Meine Meinung
Verfasst: 25.07.2007, 13:35
Liebe Väter, liebe Brüder und Schwestern!
Ich habe gezögert, aber nicht abgelassen von meiner Absicht hierzu nochmal meine Gedanken zu äussern.
Teilweise bin ich enttäuscht über die Unkenntnis der Kirchengeschichte und der Bedeutung der heiligen Liturgie. Es hinterlässt den Eindruck das alles (muss nicht) "relativ" sein kann, vor allem bei Neofiten.
Was ist unter Liturgie zu verstehen? Öffentlicher (Gottes-)Dienst des gläubigen Volkes...Doksologie an einem Ort und einer Stelle. Vorausgesetzt das wir das gleiche Glauben, versöhnt sind, das wir in eucharistischer Gemeinschaft stehen, können wir uns dazu versammeln, um das "Heilige für die Heiligen" zu empfangen. HIer könnte man nun ausschweifen in ein anderes Thema, wer ist nun würdig dieser Gaben? Nur Klerus? Alle nur zur großen Fastenzeiten? Auch evtl. Heterodoxe?
Was mich interessiert ist aber, gibt es einen anderen Anlass die heilige Liturgie zu zelebrieren, ausser dem das "Heilige den Heiligen" ?
Ist die Liturgie eine "rituelle Aufführung" um Nicht-/Andersgläubige zu begeistern, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen, und die Realpräsenz der eshatologischen Gemeinschaft Gottes im Heiligen Geist tritt in die zweite Reihe? Ist alles wirklich relativ? Wenn die dogmatische Sichtweise hierzu gelockert wird, dann kann man anfangen auch andere orthodoxe Lehren Stück für Stück zu zersetzten, wie zB. das Verhältniss zur Pleroma-Konfession...oder Ikone-Idolatrie...Trinitätslehre, usw.
Wenn es wirklich so ist wie die überlieferte Litugieordnung vorschreibt durch den Aufruf: Ketechumenen gehet hinaus...und ihr Gläubigen, wieder und wieder lasset uns beten zum HErrn...für die vorgelegten Gaben lasset uns...usw. Trifft es erst Recht nicht zu auf Heterodoxe?
Wenn es doch "relativ" ist, warum ändert man den Text nicht ab - so fürchte ich, entkommen wir nicht dem Formalismus, der ja wirklich im lebendigen Glauben (zumindest bei der orthodoxen Auffassung) keinen Platz hat...oder wie es ein russischer Theologe meinte: wer auf die äussere Form Wert legt, hat die inneren (wesentlichen) Werte übersehen.
Also nochmal, ist es egal wie, dh. mit wem wir beten...vor allem in Punkto orthodoxes Liturgieverständnis? Ist in der Liturgie vorangig die eshatologische Dimension vor der Tradition, oder umgekehrt/ "relativ"?
Zum nachdenken ein Schrifftnachweis aus dem 2.Jhd:
Justin der Märtyrer
Erste Apologie
65. Der eucharistische Gottesdienst nach Empfang der Taufe.
Wir aber führen nach diesem Bade (61) den, der gläubig geworden und uns beigetreten ist, zu denen, die wir Brüder nennen, dorthin, wo sie versammelt sind, um gemeinschaftlich für uns, für den, der erleuchtet worden ist, und für alle andern auf der ganzen Welt inbrünstig zu beten, damit wir, nachdem wir die Wahrheit erkannt haben, gewürdigt werden, auch in Werken als tüchtige Mitglieder der Gemeinde und als Beobachter der Gebote erfunden zu werden, und so die ewige Seligkeit zu erlangen. Haben wir das Gebet beendigt, so begrüssen wir einander mit dem Kusse. Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht eine lange Danksagung dafür, dass wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden sind. Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt das ganze Volk seine Zustimmung mit dem Worte "Amen. Dieses Amen bedeutet in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns Diakonen heissen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser mit und bringen davon auch den Abwesenden.
66. Das Wesen der Eucharistie.
Diese Nahrung heisst bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie; sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos. Fleisch wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, dass die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht, unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei. Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche Evangelien heissen, überliefert/es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Das. tut zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib, und ebenso habe er den Becher genommen, Dank gesagt und gesprochen: Dieses ist mein Blut, und er habe nur ihnen davon mitgeteilt. Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in den Mithrasmysterien nachgeahmt und Anleitung dazu gegeben. Denn dass Brot und ein Becher Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter Sprüche hingesetzt werden, das wisst ihr oder könnt es erfahren.
67. Gemeindeleben der Christen, besonders ihr Sonntagsgottesdienst.
Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn, wir können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem aber, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde (65), wenn wir mit dem Gebete zu Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht. Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem Vorsteher hinterlegt; dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein Fürsorger. Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tage von den Toten auferstanden ist, Denn am Tage vor dem Saturnustage kreuzigte man ihn und am Tage nach dem Saturnustage, d. h. am Sonntage, erschien er seinen Aposteln und Jüngern und lehrte sie das, was wir zur Erwägung auch euch vorgelegt haben.
In Gedanken, wie das Verständnis darüber für manche heute ist...
Gruß,
sündiger milo
Ich habe gezögert, aber nicht abgelassen von meiner Absicht hierzu nochmal meine Gedanken zu äussern.
Teilweise bin ich enttäuscht über die Unkenntnis der Kirchengeschichte und der Bedeutung der heiligen Liturgie. Es hinterlässt den Eindruck das alles (muss nicht) "relativ" sein kann, vor allem bei Neofiten.
Was ist unter Liturgie zu verstehen? Öffentlicher (Gottes-)Dienst des gläubigen Volkes...Doksologie an einem Ort und einer Stelle. Vorausgesetzt das wir das gleiche Glauben, versöhnt sind, das wir in eucharistischer Gemeinschaft stehen, können wir uns dazu versammeln, um das "Heilige für die Heiligen" zu empfangen. HIer könnte man nun ausschweifen in ein anderes Thema, wer ist nun würdig dieser Gaben? Nur Klerus? Alle nur zur großen Fastenzeiten? Auch evtl. Heterodoxe?
Was mich interessiert ist aber, gibt es einen anderen Anlass die heilige Liturgie zu zelebrieren, ausser dem das "Heilige den Heiligen" ?
Ist die Liturgie eine "rituelle Aufführung" um Nicht-/Andersgläubige zu begeistern, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen, und die Realpräsenz der eshatologischen Gemeinschaft Gottes im Heiligen Geist tritt in die zweite Reihe? Ist alles wirklich relativ? Wenn die dogmatische Sichtweise hierzu gelockert wird, dann kann man anfangen auch andere orthodoxe Lehren Stück für Stück zu zersetzten, wie zB. das Verhältniss zur Pleroma-Konfession...oder Ikone-Idolatrie...Trinitätslehre, usw.
Wenn es wirklich so ist wie die überlieferte Litugieordnung vorschreibt durch den Aufruf: Ketechumenen gehet hinaus...und ihr Gläubigen, wieder und wieder lasset uns beten zum HErrn...für die vorgelegten Gaben lasset uns...usw. Trifft es erst Recht nicht zu auf Heterodoxe?
Wenn es doch "relativ" ist, warum ändert man den Text nicht ab - so fürchte ich, entkommen wir nicht dem Formalismus, der ja wirklich im lebendigen Glauben (zumindest bei der orthodoxen Auffassung) keinen Platz hat...oder wie es ein russischer Theologe meinte: wer auf die äussere Form Wert legt, hat die inneren (wesentlichen) Werte übersehen.
Also nochmal, ist es egal wie, dh. mit wem wir beten...vor allem in Punkto orthodoxes Liturgieverständnis? Ist in der Liturgie vorangig die eshatologische Dimension vor der Tradition, oder umgekehrt/ "relativ"?
Zum nachdenken ein Schrifftnachweis aus dem 2.Jhd:
Justin der Märtyrer
Erste Apologie
65. Der eucharistische Gottesdienst nach Empfang der Taufe.
Wir aber führen nach diesem Bade (61) den, der gläubig geworden und uns beigetreten ist, zu denen, die wir Brüder nennen, dorthin, wo sie versammelt sind, um gemeinschaftlich für uns, für den, der erleuchtet worden ist, und für alle andern auf der ganzen Welt inbrünstig zu beten, damit wir, nachdem wir die Wahrheit erkannt haben, gewürdigt werden, auch in Werken als tüchtige Mitglieder der Gemeinde und als Beobachter der Gebote erfunden zu werden, und so die ewige Seligkeit zu erlangen. Haben wir das Gebet beendigt, so begrüssen wir einander mit dem Kusse. Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht eine lange Danksagung dafür, dass wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden sind. Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt das ganze Volk seine Zustimmung mit dem Worte "Amen. Dieses Amen bedeutet in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns Diakonen heissen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser mit und bringen davon auch den Abwesenden.
66. Das Wesen der Eucharistie.
Diese Nahrung heisst bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie; sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos. Fleisch wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, dass die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht, unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei. Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche Evangelien heissen, überliefert/es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Das. tut zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib, und ebenso habe er den Becher genommen, Dank gesagt und gesprochen: Dieses ist mein Blut, und er habe nur ihnen davon mitgeteilt. Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in den Mithrasmysterien nachgeahmt und Anleitung dazu gegeben. Denn dass Brot und ein Becher Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter Sprüche hingesetzt werden, das wisst ihr oder könnt es erfahren.
67. Gemeindeleben der Christen, besonders ihr Sonntagsgottesdienst.
Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn, wir können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem aber, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde (65), wenn wir mit dem Gebete zu Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht. Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem Vorsteher hinterlegt; dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein Fürsorger. Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tage von den Toten auferstanden ist, Denn am Tage vor dem Saturnustage kreuzigte man ihn und am Tage nach dem Saturnustage, d. h. am Sonntage, erschien er seinen Aposteln und Jüngern und lehrte sie das, was wir zur Erwägung auch euch vorgelegt haben.
In Gedanken, wie das Verständnis darüber für manche heute ist...
Gruß,
sündiger milo