orthodoxe Christen besser verstehen

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Walter
Beiträge: 443
Registriert: 01.06.2006, 18:53

Beitrag von Walter »

rafailia hat geschrieben:was mich wirklich gestoert hat, ist das die Orthodoxie als frauendiskreminierend dargestellt wird.. muss man nicht sprechen, wenn die Orthodoxie beleidigt wird?
Liebe Rafailia,

ganz unabhängig von der inhaltlichen Qualität dieses Textes, glaube ich wirklich nicht, dass es Absicht der Frau war, weder dich noch die Orthodoxie zu beleidigen. Die angebliche "Frauendiskriminierung" hat sie, auch wenn keine Quellen angegeben sind, wie Vater Theodor hier auch schon angemerkt hat, von Professor A. Kallis übernommen, der immerhin jahrelang Vorsitzender der KOKiD hier in Deutschland war. Da Herr Kallis leider einer der wenigen orthodoxen Theologen ist, der überhaupt viel in deutscher Sprache publiziert, wird seine Meinung oft als die der Orthodoxen Kirche in Deutschland gleichgesetzt. Was die Rolle der Frau in der Orthodoxie in der Kirche angeht, gibt es natürlich auch andere Meinungen. Jedoch was das Diakonat der Frau und die Rolle der Frau in der frühen Kirche angeht, vertritt hier im Forum sogar Vater Peter eine ähnliche Ansicht wie Kallis und das gewiss nicht in der Absicht, die Orthodoxie zu beleidigen. Daher finde ich es bedenklich, der Textautorin so etwas zu unterstellen.
rafailia hat geschrieben:Ich glaube, es gibt bessere Quellen. Ich stimme protokrini zu, sie muesste ihre heterodoxen "Thesen' wenigstens belegen.
Fuer jem der etwas ueber unseren Glauben erfahren wollen, ist das nichts.
Natürlich gibt es bessere Quellen, sowohl von Orthodoxen wie von Heterodoxen. Aber gerade orthodoxe "Selbstdarstellungen" neigen leider oft dazu, die Orthodoxie als eine vor tausend Jahren erstarrte Religion anzusehen und jegliche Änderungen vehement zu verteufeln (besonders wenn sie westlichen Ursprungs sein könnte). Das wird der Orthodoxie, die ja in besonderer Weise (verglichen z.B. mit der römischen) von ihrer (Einigkeit in) Vielfalt lebt, m.E. aber auch nicht gerecht. Gerade Menschen, die sich wie hier aufgrund einer Urlaubsreise einen kurzen Einblick in die ihnen ansonsten unbekannte Orthodoxie machen wollen, werden durch Texte, die mehr den Westen kritisieren als davon unabhängige Aussagen über die selbst Orthodoxie enthalten, eher verärgert davon abgeschreckt, sich weiter mit dem Thema zu befassen.

LG
Walter
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rafailia_3
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Beitrag von rafailia_3 »

Lieber Walter.
Ich glaube nicht, dass es orthodoxe Frauen gibt, die kirchliche Texte als frauendiskreminierend empfinden(?) oder "Priesterinnen" werden wollen. Oeffentlich wurde so etwas noch nie hier diskutiert.Frauen koennten nach der Orthodoxie nur Diakone werden. Aber das ist zur Zeit nicht ueblich und ich sehe auch keinen Grund dafuer, ich glaube, es gibt wichtigere Themen, ueber die die Glauebigen nachdenken und sich beschaeftigen muessen.
Ich verstehe Deinen zweiten Einwand nicht so ganz. Fuer uns Orthodoxe Christen ist die Orthodoxie die Wahrheit und es gibt keine "Fehler", deswegen braucht sich auch nichts zu aendern, vor allem durch westlichen Einfluss. Und ich glaube, auch fuer heterodoxe ist eine Religion, die ueber sich selbst zweifelt, auch nicht ganz glaubwuerdig...!!

Eine "Touristeninformation" ueber die Orthodoxie braucht keine solchen "Thesen" und Problematiken zu enthalten, oder? Ich glaube, eine historische Darstellung, eine grobe Erklaerung des Glaubenssatzes und eine Auflistung der orthodoxen Denkmaeler, Kirchen und Kloester vor Ort muessten genuegen. Diese Texte sollten auch nicht den Westen kritisieren, damit ich nicht missverstanden werde, sondern nur von der Orthodoxie an sich handeln.
prorokini
Beiträge: 84
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Beitrag von prorokini »

Die Dame betrachtet die Orthodoxie aus ihrer eigenen Perspektive. Sie ist schließlich eine Pastorin. Viele Pastorinnen kritisieren alle Kirchen, die keine Priesterinnen haben, nicht nur die orthodoxe, sondern auch die katholische und andere Kirchen deswegen. Würde sie diesen Kirchen "Recht geben" und sagen: Frauen können nicht Priester sein, dann wäre sie ja selber in ihrer Existenz bedroht, denn die Gegenfrage wäre: "Warum üben Sie denn dieses Amt aus?" :D
Es grüßt Euch,
Prorokini.
rafailia_3
Beiträge: 141
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Wohnort: Griechenland

Beitrag von rafailia_3 »

Genau! Ich stimme prorokini voll zu!
Walter
Beiträge: 443
Registriert: 01.06.2006, 18:53

Beitrag von Walter »

prorokini hat geschrieben:Würde sie diesen Kirchen "Recht geben" und sagen: Frauen können nicht Priester sein, dann wäre sie ja selber in ihrer Existenz bedroht, denn die Gegenfrage wäre: "Warum üben Sie denn dieses Amt aus?"
Die "Existenzbedrohung" ist wohl leicht übertrieben: Ev. Pastoren wie Pastorinnen, leiten ca. 1 Stunde/Woche einen Gottesdienst, die "Sakramente" Taufe und Abendmahl (andere gibt es dort nicht) werden meist nur einmal im Monat gespendet.

Ansonsten geben sie in ihrer Arbeitszeit Religionsunterricht, leisten Büroarbeit oder humanitäre Dienste, organisieren Altennachmittage, Gesprächskreise usw. ? zu etwa 95% also Dinge, die sie als Frau in der orthodoxen Kirche auch tun dürften. ;)
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prorokini
Beiträge: 84
Registriert: 27.05.2007, 19:30

Beitrag von prorokini »

Ich habe nachgedacht?und ich denke, ja, mit "Existenzbedrohung" habe ich zu schweres Geschütz aufgefahren. Schließlich würde sie in der orthodoxen Kirche nicht umgebracht. :D
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