Christus ist auferstanden!
Liebe Freunde!
Da ich von Orgeln einigermaßen etwas verstehe muß ich jetzt mal einiges loswerden.
Wie kam die Orgel in die Kirche? Das ist relativ einfach erklärt. Ein Instrument kam als diplomatisches Geschenk aus Konstantinopel nach Aachen und wurde in der Pfalzkapelle untergebracht weil sie dort unter Gottes "Aufsicht" keinen "Schaden" anrichten konnten. Im Laufe der Jahrhunderte bekam die Orgelmusik einen festen Platz im Gottesdienst.
Und der sah so aus:
Der Organist hatte eine genauso fest definierte Funktion wie der Lektor, der Vorsänger und der Chorleiter. In der Praxis sah das so aus, daß der Chor und der Organist abwechselnd musizierten. 1. Zeile singt der Chor, wir hören die Musik und den Text. Die 2. Zeile spielt der Organist, wir hören die Musik und die Begleitstimme, genannt Contrapunkt. Im Fachchinesisch heiß das "Alternatim-Praxis". Diese Art der Kirchenmusik setzt voraus, daß Musik und Text eindeutig zuzuordnen sind. Und natürlich auch daß die Melodien sehr geläufig sind, damit jeder den Text still mitbeten kann,wenn er allein die Musik hört.
Letzteres ist inzwischen in allen Konfessionen utopisch!
Ist so etwas im byz. Ritus möglich? Ich phantasiere mal und stelle mal folgenen Analogschluß vor: In der griechisch-byz. Musik sind die Irmoi des Kanons relativ unverwechselbar. Man würde also den Irmos den Psaltis singen lassen und die Kathavasia am Ende der Ode übernäme der Organist. Meine Lieben, ich sage das nicht, weil ich jetzt Orgelmusik einführen will, sondern lediglich um die oben beschriebene Praxis an einem orthodoxen Modell zu erklären !
Wo bleibt jetzt aber die Begleitung des Gesanges?
Nun das ist, gemessen am Alter des Christentumes, eine relativ neue Angelegenheit aus den letzten 200 Jahren !!!
Auch die großen Förderer des Gemeindegesanges z.B. Luther und Calvin gingen grundsätzlich von unbegleiteten Gesang aus.
Die Texte und Melodien des berühmten Genfer Psalters (das Liederbuch der Calvinisten) sind extra so konzipiert, daß man sie gut OHNE ORGEL singen kann, vor allem mit seinem klassischen Rhythmus:
Tám ta ta tám tám ta ta ta ta tám tám ... Oder mit Text: Eínst saßen wír vérbannt an Babels Strömén ....(Ps 137 / 136)
Erst ungefähr zu J.S.Bachs Zeiten kam eine Orgelbegleitung auf. Für die Fachleute das Sichwort Generalbaß. Damals konnte die gemende noch relativ gut und sicher singen und der Organist begeitete den Gesang mit ein paar Harmonien. Heute begleitet die Gemeinde den Organisten weil sie nicht singen kann. DAS ist das Problem.
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Es folgt der 2. Teil