Metanoia hat geschrieben:Liebe Geschwister im HERRN,
Über den Grund für das "Filioque" weiß ich wie gesagt nichts.
Hallo Metanoia,
ich will versuchen das wenige was ich weiss beizutragen, vielleicht wird dir es dann leichter Stellung zu beziehen.
Das Behauptung, oder Formulierung, dass
der Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht findet sich in der Auseinandersetzung mit dem Arianismus und dem Nestorianismus (Arian war ein Bischof der Kirche, der, grob gesagt, die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater verleugnet und davon ausgeht, dass Jesus ein 'Geschöpf, nicht also der Sohn des Vaters ist. (Man sieht, auch die Zeugen Jehovas haben ihre Wurzeln

) Nestorius teilt das was wir die beiden Naturen Christi nennen in zwei Wesenheiten, also Sohn Gottes und daneben (nicht in einem) Mensch. Jede Handlung oder Wesensvollzug lässt sich einer diesen beiden 'Wesen' zuordnen und die beiden sind nicht eines sondern sie sind einander 'im Band der Liebe' verbunden. Beide Positionen 'schwächen' also die Person des Sohnes. Um dem entgegenzuwirken entwickelt, und das ist für den Westen eher wichtig, Augustinus in '
De Trinitate' eine Theologie die sich im Bild darstellen lässt, das du vielleicht auch kennst: Der Vater und der Sohn hauchen sich gegenseitig 'in Liebe' den Heiligen Geist zu. (Siehe deinen eigenen Schlusssatz). Und so sieht das dann aus:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... rinity.jpg
Oder so:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... merDom.jpg
Und jetzt Rubelew
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/d ... C3%A4t.gif
So sieht es die Orthodoxie.Wir wissen nicht welche 'Person' nun der Vater, welche der Sohn und welche der Heilige Geist ist (Es gibt eine Reihe durchaus schlauer Deutungsversuche). Das was mir wichtig ist zu zeigen ist: Hier herrscht 'Personen'haftigkeit für alle Drei. Im Gegensatz zur ersten Abbildung.
Der Versuch also, den 'Sohn' zu stärken (gegen die theologischen, damals in Spanien sehr verbreiteten Gruppen der Arianer) ging also 'zulasten' der 3. Hypostase, des Heiligen Geistes. Zum ersten Mal 'offiziell' in der Synode von Toledo 446/7 benannt. Er (der Heilige Geist) wurde im Westen immer mehr zur 'Kraft' Gottes. Im weiteren Verlauf kam es immer und wieder vor, dass auch in Messen diese Formulierung auftrat. Karl der Grosse hat dann seine Hoftheologen damit beauftragt, das zu bearbeiten. 809, im Konzil von Aachen wird das filioque zum ersten Mal in das Bekenntnis eingefügt. Papast Leo III erkennt die 'Erweiterung' (bitte bedenke die politischen Verhältnisse der Zeit) als orthodox an, weigert sich aber den Zusatz als festen Bestandteil einzufügen. Er ordnete an, dass die Franken damit aufhören sollten, diesen Zusatz in den Messen zu gebrauchen. Diese sind ungehorsam.
Heinrich II verlangt bei seiner Inthronisation 1014 die 'Erweiterung' zu beten und Papst Benedikt VIII nimmt dann die Formel 'offiziell' in das Nizänum auf. Im Übrigen gegen die eindeutige Warnung des Bekenntnissdokumentes selber, das jeden der etwas zu dem (ursprünglichen) Text des Nizänums hinzufügt oder wegnimmt das 'Anathema' auferlegt. Also die Exkommunikation. Du siehst rein rechtlich gesehen, hat sich der Westen exkommuniziert.
Jetzt ein paar Gedanken, warum wir so 'komisch' auf einen Halbsatz reagieren.
So lautet das allererste unserer Einleitungsgebete, das also jeder orthodoxe Christ am Beginn jeden Gebetes, öffentlich oder privat, spricht
"
Himmlischer König, Tröster,
Geist der Wahrheit,
Allgegenwärtiger und alles Erfüllender,
Hort der Güter und Lebensspender,
komm und wohne in uns,
reinige uns von allem Makel
und rette, Gütiger, unsere Seelen."
Und so das 3. Gebet aus unserem täglichen Abendgebet, das an den Heiligen Geist gerichtet ist:
Herr, himmlischer König, Tröster, du Geist der Wahrheit, sei mir gnädig und erbarme dich meiner, deines unwürdigen Dieners. Vergib und verzeih mir Unwürdigem alles, womit ich heute als Mensch wider dich sündigte, denn nicht nur wie ein Mensch, schlimmer als ein Tier sündigte ich vor dir. Vergib meine vorsätzlichen Sünden, die bewußt und die nicht bewußt begangenen, die der Jugend, die aus böser Lehre, die aus Ungeduld und die aus Trägheit begangenen Übertretungen. Habe ich bei deinem Namen geschworen oder demselben in meinen Gedanken gelästert, machte ich jemandem Vorwürfe, kränkte oder verleumdete ich ihn im Zorn, wurde ich böse, habe ich gelogen oder aber unmäßig geschlafen, kam ein Armer zu mir, und ich habe ihn verachtet, betrübte ich meinen Bruder oder geriet mit ihm in Streit oder richtete ich gar jemanden, erhöhte ich mich selbst oder wurde ich hochmütig, oder ergrimmte ich, betete ich, und mein Geist war doch von der Arglist dieser Welt gefangen, dachte ich an Verführung, habe ich unmäßig gegessen, getrunken oder sinnlos gelacht, sann ich Arglistiges oder wurde in meinem Herzen verwundet, da ich die Güte eines anderen sah, habe ich unwürdig gesprochen, meinen Bruder ob seiner Sünde verhöhnt, während meine eigenen Sünden unzählig sind, war ich nachlässig im Beten, und alles, was immer ich Böses getan habe, dessen ich mich nicht erinnere, und noch Schlimmeres habe ich vollbracht. Erbarme dich meiner, deines verzagten und unwürdigen Dieners, mein Schöpfer und Gebieter. Erlaß, vergib und verzeih mir, Gütiger und Menschenlieber, daß ich verlorener und elender Sünder mich in Frieden niederlege, schlafe und ausruhe, danach aber wieder anbete, preise und lobe deinen allgeehrten Namen samt dem Vater und seinem eingeborenen Sohne, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.
Was ich mit diesen Zitaten bezwecke ist aufzuzeigen, dass bei uns der Heilige Geist viel stärker als im Westen als 'eigenständige' Hypostase wahrgenommen und gelebt wird. Ohne dich in irgendeine Verlegenheit bringen zu wollen: Wie oft betet ein Westler zum Heiligen Geist? .. (Ich war lange Zeit Lutheraner und ich kenne kaum ein Lied ausser: "Komm Heiliger Geist usw." dass überhaupt noch den Geist als Gott und nicht nur als 'göttlich' ansieht.) Bitte sieh, dass die pfingstlerische Art mit dem Heiligen Geist umzugehen für mich nicht das Gleiche ist wie unsere Gebete....
Metanoia hat geschrieben:Wie Sinaitis schreibt, wird dahinter wohl eine Überschätzung des menschlichen Verstandes stehen.
Nun, Vater Martinos will klar aufzeigen, dass 'Der Gott den wir begreifen' nicht Gott sondern nur unser Denkgötze ist.
Du, wir sehen den Heiligen Geist schon bei der Schöpfung, im brennenden Dornbusch, im Säuseln des Windes, im Sprechen der Profeten usw... Nicht erst an Pfingsten. Da allerdings natürlich in besonderer Weise.
Sei herzlich gegrüsst
Benedikt