Gottesdienste in der Hohen (Kar-) Woche

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Milo
Beiträge: 966
Registriert: 19.06.2009, 23:00
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Gottesdienste in der Hohen (Kar-) Woche

Beitrag von Milo »

Grüß Gott miteinander!

Vielleicht könnte v. Peter (oder jemand anders) etwas erläutern zu diesem Thema!?
Ich denke es ist angebracht zu wissen was die Kirche "durchlebt" in dieser Zeit, an jenen Tagen.

Hier ein "kleiner Leitfaden" (Ordnung in unserer Gemeinde) von mir.

04. April ? Hoher Mittwoch
+Liturgie d.Vorgeweihten Gaben
+Vesper und Hl. Sakrament der Krankenölung

05. April ? Hoher Donnerstag
+Göttliche Liturgie
+Vesper mit Lesung der 12 Passionsevangelien

06. April ? Hoher Freitag
+Königliche Stundenlesung
+Vesper mit Grablegung und Verehrung des Grabtuches Christi ? Die Klage der Gottesmutter
+NACHTWACHE (Grabeswache)

07. April ? Hoher Samstag und Verkündigung der Allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Mariä
+Göttliche Liturgie
+NACHTWACHE (Grabeswache)

08. April ? PAS?CHA - Ostersonntag
+Osterprozession und Göttliche Liturgie

09. April ? Ostermontag
+Göttliche Liturgie

10.April - Osterdienstag
+Göttliche Liturgie


Wie läuft es bei Euch ab? Schafft Ihr es an allen Diensten teilzunehmen?

Freue mich auf Antworten, und noch mehr auf diese lehrreiche Gottesdienste in der Hohen Woche.

Euer fragfreudiger

br. milo
protopeter
Priester
Beiträge: 698
Registriert: 24.07.2006, 21:21
Wohnort: Salzburg

Einige zusätzliche Erläuterungen...

Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo, liebe interessierte Forumsmitglieder !

Zunächst einmal sei es gestattet, darauf hinzuweisen, daß die Feierlichkeiten der Großen Woche und des Hochfestes der Lichten Auferstehung Unseres Herrn sowohl durch ihr Wesen als auch entsprechend dem Inhalt nicht nur den Höhepunkt des gesamten Kirchenjahres darstellen - Ostern wird (gemäß dem Wort des Kirchenvaters Amphilochios von Ikonion) als Fest der Feste apostrophiert; darin eingeschlossen ist auch die endgültige Sinngebung unseres Glaubens, die Wiedererrichtung und Befestigung der gottmenschlichen Gemeinschaft.

In den diversen gottesdienstlichen Feiern wird des - wie es in orthodoxer Terminologie heißt - Geheimnisvollen Abendmahls in der Liturgie des Großen Donnerstags gedacht; die Lesung der Passionsevangelien erinnert an den Lauf des Geschehens von den Ereignissen im Garten von Gethsemane bis hin zur Grablegung des Herrn.

Die Gottesdienste des Großen Freitags (an diesem Tag wird keine Liturgie gefeiert) bedenken das Erlösungsgeheimnis des Kreuzestodes Christi - Entsprechendes wird auch in den gottesdienstlichen Texten und Hymnen zum Ausdruck gebracht. Eine Besonderheit dieses Tages ist das sogenannte Königliche Stundengebet, das aus einer kombinierten Lesung der 1., 3., 6. und 9. Stunde mit den darangefügten Typika besteht. Innerhalb der Stundengebete finden sich zudem Lesungen aus den Prophetenbüchern, aus den Apostelbriefen und den vier Evangelien, die auf das Passionsgeschehen Bezug nehmen.

Während des Vespergottesdienstes des Großen Freitags wird das Grabtuch Christi aus dem Altarraum in die Mitte der Kirche getragen; zudem findet während des Morgengottesdienstes des Großen Samstags - entsprechend der jeweiligen Möglichkeiten - gemäß den für diesen Gottesdienst erstellten Vorgaben auch eine Prozession mit dem Grabtuch in der oder um die Kirche statt. Eine Besonderheit dieses Gottesdienstes, der in der Praxis meist sofort angeschlossen wird, ist die Lesung des 17. Psalmenkathisma - Psalm 118 (119) - das gewöhnlicherweise gelegentlich Begräbnissen gelesen/gesungen wird; in diesem Fall folgt einem jeden Psalmvers eine hymnische Strophe, die auf die heilbringende Passion des Erlösers Bezug nimmt.

In der Liturgie des Großen Samstags, die - genau wie jene des Großen Donnerstags - mit der Vesper verknüpft ist, deutet sich das österliche Geschehen schon an - so werden nicht nur alttestamentliche Lesungen gehalten, die den Typos der Erlösung vorherverkünden; das Evangelium selbst bei Mt 28 gibt schon klar Zeugnis von Christi Auferstehung.

Schließlich das Osterfest selbst - das Lichte Pascha der Erneuerung - jener Kulminationspunkt, der als Hochfest eine eigene Kategorie für sich bildet, der für das orthodoxe Selbstverständnis eine so zentral-herausragende Bedeutung hat, daß man durchaus jener (im Übrigen von nichtorthodoxer Seite stammenden) Definition, dergemäß die Orthodoxie als Kirche der Auferstehung zu begreifen sei, zuzustimen vermag. Die Symbolik des Lichtes, der Triumph des Lebens über Tod und Vergänglichkeit, die Grundlegung des ersten Tages der neuen Schöpfung - dies alles erweist die gewaltigen Dimensionen dieses Festes. Im Ostergeschehen verdeutlicht sich die wahrhafte All-Einheit ziwschen Schöpfer und Schöpfung, wird auch die Berufung der Christen in ihrer Gotteskindschaft in besonderem Sinne deutlich.

Es wünscht allen, die kommenden Tage im Bewußtsein dieser Erlösungswahrheit mit Gottes Segen zu verbringen
Erzpr. Peter
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Tamira
Beiträge: 43
Registriert: 24.09.2006, 11:28

Beitrag von Tamira »

Hallo,

ich war gestern Abend das erste Mal hier in Berlin in der Griechisch-orthodoxen Gemeinde, um mich nach den Gottesdienstzeiten zu erkundigen.

Palmensonntag:
Orthros und Göttliche Liturgie
Passionsgottesdienst

Montag:
Passionsgottesdienst

Dienstag:
Passionsgottesdienst

Mittwoch:
Das Heilige Sakrament der Krankensalbung

Gründonnerstag:
Heute Vormittag war die Orthros und Göttliche Liturgie mit Eucharistie,
heute Abend sind dann die Lesungen der 12 Evangelien 18-22 Uhr

Karfreitag:
Große Stundengebet 9-10.20 Uhr
Kreuzabnahme: 17-18.30 Uhr
Grablegung unseres Herrn mit Prozession: 19-22 Uhr

Karsamstag:
Orthros und Göttliche Liturgie mit Eucharistie
Der Auferstehung-Gottesdienst beginnt um 22.30 Uhr; um 0.00 Uhr findet dann die Feier der Auferstehung mit dem Metropoliten Augoustinos statt.

Ostersonntag:
Um 12 Uhr wird der Metropolit die Vesper der Liebe feiern. Das Evangelium wird in vielen Sprachen vorgelesen. Im Anschluss sind alle zum traditionellen Osterfest eingeladen. Es wird das Osterlamm gegessen bei griechischer Musik und griechischen Wein.

Ich freue mich schon sehr darauf.

Was bedeutet eigentlich Orthros und göttliche Liturgie? Leider ist alles in Griechisch, soweit ich gestern schon mitbekommen habe. :( Aber ich fand es super nett, daß mir gestern eine Griechin ein wenig erzählt hat, wie es abläuft, aber richtig verstanden habe ich es nicht, leider. Sie hat nur was mit einem Glas, Öl, etwas anderen (Weihrauch?) erzählt, was dann vor die Ikone gestellt wird. Kann mir ener hier bitte mal etwas genauer alles erklären? Ich möchte doch MITFEIERN und nicht nur zugucken.

Bei uns gibt es die Osterkerze, die am Osterfeuer entzündet wird. Das Feuer wird dann weiter gereicht. Wie geht das alles in der Orthodoxen Kirche? Ein Heftchen gibt es wohl leider nicht für den Gottesdienst.

Welche Lesungen werden heute und in den nächsten Tagen gelesen? Ist die Orthodoxe Bibel eigentlich mit der Einheitsübersetzung identisch? Weiß das jemand? Ich frage nur damit ich weiß ob es sinnvol ist mir die Texte dann in meiner Bibel anzuschauen. Wie gesagt: ich möchte die Gottesdienste wirklich MITFEIERN und nicht nur als Zuschauer fungieren.

Ich habe das ganze noch vom Sonntag bis Mittwoch für Br. milo vervollständigt. ;-) Habe Deinen Beitrag erst vorhin gelesen.
Zuletzt geändert von Gast am 06.04.2007, 09:26, insgesamt 1-mal geändert.
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protopeter
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Beitrag von protopeter »

Liebe Tamira !

Zu Ihren Fragen im Folgenden einige Antworten:

1. Orthros wird in der Orthodoxen Kirche der Morgengottesdienst (Matutin) genannt; Göttliche Liturgie ist der eucharistische Gottesdienst

2. Der Orthros des Osterfestes beginnt mit einer Prozession um die Kirche währenddessen die Gläubigen brennende Kerzen in Händen tragen; nach ursprünglicher Tradition wird dieser Umgang dreimal durchgeführt. Vor dem Portal der Kiche angekommen, beginnt der Morgengottesdienst - in der griechisch-byzantinisch geprägten Orthodoxie wird das Auferstehungsevangelium bei Lk 24, 1-12 gelesen; danach wird dann zum ersten Mal der Festgesang (Troparion) des Osterfestes gesungen: "Christus erstand von den Toten, da Er den Tod durch den Tod zertrat und denen in den Gräbern das Leben gab". Danach erfolgt der Einzug in die Kirche und der weitere Fortgang des Gottesdienstes - unter anderem wird der Kanon der Auferstehung gesungen, der auf den Hl. Johannes v. Damaskus zurückgeht und das Mysterium der allumfassenden Erlösung poetisch beschreibt. In dessen Rahmen wird auch die Osterpredigt, die nach der Überlieferung dem Hl. Johannes Chrysostomos zugeschrieben ist, verlesen. Nach dem Orthros wird gewöhnlicherweise die Göttliche Liturgie zelebriert.

Ihr Wunsch nach Mitfeier ist durchaus verständlich, doch sollte auch klar sein, daß in aller gebotenen Kürze es nicht möglich sein kann, Ihnen sämtliche gottesdienstliche Texte zu übersetzen. Nichtsdestoweniger hoffe ich aber doch, daß diese Grundinformationen Ihnen ein wenig weiterhelfen; für detailliertere Ausführungen - inklusive Hinweise auf die Schriftlesungen und gottesdienstliche Texte - rate ich Ihnen, die Webseite www.orthodoxfrat.de zu konsultieren.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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Tamira
Beiträge: 43
Registriert: 24.09.2006, 11:28

Beitrag von Tamira »

Ewiges vergelts Gott Erzpr. Peter!
Die Info war erst einmal sehr hilfreich. :-)


Ich werde mal schauen, daß ich spätestens nach Ostern eine Termin mit einem der Priester vereinbare, damit ich es erklärt bekomme. Wenn alles klappt bin ich im Sommer in Griechenland für fast 5 Wochen, unter anderem auch Maria Himmelfahrt. Da möchte ich schon richtig mitfeiern können.

Liebe Grüße und allen noch 2 gnadenvolle und gesegente Tage bevor wir das Fest der Auferstehung feiern.
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