Ökumenischer Kirchentag 2010
Ökumenischer Kirchentag 2010
Aber mich würde trotzdem interessieren, was der Anteil der orthodoxen Kirche auf dieser Veranstaltung war. Ich habe was von "gemeinsamen Abendmahl" zwischen angeblichen Katholiken und Protestanten gehört...
Frau Käßmann ist mal wieder aufgefallen...
Doch (Gott sei Dank?) hört man nichts von der orthodoxen Kirche hierzu.
Weiß jemand näheres?
Gruß,
Nassos
Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Ich fand es ja lustig, als die Schlagzeile kam "Käßmann lobt Pille als Gottesgeschenk". Komisch, konnte sie nicht Kinder als ein solches loben?
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
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Andromachi
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Ja, was soll ich sagen? Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll.
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Was findest du worüber du dich freuen könntest?Andromachi hat geschrieben:Von meiner Freundin in München habe ich erfahren, dass der ökumenische Kirchentag ein "großer Erfolg" war. Weil es kein gemeinsames Abendmahl geben konnte, hat man sich auf eine gemeinsame Vesper mit Artoklasie geeinigt. So würde das Volk etwas "handfestes" abbekommen. Es haben sich über zwanzig tausend Leute versammelt. Man hat über hundert Körbe voll mit Broten herumgetragen und verteilt. Jede Gemeinschaft hat in ihrer Sprache gesungen und dann wurde die selbe Hymne auf Deutsch gesungen. Die griechisch-orthodoxe Gemeinschaft war sehr aktiv in der ganzen Veranstaltung.
Ja, was soll ich sagen? Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll.
Und über was könnte man traurig sein?
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Andromachi
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Nachdem ich durch andere Verpflichtungen leider keine Zeit hatte, mich mit einem Beitrag zu melden, versuche ich es heute nach einiger Zeit wieder einmal.
Die orthodoxe Kirche hat eine klare Position zur „Ökumene“. Für die Russisch-Orthodoxe Kirche ist diese im Dokument „Grundprinzipien der Beziehung der Russischen Orthodoxen Kirche zu Andersglaubenden“ zusammengefasst. Dort heißt es unter anderem:Nassos hat geschrieben:...mich würde trotzdem interessieren, was der Anteil der orthodoxen Kirche auf dieser Veranstaltung war. Ich habe was von "gemeinsamen Abendmahl" zwischen angeblichen Katholiken und Protestanten gehört...
„Die Orthodoxe Kirche kann keine ‚Gleichheit der Denominationen' anerkennen. Die von der Kirche Abgefallenen können nicht in dem Zustand wieder mit ihr vereinigt werden, in dem sie sich jetzt befinden, die vorhandenen dogmatischen Divergenzen müssen überwunden werden, nicht einfach umgangen. Das bedeutet, dass der Weg zur Einheit ein Weg der Buße, der Umkehr und der Erneuerung ist.“
Auf dem Kirchentag hat es wohl kein gemeinsames Abendmahl gegeben, lediglich geweihtes Brot wurde in einer Vesper an alle Gläubigen verteilt. Auch zu diesem Thema ist die orthodoxe Position eindeutig:
„Die Einheit der Kirche ist vor allem Einheit und Gemeinschaft in den Sakramenten. Aber die wahrhafte Gemeinschaft in den Sakramenten hat nichts mit der Praxis der sogenannten ‚Interkommunion’ gemein. Einheit kann nur verwirklicht werden in der Übereinstimmung der Gnadenerfahrung und des Lebens, im Glauben der Kirche, in der Fülle des sakramentalen Lebens im Heiligen Geist.“
Speziell zur Ökumenischen Bewegung, die ihren Ursprung primär im protestantischen Umfeld hat, heißt es weiter:
„Zwar besteht kein Zweifel daran, dass das Zeugnis der Orthodoxen Kirche der andersglaubenden Welt gegenüber notwendig ist, doch die Frage nach den konkreten Formen dieses Zeugnisses, insbesondere nach der Zweckmäßigkeit der Teilnahme der Orthodoxen Kirche an der Ökumenischen Bewegung und an den internationalen christlichen Organisationen, war und ist weiterhin Gegenstand eines unaufhörlichen aufmerksamen Studiums. Die Orthodoxen Lokalkirchen erkennen an und erinnern die Andersglaubenden ständig daran, dass das Hauptproblem der Ökumene die Spaltung und nicht die Einheit ist; sie haben die Entscheidung getroffen, an der Ökumenischen Bewegung und den ökumenischen Organisationen sozusagen ‚von innen her’ teilzunehmen und auf konstruktive Weise eine kritische Position einzunehmen. Man kann nicht sagen, dass diese Frage für das orthodoxe Gewissen und Bewusstsein unstrittig ist. Die Orthodoxen sehen, dass in der Ökumenischen Bewegung sowohl ein aufrichtiges Streben nach Einheit als auch gleichzeitig ein ganzes Spektrum von Irrtümern und unrichtigem Denken in der Glaubenslehre vorhanden ist, die sich im Verlauf der christlichen Geschichte gezeigt haben. Im Zusammenhang damit ergab und ergibt sich mehrfach die Frage: Sind die Ökumenische Bewegung und ihre institutionalisierten Formen wie auch die Rolle, die Orthodoxe darin spielen, ein geeignetes und wirkungsvolles Mittel für das orthodoxe Zeugnis? Wäre es nicht besser, einfacher und vernünftiger, Distanz zu wahren, von außerhalb zu sprechen und von Anfang an die Unvereinbarkeit der grundlegenden Voraussetzungen sowie auch die wesentlichen Divergenzen in der Formulierung der Aufgaben und letzten Ziele zu betonen? Während sie jedoch an der Ökumenischen Bewegung teilnehmen, erklären die Orthodoxen völlig bestimmt und unzweideutig, dass sie die andersglaubende Sicht der Ökumene nicht teilen. Für Orthodoxe wichtig ist nicht, was die Ökumenische Bewegung gegenwärtig darstellt, sondern was die Ökumenische Bewegung sein und werden könnte, wenn der ‚Sauerteig' des orthodoxen Zeugnisses weise und geduldig in ihr wirkt.“
Ich denke, mit diesem etwas umfangreicheren Zitat ist vieles gesagt. Trotzdem ein paar persönliche Anmerkungen bzw. Erfahrungen von mir noch dazu. In unserer westlichen Gesellschaft ist die orthodoxe Kirche relativ unbekannt. Wenn nicht gerade mal ein ZDF-Fernsehgottesdienst aus einer orthodoxen Kirche gesendet wird oder ein öffentlich-rechtlicher Reporter die Wolga oder Sibirien bereist, kommt kaum diese in den Medien und auch im gesellschaftlichen Bewusstsein vor.
Umso wichtiger ist es, zu zeigen, dass die Orthodoxie existiert, auch dadurch, dass orthodoxe Gläubige bei derartigen Veranstaltungen vor Ort sind. Ich habe in den letzten Jahren des öfteren Vorträge über die Orthodoxe Kirche gehalten. Das waren Vorträge vor Gruppen katholischer oder evangelischer Gemeinden oder in Klassen von Berufsschulen. Ich stellte mit Freude fest, welche „Aha-Erlebnisse“ die Zuhörer hatten. Ältere katholische Gläubige kamen auf mich zu mit der Aussage, „Ja, so ähnlich tief und facettenreich wäre ihr Glauben und ihr Leben in der Kirche auch früher gewesen“. Jugendliche – anscheinend moslemischen Glaubens – waren erstaunt darüber, das es im Christentum Fastenzeiten gibt,Askese eine wichtige Rolle spielt und der Glauben auch im alltäglichen Leben gelebt wird.
Ich möchte damit einfach sagen, dass es wichtig ist, dass sich die Orthodoxe Kirche zeigt. Natürlich nicht im Sinne der Vorstellung einiger Vertreter der ökumenischen Bewegung, wie oben geschildert, und auch nicht im Sinne einer aggressiven Missionierung, wie es andere Glaubensgemeinschaften oder auch Sekten tun. Sondern darin, dass die Orthodoxe Kirche zeigt, dass sie da ist, dass sie mehr bietet, als es in diesem Lande lebende üblicherweise kennen. Ob ein Mensch dann dadurch zum rechten Glauben findet, hängt dann immer noch von Gottes Vorsehung ab.
In diesem Sinne sehe ich auch das Orthodoxe Forum als einen wichtigen Anlaufpunkt an, einiges mehr dazu schrieb ich in einem anderen Artikelbaum dazu. Danke an dieser Stelle an die Moderatoren und die Mitschreiber, die mit viel Engagement es gestalten.
Zu guter Letzt noch dazu:
Ich bin mir nicht sicher, ob das Zitat von Metropolit Augoustinos nicht aus einem umfassenderen Kontext gerissen worden ist. Es wäre sicherlich nützlich, die ganze Äußerung vorliegen auch von anderer Seite, nicht nur von der katholischen Presseagentur, zu haben.Nassos hat geschrieben:http://www.kath.net/detail.php?id=26727
Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll....
In Christo
Igor
Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
vielen herzlichen Dank für Deinen sehr interessanten und lehrreihen Beitrag! Ich kann mich damit intendifizieren und bete, dass wir nicht auch irgendwann mal zu einem Reformhaus verkommen.
Dein Engagement mit den Vorstellungen in allen Ehren. Ich möchte hierzu auch meinen kleine Beitrag leisten und den Kollegen im Betrieb außerhalb der Arbeitszeit im Rahmen eines Kulturprogrammes auch unsere Kirche vorstellen und etwas zur Orthodoxie erzählen.
Ich werde speziell diesen Link später mit mehr Zeit und Ruhe durchgehen, das sind ja einige Seiten!
Und natürlich auch vielen Dank für die Würdigung der Arbeit. So etwas motiviert ungemein!
Aber bitte auch mit konstruktiver Kritik nicht zurückhalten, der Thread Userkommentare bietet hierfür den richtigen Bereich.
Eine schöne Pfingstwoche wünscht,
Nassos
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Mops
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
eine wirkliche Ökumene kann es nur zwischen den OK geben.
Alles andere ist ganz einfach unehrlich. Wie soll ich die Protestanten da einbeziehen, in Ermangelung der apostolischen Sukzession oder ihrer Ablehnung der Gottesgebährerin gegenüber? Wie den Katholizismus mit den Irrlehren zum Primat und dem filioque usw... von den noch bestehenden Verbannungen gegen alle die nicht glauben was Rom vorschreibt?
Es wird ständig von "den anderen" geredet, vom Papst usw... Was kann uns das interessieren? Sind wir einzelnen Menschen zu irgendetwas berufen dahingehend?
Auf dem Sinai haben alle Väter, egal ob Einsiedler, Abt, Priester oder "einfacher" Mönch ganz wichtig eine Aussage hervorgehoben, wir müssen zu allererst auf uns selbst sehen, auf unsere Fehler, Sünden usw.... damit haben wir genug zu tun.
Zu missionieren steht uns nicht zu, dies geschieht durch die Liturgie schon...
L.G.
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Mops
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
vielen Dank für Deinen Beitrag.
Selbstverständlich darf die Ökumene nie auf Kosten der Wahrheit erfolgen (das ist dann keine Ökumene sondern eine Panhäresie).
Jedoch sollten wir uns nicht abschotten, beten wir doch für die Einheit der Kirche. Und zur Göttlichen Liturgie können die Leute erst dann entscheiden zu kommen (oder auch nicht), wenn sie überhaupt wissen, dass es so was gibt.
Diese zwei Punkte (keine Anbiederung/Reformhausierung und Offenheit/Dialog) sind sehr wohl auseinander zu halten.
Wichtig ist - wie du hervorhebst - auch auf uns selber zu schauen, unseren Glauben zu leben (und zu pflegen). Nur wenn wir wissen, wer wir sind und "wo wir herkommen", können wir auch wissen, "wo wir hinwollen".
LG,
Nassos
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Wie können versuchen,die Ökumene aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
An sich können wir nicht sagen, dass Protestanten sich von der Wahrheit abgespalten haben - sie haben sich von der Katholischen Kirche abgespalten, als eine Reaktion auf die Fehlentwicklungen in dieser, und ihr bestreben war von anfang an, zur Wahrheit zu gelangen - auch wenn es letzlich nicht geklappt hat. Und da die protestantische Kirche eine ecclesia reformata semper reformanda ist, also nicht nur eine reformierte Kirche, sondern auch eine Kirche, die sich immer aufs neue reformiert, sucht sie die Wahrheit immernoch. Die manigfaltigen Richtungen der Reformation haben auf praktischer Ebene gezeigt, dass der wahre Glaube nicht wiederhergestellt wurde, was dann zur Gründung des WKR und der Ökumenischen Bewegung überhaupt geführt hat. Das Ziel dieser am Anfang rein protestantischen Bewegung ist, die Konfessionen im Wahren Glauben, in Christi zu vereinen. An sich ein Lobenswertes vorhaben.
Da die Orthodoxe Kirche seit ihrer Gründung den wahren Glauben wahrt und zu diesem nicht erst zu kommen braucht, hat sie sich auch längere Zeit nicht der Bewegung angeschlossen. Aus verschiedenen Gründen, unter anderem wegen gemeinsamen Friedensinteressen, ist die Entscheidung für den Eintritt in den WKR doch gefallen. Aber das Ziel dabei war niemals gewesen, etwas am Glauben zu ändern - sondern Gemeinsam für bestimmte "Werte" einzutreten und die Heterodoxen in ihrer Suche zu unterstützen.
Und wenn es zu Kritik im Zusammenhang der Ökumenischen Bewegung kommt, sollten wir nicht diese selbst kritisieren, sondern Vertreter der Orthodoxe, die ihre Aufgaben nicht verstehen oder andere Ziele verfolgen. Dieses geschiet auch, jungstes Beispiel ist die konziliare verurteilung von Prof. A. Osipov, der auf einer Ökumenischen Tagung ein Dokument unterzeichnete, dass die orthodoxe Glaubenslehre über die Eucharestie in protestantische Richtung verzerrte.
In Christo,
L. Alexej
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Re: Ökumenischer Kirchentag 2010
Vollkommen richig!Mops hat geschrieben:zudem steht JEDEM frei eine orthodoxe Liturgie zu besuchen, wenn er mag, nach dem Motto "KOMM UND SIEH"!
Nur es sollte wohl heissen:
zudem steht JEDEM frei eine orthodoxe Liturgie zu besuchen, wenn er mag, nach dem Motto "KOMM UND SIEH" und VERSTEH!
Nur da tut sich manch eine Kirche sehr schwer damit; man ist doch sehr darum bemüht für die eigenen Leute in erster Linie da zu sein und in zweiter Linie als Kulturverein zu fungieren und die Gesellschaft links liegen zu lassen.
