Was bedeutet es Christ zu sein?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Nassos
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Beitrag von Nassos »

Guten Abend,

hier sind schon ziemlicht gute Punkte sowie Ansichtsansätze genannt worden. Das hat noch mehr Fragen für mich aufgeworfen.
Aber es ist gut, dass man sich durch diesen Thread etwas bewußter darüber nachdenkt!

Irgendwann nach vielem Denken, war ich dessen müde. Es muss doch irgendwo einen Ansatz geben, auf dem alles aufbaut. Wie eine Wurzel, aus dem ein Baum entwächst, mit seinen Ästen Liebe, Glaube, Moral, Kenntnis, ...

Wenn ich solch einen Ansatz machen sollte, dann würde er so aussehen:

Christ >= getauft + Glaube an Jesus Christus (für zu junge Menschen genügt noch der erste "Operand").

Die Taufe ist eine Tatsache. Aus dem Glauben jedoch kann erst all das erwachsen, über das hier schon geschrieben wurde.

Ich werde mir wieder etwas Zeit geben, um dies weiter zu durchdenken.

Nassos.

P.S.: ">=" soll "größer oder gleich" heißen, also mathematisch für "mindestens".
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Deukalion
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Beitrag von Deukalion »

Lieber Anastasis,

selbstredend sind die Feste Weihnachten und Ostern auch christliche Feiertage, werden sie doch gefeiert.

Deine Frage als solche irritiert mich etwas, sollte die Faktenseite deiner Ansicht nach außer Acht verbleiben? Ich bin mir sicher, auch dir ist sie bekannt wie mir und jedem, der zum Thema ein Buch in die Hand nimmt.

In Seinem Namen, den Einen und Ewigen
LG Deukalion
Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, dem wird nicht mehr hungern.
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Anastasis+
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Beitrag von Anastasis+ »

Deukalion hat geschrieben:Lieber Anastasis,

selbstredend sind die Feste Weihnachten und Ostern auch christliche Feiertage, werden sie doch gefeiert.

Deine Frage als solche irritiert mich etwas, sollte die Faktenseite deiner Ansicht nach außer Acht verbleiben? Ich bin mir sicher, auch dir ist sie bekannt wie mir und jedem, der zum Thema ein Buch in die Hand nimmt.

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Christos anesti!

Lieber Deukalion, nun scheine ich verwirrt, da ich nicht weiß, auf welche Fakten du anspielst... vielleicht könntest du mir diese Fakten nennen?

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Nassos
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Beitrag von Nassos »

Hallo Leute,

können wir Deukalion die Frage nicht so stellen:

Deukalion, ich habe Deine Aussage so aufgefasst, dass man nicht allein durch das Feiern von Weihnachten und Ostern zum Christen wird. Hinzu kommt, dass diese Feiern auch noch auf ältere, vorchristliche Feiern basieren (Deukalions Fakt: Ostern basiert auf dem Pessahfest, Weihnachten löste das Julfest ab).
Also, verfehlt man durchaus die Essenz des Christseiens, wenn man aus Tradition diese Feste feiert, aber ansonsten nichts mit dem Glauben zu tun hat.

Habe ich das so richtig verstanden?

------

Nun zum ursprünglichen Thema. Wenn jemand dem Papier nach ein Christ ist und hatte sein ganzes Leben lang nichts damit am Hut.
Und sagen wir mal, eines Tages starten Verfolgungen von Christen. Dieser Jemand wird nun gezwungen zu Wählen zwischen Bekennen (Tod) oder Nichtbekennen (Leben). Er bekennt sich zum Glauben, weil just in diesem Moment seine Seele danach schreit.
Würdet Ihr nicht zustimmen, dass er dann den Märtyrertod gestorben ist? Ist er dann nicht auch ein Christ?
Kann man in diesem Fall auch von Christen sprechen, wenn sie auf dem Papier als solche angegeben sind?

Hm, es wird nicht einfacher.

Nassos
Anastasis+
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Re:

Beitrag von Anastasis+ »

Nassos hat geschrieben:

------

Nun zum ursprünglichen Thema. Wenn jemand dem Papier nach ein Christ ist und hatte sein ganzes Leben lang nichts damit am Hut.
Und sagen wir mal, eines Tages starten Verfolgungen von Christen. Dieser Jemand wird nun gezwungen zu Wählen zwischen Bekennen (Tod) oder Nichtbekennen (Leben). Er bekennt sich zum Glauben, weil just in diesem Moment seine Seele danach schreit.
Würdet Ihr nicht zustimmen, dass er dann den Märtyrertod gestorben ist? Ist er dann nicht auch ein Christ?
Kann man in diesem Fall auch von Christen sprechen, wenn sie auf dem Papier als solche angegeben sind?

Hm, es wird nicht einfacher.

Nassos
Lieber Nassos, ich denke schon, dass auch wenn man sich erst im letzten Moment seines Lebens zu Christus bekennt, vom Herrn seinen Lohn erhält - dazu fällt mir die katechetische Osterpredigt vom Heiligen Johannes Chrysostomos ein!

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Michael
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Michael »

Oder dieser Mann neben Christus der auch am Kreuz war. Im letzten Moment bereute er auch. war glaube ich so...
Zuletzt geändert von Michael am 12.05.2010, 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
„Heilig, heilig, heilig, furchtbar und groß, hoch(erhaben),
bewundernswert und verherrlicht ist der Herr in die Äonen der
Äonen!“
Anastasis+
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Anastasis+ »

Genau, lieber Michael, sehr schönes Beispiel!
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Michael
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Michael »

Ist noch was hängen geblieben. :wink:
Zuletzt geändert von Michael am 12.05.2010, 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Nassos
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Nassos »

Danke Leute. Seht ihr, diese Beispiele sind mir gar nicht durch den Kopf gegangen.

Was sagte denn der Hl. Chrysostomos?

Danke und Gruß,
Nassos
Anastasis+
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Anastasis+ »

Nassos hat geschrieben:Danke Leute. Seht ihr, diese Beispiele sind mir gar nicht durch den Kopf gegangen.

Was sagte denn der Hl. Chrysostomos?

Danke und Gruß,
Nassos
Quelle: http://www.ukrainische-kirche.at/osterpredigt.html
Osterpredigt Chrysostomos

Ist einer fromm und liebt Gott, so erquicke er sich an dieser herrlichen und leuchtenden Feier. Ist jemand ein guter Knecht, so gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn. Hat jemand sich beim Fasten abgemüht, so empfange er jetzt den Lohn. Wer von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange heute den gerechten Verdienst. Wer nach der dritten Stunde gekommen ist, der feiere dankend mit. Wer erst nach der sechsten Stunde angelangt ist, der soll nicht von zweifeln befangen sein, denn er wird nichts einbüßen. Wer bis in die neunte Stunde säumte, der trete unverzagt heran, ohne zu fürchten. Sollte jemand erst zur elften Stunde gekommen sein, so möge er wegen seiner Saumseligkeit nicht bangen. Denn der Gebieter ist freigiebig, er nimmt den Letzten ebenso auf wie den Ersten. Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, gleich dem der von der ersten Stunde an gearbeitet hat. Gegen den zuletzt gekommenen ist er gnädig und den Ersten behandelt er freundlich. Den einen beschenkt er und dem anderen entzieht er nicht seine Gaben. Die Werke nimmt er an, sieht aber auch den Willen. Die Handlungen würdigt er, lobt aber auch die Entschlüsse. Geht also alle ein in die Freude unseres Herrn. Erste und Letzte - empfanget den Lohn. Arme und Reiche - freuet euch miteinander. Enthaltsame und Nachlässige - ehret den Tag. Die ihr gefastet und nicht gefastet - freut euch. Der Tisch ist reichlich gedeckt, genießt davon alle. Das Mastkalb ist geschlachtet, niemand gehe hungrig hinaus. Erquickt euch alle am Gastmahl des Glaubens. Empfanget alle vom Reichtum der Barmherzigkeit.

Es klage niemand über seine Armut, denn das Reich ist für alle erschienen. Es beweine niemand seine Sünden, denn die Vergebung strahlt hervor aus dem Grabe. Es fürchte keiner den Tod, denn befreit hat uns der Tod des Erlösers. Vernichtet hat den Tod, Er, der von ihm umfangen. Abgenommen hat der Hölle die Beute, Er, der zur Hölle hinabfuhr. Die Bitterkeit hat er sie spüren lassen, da sie von seinem Fleische genossen. Isaias sagt es voraus: "Die Unterwelt wurde voll Bitterkeit, da sie dich unter der Erde antraf." Voll Bitterkeit wurde sie, denn sie wurde zertreten, voll Bitterkeit wurde sie, denn sie wurde getötet. Voll Bitterkeit wurde sie, denn sie wurde vernichtet. Sie nahm den Leib und stand Gott gegenüber. Sie nahm von der Erde und traf den Himmel. Sie nahm, was sie sah, und fiel, durch das, was sie nicht sah. "Tod, wo ist Deine Stachel, Hades, wo ist dein Sieg?" Christ ist erstanden, und du bist gestürzt. Erstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen. Erstanden ist Christus und es freuen sich die Engel. Erstanden ist Christus und das Leben ist befreit. Erstanden ist Christus und der Toten ist keiner mehr im Grab. Denn Christ ist erstanden von den Toten und ward der Erstling derer, die entschlafen waren. Ihm sei Ehre und Macht in Ewigkeit. Amen.
 
Meine Hoffnung ist der Vater,
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Nassos
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Nassos »

Lieber Anastasis,

vielen Dank! Da fällt mir das Gleichnis mit den Knechten auf dem Weinberg ein. Es sind solche, die vom Morgen schon arbeiten und jene die am späten Nachmittag anfangen. Alle erhalten den gleichen Lohn. Die Langarbeiter beschweren sich und werden zurechtgewiesen (auch wenn der Vergleich mit der Osterpredigt an dieser Stelle etwas hinkt, denn darum geht es dort nicht).

Mir fällt jetzt nicht ein, in welchem der Evangelien ich das gelesen hatte. Aber Du weißt bestimmt was ich meine....?

Lieben Gruß,
Nassos
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Evagrios Pontikos
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Grundlegend dafür ein Christ zu sein ist die Taufe: Wer getauft ist, der ist in den Dreieinigen Gott hineingetauft, dessen Name bei der Taufe über uns ausgerufen worden ist. Paulus spitzt das dann noch zu, indem er sagt, dass wir bei der Taufe in den Tod Christi hineingetauft worden sind.

Christsein bedeutet deshalb als zweites, in der Taufe zu leben, im Machtbereich, im Lebensbereich des Dreieinigen Gottes: dadurch, dass wir als Glaubende sein Wort hören und die Sakramente empfangen, dass wir beten und Gott gehorchen. Dieses Leben in der Taufe zielt vor allem auf den immer wiederkehrenden Zielpunkt des Glaubens, auf die Vereinigung mit Christus in der Eucharistie.

Nun kann man auch aus der Taufe herausfallen. Christsein bedeutet deshalb auch, immer wieder durch die Buße in seine Taufe hineinzukriechen, wie Martin Luther das ausgedrückt hat.

Christsein ist also ein Lebensvollzug, ein Weg mit Christus, eine Lebensbeziehung zum Dreieinigen Gott, gegründet in der Taufe und sich immer neu vollendend in der Eucharistie, bis wir einst in die ewige Eucharistie im Himmel eingehen werden.
Pax et bonum!

Evagrios Pontikos

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Elvis
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Re: Was bedeutet es Christ zu sein?

Beitrag von Elvis »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Grundlegend dafür ein Christ zu sein ist die Taufe: Wer getauft ist, der ist in den Dreieinigen Gott hineingetauft, dessen Name bei der Taufe über uns ausgerufen worden ist. Paulus spitzt das dann noch zu, indem er sagt, dass wir bei der Taufe in den Tod Christi hineingetauft worden sind.

Christsein bedeutet deshalb als zweites, in der Taufe zu leben, im Machtbereich, im Lebensbereich des Dreieinigen Gottes: dadurch, dass wir als Glaubende sein Wort hören und die Sakramente empfangen, dass wir beten und Gott gehorchen. Dieses Leben in der Taufe zielt vor allem auf den immer wiederkehrenden Zielpunkt des Glaubens, auf die Vereinigung mit Christus in der Eucharistie.

Nun kann man auch aus der Taufe herausfallen. Christsein bedeutet deshalb auch, immer wieder durch die Buße in seine Taufe hineinzukriechen, wie Martin Luther das ausgedrückt hat.

Christsein ist also ein Lebensvollzug, ein Weg mit Christus, eine Lebensbeziehung zum Dreieinigen Gott, gegründet in der Taufe und sich immer neu vollendend in der Eucharistie, bis wir einst in die ewige Eucharistie im Himmel eingehen werden.
Liebe Brüder und Schwestern,

das ist vollkommen richtig.

Denn wer lebendig ist, der lebt wahrlich, und dieser ist ein Gesalbter=Christ. :angle:

der HERR schütze euch
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA
Antworten