verabschieden.
Warum sieht man so wenig, gerade hier in der "Diaspora" ist es doch geboten, von der vornehmlichen Einheit in Vielfalt?
Was meinen Sie als Einer der viel organisiert unter den Bistümern?
Nun, ich will ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern: Wir hatten bereits vor etlichen Jahren einen solchen Versuch mit Vertretern der einzelnen Bistümer unternommen.
Das Problem, so zeigte sich bald, war, dass dazu im Wesentlichen entsprechende "Spezialisten" geladen wurden, also Peronen, die sich bereits mit derartigen Übersetzungen beschäftigt und diese zum Teil auch bereits publiziert hatten.
Das Ergebnis war, dass nun (fast) jeder von ihnen seine eigene Übersetzung rundum verteidigte und zu Kompromissen kaum bereit war. Dies sehe ich auch nicht als bösen Willen, sondern als ganz natürlich: Wenn man lange um bestimmte Wendungen gerungen hat, ist man natürlich von deren Qualität bzw. Richtigkeit überzeugt und nicht so leicht bereit, nun etwas anderes zu akzeptieren, was aber wieder ein anderer als das (einzig) Wahre ansieht ...
Ich erinnere hier nur an die Streitfrage der Äonen vs. Ewigkeiten.
Hinzu kommt, dass man Texte bzw. Übersetzungen, an die man sich gewöhnt hat, auch nur ungern verändert sehen will. Auch die Frage, inwiweit die musikalische Form (und welche: russische, griechische, serbische usw.) auch eine Rolle spielt; was sich nach so genannten "byzantinischen" griechischen Melodien singen lässt, ist für die russische Musiktradition oft schwerer adaptierbar und umgekehrt.
Fazit: Nach drei Sitzungen gab die Gruppe auf - und in der Folge erschienen dann die serbische und die rumänische Edition der Liturgie (und jetzt die neuen Gebetbücher), was eine Einigung in Zukunft nicht unbedingt leichter machen wird.
Trotzdem denke ich, sollten wir ggf. bald einen neuen Versuch starten, wobei ich meine, dass eine solche "Einheitsübersetzung" vor allem den Segen der Bischöfe braucht - und dann eine gewisse, wahrscheinlich nicht so kurze Zeit, bevor sie sich langsam (!) durchsetzt.
Auf jeden Fall kann und darf man Gemeinden, die bereits eine eigene deutsche Tradition im Hinblick auf Übersetzung und musikalische Form haben, nicht zwingen, diese zugunsten einer neuen einheitlichen Übersetzung aufzugeben, wenn sie dies nicht selber wollen. Da muss sicher "Einheit in der Vielfalt" möglich sein.
Hinzu kommt sicher noch ein Aspekt: Es gibt doch aufs Ganze gesehen nur sehr wenige Gemeinden bzw. Gottesdienststätten, die ganz, überwiegend oder regelmäßig Deutsch als liturgische Sprache verwenden; und solange nur gelegentlich etwas (oder auch gar kein) Deutsch verwendet wird, stellt sich die Frage der Einheitlichkeit der Übersetzung so nicht. Man nimmt dann eben, was man hat bzw. womit man ein wenig vertraut ist und was praktisch angeordnet ist. So wird m.W. in vielen, wohl den meisten Gemeinden als Apostolos und Evangeliar die (katholische) Ausgabe von Prof. Kunzler (Paderborn) mit der "Einheitsübersetzung" als biblischem Text verwandt, einfach, weil es sich um sehr schön gestaltete und sehr praktische Editionen handelt, nicht, weil die Orthodoxe Kirche damit die Einheitsübersetzung kanonisiert hätte.