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Verfasst: 20.02.2007, 12:15
von Milo
Liebe Tamira,
über das Jesus-Gebet, wurde hier schon mal diskutiert.
Schaue unter
http://orthodoxes.forum-on.de/ftopic38.html
Herzlich,
milo
Verfasst: 01.03.2007, 21:36
von IoannesProselytos
Der Herr sei mit euch!
Ich hätte eine Frage dazu, wie die Orthodoxie die Verfasserschaft der biblischen Bücher betrachtet (die ja von der modernen Exegese so stark in Frage gestellt wird) und was sie über die Irrtumslosigkeit der Schrift aussagt?

Verfasst: 02.03.2007, 11:04
von theofan
Grüß Gott, Ioannes,
da es DIE Orthodoxie nicht gibt, versuche ich auch nicht DIE Antwort, sondern eine der möglichen:
Die historisch-kritische Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift hat seit Bultmann zu immer neuen Blüten analytischer Erkenntnis geführt, aber auch zum Totalverlust der Möglichkeit, diese Schrift ganzheitlich, synthetisch zu erfassen. Wie wenn man eine Ikone Schicht für Schicht abträgt, bis man alles von ihr weiß. Wunder wird sie dann keine mehr tun.
"Die Orthodoxie" hat deshalb erhebliche Vorbehalte gegen diese Methodik, die zwar auch Erkenntnis liefert, aber nicht die heilsnotwendige Erkenntnis, sondern eine ganz andere.
Der Kanon der Heiligen Schrift und jedes ihrer Einzelwerke ist vom Heiligen Geist inspiriert, die Schrift ist so und nicht anders in der Lage, uns zum Heil zu führen. Einschließlich aller Überschriften, Autorenschaften usw.
Jeder weiß, dass nicht jeder Paulusbrief von ihm selbst zu Papier gebracht wurde usw.
Aber die Entscheidung zugunsten des Hebräerbriefes oder anderer "zweifelhafter" Briefe war keine willkürliche, sondern eine inspirierte. Der Hinweis auf die Autorenschaft ist insofern ein Mittel zum Verständnis und für die Einordnung eines bestimmten Briefes.
Wer sich als Literaturwissenschaftler profilieren will, der muss zweifellos unterscheiden zwischen "O-Ton" Christi und Gemeindekerygma, zwischen Paulinischem und Deuteropaulinischem, usf. Wer in den Himmel kommen will, sollte sich vor solcher Selbstüberhebung über die HEILIGE Schrift in Acht nehmen.
Die Schwerpunkte in der Schriftauslegung setzt für orthodoxe Christen die Perikopentafel, die Reihenfolge der Lesungen - da gibt es keine mehr oder weniger echten Epistel, wohl aber mehr oder weniger heilswichtige, genauso, wie es auf einer Ikone mehr oder weniger filigran ausgeführte Stellen gibt.
Im Übrigen wird die Offenbarung des Johannes (fast) nicht liturgisch gelesen - hier könnte man ggf. den Vätern unserer Gottesdienstordnung eine gewisse Differenzierung unterstellen.
Auf andere Wortmeldungen gespannt
Hans-Peter
Verfasst: 02.03.2007, 11:48
von Milo
Christus unter uns!
Die kanonische Heilge Schrift ist vom offenbarten Wahrheitsgehalt Gottes her tadellos und unfehlbar. Jedoch bei der reinen historisch-buchstäblichen Deutung nicht!
Das ist eben ua. so weil in ihr alltäglichen Dinge auch festgehlaten wurden(2.Tim 4,13/Hebr 1,12) oder weil ihre Vervielfältigung und Übersetzung Schreibfehler zugelassen hat (Bsp. Vulgata). Geschweige denn wenn pseudoapostolische Bücher in den Kanon aufgenommen werden, wie zB. Petrusevangelium.
Gott sei Dank, gibt es einen Kanon denn die Kirche als wahre heilige Überlieferung erkennt! Und wie sollte es anders möglich sein, denn zuerst gab es das Wort Gottes und die Gemeinschaft mit Ihm, erst dann die Papierform des Gesagten und Erlebten.
Um die Bibel richtig zu deuten, ist es unerlässlich sich in der heiligen Kirche zu befinden, den die Bibel ist ihr Eigentum und "Produkt". Es ist der Eine gleiche Geist, Welcher die Kirche konstituierte, Welcher die Autoren der Schriften inspirierte, und Welcher uns das Verständnis gibt wenn wir die Heilige Schrift lesen.
Aber es sagte schon richtig (wenn ich mich nicht täusche) der seelige Augustin:
die Schrift versteht man am besten auf Knien lesend
In der Hoffnung das meine Meldung zum Wort etwas geholfen bei der Eingangsfrage,
nichstnutziger milo
Verfasst: 02.03.2007, 14:00
von protopeter
Lieber Ioannes !
Gleichwohl von meinen "Vorrednern" schon wesenhaft-entscheidende Aspekte des Themas genannt wurden, sei es mir doch gestattet, noch auf folgende Gesichtspunkte zu verweisen:
Die Frage nach orthodoxem Schriftverständnis ist eng mit der Einbindung in die kirchliche Tradition verbunden - es kann und darf unter keinen Umständen davon losgelöste Abstraktionen und Relativierungen geben. Was nun die Exegese der Heiligen Schrift anbelangt, so konnte - wenn es nötig war - die Orthodoxe Kirche über die Jahrhunderte hinweg stets das Gleichgewicht zwischen wortwörtlicher Übernahme und symbolischer Bedeutung finden.
Als Beispiel sei hier das Wort des Kirchenvaters Basilios des Großen zur Auslegung der ersten Kapitel des Buches Genesis genannt: Wenn der Hierarch über das Hexaemeron - das sechstägige Schöpfungswirken Gottes - spricht, so betont er zugleich, daß es sich bei dieser Bemessung nicht um Tage gemäß menschlicher Berechnung handelt; er zeigt, daß damit ein Symbolbild für die Weltzeitalter zu Darstellung gebracht ist.
Wie schon gesagt wurde, ist für das orthodoxe Bewußtsein die Tatsache, daß die Schriften sowohl des Alten als auch des Neuen Testamentes als gottinspiriert aufgefaßt werden, von herausragend-zentraler Bedeutung. Ihr Verständnis eröffnet vollends sich im Lichte des gottmenschlichen Erlösungsmysteriums, in diesen allumfassenden Glaubenswahrheiten. Somit wird klar, daß eine "authentische Rezeption" der Schriftoffenbarung einzig in der Kirche möglich sein kann.
Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Verfasst: 04.03.2007, 21:27
von IoannesProselytos
Danke für die Antworten.
Zuerst einmal, muss ich sagen, dass ich kein Freund, der historisch-kritischen Exegese bin. Ich halte es außerdem für nicht belanglos, von wem z. B. das Johannesevangelium verfasst wurde und dass derjenige, der das getan hat auch die entsprechenden Briefe verfasst hat. Alles andere würde, meines Erachtens nach, heißen, die Kirche einer Lüge bezichtigen und mir scheint, auch irgendwie die Glaubwürdigkeit herabmindern.
Verfasst: 29.03.2007, 20:44
von IoannesProselytos
Liebe Leute!
Ehrlich gesagt, ich bin sehr verunsichert. Ich bin römischer Katholik und bin auf der Suche nach der "Orthodoxie" - also nach denen, die in rechter Weise lobpreisen. Die Orthodoxie hat gute Gründe, die mehr als nur überlegenswert sind und sehr vernünftig wirken; doch hat dies auch die katholische Kirche zu Rom und emotional bin ich sehr hin und her gerissen. Kurz gesagt, ich befinde mich in einer äußerst schwierigen Situation, in geistlicher und auch weltlicher Hinsicht.
Ich weiß ehrlich nicht, was ich tun soll - dem Übertritt steht so viel im Wege, vor allem weltlicher Natur: Die Sprachen der Orthodoxie, die ich nicht verstehe, die geistlichen und theologischen Bücher, die ich besitze und von denen ich wohl 3/4 wegwerfen müsste, keinerlei dirkete Kontakte zu irgendeiner orthodoxen Kirche/Priester in der näheren und weiteren Umgebung und auch keine Ahnung, wie ich dazu kommen könnte, außerdem habe ich schon seit Jahren - seit meinem 14. Lebensjahr, um genau zu sein - eine Berufung zum Priestertum verspührt, doch auch das würde damit mehr oder weniger verpuffen ...
Das sind lauter Schwierigkeiten. Es zieht mich irgendwie zur orthodoxen Kirche, aber ... es ist so übermäßig schwierig ...

Verfasst: 29.03.2007, 22:24
von protopeter
Lieber Ioannes !
Bei allem Verständnis für Ihre diversen Probleme ist auch zu sagen, daß sich diese doch klären lassen sollten - vor allem, was den persönlichen Kontakt anbelangt. Falls Sie Interesse haben, so kann ich Ihnen nur anbieten, mich zunächst einmal per PN zu kontaktieren (dies erwähnte ich im Übrigen schon einmal !); daraus sollten sich dann weitere Schritte ergeben.
In der Hoffnung, von Ihnen zu hören/lesen grüßt mit besten Segenswünschen
Erzpr. Peter
Verfasst: 30.03.2007, 09:07
von Milo
Lieber Johannes,
da unser lieber v.Peter Dir szs. geographisch sehr nahe ist, empfehle ich Dir auch sich mit Ihm zu beraten.
Auch will ich Dir welchen Trost geben...
Bücher kannst Du behalten, sind immer irgendwie brauchbar!
Kontakte hast Du bereits hier geknüpft...die Sprache ist für viele Schwierigkeit, aber kein richtiges Hinderniss...auch dafür gibt es immer eine Lösung...und:
das Bestreben zum Priestertum solltest Du auf keinen Fall dann aufgeben!
Jedoch die Entscheidung welchen Weg Du einschlägst, erwartet allein Gott von Dir - das kann Dir auch kein Priester abnehmen (nur evtl. erleichtern)
Dir viel Kraft, Mut und Weisheit vom HErrn wünschend,
br. milo
Verfasst: 30.03.2007, 16:55
von Jeremias
Zur Sprache kann ich dir vielleicht eine Sorge nehmen: Ich bin rein deutschsprachig (sind doch meine Eltern auch Konfessionswechsler kath.->orth.) und bin Messdiener in einer griechisch-orthodoxen Kirche. Ich brauche aber die Sprache nicht sprechen, um dem Gottesdienst folgen zu können; es reicht schon aus, eine Übersetzung (es gibt ein dreisprachiges Buch; griechisch, deutsch und kirchen-slawisch) der liturgischen Texte und der Psalmen&Evangelien (ich benutze das Buch von Vater Sergius Heitz) zu haben.
Verfasst: 30.03.2007, 18:44
von IoannesProselytos
Danke für die vielen Antworten - ich habe mich heute über orthodoxe Literatur bemüht, aber da herrscht gähnende Leere in den Regalen (eben auch bei christlichen Buchgeschäften).
Und die Sprache ist so eine Sache: Ich bin ja rein deutschsprachig und von slawischen Sprachen oder gar von Kirchenslawisch, kann keine Rede sein.
Latein geht so weit und (Alt-)Griechisch kann ich lesen und schreiben und versuchs mir selbst, so weit, beizubringen.
Na gut, ich werde mich bei Erzpriester Peter melden. Ach ja, bevor ich es vergesse: Was sagt ihr, als "orthodoxe Experten" eigentlich zur Elberfelder Übersetzung bzw. zur Jerusalemer Bibel (nicht zur Neuen)?