UE - wie Ungeschaffene Energien.

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Nassos
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Registriert: 18.12.2008, 21:43

UE - wie Ungeschaffene Energien.

Beitrag von Nassos »

Es wurde schon einige Male die Frage nach den Unerschaffenen Energien Gottes gestellt. Im Strang "H - wie Hypostasen" wurde das filioque angesprochen, daraus ergab sich dann eine Diskussion über das Wesen der Hypostasen und das Sehen, Fühlen, ... Gottes.

Als Einleitung möchte ich die damaligen Kommentare hier reinstellen (auf die Stellen zu den Ungeschaffenen Energien gekürzt):
Albert hat geschrieben:Man könnte das philosophisch so ausdrücken: Der Westen hat hauptsächlich eine essentialistische Denkart und der Osten eher eine existentialistische Verständnisweise Gottes. Wobei das zwar eigentlich Vereinfachungen sind aber doch schon treffen.
Die Gefahr im Westen ist dabei Gott zu einem rationalen Erkenntnisobjekt zu machen oder vielleicht auch in eine moralische Instanz .
Gott ist aber ein lebendiges Gegenüber eine Person. Gott ist im Wesen unerkennbar teilt sich aber mit in seiner Eksistenz, seinem Wunsch uns zur Vergöttlichung zu führen, aber nicht in seinem Wesen sondern in seinen Energien.
Das ist klargelegt in der Energienlehre des Palamas und leider geht das im ökumenischen Dialog unter,den dies ist der Punkt an dem der Westen viel lernen könnte.
Immerhin gibt es katholischerseits Menschen, die hier offen sind. Ich nenne mal Michael Kunzler oder Gilbert Greshake. Zudem sind die Anliegen schon auch nicht ganz untergegangen so zum Beispiel bei Cusanus oder im Gebet des einfachen Christen, der ja nicht einen philosophischen Erkenntniswunsch über die Natur Gottes hat, sondern Gott begegnen möchte.

Das ist ein sehr interesantes Thema
Albert hat geschrieben:Der Osten hat im Rückgriff auf andere Kirchenväter und auch in der Verteidigung der mystischen Gebetserfahrung, ein zum einen apophatisches Verständnis, was beinhaltet das über das Wesen Gottes in sich nichts ausgesagt werden kann, außer dem Ausgang der Personen vom Vater und zum anderen verteidigt er das Ziel des Menschen in der Vergöttlichung, was eine Teilhabe an Gott nicht seines Wesens nach sondern in seinem ungeschaffen Außenbezug oder vielleicht besser der liebenden Kommunikation nach bedeutet. Darüber können die Orthodoxen selber aber bestimmt besser berichten, meine Sätze werden da immer verschachtelt.
Sinaitis hat geschrieben:Es wurde schon mehrmals auf die göttlichen Energien hingewiesen, das ist sehr richtig. Ich habe sie nur deshalb nicht in die Diskussion hineingebracht, um nicht zu viele Baustellen gleichzeitig aufzureißen,
Aber eine kleine Fußnote soll daran erinnern, daß die Energienlehre ja von den Lateinern als Häresie verurteilt wurde (auch die Unierten feiern den hl. Grigorios Palamas NICHT - siehe das Orologion von Grottaferrata sowie das Liturgikon von Edelby) und Palamas selbst ja Ketzer erklärt wurde. Das wurde von einem lateinischen Konzil bislang nicht offiziell revidiert und der große Heilige wurde auch nicht rehabilitiert. Es wird ihm wenig ausmachen, da wir ihn geziemend feiern.
Albert hat geschrieben:Das stimmt so nicht die Energienlehre wurde nie offiziell verurteilt. Es gab sehr viel Polemik und sicher auch Unkenntnis aber ein Urteil gab es nie. Ich finde in der Energienlehre eine bedeutende Wahrheit über Gott der auch hinausführt aus einer reinen aristotelischen-scholastischen Theologie.
Albert hat geschrieben:Es geht um das Wesen Gottes in sich, -jetzt und in Ewigkeit unerkennbar für den Menschen -und Gott in seinen ungeschaffen Energien die untrennbar von Gott sind und deren wir teilhaft werden können. Formuliert von Palamas in Auseinandersetzung mit dem Mönch Barlaam.
Aber ich denke das können die Orthodoxen im Forum besser erklären.
.

Ich hoffe, dies motiviert zu mehr.

Lieben Gruß,
Nassos
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Ieseanul
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Re: U-E - wie Ungeschaffene Energien.

Beitrag von Ieseanul »

Die Auseinandersetzung mit der Orthodoxen Kirche bzw. mein Interesse an der Orthodoxie bringt es mit sich, dass ich mich - ein natürlicher Prozess, wie ich finde, damit befasse, was ich selbst bisher geglaubt habe bzw. was ich glaube.
Weil ich kein Lutheraner bin und mich deswegen sagen wir auch nicht "verplichtet" sehe, die Lehre Martin Luthers als das "Ende der Fahnenstange" zu bezeichnen, gibt mir dieser Umstand eine gewisse Freiheit, dazu zu lernen und mich gleichzeitig immer wieder auch zu fragen, welche Lehre die Kirche Jesu Christi denn nun wirklich vertritt. Dabei stoße ich nicht immer (eigentlich fast nie) auf echte Widersprüche. Das hat nichts mit "Gleichmacherei" zu tun, natürlich gibt es in der Praxis eine Menge Unterschiede, auch in theologischer Hinsicht, aber mir geht es bisher so, dass ich jetzt nicht wirklich sagen könnte, mit welchen Punkten und Themen in der Orthdoxen Theologie ich mich wirklich schwer tun würde.

Ich habe mich mal einen Abend hingesetzt und mal bewusst versucht, herauszufinden, was Grigore Palamas lehrt und worin seine Lehre über die Ungeschaffenen Energien besteht. Im Internet kann man ja einiges dazu nachlesen.
Um ehrlich zu sein, ich frage mich im Umkehrschluss, wie man zu der Ansicht gelangen kann (oder gelangen konnte) dass die Göttlichen Energien "geschaffen" sein sollten. Vielleicht eine "dumme" Frage, aber alles andere außer die Lehre, dass Gottes Energien eben ungeschaffen sind, erscheint mir im Vergleich zu dem, was in der Bibel steht, nicht als logisch. Wie soll Gott, der ungeschaffen ist (Joh. 1,1-3) seine Energien, d.h. das, was für uns erfahrbar ist, geschaffen haben ?
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Geschichte vom Propheten Elia am Horeb (1. Könige 19,1-18). Gott wird für Elia erfahrbar, Ihn selbst kann Elia aber nicht sehen (V.13), "...er verhüllte sein Angesicht mit seinem Mantel und ging hinaus ...", ist da zu lesen.
Wenn ich als Mensch, d.h. als Geschöpf, Gott erfassen könnte, wäre Gott nicht mehr Gott, da ich in meiner Begrenztheit, die auch meine Sinne und meine Auffassungsgabe einschließt eben nur das erfassen kann, was - wie ich - begrenzt und geschaffen ist. Also kann ich Gott nur erfahren, aber nicht erfassen.
In Offenbarung 22,4 steht folgendes: "... und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen..." . Diesen Zeitpunkt definiert die Bibel für die Zeit, nach dem der HERR wiedergekommen ist, dann aber ist die Erde und die alte Schöpfung Vergangenheit.
Ich will jetzt keine Bibelarbeit halten, ich bin aber als Evangelikaler so geprägt, dass ich mit der Bibel arbeite und so an theologische Fragen herangehe.

Die Auseinandersetzung zwischen Palamas und Barlaam ist allerdings sehr "hochtheologisch", ich frage mich auch, ob viele Orthodoxe überhaupt konkret wissen, was sich hinter dem der Lehre von Palamas wirklich verbirgt und worin der Streit zwischen Barlaam und ihm bestand, was ich aber sehr interessant finde, ist, was dort sagen wir mal geistlich gesehen passierte. Barlaam hatte wohl Anhänger, durchgesetzt hat sich bzw. bewahrt hat die Kirche die Wahrheit und damit die Lehre von Grigore Palamas.

Gottes Segen !
"Das Buch der Bücher gleicht einer Quelle, die beständig fließt und um so reichlicher strömt, je mehr man daraus schöpft."
(Hl. Johannes Chrysostomus)
"Cartea Cărţilor se aseamănă cu un izvor care curge in continuu şi care cu atât mai bogat va curge, cu cât cineva va lua din el ."
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