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Re: Göttliche Liturgie des Hl. Ioannis Chrysostomos

Verfasst: 27.06.2010, 23:50
von Nassos
III. Das Trishagion(12)

a) Die Bitte des Trishagion-Hymnus (Heiliger Gott, der du im Heiligtum ruhest,...)

b) "Heiliger Gott" (3x)

c) Der Dialog zwischen Priester und Diakon: "Befiehl, Gebieter!" usw.

Re: Göttliche Liturgie des Hl. Ioannis Chrysostomos

Verfasst: 27.06.2010, 23:54
von Nassos
(12): Wenn wir vom "Trishagion" sprechen, dann meinen wir den triadischen Hymnus "Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher", der so heißt, weil er drei mal das Wort "Heiliger" beinhaltet.
Seine Wurzeln sind biblisch und werden sowohl vom Hymnus der Engel inspiriert, wie es beim Propheten Jesaja heißt "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Sabaoth", als auch von der Phrase aus dem Psalter "Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott" (41, 3). Wenn wir ihn singen, dann lobpreisen wir Gott als Dreiheit. Und das ist sein tieferer Sinn.

Jetzt betrachten wir ein paar Elemente bezüglich der Entwicklung und Einfügung des "dreiheiligen Hymnus" in die Göttliche Liturgie. Es ist kein ursprüngliches Element der Göttlichen Liturgie, aber begann als Ephymnium eines Psalms und konkret des 79., "Du Hirte Israels, höre, ...", der im 5. Jahrhundert antiphonisch während des Einzuges von Klerus und Volk in die Kirche gesungen wurde.
Im 6. Jahrhundert wird der dreiheilige Hymnus in die Göttliche Liturgie in der Form eingefügt, in der er bis heute noch existiert. D.h. die Synapte geht voraus, die - während sie anfänglich noch viele Bitten beinhaltete - sich langsam komprimierte. Am Ende blieb die Phrase übrig, die wir auch heute hören: "lasset zum Herrn uns beten". (Bezüglich der ursprünglichen Platzierung und Entwicklung der Synapte siehe unter den Bemerkungen zur den Irinika).

Es folgt die Bitte "Heiliger Gott...", die eine Bitte an Gott ist, den Dreiheiligen Hymnus (Trishagion) anzunehmen und beendet wird mit dem Ausruf "Denn du unser Gott bist heilig...". Im folgenden wird der Hymnus antiphonisch von den zwei Choren oder von den Priestern (wenn eine Konzelebration stattfindet) gesungen.
Es wird anfänglich drei mal gesungen, es folgt das "Ehre ... und jetzt" mit dem Letztendlichen (Akroteleftio) "Heiliger Unsterblicher ..." und wird im folgenden melodischer wiederholt. Es ist das "Stärker (Δύναμις)" oder Überschuss.
Das ist die logische Reihenfolge aller Elemente des Trishagions. Zuerst die Synapte, dann die Bitte und ihr Ausruf und am Ende die Psalmodie des Hymnus. Als es sich durchsetze, dass die Bitte geheim gesagt wird, wurde sie gelesen, wenn die Apolytikia gesungen wurden. Heute wird sie nach ihrem Ausruf gelesen, während der Psalmodie des Trishagions.

Der Dialog nach dem "Trishagion" zwischen Priester und Diakon, spricht über die "hohe Kathedra". Heute erscheint das wie eine grundlose Prozedur, aber sie beinhaltet eine sehr alte liturgische Praxis. An dieser Stelle, wie weiter oben schon erwähnt, efolgte der Einzug der Priester zum Altarraum und ihr Aufstieg zur Kathedra, also dem Thron hinter dem Altartisch. Dort saßen sie während der Lesungen und der Predigt. Die "hohe Kathedra" war der bischöfliche Thron hinter dem Altartisch. Von dieser Stelle wurde anfangs das Volk gesegnet, wie antike Quellen belegen.
Heutzutage ist das aus verschiedenen Gründen abgeschwächt und ihre Bedeutung ist verloren, es wird nur in den slawischen Kirchen erhalten.

Skizze der historischen Entwicklung der verschiedenen Elemente der Liturgie bis zum Kleinen Einzug (stichwortartig).

1.) 4. - 5. Jahrhundert:
- Einfacher Einzug des Klerus und des Volkes in die Kirche (mit dem Evangelium)
- Segnung des Volkes durch den Zelebrierenden mit dem "Friede allen".
- Lesungen (vom Zentrum der Kirche, denn dort war anfänglich die Kanzel)
- Predigt usw.

2.) 5. - 6. Jahrhundert:
- Das Trishagion als Ephymnium eines Psalmes (79.), von allen während des Einzugs antiphonisch gesungen
- Segnung des Volkes usw.

3.) 6. - 7. Jahrhundert:
- Beim Einzug antiphonischer Gesang mit Ephymnium - Isodikon Tropario "der Eingeborene" an Tagen, die kein Feiertag waren
- Bitte des Trishagion, Trishagion Hymnus (ohne Psalm)

4.) 7. - 10. Jahrhundert:
- Der Einzug des Klerus und des Volks erfolgt getrennt
- Es gibt nun drei Antiphona durch Hinzufügung zweier weiterer, um die Zeit der Proskomidie zu füllen. Die Antiphona werden von den entsprechenden Synaptes und Bitten begleitet.
- Während des dritten Antiphons erfolgt der Einzug des Evangeliums ("Kleiner Einzug") und die heutige Bitte des Einzugs wird erstmal verlesen. (Zu dieser Zeit verliert also der Einzug seinen anfänglichen Sinn und seine neue Form entwickelt sich)
- Große Synapte ("Irinika")
- Bitte und Trishagion
-Verlegung der Zelebranten zum Thron hinter dem Altartisch und Segnung der "hohen Kathedra" (des zentralen bischöflichen Thrones)
- Segnung des Volkes usw.
- im 9. Jahrhundert werden die Typika an den Anfang der Liturgie eingeführt.

5.) 10. - 11. Jahrhundert
- Die einleitende Segnung "Gesegnet sei das Reich..." wird in die Göttliche Liturgie eingeführt.
- Das Troparion "der Eingeborene" wird als sog. Überschuss in das 2. Antiphon versetzt.
- Die Synapte des Trishagions wird an den Anfang der Liturgie versetzt, d.h. nach dem "Gesegnet sei das Reich...", wo es sich auch bis heute noch befindet

6.) 12. Jahrhundert
- Die Troparia des 3. Antiphons mehren sich, hauptsächlich in den Klöstern.

Re: Göttliche Liturgie des Hl. Ioannis Chrysostomos

Verfasst: 28.06.2010, 00:00
von Nassos
Während der Hymnos "Trishagion" vom Volk gesungen wird, liest der P das Gebet
des "Trishagion", während der D in seiner Nähe steht.
Der D spricht leise:


D Lasset zum Herrn uns beten. Kyrie eleison.

Der P betet leise:

P Heiliger Gott, der du im Heiligtum ruhest, von den Seraphim mit dem Trishagion
gepriesen und von den Cherubim verherrlicht wirst! Du hast alles vom
Nichtseienden ins Dasein gerufen, du hast den Menschen nach deinem Gleichnisse
und Ebenbilde erschaffen und ihn mit deiner Gnade geschmückt. Du gibst den
Bittenden Weisheit und Verstand und verwirfst den Sünder nicht, sondern legst ihm
zum Heil Buße auf. Du hast uns, deine niedrigen und unwürdigen Diener, gewürdigt,
zu dieser Stunde vor der Herrlichkeit deines Altares zu stehen, und dir die schuldige
Verehrung und Anbetung darzubringen. Nimm, o Gebieter, aus unserem Munde den
Hymnus des Trishagion an und blicke in deiner Güte auf uns hernieder. Vergib uns
jede freiwillige und unfreiwillige Sünde, heilige unsere Seelen und Leiber und
verleihe uns durch die Fürbitten der heiligen Gottesgebärerin und aller Heiligen, die
dir von Anfang gefallen haben, alle Tage unseres Lebens in Heiligkeit dir zu dienen.
Denn du unser Gott bist heilig und zu dir senden wir Lobpreisung empor, zum Vater,
zum Sohne und zum Heiligen Geiste, jetzt und immerdar, und in die Ewigkeiten der
Ewigkeiten. Amen.

V Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser. (3x)
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar
und in die Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen.

Heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser,...

D Stärker

V Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser.

Am Festtage, bei:
Christi Geburt
Theophanie Christi
Lazarussamstag
Karsamstag
Hl. Pascha des Herrn
Die Paschawoche
Pfingsten
-- wird auf dieselbe Weise statt "Heiliger Gott,.." gesungen:

Alle, die ihr auf Christos getauft seid, ihr habt Christos angezogen! Alleluia!
An den Tagen der:
Kreuzverehrung
Kreuzerhöhung (14. 9.)
3. Fastensonntag
1. August
-- wird auf dieselbe Weise statt "Heiliger Gott".." gesungen:

Dein Kreuz verehren wir, o Gebieter, und deine Auferstehung preisen wir hoch!

Darauf sprechen der P und der D abwechselnd das Trishagion, dabei vollziehen sie
drei Verbeugungen mit dem Kreuzeszeichen vor dem hl. Altartisch. Dann spricht der
D


D Befiehl, Gebieter!

Und es gehen P und D nach der oberen Seite (neben der Kathedra) des Altarraumes.
Dabei spricht der P:


P Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn.
D Segne, Gebieter, die hohe Kathedra.

Der Priester segnet sie und spricht:

P Gesegnet bist du auf dem Throne der Herrlichkeit deines Reiches, der du sitzest auf
den Cherubim allezeit, jetzt und immerdar, und in die Ewigkeiten der Ewigkeiten.
Amen.