Also, ich werde jetzt etwas ausholen und versuchen das etwas detaillierter darzustellen. Vielleicht wird dann einiges (vor allem mir selber...) klarer.
Fangen wir mal gaaaanz einfach an. Stellen wir uns ein Dorf vor. Am Anfang existiert dort Warentausch: Mehl gegen Fleisch, Mehl gegen Hühner.
Es kommt aber sehr schnell zum Problem: ich als Bauer habe eine Kuh und möchte einen Sack Mehl. Die Kuh ist vielleicht 20 Säcke Mehl wert, aber die möchte ich nicht, weil das zu viel ist und es darüberhinaus kaputt gehen könnte, bis es mal verwendet wird.
Ich kann aber schlecht 1/20 meiner Kuh rübergeben, ohne dass die Kuh dabei draufgeht. In Anbetracht dessen, dass ich sonst nichts zum Tauschen habe und beide ihre Waren gerne umtauschen würden, muss eine Substitution her. Beide Tauschpartner haben Interesse daran, dass ein Wert festgestellt wird, und dass die Substitution einem gewissen Vergleichswert erhält, damit alle Tauschgeschäfte gleichwertig ablaufen können.
Man braucht also auch einen Wertsetzer, dem man Vertrauen schenken kann und eine Respektperson ist, deren Wort dann Allgemeingültigkeit hat.
Wo geht man da in einem Dorf hin? Genau, zum Dorfältesten. Der verfügt nun über etwas wertvolles, dass auch teilbar ist - im Gegensatz zur Kuh. Was kann das sein? Na, zum Beispiel Gold oder Silber, die Kirche verwendet es ja auch. Wie gesagt, diese Sache basiert auf Vertrauen und darüber hinaus darf die Substitution nicht fälschbar sein.
Das kann man dadurch erhalten, dass der Dorfälteste einen Zahnabdruck auf die Goldmünze macht. Die ist ziemlich schwerlich - und in der damaligen Zeit bestimmt so gut wie unmöglich - nachzumachen.
Nun hat also der Dorfälteste die gesamte Kuh gegen Goldmünzen umgetauscht und dabei den Kauf von Mehl mit einem teilbaren Zahlungsmittel ermöglicht.
Dehnen wir das Beispiel immer weiter aus dem Dorf hinaus, werden wir auf ein Problem stoßen: es gibt nicht genug Gold um alle Tauschgeschäfte damit abzuwiegeln (es wäre dann auch nicht so wertvoll...)
Desweiteren sind diese Münzen doch lästig, vor allem wenn eine Kuhherde verkauft werden soll. Wer soll das ganze Zeug schleppen?
Die Lösung ist, eine weitere Substitution: statt des Goldes wird nun ein Papier gedruckt oder ein Dokument verfasst, dass einem bestimmten Goldwert entspricht. Das Papier selber ist nicht viel wert, wird aber aufgewertet durch das entsprechende Gold, dass hierfür aufbewahrt werden muss - es darf natürlich nicht weiterzirkulieren, da es jemandem gehört (dem Besitzer des Papiergeldes). Münzen existieren auch weiterhin, das ist klar.
In den größeren Maßstäben wird der Dorfälteste durch den Staat ersetzt, das aufbewahrte Gold sind die Goldreserven eines Landes. Dem gegenüber steht eine bestimmte Geldmenge. Ich kann den Goldpreis beeinflussen, indem ich die Geldmenge steuere. Das kann ich zum Beispiel machen, um exportierte Waren wetttbewerbsfähig zu halten. Eine Abwertung meiner eigenen Währung gegenüber der eines anderen Landes, macht meine Produkte für dieses Land billiger.
Aber auch ungewollte Ereignisse können sich auf den Goldwert auswirken. Werden irgendwo neue Goldadern entdeckt, dann steigt die Goldmenge gegenüber der Geldmenge und verliert somit an Wert. Als Gegenmittel müsste die Geldmenge, die im Umlauf ist, verringert werden, aber das ist schier unmöglich.
Nun ist aber das Papiergeld nicht nur an Gold gebunden, denn das alleine macht noch nicht den "Staatswert" aus: die Infrastruktur, die Kanalisation, das Telefonnetz, die Bildung der Bürger - all das hat Wert und gehört zum Volksvermögen.
Über diese Faktoren, die immer besser, effizienter und lebenswichtiger wurden, wurde die Goldbindung des Geldes zurückgedrängt. Wir haben also eine Vielzahl an Faktoren, die den Geldwert bestimmen. Lange Zeit war der US-Dollar die Referenzwährung, an die sich andere Währungen maßen (sie mussten dies aber nicht tun...)
In den 1970ern wurde der Dollar komplett entkoppelt und frei handelbar (kaufe/verkaufe Dollars gegen was-auch-immer). Nun kommt zum ersten Mal der psychologische Effekt in die Wirtschaft: durch Kauf und Verkauf einer Währung (bleiben wir beim Dollar) entsteht auch eine Erwartungshaltung an den Verlauf des Geldwertes. Wenn ich erwarte, dass der Wert des Dollars steigt, dann fange ich an, Dollar zu kaufen. Ich bezahle mit einer anderen Währung oder Materialien (Gold, Diamanten, Aktien...).
Somit sind immer weniger Dollar in Umlauf (die gekauften Dollar sind nicht im Umlauf sondern werden "angespart"). Das sorgt für einen Rückkoppeleffekt, denn dadurch wird der Dollarwert zusätzlich in die Höhe getrieben.
Nun gelangen wir zur Spekulation. Diese ist bar jeder Vernuft, eine Erwartungshaltung fernab jeglicher wirtschaftlicher Realität. Sie setzt einfach voraus (warum auch immer), dass der Dollar unheimlich hochgehen wird. Voraussetzung für den Erfolg ist, dass alle anderen das auch glauben bzw. einfach blind mit auf den Zug springen.
Es kommt zur Hysterie. Alle kaufen wie verrückt und der Dollar schießt nach oben.
Nun passiert irgendetwas (es reicht schon aus, wenn es etwas psychologisches ist) - warum auch immer - bekommen alle Angst, ihr Eigentum könnte an Wert verlieren und fangen an, den Dollar abzustoßen, zu verkaufen. Die Hysterie greift wieder um sich, der Dollar "überschwemmt den Markt", verliert an Wert und stürzt ins Bodenlose.
Und wie uns das Leben und die Geschichte lehrt, passiert so etwas grundsätzlich!
Noch schlimmer wird es dadurch, dass das Spekulationsgeld Geld ist, das auf einer Hoffnung basiert und gar nicht erst gedeckt ist (siehe Immobilienkrise). Zwar sind Währungen davon selber weniger betroffen, aber für Aktien trifft das voll zu (wegen der wahnsinnigen Spekulation contra Wirklichkeit/Vernunft).
Im Kapitalismus wird der Preis bekanntlich durch das Verhältnis Angebot / Nachfrage bestimmt. Das System erkrankt aber durch Spekulation.
Beispiel: "Öl wird teurer". Die Reserven sind knapp (endliche Ressource) während der Bedarf rapide steigt (China, Indien). Der Spekulant kauft Öl auf und hortet es für später, da er einen Wertzuwachs erwartet. Durch diese "überflüssige" Nachfrage wird der Ölpreis zusätzlich in die Höhe getrieben, was durch die tatsächliche Nachfrage nicht aufgekommen wäre. An dieser scheinbaren Nachfrage und den daraus resultierenden Preisen kann die Wirtschaft zerbrechen, weil sie es sich schier nicht mehr leisten kann.
Am schlimmsten ist der Effekt, wenn ein Ölproduzent selber auf das Öl spekuliert und dieses hortet.
Während bei anderen Ressourcen sich die Produktion anpassen lässt und somit der Preis noch geregelt werden kann, ist das bei Öl halt nicht der Fall. Zum Vergleich: steigt die Nachfrage nach Weizen, und ich fange an, Weizen zu horten, dann wird der Bauer sehen, dass der Preis hochgeht und alle wie verrückt Weizen kaufen (ob sie den gebrauchen ist eine andere Frage). Was wird der Bauer tun? Richtig, er konzentriert sich auf den Anbau und Verkauf von Weizen. Dadurch steigt wieder das Angebot und befriedigt die Nachfrage besser, also bleibt der Preis relativ stabil.
Es gibt auch Arten der positiven Spekulation, die nicht diese schlimmen Auswirkungen des unrealistischen Preisanstiegs/-verfalls haben.
Wenn ein europäischer Autobauer zum Beispiel in den USA Autos verkauft, dann kann er sich gegen einen fallenden Dollar versichern (d.h. er spekuliert auf eine Wertverlust des Dollars). Wenn der Dollar tatsächlich an Wert verliert, dann wird das Auto dem Amerikaner zu teuer, denn der Wertverlust wird nicht dynamisch im Gehalt/Lohn angepasst. Also geht der Verkauf von Stückzahlen runter.
Das gleicht sich durch die nun auszahlende Versicherung aus, der Autobauer selber bleibt stabil (trotzdem wird er Arbeiter entlassen müssen, wenn er nicht sozial ist, diese mit den Versicherungsleistungen bis zum nächsten Verkaufshoch zu halten).
Wenn seine Spekulation nicht eintrifft und er weiterhin Autos absetzen kann, dann hat er zwar Versicherungsbeiträge gezahlt, aber er holt immer noch Gewinn heraus. Zwar wird dieser Gewinn nicht mehr so hoch sein, aber die Gefahr eines Riesenverlustes und eventuell einer Insolvenz durch Geldentwertung ist abgefangen. Ein guter Kompromiss.
Das Prinzip ist bei der bösen Spekulation ähnlich wie beim Autohersteller mit einem gravierenden Unterschied: es gibt keine Autos. Hier kann man noch zwischen einem mittelbösen Spekulanten und einen wirklich bösen Spekulanten unterscheiden.
Der mittelböse Spekulant ist zwar genauso ein Seelenfresser, aber er spekuliert noch mit seinem eigenen Vermögen. Das heißt, wenns den Bach runtergeht, dann löhnt er mit. Aber den Bach runter sind dann trotzdem alle...
Der wirklich böse Spekulant - genannt "Bank" - hat das gleiche Prinzip, aber er spekuliert mit dem Geld anderer (wie hoch ist eigentlich das Eigenkapital der Bank? 3%? 15%???), also mit dem Geld der Volkswirtschaft, also durch Fremddeckung - und die reicht manchmal auch nicht aus!
Wenn die Spekulation erfolgreich läuft, dann verdient die Bank ein Schweinegeld, von dem sonst niemand was abbekommt, der Sparer verdient an diesen Geschäften nicht mit.
Gehts in die Binsen, dann ist das Geld vernichtet (durch das hysterische und unrealistische Spekulieren im globalen Kasino hat man das Geld - da es keinen Gegenwert gibt -
wirklich vernichtet).
Nun reguliert der Staat nach Möglichkeit (und Willen) den Markt und schützt den Bürger vor dem Internationalismus des Kapitalismus und der Spekulation, in dem er z.B. Monopole verbietet oder Banken per Gesetz dazu verpflichtet, Risiken nicht zu verschweigen, wie das viele Banken mit Rentnern gemacht hatten, bevor die Lehman Brothers den Bach runtergingen. Der Staat kümmert sich auch um seine arbeitslosen Bürger, bzw. sollte es tun... Ich spreche hier also von sozialer Marktwirtschaft. (Wie weit das klappt, ist eine andere Frage).
Ein wirksameres Mittel könnte die Einführung einer Spekulationssteuer sein, die sich gewaschen hat. Hierzu müssten jedoch Staaten zusammenarbeiten, da der Kapitalismus Landesgrenzen ausweichen kann bzw. so mächtig ist, dass er Staaten erpressen kann.
So jetzt habe ich aber wirklich weit ausgeführt, und hoffe, ich liege nicht allzu daneben. Hierin habe ich auch erklärt, was ich mit Produktivität als Entsprechung von Geldwert meine: Wertschöpfung.
Und eine Wertschöpfungssteigerung sollte an den Wertschöpfenden (Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer) weitergegeben werden. Das zum Beispiel sollte sein bzw. ist das Ziel einer Gewerkschaft, die dieses Interesse des Arbeitnehmers schützt.
Bevor mich nun jemand des Kommunismus bezichtigt: für mich ist Kommunismus die Garantie, dass
alle verarmen. Das will ich auf keinen Fall. Leistung bzw. Wertschöpfung soll entlohnt werden. Das macht der K nicht, ergo gibt es auch keine Motivation, irgendwas zu tun (außer Angst. super...).
Worauf ich hinaus will ist, dass es regulierender Organisationen bedarf, die nicht kriminell oder habgierig sind. Hier sehe ich drei Möglichkeiten:
der Staat, für den deswegen die Bürger nicht automatisch alles ein Haufen dummer Stimmzettelabgeber und Steuerzahler sind, die Gewerkschaften, die sich aus den gesellschaftlichen Reihen der Interessierten selber herausbilden
und die Kirche, die mit ihrem Ethos gegen die mittelbösen und wirklich bösen Spekulanten sein sollte (was ihren wirtschaftlichen Teil angeht), denn der Spekulant ist der Dämon der Wirtschaft, der Habgier schürt, Nächstenliebe vernichet und Menschen zu Zigtausenden ins Elend stürzt. Das ist natürlich nicht die einzige Aufgabe der Kirche bezüglich Wirtschaft, aber die meisten weren wohl karitativer Natur sein. Und das ist auch gut so, denn es entspricht dem Prinzip bzw. dem Gebot der Nächstenliebe.
Ich hoffe, ich habe das halbwegs richtig wiedergegeben und habe versucht am Schluß wieder den Bogen auf das eigentliche Thema zurückzuführen, wenn auch nur mit einem Satz.
Falls jemand bis hier durchgekommen ist: was denkt ihr?
Bitte entschuldigt die Lawine, aber ich habe auf Eure Meinung spekuliert
Nassos