Sinaitis hat geschrieben:Lieber Rene,
Danke, Du hast sehr recht. Dieses Gerede über deutsche Liturgie geht mir auf die Nerven. In München, in Stuttgart, in Mainz, in Düsseldorf, in Berlin, in Frankfurt, in Bischofsheim in Geilnau, in ... in ...in ... was weiß ich, wo, gibt es deutsche Gemeinden und deutschsprachige Gottesdienste. Die sind fast Familienbetriebe, weil kaum Interesse besteht. Mag ja sein, daß der Gesang gräßlich ist, die Uhrzeiten schrecklich und und und. Aber wegzubleiben statt mitzumachen ist nicht missionarisch.
Es tut mir leid, wenn Ihnen das Gerede zum Thema "Deutsche Liturgie" auf die Nerven geht; es war von mir nicht beabsichtigt.
Sie haben ja recht, es gibt deutsche Liturgien und kaum einer geht hin.
In meiner Stadt ist sogar so, dass, anstatt in die deutschen Liturgien hinzugehen, die von verschiedenen Kirchen angeboten werden, es Leute gibt die nur in "ihre" Kirche gehen und keinesfalls in eine Kirche einer anderen Nationalität.
Das es um die Feier der Göttlichen Liturgie in deutsch geht, spielt keine Rolle.
Manche fahren zig Kilometer für "byzantinische" Liturgien a la Niederalteich, aber die deutschen orthodoxen Liturgien bleiben leer.
Falls ich damit gemeint sein sollte, wie gesagt, ich habe dort jemand besucht, abgesehen von einer Preisverleihung, die mich auch interessiert hat.
Falls andere damit gemeint sein sollten, es sind in der Regel nicht-orthodoxe Christen, die "zig Kilometer" fahren.
Was die nationalgeprägten Kirchen angeht, so haben die Bischöfe Recht, wenn sie feststellen, daß die Zeit für das Deutsche noch nicht reif ist. Es gibt weder genügend Übersetzungen noch gute ausgereifte Musik. Und immer nur von der Catholica unio oder von Niederalteich zu kopieren, bringt uns auch nicht weiter.
Für deutsche Orthodoxe, und ich betone jetzt mal das "deutsch" in diesem Kontext besonders, ist diese Arbeit wirklich wertvoll, denn sie ermöglicht uns die promte Singen in einem Chor; Schwierigkeiten macht das meist nur denen, die auf eine rein byzantinische Choralversion bestehen. Der Mehrheit jedoch, und das ist jetzt mein Erfahrungswert, ist der mehrstimmige meist aus dem Russischen stammenden Gesang am vertrautesten.
Sicher auch eine kulturelle Frage.
Die nationalgeprägten Gemeinden suchen in der Kirche ein Stück Heimat, vielleicht ihre verlorene Heimat. Und Kirche ist Heimat. Deutsche Fremde haben die Menschen 6 Tage in der Woche. Wegen 0,5 % Konvertiten in einer Gemeinde kann nicht die ganze Gemeinde umgekrempelt (germanisiert) werden, zumal die fremdsprachigen Liturgien eine gewachsene großartige Tradition und Einheit von Musik Hymnik und Poesie sind. Das läßt sich nicht über Nacht eindeutschen.
Wer würde denn auf eine solche Idee kommen, solche Gemeinde "eindeutschen" zu wollen?
Ich spreche nicht gegen Deutsche Liturgie, ich will nur Grenzen aufzeigen und für die Traditionen der Kirche werben. Nur wenn wir ganz in der Tradition der Kirche aufgegangen sind, können wir uns auch an die authentische Umsetzung ins Deutsche machen.....
Ich kenne genügend Chorleiter und Sänger und sogar Kleriker von "byzantinischen" Chören, die so gut wie noch nie einen orthodoxen Gottesdienst erlebt haben, aber glauben, genau zu wissen, wie es gehen muß. So kann keine deutsche Orthodoxie entstehen.
Sie haben vollkommen recht.
Das habe ich die Leute dort auch gefragt; die meisten (es gab auch solche, die schon orth. Gottesdienste besucht haben) hatten doch eine gewisse Hemmschwelle, in eine "ausländische" Kirche zu gehen.
Konfessionelle Bedenken hatte keiner.
Sonst produzieren wir nur bunt schillernde Fragmente und Plagiate (so wie Niederalteich und andere).
Ich finde es ziemlich unangemessen von Plagiaten ((vom lat. Wort plagium, „Menschenraub“ abgeleitet, ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes oder Teil eines eigenen Werkes. Dieses kann sowohl eine exakte Kopie, eine Bearbeitung (Umstellung von Wörtern oder Sätzen), eine Nacherzählung (Strukturübernahme) oder eine Übersetzung sein.) zu reden, denn in der röm. Kirche ist die Vielfallt von Riten erlaubt. Es geht hier weder um Uniatentum, noch um eine Folkloreveranstaltung, sondern es sind meist röm. kath. Christen, die eben in der byz. Liturgie die Eucharistie feiern möchten.
Das das nicht mit der Orthodoxie zu vergleichen ist, versteht sich von selbst.
Es steht uns nicht an den Glauben oder die Andacht anderer Christen zu diskreditieren.
Nur so nebenbei; Es gibt - es kam hier an anderer Stelle schon zur Sprache - in einigen orth. Gemeinden des angelsächsischen Raumes die Feier der Sarum-Liturgie, in Gemeinden die zur russisch-orthodoxen Kirche gehören. Ich hab mich mal damit beschäftigt und es ist doch so, dass diese Liturgie wohl eine Vorform der heutigen römischen Messform ist.
Es gibt eine grosse Ähnlichkeit mit der tridentinischen Messe.
Ich will damit sagen, es gibt auch in der orthodoxen Kirche die Möglichkeit der verschiedenen Riten. Weder produzieren diese Gläubigen ein Plagiat, noch macht es sie insgeheim zu Katholiken.
Allerdings wäre das für mich keine Option. Ich liebe "meine" Göttliche Liturgie über alles.
Umgekehrt lieben viele Deutsche Orthodoxe die orthodoxen Gemeinden so wie sie sind. Und das ist gut so. So können sie hineinwachsen in eine authentische Tradition - wie kleine Kinder.
Da ich in der Erwachsenenbildung zu tun habe, sollte man sich nicht wundern, wie schnell solche "kleine Kinder" erwachsen werden.
Sie verstehen zwar nicht die Texte, aber was ist an "Kyrie eleison" auch zu verstehen. Und wir ein Cherubikon auf deutsch verständlicher als wenn es auf russisch gesungen wird? Wenn in der Katechese die Liturgie erklärt und im Schema verstanden wird, dann kann man auch einer fremdsprachigen Liturgie mit ganzem Herzen folgen. Bei den Gesängen der Liturgie hilft die deutsche Sprache auch nicht viel weiter.
Nein lieber V. Martinos, das mag vielleicht für Sie als Priester zutreffen, der Sie nicht nur Kirchensprachen verstehen, sondern auch eine ganz andere Ausbildung genossen haben.
Für uns einfache Gläubige macht es schon einen Unterschied, ob ein, z. B. Cherubikon, in der Muttersprache zu hören ist oder in einer anderen.
Wohlgemerkt, ich fühle mich in jeder Kirche eines Landes wohl - ich bin ohnehin in mehreren Kulturen gross geworden - und ich kann die Abläufe der Gottesdienste immer nachvollziehen, egal in welcher Sprache.
Das wurde mir damals bewusst, als ich eine Zeitlang den georgischen Gottesdienst besucht habe, und es wirklich darauf ankam, den Ablauf genau zu kennen, denn verstehen tut man rein gar nix.
Dennoch, Muttersprache bleibt Muttersprache, dazu sollten auch deutsche Orthodoxe stehen können, ohne gleich als Nationalisten zu gelten.
Etwas anderes ist das Stundengebet. Aber da fehlt es ja an den Texten. Ohne Textbasis und eine Musikadaption ist jede Diskussion über das Deutsche überflüssig.
Was Musikadaptionen betrifft, trifft es auf jeden Fall zu, aber an Texten ist inzwischen doch schon einiges da:
Da ist zum einem das kleine Gebet(Stunden)buch aus dem Kloster in Chania/Griechenland; es eignet sich hervorragend für jene, die auch zu Hause das eine oder andere Stundengebet lesen möchte.
Ich nehme das sehr gerne zur Kompet oder auch zum Mitternachtsgebet (Mesoniktikon) her und man muss als Laie auch nicht jedes Troparion wissen welches gerade ansteht; es ist in diesem Büchlein alles vorhanden, um Töne, Wochen und Hochfeste zu gedenken.
Und es gibt die Ausgaben des Verlages Fluhegg aus der Schweiz, die sich an den Texten der mal'cev'schen Ausgabe halten (immerhin ein wahrer Schatz der orth. Texte in Deutsch), allerdings in einem etwas heutigerem Deutsch.
Auch das pochaever Kloster zu München, bietet hervorragende Texte für bestimmte Hoch-Zeiten an.
Die göttinger Gemeinde ist sehr angagiert in der Sache.
Alles in allem, es gibt mehr als man denkt.
LG Songul