Antidoron und Schlusssegen

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Milo
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Antidoron und Schlusssegen

Beitrag von Milo »

Grüß Gott miteinander!

Komm ich endlich zu dem versprochenem Thema.

Was hat es an sich mit dem Antidor und Segen am Ende einer Liturgie?

Erst sei gesagt das dass Wort Antidor nicht theologisch richtig ist. Das Wort kommt wie meist aus dem Griechischen und steht für anti- anstatt , doros - Gaben, also Gabe statt den heiligen Gaben, des kostbaren Leibes und Blutes unseres HErrn. Quasi Ersatz!
Und das kann eben nicht sein, es gibt keinen Ersatz für Christus. Man nimmt Teil an der Kommunion oder nicht!
Statt dem ist korrekter das Wort (a)naphoros, oder meist Naphora genannt. Das steht für gesegnetes (also nicht gewandeltes) Brot. Dieses wird im Altar gesegnet und zum Schluss allen (also auch Katechumenen) verteilt.

Diesen Akt, zum einen, deuten manche als Symbolik für das frühere Mahl nach der Liturgie, der gemeinsamen Tafel...der Agape. Agape wurde schon in den ersten Jahrhunderten getrennt vom Gottesdienst, aus etischen Gründen. (siehe 1Kor. 11.19-34)

Wahrscheinlicher ist aber, das dieses deswegen eingeführt worden ist, da nicht so wie früher, jeder einzelne Gläubige an der Komunion auch jedes Mal teilnahm. Damals hätte er damit zum Ausdruck gebracht, das er nicht der Gemeinde, der Kirche, dem Leib Christe angehört, bzw. exkommunieziert wurde! Weil aber den Menschen auf Grund ihrer "Unwürde" der Gang zum Hl. Kelch, seitens der "würdigen" Priester immer öfter verweigert wurde, und diese dann den zweiten Teil der Liturgie verließen (wozu auch bleiben?) hat man zum Schluss das Segnen und das Verteilen des gesegneten Brotes / Naphora eingeführt. Damit also diese Menschen bis zum Schluss auch wirklich bleiben.

Ich persönlich glaube mehr an die zweite Erklärug.

In der Hoffnung mehr geholfen als verwirrt zu haben,

grüße an alle!

milo
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian »

Lieber Br. Milo,

du hast folgendes geschrieben:
Das steht für gesegnetes (also nicht gewandeltes) Brot. Dieses wird im Altar gesegnet und zum Schluss allen (also auch Katechumenen) verteilt.
und
Das Wort kommt wie meist aus dem Griechischen und steht für anti- anstatt , doros - Gaben, also Gabe statt den heiligen Gaben, des kostbaren Leibes und Blutes unseres HErrn. Quasi Ersatz!
Und das kann eben nicht sein, es gibt keinen Ersatz für Christus. Man nimmt Teil an der Kommunion oder nicht!
Das sehe ich ähnlich. Stellt sich für mich aber folgende Frage (ernst gemeint):

Was bringt das Hinnehmen des Antidoron für mich, wenn es nicht der gewandelte Leib Christi ist? >> Entsteht trotzdem dadurch eine Verbindung zu Gott? Wenn ja, wie wird es erklärt? Eucharistie/Abendmahl ist ja die unmittelbare Gemeinschaft mit Christus, oder? Was bewirkt dann das Antidoron? Wozu dient es mir und den anderen denn heute?

und:

Sollte deiner Meinung (und der Anderen) eine Trennung des Antidorons vom Gottesdienst vorgenommen werden?
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Liebe Brüder im Herrn !

Die Diskussion über das Antidoron brachte bisher sehr bedenkenswerte Argumente, die im Wesentlichen auf zwei Hauptaspekte konzentriert scheinen, ins Gespräch; hierzu ist eventuell noch Folgendes zu ergänzen:

1. Der Ursprung des Antidorons ist zunächst sicher in den christlichen Liebesmählern der ersten Zeiten zu finden - hier wurde das liturgische Tun durch den caritativen Akt ergänzt; darüberhinaus war es in den ersten Jahrhunderten seitens der Gläubigen üblich, bei den Gottesdiensten regelmäßig zu kommunizieren.

Als im späten 4. Jahrhundert das Christentum Staatsreligion und die Zugehörigkeit zur Kirche allmählich "Bürgerpflicht" wurde, zeigte sich von Seiten der Gläubigen in der täglichen Praxis allzu oft eine sehr nachlässige Haltung. Die Kirche versuchte indessen, diesen offenkundigen Mißständen gegenzusteuern - in diesem Geist dekretierte beispielsweise das Konzil "im Trullo" aus dem Jahre 692 in Kanon 80 unter Androhung von disziplinären Maßnahmen, daß es Geistlichen und Laien untersagt sei, an mehr als drei aufeinanderfolgenden Sonntagen Gottesdienste zu versäumen.

Als eine weitere Konsequenz dieser Neuorientierung ergab sich die Frage nach der "Würde" des Einzelnen, die Sakramente - in erster Linie die Eucharistie - zu empfangen; vor allem durch den wachsenden Einfluß monastischer Kreise achtete man auf die genaue Einhaltung der Kirchendisziplin, worunter vor allem auch das auf den Kommunionempfang vorbereitende Fasten zählte.

In dieser Hinsicht wurde nun von manchen das Antidoron (fälschlicherweise) gleichsam als "Ersatz" für die Eucharistie interpretiert - doch stand eine solche Auffasung niemals im Einklang mit der ursprünglichen orthodox-kirchlichen Tradition. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, daß bei diversen Kirchenvätern (ich verweise hier nur auf Nikolaos Kabasilas aus dem 15., Makarios von Korinth aus dem 18. und Feofan den Klausner aus dem 19. Jahrhundert) der (häufigere) Kommunionempfang als absolut unverzichtbare Grundlage geistlicher Existenz gesehen wird.

2. Das Antidoron ist - gerade in seiner Bedeutung der "agapé" - Ausdruck der gottmenschlichen Gemeinschaft, einer Liebesgemeinschaft, an der im eigentlichen Sinne alle teilhaben können - wie weit diese Bedeutung für Nichtorthodoxe reicht, ist eine Frage des persönlichen Gewissens. Eines ist allerdings klar: Das Antidoron kann niemals vom Vollzug des eucharistischen Gottesdienstes, der Liturgie, getrennt werden; dies ergibt sich unter anderem auch aus der "praktischen Handhabung" - das Antidoron wird aus jenen Teilen der Prosphore, die während der Liturgie nicht konsekriert werden und so nicht die eigentlichen eucharistischen Gaben sind, genommen.

Mit den besten Segenswünschen in der Liebe Christi,
Erzpr. Peter
Zuletzt geändert von Anonymous am 09.08.2006, 22:29, insgesamt 1-mal geändert.
Milo
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Beitrag von Milo »

Christus unter uns,
v. Peter segnen sie!

Danke für die weitere Erklärung bzgl. des Antidor/Naphora...
ich vergaß völlig den wichtigen Einfluss der Mönche, ab dem Zeitpunkzt als die chr. Religion zur Staatsreligion wurde. Durch den offensichtlichen Fall der Moral bei den Gläubigen wurden viele Disziplinarmassnahmen verschärft.
Ich bin aber auch überzeugt, das erst die regelmäßige Kommunion uns die beste Voraussetzung (wenn man das so sagen darf) bietet uns geistig und seelisch zu erneuern, und nicht umgekehrt. Natürlich müssen wir vorher mit dem Gewissen im Reinen stehen, bevor wir die Hl. Gaben zu uns nehmen. Sie kennen all die textuellen Stellen im Evangelium sicher besser als ich, daher zitiere ich sie mal hier nicht.

Was mich pers. interesieren würde, ist wie kam es zu dem einzelnen Segnen des Gläubigen am Ende der Liturgie oder Abendamts?
Hängt das direkt mit dem Antidor (damals agape) zusammen, oder hat es einen anderen Hintergrund in der Entstehung dessen?

Gedenken sie meiner,
ihr unwürdiger milo.
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Bruder Milo !

Ich möchte zunächst auf Ihre Frage bezüglich des Schlußsegens eingehen: Es ergibt sich zunächst aus dem Vollzug eines jeden Gottesdienstes (insbesondere der Göttlichen Liturgie), daß den Menschen die segenbringende Kraft der heiligen Handlung vermittelt werden soll. Die Funktion des Priesters, der nach orthodoxem Verständnis bei jeglichem gottesdienstlichen Wirken die Funktion des "Vorstehers" wahrnimmt, ist auch in diesem Fall auf Vermittlung und Weitergabe des Segens des Dreieinen Gottes ausgerichtet.

Die nach dem Segen gesprochene Entlassungsformel trägt in sich zunächst das Bekenntnis zum gottmenschlichen Erlösungswerk, empfiehlt die Gläubigen dann dem Schutz und der Fürbitte der Heiligen und hat (gemäß einer symbolischen Erklärung) eben auch eschatologischen Charakter.

Zu Segen, Entlassung und Antidoron merkt der Heilige Nikolaos Kabasilas (15. Jahrhundert) an: "Das empfangen sie mit großer Ehrfurcht, küssen die rechte Hand, die kurz vorher den Allheiligen Leib berührte und empfangen von da her den Segen". In weiterer Folge wird eben dann bei der Liturgie das Antidoron verteilt; somit wird klar, daß beide gottesdienstliche Abschlußhandlungen direkt miteinander verbunden sind. Die übrigen Tagzeitengottesdienste - Vesper, Orthros oder Vigil - sind in diesem Sinne von der eucharistischen Liturgie abhängig: Die individuelle Segnung am Ende dieser Gottesdienste ist unter diesem Gesichtspunkt zu erfassen, wobei es hier eigentlich keine generell-verbindliche Praxis gibt; die jeweiligen Gebräuche sind somit individuell ausgeprägt.

Natürlich haben sie vollkommen recht, wenn sie den Kommunionempfang als absolute Notwendigkeit zur Gestaltung christlicher Existenz begreifen -die eucharistischen Gaben sind gleichsam als Nahrung für unser geistliches Leben unverzichtbar; ich erwähnte schon, daß verschiedene Kirchenväter diese Ansicht mit Nachdruck vertraten. Was nun nochmals die Frage der persönlichen "Würde" anbelangt, so sei es mir gestattet, aus dem Stillgebet des Priesters zum Cherubimhymnus zu zitieren: "Niemand von denen, die durch fleischliche Begierden und Leidenschaften gebunden sind, ist würdig, heranzutreten, sich zu nahen oder Dir, König der Herrlichkeit, die Liturgie zu feiern...". Dies alles ist - sowohl für den Klerus als auch für die Laien - vor allem anderen eine Frage des persönlichen Gewissens; es kann in diesem Sinne keine "Maßeinheit" der individuellen Würde geben - all das ist einzig Gottes Barmherzigkeit und Menschenliebe anheimgestellt.

Mit den besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian »

Liebe Brüdern und Schwestern!

ich finde am Antidoron, besser gesagt an dem "Drumherum" schön, dass es einem Möglichkeit gibt mit anderen nach der Liturgie ins Gespräch zu kommen, anstatt, dass alle gleichen wieder von Dannen ziehen. Auch gibt es einem die Möglichkeit mit dem Priester ein paar kurze Worte zu wechseln. Ich habe es so empfunden, dass durch das Liebesmahl die Gemeinschaft gelebt und gefördert wird, denn wann ist schon die Gelegenheit zum Gespräch oder einfachen Umarmung?

Letzten Sonntag habe ich mich beim Genuss des gesegneten Brotes verschluckt :? daraufhin klopfte mir Anderas (deutscher Orthodoxer) auf die Schulter und sagte: "Schön, dass du da bist!"

Nach der Liturgie geht für mich der Gottesdienst ein wenig weiter, denn Gemeinschaftspflege ist für mich gleichzeitig Erfüllung der Beständigkeit:

  • Apg 2,42: Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Sebastian !

Ihre Gedanken zum Gottesdienst entsprechen durchaus orthodoxer Wahrnehmung - davon ausgehend sollte die christliche Existenz als "verlängerte Liturgie" gelten: Das Bekenntnis des rechten Glaubens muß somit in Theorie und Praxis - sowohl im Festhalten an den überlieferten Wahrheiten als auch in der konkreten, alltäglichen Handlung - erfahrbar werden.

Die Weisung des Apostels: "Betet ohne Unterlaß" (I Thess 5,17) soll so zum Wegweiser und zum absoluten Kriterium für ein "Leben aus der Liturgie" sein - dies ist die Quelle der Orthodoxie, der Kristallisationspunkt und hervorragendste Ausdruck gottmenschlicher Gemeinschaft; darin offenbart sich die Universalität unseres Bekenntnisses zum Erlösungsmysterium, werden - bildlich gesprochen - Himmel und Erde zu einer umfassenden All-Einheit.

Mit sonntäglichen Segensgrüßen in der Liebe Unseres Herrn,
Erzpr. Peter
Walter
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Beitrag von Walter »

protopeter hat geschrieben:Ihre Gedanken zum Gottesdienst entsprechen durchaus orthodoxer Wahrnehmung - davon ausgehend sollte die christliche Existenz als "verlängerte Liturgie" gelten: Das Bekenntnis des rechten Glaubens muß somit in Theorie und Praxis - sowohl im Festhalten an den überlieferten Wahrheiten als auch in der konkreten, alltäglichen Handlung - erfahrbar werden.

Die Weisung des Apostels: "Betet ohne Unterlaß" (I Thess 5,17) soll so zum Wegweiser und zum absoluten Kriterium für ein "Leben aus der Liturgie" sein - dies ist die Quelle der Orthodoxie, der Kristallisationspunkt und hervorragendste Ausdruck gottmenschlicher Gemeinschaft; darin offenbart sich die Universalität unseres Bekenntnisses zum Erlösungsmysterium, werden - bildlich gesprochen - Himmel und Erde zu einer umfassenden All-Einheit.
Danke, Vater Peter, dass Sie das in so knappen Worten und dennoch verständlich auf den Punkt gebracht haben.

Gottes Segen sei mit Ihnen!

Schöne Grüße
Walter
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian »

Vielen Dank Vater Peter!

Eine sehr schöne und knappe Verdeutlichung / Ergänzung!

Liebe Grüsse
Sebastian
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