Orthodoxe Kirche = Ostkirche ?
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protopeter
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Die von mir genannten zivilisatorischen Faktoren beziehen sich in erster Linie auf die unterschiedliche kulturell-historische Entwicklung, die im Abendland (seit Renaissance und allerspätestens seit der Aufklärung) vor allem mit dem Entwurf einer "humanistischen" Sichtweise des Christentums verbunden ist. Kann das orthodoxe Ethos damit in irgendeiner Weise in Einklang gebracht werden ?
Noch eine Anmerkung zu dem von Ihnen Gesagten: Die ihrem Sendungsauftrag vollends entsprechende und somit absolut notwendige Hinwendung der Orthodoxen Kirche zur "Welt" impliziert in keiner Weise einen im Grunde ideologisch gefärbten Ökumenismus, der uns als "Pflicht" auferlegt werden soll und der - mag man es drehen und wenden, wie es einem beliebt - letzten Endes in der Abwendung von der gottmenschlichen Synergie hin zu humanistisch-diplomatischen Kompromissen seine Erfüllung findet !
Sie sagten es schon und ich stimme Ihnen hier wirklich vollinhaltlich zu - die Orthodoxe Kirche sollte durchaus ihrer Pflicht und moralischer Verantwortung zu einer würdigen Darstellung in der Öffentlichkeit wahrnehmen; dies ist ein wesentlicher Weg, klärend zu wirken. In diesem Kontext darf es keine Abgrenzungen oder Isolationsversuche geben, hier sind Begegnungen äußerst wesentlich - es sei mir in diesem Zusammenhang erlaubt zu erwähnen, daß mir gerade heute das Angebot, im Rahmen des akademischen Programms der Universität Innsbruck eine Gastvorlesung zu halten, gemacht wurde.
Bei all diesen Aktivitäten erscheint eine Sache von größter Wichtigkeit - Zeuge für die offenbarte Wahrheit zu sein; diese mit Verständnis und Liebe, aber auch mit unbeirrbarer Festigkeit und Kompromißlosigkeit zu verkünden, muß als vornehmstes Ziel gelten.
Brüderliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, ob sie in Einklang gebracht werden muss. Der Kommunismus entsprach ja auch nicht orthodoxen Ansichten und wurde nicht in "Einklang" mit Orthodoxie gebracht! Ferner: Die Kirche hat sich im Osten wiedersetzt, der Kommunismus ist -zwar nicht vollends überwunden, dennoch- am sterben, die Kirche lebt.protopeter hat geschrieben:Lieber Br. Sebastian, die Gnade Unseres Herrn sei mit Ihnen !
Die von mir genannten zivilisatorischen Faktoren beziehen sich in erster Linie auf die unterschiedliche kulturell-historische Entwicklung, die im Abendland (seit Renaissance und allerspätestens seit der Aufklärung) vor allem mit dem Entwurf einer "humanistischen" Sichtweise des Christentums verbunden ist - ist. Kann das orthodoxe Ethos damit in irgendeiner Weise in Einklang gebracht werden ?
Wobei ich nicht soweit gehen würde Kommunismus und Aufklärung auf eine Ebene zu stellen...
Das meinte ich doch gerade nicht! Es stand im Kontext der von Ihnen eingebrachten Frage nach einem Bezug zwischen Ökumene und Sendung. Ich erklärte darauf hin -zum wiederholten Male- dass das Stiften von Einheit (unter gleichen) meines bescheidenen Wissens Aufgabe/ Auftrag der einen Kirche sei.Noch eine Anmerkung zu dem von Ihnen Gesagten: Die ihrem Sendungsauftrag vollends entsprechende und somit absolut notwendige Hinwendung der Orthodoxen Kirche zur "Welt" impliziert in keiner Weise einen im Grunde ideologisch gefärbten Ökumenismus, der uns als "Pflicht" auferlegt werden soll und der eigentlich die Abwendung von der gottmenschlichen Synergie hin zu humanistisch-diplomatischen Kompromissen sein würde !
Ich komme mir manchmal vor, als würde ich von vielen hier als "Kompromissdümmerchen" angesehen - ich hoffe das trifft nicht zu
Ich hoffe doch sehr, dass sie annehmenSie sagten es schon und ich stimme Ihnen hier wirklich vollinhaltlich zu - die Orthodoxe Kirche sollte durchaus ihrer Pflicht und moralischer Verantwortung zu einer würdigen Darstellung in der Öffentlichkeit wahrnehmen; dies ist ein wesentlicher Weg, klärend zu wirken. In diesem Kontext darf es keine Abgrenzungen oder Isolationsversuche geben, hier sind Begegnungen äußerst wesentlich - es sei mir in diesem Zusammenhang erlaubt zu erwähnen, daß mir gerade heute das Angebot, im Rahmen des akademischen Programms der Universität Innsbruck eine Gastvorlesung zu halten, gemacht wurde.
Vollkommen richtig!Bei all diesen Aktivitäten erscheint eine Sache von größter Wichtigkeit - Zeuge für die offenbarte Wahrheit zu sein; diese mit Verständnis und Liebe, aber auch mit unbeirrbarer Festigkeit und Kompromißlosigkeit zu verkünden.
Einen Lieben Gruss aus der schönen Hansestadt Hamburg sendet Ihnen zu.
Sebastian
p.s. Dank für die Segenswünsche... Gedenken Sie meiner im Gebet.
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protopeter
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Über Ihre Antwort freue ich mich, weil ich sehe, daß wir uns - bei allen Unterschieden in gewissen Haltungen - doch verstehen (wenn wir uns auch manchmal etwas umständlich ausdrücken!
1. Natürlich können Orthodoxe Kirche und Ideologien - gleich welcher Ausprägung sie sein mögen - niemals unter einen Hut gebracht werden; wie Sie richtig feststellen, konnte die Kirche (wenn auch oftmals unter entsetzlichen Opfern) die ihr auferlegten Prüfungen, die auf sie durch menschengemachte Ideologien kamen, überwinden. Hierzu noch eine kleine Ergänzung: Sämtliche politische Systeme der Moderne tragen in sich als Wurzel eine (zum Teil mißinterpretierte) Abart von Humanismus und Aufklärung, wodurch der Mensch zum "Maß aller Dinge" stilisiert wird...
2. Die Anmerkung über "Kompromiß" bezog sich nicht umittelbar auf das hier von Ihnen Ausgesagte - sie war als weitere Ausdeutung gedacht; im Übrigen konnte angesichts einiger Ihrer Aussagen im Rahmen anderer Forumsdiskussionen durchaus der Eindruck von Kompromißfreudigkeit Ihrerseits entstehen. Ich würde es trotz aller möglichen Vorbehalte dann allerdings in keiner Weise für angebracht halten, Sie deshalb als "Kompromißdümmerchen" zu sehen !
3. Meine Zusage zur Vorlesung steht schon, der Termin muß noch endgültig fixiert werden; ich gebe Bescheid !
Herzliche Grüße aus Salzburg,
Erzpr. Peter
Hallo lieber Vater Peter !1. Natürlich können Orthodoxe Kirche und Ideologien - gleich welcher Ausprägung sie sein mögen - niemals unter einen Hut gebracht werden; wie Sie richtig feststellen, konnte die Kirche (wenn auch oftmals unter entsetzlichen Opfern) die ihr auferlegten Prüfungen, die auf sie durch menschengemachte Ideologien kamen, überwinden. Hierzu noch eine kleine Ergänzung: Sämtliche politische Systeme der Moderne tragen in sich als Wurzel eine (zum Teil mißinterpretierte) Abart von Humanismus und Aufklärung, wodurch der Mensch zum "Maß aller Dinge" stilisiert wird...
Segnen Sie!
in diesem Kontext (auch wenn es etwas vom Thema abführt) fand ich die Absage (wenn das noch der aktuelle Stand ist) einiger EU Staaten sehr bedauerlich, dass der Herr Gott keinen Platz in der -dann sowieso erst mal auf Eis gelegten- europäischen Verfassung fand.
Sicherlich haben mit der Aufklärung auch positive Impulse in der gesellschaftlichen Entwicklung stattgefunden, doch trenten andere Gott vom Menschen (evtl. nicht ganz korrekt ausgedrückt).
Ich denke es ist Gott alleine Dank und Ehr' dafür, dass die Orthodoxe Kirche in all diesen Jahrhunderten kontinuierlich den Kurs beibehielt; den Menschen/ Gläubigen den Weg Gottes zeigte und auf der andren Seite -nach Christi Vorbild- auch eine gerechte Sozialansicht hatte (zu der einige christlichen Gemeinschaften nach Hexenverbrennung, Folter, Ablasshandel etc erst einmal wieder finden mussten - [total political uncorrect ausgedrückt
Anders ausgedrückt, die "humanen", gerechten Leitbilder der Aufklärung brauchte die OK nicht, da sie diese auch schon vorher durch Christus selbst hatte. Daher ist es auch nicht von so großer Bedeutung, wenn große Teile der Aufklärung an großen Teilen der OK vorbeigingen.
Liebe Grüsse!
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protopeter
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Sagen wir es so: Das orthodoxe Menschen-, und Gesellschaftsbild kennt kein "Entweder-Oder"; der grundsätzliche Zugang läßt sich auf das Prinzip des "Sowohl-Als auch" gründen. In diesem Sinne ist der allgemeine Bildungsaspekt der Aufklärung natürlich auch von unserem Standpunkt aus zu bejahen - hier wurden, wie aus der Geschichte bekannt, wesentliche Grundlagen befestigt.
In der Orthodoxen Kirche gab es im 18. Jahrhundert einen Bischof namens Evgenios Voulgaris, der als europäischer Universalgelehrter galt und der versuchte, die Kluft zwischen einer rein nach humanistischen (und somit deistisch, agnostisch oder letztlich atheistisch ausgeprägten) Prinzipien orientierten Auffassung und den christlichen Offenbarungswahrheiten zu überbrücken; von diesem Bemühen zeugen einige Schriften, die relativ weite Verbreitung fanden - dieser Hierarch war in Konstantinopel und Rußland tätig, absovierte zudem auch Studien in England und Deutschland.
Der von mir schon mehrmals genannte Archimandrit Justin Popovic stellte dem "reinen" Humanismus sein Konzept des "Theohumanismus" - die christliche Weltanschauung, gegründet auf das gottmenschliche Erlösungsmysterium - gegenüber. Einzig auf dieser Basis kann gläubige Existenz in allumfassender Fülle zum Ausdruck kommen, ist auch eine entsprechende Weltsicht (wie sie beispielsweise auch Vater Seraphim Rose vertrat) möglich.
Herzliche Grüße sendet
Erzpriester Peter
Für Justin Popovič war von Schlüsselbedeutung jene Evangeliumsstelle im Sendschreiben des Apostel Paulus an die Epheser (4,12-13), wo der Ausdruck ?zu gelangen zum vollkommenen Menschen, im Maß des Wuchses der Fülle Christi? den Sinn aller menschlichen und persönlichen und allgemein menschlichen Anstrengungen bedeutet, in religiöser und philosophischer, in humaner und humanistischer Hinsicht. Vater Justin unterstreicht parallel mit dem neutestamentlichen Anthropozentrismus oder genauer Christozentrismus, einen vollkommeneren und humaneren Humanismus, genauer gesagt Gottes Humanismus (= Theohumanismus), so dass er auch die ganze christliche Philosophie, die ganze orthodoxe Theologie und Anthropologie verband zu einer einheitlichen Anthropologie. Denn das ganze Verhältnis und die Lösung der Frage nach Gott und dem Menschen betrachtet er und löst er und durchlebt er ausschließlich in Christus, dem Gottmenschen, der von allem Neuen, das Neueste und das einzig Neue unter der Sonne ist, entsprechend dem Ausdruck des hl. Johannes Damascenus, wenn dieser den heiligen Salomon paraphrasierend verbessert (Prediger 1,9). Oder ähnlich den Worten des hl. Maxim des Bekenners: «Christus ist das Maß von allem und allen, und man darf Christus nicht messen oder mit irgend jemand und irgend etwas erläutern, sondern Christus ist das Maß und die Erklärung von allem».protopeter hat geschrieben:
Sämtliche politische Systeme der Moderne tragen in sich als Wurzel eine (zum Teil mißinterpretierte) Abart von Humanismus und Aufklärung, wodurch der Mensch zum "Maß aller Dinge" stilisiert wird...
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Der von mir schon mehrmals genannte Archimandrit Justin Popovic stellte dem "reinen" Humanismus sein Konzept des "Theohumanismus" - die christliche Weltanschauung, gegründet auf das gottmenschliche Erlösungsmysterium - gegenüber. Einzig auf dieser Basis kann gläubige Existenz in allumfassender Fülle zum Ausdruck kommen, ist auch eine entsprechende Weltsicht (wie sie beispielsweise auch Vater Seraphim Rose vertrat) möglich.
Herzliche Grüße sendet
Erzpriester Peter
Der Bote
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Ehre sei Dir oh Herr
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protopeter
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protopeter
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Lieber Vater!protopeter hat geschrieben:Ist also - von dem bisher Gesagten ausgehend - eine abendländisch geprägte Orthodoxie denkbar; nach welchen Grundlagen müßte sich diese orientieren ?
Segne!
Ich verstehe ehrlich gesagt Deine Frage nicht. Welche andere Grundlage als die Lehre Jesu und seiner Apostel sollte das Fundament - in Reinkultur
*grübel*
Liebe Grüsse
Sebastian
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protopeter
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Deine Gegenfrage ist bereits die entsprechende Antwort, denn genau hier ist der entscheidende Punkt: Die unveränderte, unveränderliche und ewiggültige Grundlage der Orthodoxie ist die Botschaft von der Gottmenschlichen Heilszuwendung - und zwar unabhängig von allen denkbaren kulturell-geographischen Gegebenheiten.
Von dieser Wahrnehmung ausgehend kann und muß eine Definition der Orthodoxen Kirche als einzig "östlich" endgültig ausgeschlossen werden; die Universalität der Botschaft des Evangeliums bestimmt eben auch den allumfassenden Sendungscharakter unserer Kirche.
Es grüßt brüderlich
Erzpr. Peter
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Rene
Was bedeutet ORTHODOX?
im Zuge des bisher gesagten und im Erleben, dass es noch Menschen gibt, die von Orthodoxie noch nichts gehört haben, überlege ich, wie man diesen Menschen in einigen Worten die Orthodoxie erklären kann.
Was denkt Ihr? Wie kann man in aller Kürze erklären was Orthodoxie bedeutet?
Wenn ich vom Wort ausgehe, kann man sagen:
Ortho-dox kommt von doxa= Ehre, Preis / ortho= recht, also geht es um "das rechte Preisen", die Gesamtkirche konnte sich darauf berufen.
Kann man dies noch gut verständlich ergänzen ohne bei anderen Abirrungen zu landen?
L.G. Rene