100 Fragen an die Orthodoxie
Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Jedoch scheint ein anderer Punkt drin zu sein, der nun nicht der persönlichen Meinung eines Theologieprofessors (oder etwa doch?) entpsricht, sondern - nach seinen Worten - historischer Fakt ist.
Es geht um den Zölibat. In der orthodoxen Kirche gibt es ja verheiratete Diakone und Priester, jedoch keine verheirateten Bischöfe. Dies soll in der alten Kirche mal anders gewesen sein. Stimmt das so oder pfeift hier der gleiche Wind wie bei der Frauenordination?
Danke und Gruß,
Nassos
Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Petrus hatte eine Schwiegermutter und vom Bischof Synesios von Ptolomais im 5. Jahrh. wissen wir, daß er verheiratet war und blieb auch nach der Bischofsweihe und sogar darauf bestanden hatte, daß man ihm zubilligt, daß er mit seiner Frau und zwar als echte Ehegattin in seinem Bischofshaus wohnt.
Im Petrusbrief wird über den Bischof gesagt, daß er nur einmal verheiratet sein darf. Es könnte also jederzeit geändert werden, daß Bischöfe nicht unbedingt aus dem Mönchsstand kommen müssen. Dieses "Gesetz" ist ein menschliches, kein göttliches.
Andererseits hat es einen tiefen geistlichen Sinn. Wir erwarten von den Bischöfen, daß sie große geistliche Gestalten und Führer sind, daß sie die Gabe der Unterscheidung haben und daß sie echte "Theologen" sind, also von Gott her zu den Menschen sprechen und sie auferbauen. Das können sie nur aus der "Theosis" heraus, aus der Erleuchtung von Gott her. Diese kann jedem Menschen, auch sogar verheirateten Priestern, geschenkt werden, aber wir gehen davon aus, daß Mönche sich in besonders intensiver Weise darum mühen, weshalb wir auch davon ausgehen, daß wir dort bessere Theologen und Bischöfe finden müßten.
Aber ganz unter uns, der wahre Grund ist: Bischöfe aus dem Mönchsstand haben keine Schwiegermütter!!!!
(mittlerweile scheint es allerdings Mode zu werden, daß geschiedene Priester Bischöfe werden, in der griechischen Kirche kenne ich glücklicherweise keinen Fall)
Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Lieber Sinaitis, verstehe ich Euch recht, dass die priesterliche Möglichkeit die Wandlung zu bewirken (bzw. wirksam darum zu bitten) dann folgerichtig vom Bischof abgeleitet ist und nicht originär (als eigene) besteht? Herzliche Grüße, Allons!Sinaitis hat geschrieben:Ich glaube aber, daß weder aus der Schöpfungsordnung noch aus der Erlösungsordnung, die Evagrius dargestellt hat, das Priestertum abgeleitet und begründet werden kann, sondern einzig und allein aus der Einsetzung des Priestertums zusammen mit der Heiligen Eucharistie "am Abend vor Seinem Leiden". "Tut dies zu meinem Gedächtnis" im Sinne von: Tut IHR dies zu meinem Gedächtnis.
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Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Das sehe ich genauso wie Du. Ich sehe hierin keinen Gegensatz zu meinen Überlegungen zur Schöpfungsordnung. Das Weihepriestertum leitet sich aus der Stiftung Christi ab. Aber er gab es den Zwölf, die ja auffallenderweise ausschließlich Männer waren, weil der Neue Bund, die Gnade die Ordnung der Schöpfung, die Natur nicht einfach aufhebt. Aber nun wirklich genug...Sinaitis hat geschrieben:Ich glaube aber, daß weder aus der Schöpfungsordnung noch aus der Erlösungsordnung, die Evagrius dargestellt hat, das Priestertum abgeleitet und begründet werden kann, sondern einzig und allein aus der Einsetzung des Priestertums zusammen mit der Heiligen Eucharistie "am Abend vor Seinem Leiden". "Tut dies zu meinem Gedächtnis" im Sinne von: Tut IHR dies zu meinem Gedächtnis.
Evagrios Pontikos
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Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Hier hat nicht nur ein bzw. zu stehen. Der Priester BITTET darum. Nichts anderes.Allons hat geschrieben:dass die priesterliche Möglichkeit die Wandlung zu bewirken (bzw. wirksam darum zu bitten)
Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
im Unterschied zur römisch-katholischen Kirche, die die Wandlung der Gaben beim Sprechen der Herrenworte in persona Christi ("Dies ist mein Leib...") im eucharistischen Hochgebet sieht, betrachet dies die orthodoxe Kirche dies nach der Herabrufung des Hl. Geistes ("...sie durch Deinen Heiligen Geist verwandelnd.").
Dies wirkt sich zum Beispiel auf den Zeitpunkt der Epiklese aus (vor oder nach den Einsetzungsworten).
Durch den jeweiligen Aufbau, ist die römisch-katholische Kirche klar christologisch orientiert, während die orhthodoxe Kirche pneumatologisch orientiert ist. Ist das nur in diesem Falle so oder ist das eine "generelle Ausrichtung"?
Vielen Dank und Gruß,
Nassos
Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
es gibt auch in den katholischen Hochgebeten die Epiklese. Nur hat sich seit der Scholastik die Betrachtung der Eucharistie ganz auf die vom Priester gesprochenen Einsetzungsworte konzentriert. Seit dem II Vaticanum wird die Epiklese mehr betont.
Dennoch, es stimmt , der Westen hat vor allem was die Gläubigen betrifft, keine so lebendige Beziehung wie die Orthodoxie zum Heiligen Geist. Das ist manchmal sehr traurig! Es gibt zwar gute theologische Bücher zum Heiligen Geist aber vor Ort geht es in den Predigten, dem Empfinden der Gläubigen und selbst in den Gebeten kaum um ihn.
Ich selbst beginne meine Gebetszeit mit dem "Himmlischer König..." ein wunderbares Gebet!
Gruß Albert
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Andromachi
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Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Re: 100 Fragen an die Orthodoxie
Ja, in der Röm.-kath. Kirche heißt es "N. N. ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes."
εν τη ημέρα ταύτη
αναμαρτήτους φυλαχθηναι ημας.
(aus: Große Doxologie)