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Beichte

Verfasst: 18.02.2007, 19:36
von peter
Lieber Konrad,

mich wundert, daß Du als römischer Katholik das Beichten vor dem Gottesdienst bemerkens- und nachahmenswert findest. Ist denn in der
Römischen Kirche etwa das Beichten inzwischen auch schon entfallen ?
Ich dachte immer, was die Protestanten behaupten, daß die Katholiken
in ihren Beichtzellen per Sichtgitter sogar die Ohrenbeichte abnehmen,
oder habe ich damit vielleicht eine prätridentinische oder prävatikanische
Vermutung ? Bei uns Orthodoxen ist das Beichten vor der Eucharistie am
Vorabend, nach der Nachtwache, bei der Stundenlesung oder sogar noch
während der Liturgie so selbstverständlich wie das Bekennen, Bereuen
und Büßen selber. Wie könnten wir uns der Eucharistie würdig erweisen,
ohne die Vergebung unserer Sünden zu erflehen (heute ist der Sonntag
der Vergebung) ? Das Mysterium der Beichte und der Eucharistiefeier
steht in engstem, wenn auch nicht zwingendem Zusammenhang. Die
Russische Auslandskirche war hierin bisher noch bemühter als selbst die Patriarchatskirche. Mit der Vereinigung wird das deutlich werden.

Peter aus Berlin mit Gruß nach Regensburg

Re: Beichte

Verfasst: 18.02.2007, 21:15
von holzi
Peter hat geschrieben:Lieber Konrad,

mich wundert, daß Du als römischer Katholik das Beichten vor dem Gottesdienst bemerkens- und nachahmenswert findest. Ist denn in der
Römischen Kirche etwa das Beichten inzwischen auch schon entfallen ?
Ich dachte immer, was die Protestanten behaupten, daß die Katholiken
in ihren Beichtzellen per Sichtgitter sogar die Ohrenbeichte abnehmen,
oder habe ich damit vielleicht eine prätridentinische oder prävatikanische
Vermutung ? Bei uns Orthodoxen ist das Beichten vor der Eucharistie am
Vorabend, nach der Nachtwache, bei der Stundenlesung oder sogar noch
während der Liturgie so selbstverständlich wie das Bekennen, Bereuen
und Büßen selber. Wie könnten wir uns der Eucharistie würdig erweisen,
ohne die Vergebung unserer Sünden zu erflehen (heute ist der Sonntag
der Vergebung) ? Das Mysterium der Beichte und der Eucharistiefeier
steht in engstem, wenn auch nicht zwingendem Zusammenhang. Die
Russische Auslandskirche war hierin bisher noch bemühter als selbst die Patriarchatskirche. Mit der Vereinigung wird das deutlich werden.

Peter aus Berlin mit Gruß nach Regensburg
Hallo Peter,

hier haben wir wieder einmal einen Fall, wo in der Westkirche (zumindest in Westeuropa) Anspruch und Realität krass auseinanderklaffen. In den Vorschriften der Kirche wird in der Tat gefordert, dass für den Empfang der Hl. Eucharistie das Sakrament der Versöhnung (=Beichte) empfangen worden sein soll ("kat Akrivia"). "Kat ikonomia" sollte dies mindestens einmal im Jahr geschehen.Leider hält sich in "Wischiwaschi"-Westeuropa kaum ein Priester an diese Vorschrift. Erst am Samstag hatte in unserer Pfarrei ein Priester aus Nigeria, der zur Aushilfe in Deutschland ist, in einer Predigt anlässlich seines 25-jährigen Priesterjubiläums diese Praxis scharf angegriffen und um eine genauere Beachtung dieser Vorschriften geworben. (Unser Pfarrer und ein weiterer deutscher Priester hatten einen wenig amüsierten Gesichtsausdruck dabei!) In der Tat machen es sich viele Priester aus der Konzilsgeneration durchaus leicht, indem die Beichtzeiten zuerst auf unattraktive Zeiten eingeschränkt und dann ganz ausgesetzt werden.

Ich selbst versuche, zumindest vier- bis fünfmal im Jahr die hl. Beichte abzulegen. Immerhin gibt es mit der Karmelitenkirche in Regensburg eine echte "Beichtkirche", wo jeden Tag Beichttermine sind und man bei Bedarf auch einmal ein längeres Beichtgespräch mit einem erfahrenen Mönch führen kann. In den Pfarreien auf dem flachen Land sieht's da oft sehr düster aus.

Zu meinen Beobachtungen: es kann natürlich durchaus sein, dass zum heutigen Sonntag der Versöhnung der Andrang der Beichtenden besonders hoch war. Ich war ja auch zum ersten Mal in dieser Kirche, daher kann ich das auch nicht beurteilen.

Ich wünsche Euch noch eine schöne erste Fastenwoche
Konrad