Joseph hat geschrieben:Nassos hat geschrieben:Dazu müsste wohl das Jurisdiktionssystem abgeschafft werden. Viel Spaß dabei.
Nassos, von dem "Spass" den wir hier in NA damit haben habe ich doch schon des öfteren berichtet. Leider bin ich, in europäischen Foren, oft auf taube Ohren und Unverständnis bis hin zur perönlichen Beileidigung gestoßen. Nun lassen wir uns allerdings nicht von einigen "Querschlägern" davon abbringen das jurisdiktionelle Durcheinander abzuschaffen... Die Jurisdiktionen welche nicht mitmachen bleiben, in langer Sicht, auf der Strecke und lösen sich, durch Überalterung und Insularität, so langsam auf. Ich schrieb aber schon davon und will das hier nicht wieder aaufrollen...
Gruß
Joseph
Also nochmal lieber Joseph,
verstanden hat du's bestimmt, aber akzeptieren willst du's einfach nicht.
Wir sind hier in Europa und nicht in NA.
Das ist und bleibt ein Unterschied. Die orthodoxen Ethnien, wie du sie gerne nennst, sind nicht hier (z.B. Deutschland, aber genauso Österreich und andere ähnliche Länder) mit derselben Absicht, die Emigranten haben wenn sie in die Amerikas - Nord wie Süd - auswandern. Sie kommen hierher um zu arbeiten oder heiraten jemanden von hier aber geistig haben viele ihre Heimat nicht verlassen. Warum auch? Sie sind hier genauso noch in Europa wie in ihrem Heimatländern und das ist allen bewusst. Sie essen, trinken, feiern, fühlen, lieben und leiden so wie sie es in ihren Ländern machen würden. Ihre Länder sind verglichen mit dem amerik. Kontinent einen Pups entfernt; Auto, Bus, Zug und Flugzeug alles ist möglich. Man lebt und arbeitet hier in erster Linie und hat sich mal mehr, mal weniger angepasst an das Leben hier; manchmal hat man deutsche Freunde - meistens kaum. Denn die Einheimischen sind nicht wirklich sehr fremdenfreundlich wobei sie immer noch klare Unterschiede machen zwischen Ausländern aus Europa und den denen die entweder Moslems sind oder von Übersee.
Ich beziehe mich in meinen Text vor allem auf die Migranten orthodoxer Herkunft hier bei uns. Das wir uns richtig verstehen.
Sie sind seit Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu uns gekommen um beim industriellen Aufbau mitzuhelfen. Zuerst hiessen sie Gastarbeiter und Jahre später Migranten; Als Gastarbeiter werden sie von den Einheimischen eigentlich bis heute angesehen und die Politik hat ganz bewusst das Wort Migranten ausgewählt anstelle des Wortes Einwanderer, denn das hätte auf mehr Wiederstand der lokalen Bevölkerung getroffen. Von diesen Gastarbeitern waren bis zur Öffnung Osteuropas nur Griechen und Serben als Orthodoxe bei uns. Später kamen die anderen hinzu und dadurch ist die orthodoxe Gemeinschaft die drittgrösste Konfession in Deutschland.
Nur sehr zögerlich öffnen sich die einzelnen Kirchen den Bedürfnissen anderstämmiger Menschen die zu ihnen stossen und sich ihnen anschliessen. Man sieht sich in erster Linie zuständig für die eigenen Leute und deren geistigen Bedürfnisse. Die wollen meist auch nichts anderes als dass die religiösen Werte weiter gegeben werden und die Kultur auch im Ausland gepflegt wird. Wie sollte auch anders sein: man hat lediglich innerhalb Europas den Wohn- und Arbeitsplatz gewechselt.
Viele leben und arbeiten hier bis zur Rente und kehren dann nach Hause zurück.
So viel zu den "ethnischen" Kirchen hier und deren Gläubigen, die einfach als Europäer nicht in einen deutschsprachigen Einheitsbrei verpanscht werden wollen.
Nun zu unseren lieben Konvertiten:
Die es ja in gaaanz sanft wachsender Anzahl hierzulande gibt, (Konvertiten zum Islam gibt es allemal mehr; nur so als Vergleich) sind immer noch verschwindend gering und die sich auf fast alle orthodoxen Gemeinschaften hier verteilen.
Griechen und Russen teilen sich wohl die meisten, gefolgt von den Serben und anderen. Sie sind oft auf einsamer Spur oder haben angeheiratet. Alle zeichnet eine grosse Geduld aus, denn die muss man haben, wenn man hierzulande orthodox werden möchte.
Da gibt es allerdings auch solche die dann meinen, eine Familienslava feiern zu müssen, weil man sich der serbischen Kirche angeschlossen hat; es gibt solche die essen nur noch Russisch und wieder andere die können nicht begreifen, dass in einer nicht-griechischen Kirche die Dinge manchmal anders laufen und sind sehr irritiert. Das hat sich auch mit dem immer noch ziemlich schepsen Verhältnis der meisten Deutschen zur eigenen Nationalität zu tun.
Die die ins Kloster wollen werden meist jot-weh-deh geschickt und sind eigentlich ganz froh diese verkommene Gesellschaft verlassen zu haben.
Natürlich gibt es auch die, die sich um die Orthodoxie verdient machen und Bücher übersetzen (dabei aber oft ihre persönlichen Vorlieben mehr berücksichtigen als was auch noch so notwendig wäre) oder deutschsprachige Gottesdienste organisieren oder eben dieses Forum. Aber im grossen und ganzen kann man sagen, dass sich die einzelnen nicht wirklich drum reissen den anderen, der halt einer anderen orthodoxen Kirche angehört kennenzulernen, geschweige denn mal sich daran zu machen, einen Verein zu gründen; eher unüblich für deutsche Verhältnisse.
Denn, man mache sich nichts vor: bevor die Deutschen und jene die sich in diesem Land und seiner Sprache verpflichtet fühlen, sich nicht organisieren, lokal sowie überregional, dann wird das nichts mit einer, wie auch immer gearteten, deutschen Orthodoxie.
Die deutsche Konferenz orthodoxer Bischöfe wird in dieser Hinsicht nicht viel bringen, denn keiner von denen kann sich den nationalen Interessen ihrer Heimatländer ganz entziehen und wollen es auch nicht.
Das, mein lieber Joseph, sind die Verhältnisse bis dato hier und sie sind typisch europäisch und das ist auch gut so; denn wir müssen als solche die Dinge auf unsere Art angehen und uns nicht vom grossen Bruder - ach Verzeih, du bist ja aus dem nicht so grossen Bruder - vom anderen Ufer des Teiches sagen lassen, wie's zu machen ist.
Soweit erstmal.
LG Songul
PS: Ach ja, du bist doch Rentner und hast eigentlich Zeit, dann komm doch rüber und helf mit, anstatt uns hier die ganze Zeit zu raten wie ihr das in NA macht, denn das geht hier meistens nicht so.