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Verfasst: 02.07.2009, 18:49
von Metanoia
Hallo Sinaitis,

ich bin mir sicher, dass auch du im Heiligen Geist durch Jesus Christus den Vater kennen gelernt hast.
"Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?" (Johannes 14,9)

Die Liebe Gottes sei auch mit dir!
Metanoia

Verfasst: 02.07.2009, 19:14
von Metanoia
Im Ernst: es kann nur einen Weg geben (die Wahrheit). Entweder man ist drin oder man ist nicht drin (ich spreche hier mal allgemein, egal wer sich als die Wahrheit betrachtet).
Hört sich hart an, aber hier ist Konsequenz gefragt. Knapp daneben ist auch vorbei.
Lieber Nassos, danke für deine klaren Worte!

Das Problem ist jedoch: was soll ich machen, wenn der Papst sagt, seine Kirche ist "DIE" Kirche, wenn die Baptisten sagen, sie sind "DIE" Christen ... ? Lauter deutliche Worte, aber wer hat Recht? Gibt es da eine neutrale Instanz, die sagen kann, wer denn nun Recht hat?

Verfasst: 02.07.2009, 19:28
von Ludwig Martin
Nö, ganz im Gegenteil - im Prinzip fängt sie ja genau da an.

Für mich ist die Sache ein Weg und als Laie ist es auch umso wichtiger, diesen Weg nicht in Hetze zu gehen, sondern sachlich und mit Bedacht.

Ich empfinde es momentan so, dass viele Dinge in der Orthodoxie offenkundiger sind, als z.B. in der katholischen Kirche. Aber das heißt nicht, dass sie eben nicht da sind.

So lange das alles kompatibel ist, gibt es keine Probleme. Nun ja, und wenn es mal Probleme gäbe, tja, dann müsste man eben Konsequenzen ziehen.

Verfasst: 02.07.2009, 19:34
von Nassos
und die Juden, Moslems, ...

frag doch mal nach, warum sie das so sehen.
Vielleicht ist das Entzünden des Osterlichts jedes Jahr ein guter Hinweis...

Die neutrale Instanz gibt es natürlich nicht. Sonst wäre es kein Glaube, sondern Wissen.

Tja, keiner hat behauptet, dass dies einfach ist.

Weitersuchen! ;-)

Liebe Grüße,
Nassos

Verfasst: 02.07.2009, 23:21
von Metanoia
Liebe Geschwister,

Vielleicht erzähle ich einfach noch etwas zu meinem Hintergrund. Wer mich - lange bevor ich die orthodoxe Kirche kannte - inspiriert hatte, war der Inder Sadhu Sundar Singh. Er lebte von 1889 bis ca. 1930 und hatte eine Bekehrung à la Paulus. In seinem Angesicht habe ich Jesus gesehen wie sonst in kaum einem Menschen. Selten hatte ein einzelner Christ in den letzten 200 Jahren einen vergleichbaren Eindruck in der ganzen Welt hinterlassen. Seine Hauptwissensquelle war der Umgang mit Gott ("at the master's feet") und die Bibel; die Tiefe seiner Worte lassen aber durchscheinen, dass diese Quelle lebendig war. Er war anglikanisch getauft und blieb auch in der anglikanischen Kirche, ohne dass das ihn groß theologisch inspiriert hätte (Gott war stärker).
Das zeigte mir, dass Gott auch dort, wo die authentische apostolische Sukzession nicht hinreicht, tätig ist. Gott ist der HERR, und Er hat gesagt: "15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist." (Hesekiel 34,15-16)
Vielleicht wird so etwas klarer, weshalb meine Vorstellung von Kirche etc. etwas unkonventionell ist. Sie ist vielleicht falsch, aber irgendwie spüre ich Ehrfurcht vor Gott auch in dem, was Er außerhalb der orthodoxen Kirche bei den Christenmenschen tut. Solange das so ist, fällt es mir schwer, hier auch nur das geringste Urteil zu fällen.

Möge Gott das Reich Gottes in uns stark werden lassen!
Metanoia

Verfasst: 03.07.2009, 08:30
von Ludwig Martin
Lieber Metanoia,

was deine Eindrücke angeht, sind diese in keinem Fall "falsch", aber man kann noch einige Dinge dazu ergänzen.

Wenn wir uns den Satz anschauen: "Gott wurde Mensch, damit der Mensch vergöttlicht werde", dann steckt ein kleines, aber markantes Detail darin, nämlich dass der Weg zu Gott, der Weg in den Himmel, hier auf Erden ein permanentes Streben nach Gottähnlichkeit ist.

Es ist klar, je mehr wir unsere Sinne weiten und uns auf diesen Vorgang einlassen, desto mehr geben wir Gott selbst die Möglichkeit, uns Sein Werkzeug sein lassen zu dürfen, und desto stärker kann er in/durch uns handeln.

Das ist der "konventionelle" Weg. Schauen wir nur auf den Apostel Paulus, und wir sehen, dass Gott immer auch noch ganz anders kann, das ist aber ein außerordentlicher Akt der Gnade.

Nun - auf die Kirche übertragen heißt das alles, je näher sie an Gottes Wahrheit ist, desto stärker ermöglicht sie, dass Gott durch sie wirken kann, segnen kann, Gnade schenken kann.

Das schließt ebenfalls nicht den unkonventionellen Weg aus - denn der Hl. Geist geht nunmal auch auf krummen Wegen gerade, aber das kann an sich wider besseren Wissens kein Kriterium sein. "Der Hl. Geist wird´s schon richten..."

Re: Was fasziniert mich an der Orthodoxen Kirche?

Verfasst: 04.07.2009, 07:42
von Mary
Anastasis+ hat geschrieben:Was verbinde ich mit der Orthodoxen Kirche?

Was sind meine ersten Erinnerungen an einen orthodoxen Gottesdienst?

Was beeindruckt mich als Orthodoxer Christ oder auch als nicht Orthodoxer an der Orthodoxen Kirche?
Hallo, ihr alle,

ich versuche mal eine Antwort mit folgendem Zitat (von der website von http://ourlifeinchrist.com/), das mich so sehr ins Nachdenken gebracht hat, dass ich um Aufnahme in die Kirche gebeten habe..
The Orthodox Church is evangelical, but not Protestant. It is orthodox, but not Jewish. It is catholic, but not Roman. It isn't non-denominational - it is pre-denominational. It has believed, taught, preserved, defended and died for the Faith of the Apostles since the Day of Pentecost 2000 years ago.
Mein zweiter Gedanke zum Thema:
In der orthodoxen Kirche habe ich Gott als den "Menschenliebenden" kennengelernt.

Dieser "Titel" für Gott hat es mir von Anfang angetan, weil er so sehr das ausdrückte, was ich von Gott bisher wusste und ich freue mich, dass ich in der orthodoxen Kirche erlebe, dass dies nicht nur ein Wort, eine Aussage ist, sondern dass die Kirche aus dieser Wahrheit heraus lebt.

LG Maria

(achja, meine erste Liturgie... war ein "Katakombenerlebnis" im wahrsten Sinn, in einer Krypta, notdürftig eingerichtet für orthodoxe "Bedürfnisse", ich verstand kein Wort (serbisch) und war überwältigt von der Heiligkeit und der Liebe und Fürsorge für uns, die Besucher)

Verfasst: 04.07.2009, 11:37
von Metanoia
Hallo Maria,

Was bemerkenswert ist, ist auch die gewisse Portion Humor und Fröhlichkeit in der orthodoxen Kirche, was mich in Teilen an den jüdischen Humor erinnert und möglicherweise eine gemeinsame Wurzel hat, da ja die Christen Heiden sind, welche in das Christus nachfolgende Judentum eingepropft sind.

Etwas anderes ist die "Gemeinschaft der Heiligen", die in der orthodoxen Kirche lebendig wird. In den Ikonen treten einzelne Heilige sichtbar in die Gemeinschaft der noch im sterblichen Leib wandelnden Christen. Der Raum wird durch sie gefüllt. Das orthodoxe Kirchengebäude ist - wenn ich es richtig gelesen habe - ein Abbild des menschlichen Körpers. Müsste darum nicht auch im einzelnen orthodoxen Gläubigen die Gemeinschaft der Heiligen möglich sein?

Die Liebe des Vaters sei mit euch, wie sie mit Jesus war!
Metanoia

Verfasst: 05.07.2009, 00:12
von Sinaitis
Lieber Metanoia,
leider muß ich Dich noch einmal korrigieren, aber ich bin daran nicht schuld.
Die gotischen Kirchen bilden exakt die (damals geglaubten) Proportionen des menschlichen Körpers nach. Der menschliche Körper ist das Modell beispielsweise von Chartres.
Mit dem orthodoxen Kirchenbau hat das absolut nichts zu tun. Es wäre unorthodox, den Mensch zum Maß aller Dinge zu machen, vor allem für das Gotteshaus, das den Himmel auf Erden abbildet und den Menschen über sich erheben (vergotten) soll.

Verfasst: 05.07.2009, 10:33
von Mary
Hallo,
Metanoia hat geschrieben:Hallo Maria,

Was bemerkenswert ist, ist auch die gewisse Portion Humor und Fröhlichkeit in der orthodoxen Kirche, was mich in Teilen an den jüdischen Humor erinnert und möglicherweise eine gemeinsame Wurzel hat, da ja die Christen Heiden sind, welche in das Christus nachfolgende Judentum eingepropft sind.
Ich weiss nicht, ob das vom jüdischen Humor her kommt, kann sein...

Aber mir fällt auch auf so eine gewisse Leichtigkeit. Orthodoxe Gottesdienste - zumindest so die allsonntäglichen - haben etwas Natürliches. Fehler werden mit Leichtigkeit verziehen und drüber weggesehen... es fühlt sich wirklich an wie das Zusammensein als Familie - vor Gott - wo jeder seinen persönlichen Beitrag beisteuert, ohne dass es grosse Vorbesprechungen bedarf.

Gestern grad erlebt: Der Priester hört kurz vor der Kommunion noch die Beichte des Lektors, der Chor stimmt einen Gesang an, um die Stille zu füllen (muss ja nicht jeder mitbekommen, was vorne geredet wird..) , da dreht sich der Lektor nochmal rum und ruft seine Anweisungen nach oben zur Empore:"Fangt doch schon mit den Kommuniongebeten an"...was dann auch sofort getan wird.
Metanoia hat geschrieben:Etwas anderes ist die "Gemeinschaft der Heiligen", die in der orthodoxen Kirche lebendig wird. In den Ikonen treten einzelne Heilige sichtbar in die Gemeinschaft der noch im sterblichen Leib wandelnden Christen.
Ja, das ist richtig. Und sie sind ja nicht nur sichtbar da, sondern wir "begrüssen" sie, stellen uns quasi in ihre himmlische Gemeinschaft, wenn wir ihre Ikonen verehren, beweihräuchern (ganz schön finde ich, dass dies im Wechsel geschieht, mal die "Gemeinde an der Wand" dann wieder die körperlich Anwesenden usw.) und ganz innig da, wo wir mit dem "Ische Cheruvimi" uns dem himmlischen Chor anschliessen.

LG Maria

Verfasst: 05.07.2009, 17:49
von Metanoia
Lieber Sinaitis,

ich danke dir herzlich für deine beiden Korrekturen! Hier bin ich ja auch, um zu lernen. Die von mir geäußerte Vorstellung geht auf etwas zurück, was ich irgendwann irgendwo im Internet gelesen habe, was ich jetzt aber nicht mehr finde. Hinzu kam der Gedanke von Paulus, dass unsere Körper Tempel Gottes seien.


Liebe Mary,

deine Beschreibungen sind schön und sprechen das gut aus, was ich intuitiv empfinde.
sie sind ja nicht nur sichtbar da, sondern wir "begrüssen" sie, stellen uns quasi in ihre himmlische Gemeinschaft, wenn wir ihre Ikonen verehren, beweihräuchern (ganz schön finde ich, dass dies im Wechsel geschieht, mal die "Gemeinde an der Wand" dann wieder die körperlich Anwesenden usw.) und ganz innig da, wo wir mit dem "Ische Cheruvimi" uns dem himmlischen Chor anschliessen.
Ja genau. Die Heiligen treten durch die Ikonen wie durch einen Eingang in den Raum hinein; die Ikonen wirken auf mich wie "Tropfen der himmlischen Wirklichkeit". Sie sind einfach "echter" als normale Bilder.

Die Liebe des Herrn Jesus sei mit euch!
Metanoia

Verfasst: 04.09.2009, 12:58
von Anastasis+
Um auf die Anfangsfrage wieder zurückzukommen, mich fasziniert an der Orthodoxen Kirche so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll.

Hier einmal ein Versuch kurz ein paar Gedanken mit euch zu teilen:

Die Orthodoxe Kirche versteht es auf eine einmalige Weise in der wunderbaren Göttlichen Liturgie und auch den vielen anderen Gottesdiensten das Irdische mit dem Himmlischen, die Erde mit dem Himmel, den Menschen mit Gott zu vereinen.

Eigentlich ist es mit Worten gar nicht zu beschreiben...

Verfasst: 04.09.2009, 14:56
von songul
Was mich an der orth. Kirche fasziniert ist ihre klare Linie durch die Geschichte hindurch und dass sie bei aller Strenge niemals die Liebe Christi vergisst.
Und ich finde die Orthopraxie unserer Kirche die logischte und menschlichste von allen christlichen Kirchen.

LG Songul

Verfasst: 04.09.2009, 15:32
von Ehemaliger
Das hast du schön gesagt. Ich stelle mich mal ganz unter deine Worte,denn besser kann ich es nicht
Danke
LG Benedikt

Verfasst: 11.09.2009, 15:34
von Johannes
Hallo,

ich bin der Neue hier.

Ich muss vorausschicken, dass ich erst einmal den orthodoxen Gottesdienst besucht habe. Ich war aber derart fasziniert und erfüllt und habe tatsächlich eine Nähe zu Gott gespürt.
Ich bin am Papier römisch katholisch, doch hab habe mein Leben bis jetzt vergeudet. Erst vor einigen Monaten bin ich zum Glauben gekommen. Bis dahin war ich lasterhaft, hedonistisch und heuchlerisch.
Nachdem ich dann wieder in die röm. katholische Kirche gegangen bin, in der ich getauft wurde, ging es mir besser, ich habe eine Art Ventil gefunden.

Doch bei den Gottesdiensten ist mir die Geschwätzigkeit aufgefallen. Es war für mich keine Anbetung, sondern eine Art Podiumsrede. Das hat mich in die orthodoxe Kirche gebracht.
Die orthodoxe Kirche ist für mich die wahre ecclesia orans.
Ich gehe dennoch, soweit es mir zeitlich möglich ist, jeden Tag zum Rosenkranzgebet in die (r.k.)Kirche.
Ich bin fasziniert von der Orthodoxie, da sie für mich tatsächlich die wahre Anbetung, und Bitten war. Die Gottesdienstbesucher, die voller Demut und aber gleichzeitig Glückseligkeit und Hoffnung den Gottesdienst zu dem machen was er sein sollte: eine Opfermesse, eben eine ecclesia orans.

Ich strebe sicherlich die Konversion an, doch ich bin neu und muss noch viel lernen. Vor allem Kirchenslawisch. Die Liturgie in deutscher Sprache wird nur einmal im Monat gefeiert.

Soviel zu meiner Geschichte, ich hoffe ich belaste das Forum nicht allzu sehr mit diesem Roman ;)

Grüße