Liturgie
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Rene
Liturgie des Hl. Jakobus
Liebe Freunde,
soweit mir bekannt, ist die Liturgie des hl.Basileos des Großen aus der Liturgie des hl. Jakob, vor allem durch unterschiedliche Kürzungen entstanden. Ich habe gehört, daß diese in einigen orthodoxen Teilkirchen oder bei altorientalen nichtkanonischen Kirchen auch noch heute gelegentlich(?) gesungen wird.
Kann mir jemand dazu mehr sagen?
Gottes Segen
Vladimir
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protopeter
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Bei den Bennenungen und Ursprüngen der Liturgien ist insoferne ein Unterschied zu machen, als einige tatsächlich auf die Urheberschaft des Heiligen, nach dem sie benannt sind, zurückgeführt werden können; andere wiederum stehen in einer besonderen ortskirchlichen Tradition. Was nun die Basiliosliturgie anbelangt, so scheint es nach dem Stand entsprechender liturgiehistorischer Forschungen wohl unbezweifelbar, daß diese authentisch auf den kappadokischen Kirchenvater zurückgeht - somit also in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts entstand.
Bei der Jakobusliturgie, die regelmäßig vor allem bei den monophysistischen Syrern gefeiert wird (in der Orthodoxen Kirche nur mehr am Gedenktag des Apostels und hier eigentlich nur im Patriarchat von Jerusalem) deutet die Entstehung ihrer Struktur ebenfalls ins 4. Jahrhundert. Wäre dieser Liturgietypus früher entstanden, so gäbe es sicherlich entsprechende Zeugnisse dafür; so kann man sagen, daß die Jakobusliturgie in ihrer traditionellen Entwicklung ein Zeugnis innerer Autonomie des Jerusalemer Patriarchates war. Als es im 8. und 9. Jahrhundert zur Kodifizierung des Typikons kam, übernahmen alle Lokalkirchen, die sich zur byzantinischen Orthodoxie bekannten, allmählich auch die ursprünglich einzig im Patriarchat Konstantinopel verbreiteten lokalkirchlichen gottesdienstlichen Gebräuche. Auf diese Weise wurde die Jakobusliturgie auch im Jerusalemer Patriarchat von Chrysostomos-, und Basiliosliturgie verdrängt.
Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Herzlich Willkommen hier und frohes, erbauliches Schreiben.
Zur Jakobusliturgie: Wenn es sich irgendwie mal anbietet würde ich gerne der Jakobusliturgie in Göttingen beiwohnen. Es ist zu bewundern, welchen liturgischen Schatz diese kleine russische Gemeinde, durch eine mühsame aber gesegnete Erarbeitung, besitzt.
Hier mal ein paar Impressionen der Jakobusliturgie aus dem Jahre 2005, für alle die etwas schauen möchten
Lieber Sebastian,Sebastian hat geschrieben:Hallo Vladimir !
Herzlich Willkommen hier und frohes, erbauliches Schreiben.
Zur Jakobusliturgie: Wenn es sich irgendwie mal anbietet würde ich gerne der Jakobusliturgie in Göttingen beiwohnen. Es ist zu bewundern, welchen liturgischen Schatz diese kleine russische Gemeinde, durch eine mühsame aber gesegnete Erarbeitung, besitzt.
Hier mal ein paar Impressionen der Jakobusliturgie aus dem Jahre 2005, für alle die etwas schauen möchten
ich danke Dir herzlich für Deinen Willkommensgruß.
Ich habe auf den von Dir verlinkten Seiten etwas gestöbert und eine etwas detailliertere Beschreibung der Historie der Nutzung der Jakobusliturgie gefunden. Demnach war sie in älteren Zeiten auch in anderen Patriarchaten (Antiochien und Alexandrien) beliebt. Später aber aus den von Vater Peter geschilderten Gründen nur noch sporadisch genutzt - in Jerusalem und auf der griechischen Insel Zakinthos: am Festtag des heiligen Apostels Jakobus am 23. Oktober (5. November), am Sonntag nach Weihnachten und am Festtag der Siebzig Apostel am 4. (17.) Januar.
Verblüffend finde ich die neue Entwicklung, daß sie in der Exil-ROK als ein zusätzlicher, optionaler Ritus offiziell eingeführt wurde, und das schon 1938!. Dazu siehe: http://www.orthodoxia.de/Jakobusliturgie.htm
Es ist auf jeden Fall ein sehr gewagtes Unternehmen, da es dafür in der ROK eigentlich keine Tradition gibt - auf Kirchenslawisch gab es die Liturgie offensichtlich gar nicht. Die Mühe muß aber mit Erfolg gekrönt worden sein, wenn die Jakobusliturgie mittlerweile auch in Serbien und Bulgarien, und sogar in Rußland selbst gefeiert wird oder wurde.
Interessant finde ich auch den musikalischen Rückgriff auf die Urgregorianik.
Vielen Dank für die Vermittlung dieser sehr interessanten Fakten. Ja, die Vorstellung, der Stadt Göttingen einen Besuch abzustatten, ist sehr verlockend.
Gottes Segen
Vladimir
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protopeter
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Die Jakobusliturgie wurde seitens der ROKA im Jahre 1938 buchstäblich "wiederbelebt" - so stammte auch aus deren Reihen eine Übersetzung ins Kirchenslawische. Die dahinterstehende Idee war, diese Liturgieform, deren Feier niemals untersagt worden war, wieder in den regulären gottesdienstlichen Zyklus zu integrieren. Wie allerdings die Praxis bis in die Gegenwart zeigt, blieb es lediglich beim wohlgemeinten Vorhaben.
Mit Segensgrüßen,
Erzpr. Peter
Geehrter Vater,protopeter hat geschrieben:...Wie allerdings die Praxis bis in die Gegenwart zeigt, blieb es lediglich beim wohlgemeinten Vorhaben.
das sehe ich nicht unbedingt so. So ein Vorhaben muß einfach reifen. Und was sind 70 Jahre in der Liturgiegeschichte? Ich glaube nicht, daß jemand damals tatsächlich erwartet hat, daß man die Jakobusliturgie für Alle an bestimmten Tagen irgendwie festverankert, so wie es bei der Göttlichen Liturgie nach dem hl.Basilios der Fall ist. Dafür gibt es hier keine Tradition - zumindest noch nicht
Ich finde die Tatsache, daß diese Liturgie in bestimmten Gemeinden an bestimmten Tagen oder zumindest gelegentlich gefeiert wird (in Göttingen offensichtlich regelmäßig), schon als Erfolg. Interessant fand ich auch, daß diese "exil-russische" Wiederbelebung ein Echo auch in anderen Ländern erfahren durfte, vor allem, daß sie auch in Russland offensichtlich zumindest als ein legitimer Ritus angesehen wird, obwohl die Übersetzung aus den erst kürzlich überwundenen Trennungszeiten im Exil entstanden ist.
Sicher hast Du recht, es ist eine Wiederbelebung, keine Neuschaffung. Dennoch ist es doch noch ein Stück mehr: Wann hat jemand das letzte mal gewagt, einen Ritus, eine Liturgie, in das Kirchenslawische für einen gottesdienstlichen Gebrauch zu transferieren?protopeter hat geschrieben:Die Jakobusliturgie wurde seitens der ROKA im Jahre 1938 buchstäblich "wiederbelebt" - so stammte auch aus deren Reihen eine Übersetzung ins Kirchenslawische....
Gottes Segen
Vladimir
Lieber Sebastian,
ich habe mir soeben einige kurze Ausschnitte aus der Jakobusliturgie angehört.
Ich muß sagen, einfach genial. Z.B. Das Trishagion: http://www.orthodoxia.de/Audio/Jakobus/04_Titel_4.mp3.
Den gregorianischen Einfluß hört man deutlich z.B. im "Vater Unser": http://www.orthodoxia.de/Audio/Jakobus/24_Titel_11.mp3
Noch einmal ein herzliches "vergelt's Gott" für die Vermittlung dieses geistigen Genusses.
Gottes Segen
Vladimir
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protopeter
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Verstehen wir uns richtig: Natürlich braucht diese Wiederbelebung eine gewisse Zeit, um weiter auszureifen; darüberhinaus muß aber auch gesagt werden, daß sich die Jakobusliturgie im Patriarchat von Jerusalem vom 4. bis zum 8. Jahrhundert zu der charakteristischen eucharistischen Gottesdienstform dieser Ortskirche entwickelte - ähnlich der im Patriarchat Alexandria zur selben Epoche praktizierten Markusliturgie, die heute als die zentrale Liturgieform der Kopten gilt.
Es steht außer Frage, daß mit der Initiative der Göttinger Gemeinde ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung gesetzt wurde; was jedoch die seinerzeitige Übertragung des liturgischen Textes aus dem Griechischen ins Kirchenslawische anbelangt, würde ich dies nicht unbedingt als "Wagnis" einstufen, da - wie Dir sicherlich bekannt ist - in der Orthodoxen Kirche eine jegliche Sprache zur Feier der Gottesdienste Verwendung finden kann.
Möge die Gnade des Allbarmherzigen Herrn mit Dir sein !
Herzlich grüßt
Erzpr. Peter
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holzi
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Guten Morgen,protopeter hat geschrieben:Als es im 8. und 9. Jahrhundert zur Kodifizierung des Typikons kam, übernahmen alle Lokalkirchen, die sich zur byzantinischen Orthodoxie bekannten, allmählich auch die ursprünglich einzig im Patriarchat Konstantinopel verbreiteten lokalkirchlichen gottesdienstlichen Gebräuche. Auf diese Weise wurde die Jakobusliturgie auch im Jerusalemer Patriarchat von Chrysostomos-, und Basiliosliturgie verdrängt.
übrigens hat sich auf recht ähnliche Weise - wenn gleich etwas später - im Westen die stadtrömische Liturgie gegen die gallikanische, gegen die irische, die mozarabische und die altenglische Liturgieform durchgesetzt.
Grüße
Konrad
Da du gerade die Markusliturgie mit den Kopten in Ägypten in Verbindung bringst ...
Ich habe mal gelesen, dass Kopten im allerheiligsten, im Altarraum kommunizieren.
Ist dies eine Eigenart (nicht negativ gemeint !) der Kopten, oder fester Bestandteil
der Markusliturgie.
brüderliche Grüße nach Salzburg
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protopeter
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Die Tatsache, daß in der koptischen Kirche Laien im Altarraum kommunizieren, ist mir nicht bekannt; dies ist auch in keinem Fall ein Bestandteil der Markusliturgie. In allen Liturgieformen - östlicher wie auch westlicher Prägung - ist der Ort des Eucharistieempfangs klar geregelt: Kleriker im Heiligtum (wobei es im Lauf der Geschichte im Hinblick auf Lektoren und Hypodiakone variierende Praktiken gab), Laien immer an der Stufe zum Altarraum.
Brüderliche Grüße und Segenswünsche sendet
Erzpr. Peter
Vielen Dank für die Segenswünsche ! Freue mich eine Freude bereitet haben zu dürfen.Vladimir hat geschrieben:
Noch einmal ein herzliches "vergelt's Gott" für die Vermittlung dieses geistigen Genusses.
Gottes Segen
Ich werde versuchen den genauen Wortlaut aus dem Buch (so ich mich denn erinnere *gedächniseckenwühl*Vater Peter hat geschrieben:Die Tatsache, daß in der koptischen Kirche Laien im Altarraum kommunizieren, ist mir nicht bekannt[...]
genau über diesesThema bin ich auch letztens gestolpert:
"Zum Empfang der Kommunion steht den Gläubigen der Raum um den Altar ("Sancta sanctorum") offen. Die Kommunikanten waschen vorher ihre Hände, die Frauen bedecken außerdem die rechte Hand mit einem Tüchlein, das "Dominicale" heißt; sie erhalten das konsekrierte Brot in die Hand und trinken anschließend aus dem Kelch."
So steht es bei K. Gamber, Der altgallikanische Meßritus, Verlag F.Pustet Regensburg.
Gottes Segen
Hans-Peter