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Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 27.12.2010, 20:40
von Nassos
Mir scheint, da ist was in den falschen Hals gekommen. Von Selbstzerstörung kann nicht die Rede sein. Demut wird nicht dazu führen, dass ich mir das Haus ausrauben lasse. Da gibts Saures.
Es ist auch keine Selbstaufgabe. Gleichwohl kann es sein, dass Menschen dies im Versuch sich zu bessern, übertreiben. Also, den Verstand sollte man bei der Sache auch nicht abschalten.

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 29.12.2010, 20:46
von alexis
Vielen Dank liebe Leute, für Eure zahlreichen und gutgemeinten Beiträge.
Ein Beispiel, warum ich etwas gereizt auf unsere Kirche reagiere:
Ein geistiger Bruder von mir hat eine Schwäche für heisse Frauenfantasien und zieht sich regelmäßig einen ab.
Er sagt mir das, weil ihn dieses Problem innerlich zerreisst. Er macht sich riesige Selbstvorwürfe und geht deshalb auch
regelmäßig zur Beichte. Bei jeder Beichte sagt ihm unser Beichtvater (wir haben den selben), dass ihm seine
Sünden vergeben sein sollen, aber er sollte es mehr und mehr versuchen. OK. so weit so gut. Dass Pornografie
eine Sünde ist, ist klar. Auch ich falle immer wieder einmal in diese Falle. Der Unterschied zu meinem Kumpel
ist aber gravierend. Ihn zerfleischen die Schuldgefühle und ich verstehe nicht, warum unser Beichtvater nicht eine
Entlastung herbeizuführen versucht, indem er z.B. sagt. "Dein Verhalten ist schlecht, aber Du versuchst trotzdem ein guter
Christ zu sein." Obwohl ich eigentlich eine gute Meinung von unserem geistigen Beistand habe, verstehe ich ihn
hier nicht und manchmal drängt sich mir einfach der Eindruck auf, dass unsere Popen versuchen uns klein zu halten.
Ich gehe zur Beichte um geistig zu wachsen und nicht um klein gehalten zu werden, wie ein Schuljunge, nur damit ich
auch künftig die Hand unserer geistigen Führer küssen soll. Die sollen das Gesicht Gottes sein? Die die uns in Schuldgefühlen schwelgen
lassen statt uns zu entwickeln? Um ehrlich zu sein, bin Ich derzeit nicht besonders gut auf unsere liebe Kirche zu sprechen.
Ich bin sehr entäuscht und auch ein wenig verärgert...

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 29.12.2010, 23:59
von Tatjana
Lieber Alexis,
verzeihe mir bitte, aber warum denkst Du, es wäre besser, dass Eurer Beichtvater so etwas sagt. Was könnte er damit erreichen bzw. bezwecken?

Schuldgefühle zu haben, ist nach meinem Verständnis gut, denn so spricht unser Gewissen = die Gottesstimme zu uns, wenn unsere bestimmte Handlungen gefährlich für uns/für unsere Seele sind. Wenn nicht die Schuldgefühle in einer gewissen Phase meines Lebens, wäre ich jetzt bestimmt ganz ganz unten gewesen. Ich bin Gott zutiefst dankbar dafür, dass er mich damals davon abgehalten hat.

Wieso meinst Du, dass Eure "Popen versuchen" Euch "klein zu halten"?

Ich lese zur Zeit ein sehr interessantes Buch ""Orthodox Psychotherapy" von Metropolitan Hierotheos (Vlachos) oder auf Russisch "Православная психотерапия" Митрополита Иерофея (Влахос) http://www.koob.ru/ierofei_vlahos/. Als ich Deinen Beitrag hier gelesen habe, fiel mir dieses Buch sofort ein. Ich glaube, Du wirst in ihm eine ganze Reihe an Antworten auf die von Dir jetzt gestellten Fragen finden.

Insbesondere hat der Ansatz, dass Orthodoxie eine medizinische Wissenschaft ist, erklärt vieles, was uns vorher gewundert, geärgert oder sonst was gemacht hat. Insgesamt ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

Liebe Grüße
In Christus!
Tatjana

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 30.12.2010, 01:26
von Nassos
Hallo Alexis,

es ist sehr schwer das in einem Forum zu beurteilen. Kann sein, dass der Pope nicht richtig reagiert und es stimmt: man soll mitdenken.
Aber man muss auch ein bißchen über sich selber nachdenken.
Dein Beitrag hört sich so an, als ob seitens des Freundes nicht der Wille oder die Erkenntnis da ist, das Problem bei den Wurzeln zu packen: beim Reiz.

Schuldgefühl. Ich würde lieber sagen: Bereuen (Schuldgefühl hat so etwas juristisches), ist ein guter Indiz. Verzweiflung jedoch nicht.
Eventuell wäre es nicht schlecht, auch mal den Popen direkt darauf anzusprechen. Er sollte dann seine Schutzbefohlenen dahin geleiten, nicht nur dahinbefehlen. Vielleicht hat der Mann aber auch den Eindruck, dass es Deinem Freund nicht ernst ist dabei - eben weil er sich nicht öffnet und somit dieser Hilfeschrei ungehört bleibt... I don't know...
Aber das müsst Ihr einschätzen können.

Ich hoffe, Dein Freund findet einen Ausweg. Beneiden tu ich ihn nicht.

Gruß,
Nassos

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 30.12.2010, 20:09
von Andromachi
Die Frage ist, meiner Meinung nach nicht, ob ich falle. Die Frage ist, ob ich jedesmal wenn ich falle wieder aufstehe mit der FESTEN Absicht, nicht wieder zu fallen.
Eine Bekannte ist zu einem Priestermönch zur Beichte gegangen und hat gebeichtet, dass sie 13 Abtreibungen machen ließ. Der Mönch sagte: Diese Sünde werden deine Kinder "abzahlen" müssen (ich finde nicht das richtige Verb, aber ihr versteht mich hoffentlich). Die Bekannte war empört, hat über den Mönch geschimpft und wollte nichts mehr von ihm hören. Nun, ich dachte folgendes: Vielleicht hat der Mönch hart gesprochen, aber auf der anderen Seite zeigt der Ärger der Frau, dass sie ihre Sünden nicht bereut hat. Denn hätte sie bereut, dann hätte sie gedacht, dass Gott mit so einer strengen Strafe Recht gehabt hätte, hätte um die Gnade Gottes gefleht, hätte geweint, hätte um einen Betkanon gebeten, hätte gewusst, dass sie von der Heiligen Kommunion ausgeschlossen werden muss usw., wäre aber auf keinen Fall böse auf den Priester.
In der antiken Kirche, durften diejenigen, die gesündigt hatten, die Kirche für einige Jahre nicht betreten. Es gab einige Kategorien von ihnen, es gab die μετανοούντες= die sich in Reue Befindenden und die προσκλαίοντες=die Hinzuweinenden.
Aber der heutige Mensch läßt sich von niemand etwas sagen. Er meint, dass alles was er tut, richtig ist. Diesen übermäßigen Egoismus versucht der Kampf mit uns selbst zu bekämpfen. Voraussetzung dafür ist, dass man erkennt, dass man das braucht. Wenn dieser Wille nicht gegeben ist, dann denkt man, dass der Fehler am Priester liegt.
Nun, in der Offenbarung steht (3,20):
Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 05.01.2011, 01:15
von Loukia
Ich glaube ich möchte auch etwas dazu sagen, wie ich das so empfinde... Oft neige ich dazu, mich selbst als schrecklich niedrig zu erachten und das ganze grenzt dann schon an Selbsthass. Diese Eigenschaft habe ich schon lange bevor ich überhaupt die Wahrheit Christi kannte besessen, ich neigte zu selbstverletzendem Verhalten und vielen schlechten Dingen. Noch heute spüre ich diese Neigung, aber ich weiß jetzt, das ich um Christi Willen dem nicht nachgehen darf. Ich kann aber auch völlig im Gegensatz dazu immer wieder spüren, wie ich mich selbst so in den Vodergrund stelle, das ich am liebsten alles um mich herum niederreißen würde. Ich neige zur Verzweiflung und das ist definitiv diese ist definitiv eine Sünde, wir schaden uns selbst damit. Christus ist doch Hoffnung, wenn wir auf Ihn setzen, dann ist alles voll Hoffnung, aber ich gebe zu, das manchmal aus den Augen zu verlieren. Christus aus den Augen zu verlieren. Nicht zu fassen wie Christus immer wieder geschehen lässt, was ich ... wie soll ich sagen, "unbewusst" bete... Was in meinem Herzen ist und nichtmal ich selbst allzu ernst nehme...

Es gibt nur eine Wahrheit und nur die orthodoxe Kirche hat die volle, mögliche Kenntnis dieser Wahrheit. Das ist was ich glaube. Christus ist das Haupt der Kirche, wir alle sind ihre Glieder. Manche Glieder sind tot, andere voll des Lebens. Manche Glieder sind wie morsche Äste, an anderen aber wachsen viele junge Triebe und es reifen wunderbare Früchte. Trotz allem, all diese Äste gehören zu alle zu nur einem Baum. Oder um es biblischer auszudrücken, Weinstock :) .

Die Kirche ist auch ein Krankenhaus. Der Mensch ist infiziert mit dem Tod und er muss davon geheilt werden, aber nur in der Kirche findet man die geeignete Therapie. Ich glaube das ein Fußpilzmittel wenig gegen eine Nasennebenhölenentzündung ausrichten kann, oder? Wahrscheinlich hilft auch ein Antibiotikum wenig bei Epilepsie. Christus ist der Arzt, der die vollkommene Heilung schenkt, aber das heißt auch, das wir hin und wieder bittere Pillen schlucken müssen!!!

Ich denke wir alle würden doch gerne mit einer bloßen Sicherheit wie "Was sündige ich denn schon, ich bin doch ein guter Christ" leben, aber ist das denn so? Wir sollen uns nicht verrückt machen, aber nie vergessen, wo wir tatsächlich stehen. Christus, seine allheilige Mutter und seine Heiligen haben uns gezeigt, was menschenmöglich ist. Die Heiligen als Vorbilder sind tatsächlich erreichbar! Wir alle sind zu Heiligen berufen und es ist absolut möglich und auch unsere Pflicht. Auch die Heiligen Gottes haben mal gesündigt, was sie zu Heiligen machte war doch, das weiterhin an sich arbeiteten und weiterhin auf Christus vertrauten.

Eurem geistigen Vater musst du vielleicht mal sagen, was du empfindest. Und wenn du auf Unverständnis stößt, vergiss nicht, er ist ein Priester und man kann wegen diesem einen Priester ebensowenig die gesamte Kirche, ja somit Christus verwerfen, wie man das wegen eines morschen Zweiges tun kann. Ärgere dich nicht, ich weiß wie das ist.

Liebe Grüße, Eli

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 05.01.2011, 09:59
von alexis
Hallo Eli,
danke für Deine Selbstmiteilung. Ja, unsere Kirche ist vergleichbar mit einem Krankenhaus. Und wenn Du an solchen selbstzerstörerischen Gedanken leidest, wie Du beschrieben hast, empfehle ich Dir sorgfältigst einen guten Arzt aufzusuchen. Viele andere Gläubige leiden an Angstzuständen und Minderwertigkeitsgefühlen.
Genau aus diesem Grund ist mir das Thema auch so wichtig.
Genau wie im zivilen Leben gibt es auch in unserer Kirche gute Ärzte und Ärzte mit guten Absichten, die aber leider das linke Bein mit dem rechten Arm verwechseln. Wenn Du an so jemanden gerätst, ist nicht nur eine Heilung aussichtslos, sondern Du findest eventuell auch nie die Ursache Deines Problems.
Du hast aber recht. Man sollte nicht die gesamte Kirche anhand eines einzelnen verurteilen, der sich vielleicht diese Ängste und Minderwertigkeitsgefühle zunutze machen will, damit er auch ja immer regelmäßig Kundschaft beim Erlaß der Beichte hat.
Unser Glaube ist gut und es gibt nur diesen einen menschenliebenden, allmächtigen Gott. Aber es lauern überall Gefahren auf unserem Weg ins ewige Leben. Deshalb muss man die heilige Schrift sehr bodenständig und pragmatisch v e r s t e h e n und nicht alles blind annehmen wie sie von anderen ausgelegt wird.
Rein theoretisch könnte sich jeder Mörder oder Kinderschänder als ein orthodoxer Geistlicher verkleiden und versuchen uns die Bibel zu erklären.
Würden wir ihn nicht verjagen, wenn wir darüber Kenntnis hätten? Auf jeden Fall würde ihm niemand jemals die Hand küssen, wenn er es denn wüsste!
Du weisst ja, dass unsere orthodoxen Führer als die Gesichter Gottes bezeichnet werden. Äußerlich sind die guten und starken Führer allerdings nicht von den "Pfuschern" zu unterscheiden. Deshalb sei wachsam!!!
Gegen Deine Leiden empfehle ich Dir einen irdischen Ratgeber, der meines Erachtens Dein Problem sehr gut anspricht. Du kannst dieses Buch auch gerne mit Deinem geistigen Vater besprechen, aber ich empfehle, es erst einmal selbst zu lesen. Es ist von Rolf Merkle und heißt "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen".
Er spricht deutlich von der Wichtigkeit der Liebe zu sich selbst und verurteilt gleichzeitig Arroganz und Überheblichkeit.
Ich wünsche Dir eine baldige geistige Genesung
Gott sei mit uns allen
Alexis

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 07.01.2011, 22:50
von Loukia
Alexis, du hast mich nicht völlig verstanden. Ich kämpfe zwar noch heute manchmal damit und dann sehr, aber es hat mit vielen Dingen zu tun, die ich nicht beschrieben habe. So eine "Therapie" hab ich auch angefangen, aber wirklich geholfen hat das nicht. Mir jedenfalls. Man muss auf eine Ellenlange Warteliste, auch wenn ich als Notfall eingestuft wurde und so recht schnell einen Termin bekam. Ich habe aber eigentlich diese Hilfe nicht gebraucht, sondern musste nur die Schule wechseln und schon wurde es besser. Ich weiß sehr genau, was mir da zu schaffen macht.
Mein Glaube hilft mir dafür umso mehr und niemand hat mich so aufgebaut, wie der Priester bei dem ich gebeichtet habe. Meine Verzweiflung, wenn sie heute noch vorkommt, kommt daher, das ich mich mit einer Welt wie jener, die mich umgibt schwertue. Eine Welt, in der man abartig ist, wenn man kein reges, buntes Sexualleben anstrebt und man gleich als engstirnig, ignorant, intolerant, überholt und zum Teil sogar geistig minderbemittelt gilt, wenn man seine Kirche liebt und Christus liebt und an ihn glaubt, wie die Kirche es tut, deren Haupt er ist. Ich habe viele Eigenschaften, nach denen ich mich früher bewertet habe, aber immer kam dabei raus, ich sei nichts wert. Erst durch Christus und den Glauben an Ihn hat sich das immer mehr gebessert, nur manchmal falle ich zurück, aber ich mache keine Dummheiten mehr wie früher. Vorallem werte ich die Welt um mich herum und auch mich selbst ganz anders als vorher und es geht mir von Tag zu Tag besser. Um es mal auf arabisch zu sagen, sobhan Allah!
Ich frage mich was dich so aufwühlt und worauf du letzten Endes hinaus willst, irgendeine Absicht scheinst du ja zu haben, die ich nicht nachvollziehen kann. ich fühle mich so, als wollte mir jemand was aufschwatzen. Wenn ich einem Priester die Hand küsse, dann nicht weil ich glaube er sei ein besser Mensch als irgendjemand anderes, sondern weil er die Weihe empfangen von unserer Kirche und sie auf einen der Apostel zurückzuführen ist, die diese Vollmacht von Christus selbst bekommen haben. Ob sie sich dessen letztlich als würdig erweisen ist für mich genauso wie die Frage ob sich der Laie seiner Taufe als würdig erweist, eine Frage die ich nicht stelle, weil ich meine Meinung selbst nicht so hoch schätze, das ich sie zum Besten gebe und allen kundtun muss. Was ist schon meine Meinung über einen Menschen im Vergleich zu der Wahrheit und im Vergleich zu dem, wie Gott es bewertet? Hopps, und schon denke ich mir, dann ist ja alles im Grünen und JUHU keiner zwingt mich wieder eine Meinung zu haben und mich dafür dann auch noch zu rechtfertigen. Gott sei gelobt!


PS: Ich habe sehr enge Verwandte sowie viele Bekannte, die in der forensischen Psychiatrie tätig sind. Die können mir bestätigen, das die Mehrheit der Psychologen in dieser Anstalt selber irgendwann eine Therapie beginnen müssen.

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 08.01.2011, 11:23
von alexis
Ja Eli,
wir haben tatsächlich etwas aneinander vorbeigeredet. Ich hätte besser die Formulierung "man sollte" als "Du solltest" verwenden sollen, weil ich meine Aussage nicht direkt auf Dich persönlich beziehen will sondern es allgemein so meine.
Übrigens scheinst Du deine gesamte Umwelt auch aus einzelnen Erfahrungen zu bewerten. Du selbst hast doch gesagt, dass man aufgrund Einzelner nicht auf das Gesamte schließen darf, oder? Ich nehme meine Umwelt in Bezug auf Sexualität eher als "aufgeklärt" war, auch wenn mich manche überzogene Sachen auch zuwider sind. Ich weiss nicht wo und wie Du lebst, aber Toleranz bezüglich meines Glaubens hat mir hier in Deutschland bisweilen eigentlich jeder entgegengebracht. Es stimmt schon, dass viele Leute hier nicht in die Kirche gehen und auch nicht zu Gott beten. Das heisst für mich aber noch nicht, dass diese nicht Glauben! Wie Du schon richtig sagst, wir wissen nichts nur Gott weiss alles!
Also ich weiss nicht viel, aber ich versuche lediglich die zwei für mich wichtigsten Gebote Gottes zu befolgen:
1. Du sollst Deinen Gott lieben aus ganzem Herzen und mit voller Kraft
2. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.
Ich habe jedem Priester dieser Welt 100 Mal die Hand geküsst, wenn ich diese beiden Gebote aufrichtig erfülle. Jemanden den ich küsse ist nicht automatisch mein Freund. Es ist lediglich ein Zeichen von Zuneigung und Respekt. Aber wenn beides nicht von Herzen kommt, was ist es dann noch wert?
Aus meiner tiefsten Überzeugung heraus, kann ich meinen Nächsten eben nur lieben, wenn ich einen gewissen Selbstwert besitze, den Du ja vorübergehend verloren hattest, wie Du schriebst. Wie kann ich aber jemanden "Wertschätzen" wenn ich keinen "Selbstwert" habe? Du sagst auch es gehe Dir inzwischen besser. Vielleicht weil Du Dich inzwischen mehr annehmen (lieben) kannst und diese Liebe auch Deinem Nächsten vermittelst?
Wenn sich ein Mensch in einer schwierigen Lebensphase nicht annehmen (lieben) kann und ein Priester versucht hier nicht zumindest den verbliebenen Selbstwert zu stützen, sondern schürt eventuell noch die Schuldgefühle, dann ist dieser Priester für mich eben kein "Arzt" sondern ein "Pfuscher"! Denn er treibt den Betroffenen eben eher Richtung Selbstmord als in Richtung Leben! Selbstmord ist meines Wissens die größte Sünde in unserem Glauben. Und da sage ich ganz offen, dass ein Priester einen Selbstmord nicht mitverantworten darf!!! Du schätzt Deine eigene Meinung nicht als hoch? Du bist eine Soldatin Gottes und unser König hat uns einen freien Geist gegeben um uns für ihn zu entscheiden und eben auch um für ihn eine starke Meinung zu vertreten. Warum machst Du Dich so klein? Aus Bescheidenheit? Damit die Leute hier im Forum sehen wie demütig Du doch bist? Ich sage mach Dich nicht kleiner als Du bist, sondern liebe Dich und Deinen Glauben zu unserem Herrn, damit Du starke Werke in seinem Namen vollbringen kannst. Demut und Bescheidenheit sind an anderer Stelle wichtig, aber meines Erachtens hier völlig fehl am Platze.
Das ist mein Anliegen!
Um auf unterschiedliche Argumentationen hier im Forum zu stoßen und mir dadurch meine Meinung weiterhin zu formen aber auch um die Sinne zu schärfen und wachsam zu sein, so wie es uns Jesus empfohlen hat.
Weil es Wölfe im Schafspelz gibt, die wir erkennen müssen, um nicht von ihnen zerfleischt zu werden, wie einst der Menschensohn!
Ich will Dir übrigens das Buch nicht "aufschwatzen" sondern ich habe es Dir empfohlen, so wie viele Forenmitglieder untereinander "Empfehlungen" geben.
Mir hat dieses Buch einen kostbaren Einblick in mein Selbst gewährt. Ob Du aber meine Empfehlung annimmst oder nicht, ist allein Deine Sache!
Gottes Segen
Alexis

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 08.01.2011, 11:57
von Loukia
Wir reden scheinbar ganz verschiedene Sprachen, ich musste gerade lachen, lieber Alexis :D

Ich habe die Buchempfehlung gar nicht gemeint mit aufschwatzen, sondern ich meinte viel mehr, du hast irgendeine Botschaft hinter allem was du schreibst, welche du vermitteln möchtest und ich kann nicht ganz folgen, welche. Das mit dem "aufschwatzen" war sowieso ein von mir ganz subjektiv gewählter Ausdruck, den ich synonym für "einreden" verwendet habe.

Ich möchte gar nicht sagen, das du grundsätzlich unrecht hast, ganz im Gegenteil, ich denke wir sind uns in vielem sogar einig. Nur 100% so wie du sehe ich es nicht.

Die Sichtweise eines jeden ist mit vollkommener Sicherheit von seinen Erfahrungen geprägt und ich glaube nicht, das irgendjemand wirklich absolut, vollkommen objektiv sein kann, außer Gott selbst. Ich habe auch geschrieben, das die Therapie MIR keinen nutzen gebracht hat, aber ich bin mir sicher das einige von denen, die dort Therapiestunden gehabt haben, diese auch wirklich gebraucht haben und sie ihnen viel geholfen haben. Letztlich hat der letzte Beitrag sehr viel von mir gehandelt, weil, wie du auch schon festgestellt hast, wir aneinander vorbeigeredet haben und ich persönlich fand, das der Beitrag vor meinem Letzten schon recht persönlich rüberkam (was aber offensichtlich doch nicht so von dir gemeint war).
Jetzt im Nachhinein empfinde ich es ehrlich gesagt als ein wenig unangenehm, das es so ins persönliche ging, wenn ich jetzt bedenke, das es ja recht öffentlich ist, aber weiß ja kaum einer hier, wo mein Haus wohnt :D

Um es ganz genau zu sagen, ich bin nichtmal demütig genug um mich nicht total angegriffen von einer deiner Aussagen zu fühlen "Damit die Leute hier im Forum sehen wie demütig Du doch bist?" Ich finde das speziell die Diskussion zwischen uns schon zu persönlich wird, was ich aber als meine Schuld erkenne, schließlich hab ich damit angefangen. Passiert.

Wenn ich deinen letzten Beitrag so lese, finde ich eigentlich immer mehr, das unsere Ansichten gar nicht so verschieden sind, wie ich es zuerst gedacht habe, auch wenn ich dazu neige mich dramatischer auszudrücken und dadurch immer wieder für Missverständnisse sorge :lol:

Ich erinner mich gerade wie mir einst ein Priester sagte, ich solle einfach mein Ding durchziehen und mutig sein. Gott sei gelobt! Das war eine Aussage, die mir viel gebracht hat und immernoch viel bringt, auch wenn sie so naheliegend ist, das sie jedem klar sein sollte.

Letztlich muss ich sagen, das ich es aber auch immer wieder als sehr befreiend empfinde, einfach keine Meinung haben zu müssen, oder zu erkennen, das ich damit nicht an die Meinung eines anderen heranreiche oder gar mit meiner eigenen falsch liege.

Wo es schon soweit gekommen ist, das hier soviel Wind um Meinungen gemacht wird, möchte ich noch erwähnen, das ich nicht davon überzeugt bin, das es die Meinungen sind, die den Menschen ausmachen.

Liebe Grüße, Eli(sa :mrgreen: )

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 08.01.2011, 13:12
von alexis
Liebe Elisa,
klar weicht unsere Sichtweise auch aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen ab. Aber Meinungen werden auch gebildet allein aus Entscheidungen,
die auf unserem persönlichen Wertesystem basieren. Man kann sich beispielsweise eine Meinung über die Todesstrafe bilden, ohne perönlich
davon betroffen zu sein. Deine Meinung kann deshalb niemals falsch sein und Du brauchst auch keine Angst zu haben, von anderen Meinungen abzuweichen.
Wer keine Meinung hat, eckt auch nicht an, muss also auch nicht kämpfen. Das ist angenehm, lässt aber die eigenen Überzeugungen verschwimmen und man macht sich so ein Stück weit von anderen Meinungen abhängig. Laut deinem Priester sollst Du aber Dein Ding machen!
Ich glaube also schon, dass Meinungen den Menschen mit ausmachen, aber das ist meine Ansicht.
Ganz ehrlich finde ich es mutig von Dir, dass Du Dich hier so offenbart hast, und ich finde es schade, dass Du dich deshalb unangenehm berührt fühlst.
Auch ich habe mich in diesem Thema schon sehr persönlich gezeigt. Macht doch nichts, wer ist schon perfekt? Wenn ich mich verstecke, kann mir
doch auch keiner helfen, oder? Ich finde die Aussage Deines Priesters gut! Sei mutig und zweifle nicht zu sehr an Dir selbst.
Wer Gott liebt, der zweifelt nicht an ihm. Wer sich selbst liebt, der zweifelt also auch nicht an sich selbst!
Ich habe Dich bewusst etwas provokativ angeschrieben, eben um auch Deinen Selbstwert zu "testen". Dein Gefühl, dass Du Dich angegriffen fühlst,
ist eine natürliche und gute Reaktion. Du verteidigst das, was Dir lieb ist. Nämlich Dich selbst!
Danke, das Du das bestätigst, was ich hier seit Beginn an versuche herauszustellen: Selbstwert (Eigenliebe) ist überlebensnotwendig und von Gott ausdrücklich erwünscht! Du hast das Dir von Gott gegebene "Leben" verteidigt. Das kann nicht falsch sein, hat auch nichts mit zu wenig Demut oder Bescheidenheit zu tun und lässt auch nicht den Schluss zu, dass Du arrogant oder überheblich seist.
Ich entschuldige mich bei Dir, dass ich Dich so aggressiv angeschrieben habe und Ich hoffe, dass Du jetzt erkennst, das ich Dich nicht erniedrigen wollte. ;-)
Gottes Gruß
Alexis

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 08.01.2011, 13:48
von Loukia
Ich finde nicht, das ich mich abhängig von einer Meinung mache, wenn ich beschließe mich mit einer Sache nicht auseinanderzusetzen^^ Sobald ich das tue, fange ich an zu sammeln und bilde mir dann eine Meinung, die falsch, richtig, was auch immer sein kann. Am Ende ist ja wichtig, wie das ganze vor Gott ist, und der weiß glaube ich am besten, das wir eben alle "nur" Menschen sind.

100% werden wir, das ist natürlich, normal und wahrscheinlich auch irgendwie gut so, nie erreichen, aber naja. Passt doch alles. Wenn ich dich jetzt, diesmal richtig verstanden hab, dann frag ich mich, wo das Problem gelegen hat. :lol: :lol: :lol:

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 08.01.2011, 15:02
von alexis
Ich weiß nicht wo das Problem gelegen hat. So wie es scheint, sind wir konform. Folglich kann es nur ein Kommunikationsproblem gewesen sein...

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 08.01.2011, 15:06
von Loukia
Kommunikation war im Deutschunterricht schon immer mein Lieblingsthema... Aber Theorie ist eben einfacher als Praxis :lol: Zumindest für manche von uns.

Re: Demut zu Gott und die Liebe zu sich selbst

Verfasst: 13.06.2011, 23:30
von Musaik
Ich finde es gibt ein Unterschied, zwischen sich "selbst lieben" und sich "selbst lieben". Wir können einerseits uns so sehr selbst lieben, dass wir eben selbstverliebt sind.
Im Grunde genommen schon ziemlich schlecht, denn wenn wir in uns selbst verliebt sind, haben wir eben kein Platz für Gott. Eben sollen wir Menschen uns darin trainieren, demütig zu sein und somit Gott in uns zu lassen. Natürlich sollen wir uns selbst nicht hassen und uns beschuldigen. Wir dürfen eben nicht vergessen, dass wir Menschen sind, d.h. fehlbar. Das soll auf keinen Fall ein Ticket zur Sünde sein. Wenn wir einen Fehler machen, müssen wir ihn uns eingestehen, sollen dafür Reue zeigen und wenn möglich es wieder gut oder besser machen. Aber man sollte trotzdem versuchen eben keine Sünde zu machen, das ist denke ich das Ziel im Leben.

Quasi: Demut vor Gott und angemessene liebe für sich selbst. Nie zuviel nie zu wenig.